DER STILLE KAMPF DER KINDER

25. September 2014 von Christian Schneider 0 Kommentare

Der Krieg ist zurück im Südsudan: Mehr als 10.000 Menschen sind gestorben, seit im Dezember 2013 aus dem Streit zwischen dem heutigen Präsidenten und seinem Stellvertreter ein brutaler Konflikt wurde, der die Ethnien der Dinka und der Nuer in einen Strudel der Gewalt riß – und mehr als 1,3 Millionen Menschen aus ihren Dörfern vertrieb.

Seitdem leben die Kinder Tag für Tag mit der Angst vor dem Krieg, mit dem Verlust ihres Alltags und ihrer Freunde, mit der Sorge um vermisste Geschwister. Und sie führen einen weiteren Kampf, den gerade die Jüngsten schnell verlieren: Gefährliche Krankheiten gibt es im Südsudan wie in kaum einem anderen Land. Und kaum irgendwo sonst sind zurzeit so viele akut mangelernährte Kinder vom Tod bedroht.

Südsudan: Besuch bei Kindern in Bor

© UNICEF/Adriane Ohanesian

Ich bin mit der Vorstandsvorsitzenden der Stiftung United Internet for UNICEF, Tessa Page, in Juba und Bor, wo UNICEF Hilfe leistet, die Leben rettet. Die Stiftung unterstützt den Einsatz von UNICEF für die Kinder im Südsudan. Für die lebensgefährlich geschwächten Kinder kommt es weiter auf jede Spende an.

Bor – Kinderleben hinter Stacheldraht

Plötzlich ist dieser Krieg, den wir nicht sehen können und nicht hören, ganz nah. Als der kleine Mawish (Namen geändert) Halt an meinem Hosenbein sucht, erzählt UNICEF-Mitarbeiterin Elizabeth Muthama, welche Geschichte der Zweijährige mit durch sein gerettetes Kinderleben schleppt. Mawish ist einer von 2722 Menschen, die hinter dem Stacheldraht des Lagers zur „Protection of Civilians“ (PoC) von Bor Sicherheit gefunden haben. Die Mission der Vereinten Nationen im Südsudan UNMISS bietet diesen Vertriebenen Obdach, so gut es geht. In Malakal oder Bentiu und auch in der Hauptstadt Juba sind es Zigtausende, die eingesperrt sind zu ihrem eigenen Schutz. Wenn die Menschen in die nahe Stadt gehen würden, riskierten sie ihr Leben.

Denn es ist, als würde der Krieg hier in Bor, Hauptstadt des Staates Jonglei, nur eine Pause machen, kurz Luft holen, bis nach der langen, heftigen Regenzeit alle Kämpfer wieder bei Kräften sind. Zu tief sind die Gräben zwischen den Nuer, die nun hier im Lager festsitzen, und den Dinka in der Stadt, als dass hier schon jemand ernsthaft vom Frieden sprechen würde, der gerade in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba verhandelt wird.

Wie heftig der Ausbruch der Gewalt zwischen den früheren Nachbarn war, das hat der kleine Mawish am eigenen Leib erfahren. Seine junge Mutter Alice (Namen geändert) versuchte sich und die Kinder in das UN-Camp zu retten. Auf der Flucht wurde ihre vierjährige Tochter erschossen.

Dann gab es im April einen Angriff selbst auf das Lager. Im Chaos des Überfalls verlor die Mutter Mawish aus den Augen. Später sagte ihr jemand, dass der Junge schwer verletzt am Boden lag. Elizabeth, die UNICEF-Kollegin, berichtet, dass die UNMISS den Jungen später zu ihr brachte. Machetenhiebe hatten ein Bein fast abgetrennt, Mawish hatte viel Blut verloren. Sie sorgte dafür, dass er so schnell wie möglich in die Hauptstadt Juba kam, wo er die folgenden Wochen in einem Zentrum für vom Konflikt betroffene Kinder lebte, bis seine Verletzung ausgeheilt und der überdies schwer mangelernährte Junge wieder bei Kräften war.

„Es ist so schön, ihn jetzt hier wiederzusehen, zusammen mit seiner Mutter“, sagt Elizabeth strahlend. Denn lange wusste auch die Mutter nicht einmal, dass er überlebt hatte. Alice musste glauben, er sei tot wie so viele andere. Dann konnte UNICEF gemeinsam mit seinen Partnern die glücklichen Überlebenden wieder zusammenbringen.

Mawish ist angekommen, noch nicht im Frieden, aber bei seiner Familie.

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Südsudan: UNICEF-Hilfslieferungen für die Kinder

Gemeinsam mit Tessa Page werfe ich einen Blick auf die gerade eingetroffenen Hilfslieferungen, hier eine Kiste mit Schul- und Lernmaterial, im Hintergrund Kanister für die Trinkwasserversorgung.
© UNICEF/Adriane Ohanesian

„Die Menschen in diesen Lagern sind extrem auf Hilfe von außen angewiesen. UNICEF und seine Partner müssen hier Tausende Menschen buchstäblich mit allem versorgen, von der Schulbank über Zusatznahrung für Kinder bis hin zu Trinkwasser und Latrinen. Wichtig ist, dass die Kinder selbst dort in eine einfache Schule gehen können, dass sie spielen können und sich sicher fühlen. Denn es ist ja nicht absehbar, wie lange ihr Leben hinter dem Stacheldraht dauern wird.“
Tessa Page, Vorsitzende der Stiftung United Internet for UNICEF

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