CORONA-IMPFUNGEN FÜR DIE ÄRMSTEN FAMILIEN
Donnerstag, 28. Januar 2021, 10:00 Uhr
von Caroline Dohmen | 9 Kommentare

FRAGEN UND ANTWORTEN ZUR ROLLE VON UNICEF BEI IMPFUNGEN GEGEN COVID-19

Die Corona-Pandemie hat eine beispiellose globale Krise ausgelöst, die alle Länder und alle gesellschaftlichen Gruppen trifft. Dabei geht die Gefahr für Kinder weit über die Ansteckung an sich hinaus. Durch anhaltende oder neue Kontaktbeschränkungen können sich beispielsweise ihre Gesundheitsversorgung sowie ihre Chance auf Schulunterricht und Kinderschutzangebote deutlich verschlechtern. Auch weil viele Menschen ihre Arbeit verloren haben, sind wichtige Fortschritte im Kampf gegen Armut, Hunger und Unterentwicklung in Gefahr.

Überall auf der Welt haben Menschen angesichts steigender Infektionszahlen in den letzten Wochen und Monaten auf einen Impfstoff gegen das Coronavirus gewartet. Nun sind erste Impfstoffe zugelassen und nach und nach starten die Impfungen. Der Impfstart erscheint als Licht am Ende des Tunnels. UNICEF und seine Partner setzen alles daran, dass dieses Licht für alle Kinder und ihre Familien scheinen kann. Hier geben wir Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Corona-Impfungen.

Wie weit ist die Entwicklung von Impfstoffen gegen Covid-19?

Durch große Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie weltweite Kooperation haben Wissenschaftler innerhalb kurzer Zeit erste Impfstoffe entwickeln können. Bislang gibt es weltweit mehr als 200 Impfstoffkandidaten. Viele davon durchlaufen bereits klinische Tests (Phase 3), der letzte Schritt, bevor ein Impfstoff zugelassen wird. 

Die Impfstoffkandidaten können nur dann die erforderlichen behördlichen Zulassungen erhalten, wenn sie nachweislich den strengen Sicherheits- und Wirksamkeitsstandards entsprechen. Die Kriterien hierfür legt weltweit die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fest. Darüber hinaus hat jedes Land seine eigenen Zulassungsverfahren, die ein Impfstoff durchlaufen muss.

Die Impfstoffe von Pfizer/Biontech sowie Moderna und AstraZeneca wurden bereits in der EU freigegeben, sodass Impfungen starten konnten. In Deutschland wird, wie in weiteren Ländern der Europäischen Union, seit dem 27.12.2020 gegen Covid-19 geimpft.

Warum bereitet UNICEF Corona-Impfungen in Entwicklungs- und Schwellenländern vor?

UNICEF arbeitet in 190 Ländern weltweit und verfügt über jahrzehntelange Erfahrung mit großen Impfaktionen: Jedes Jahr beschaffen wir Impfstoffe für die Hälfte aller Kinder weltweit und stellen rund 600 bis 800 Millionen Spritzen für Routineimpfungen bereit.

Impfungen: Eine Impfinjektion wird vorbereitet.

Mali 2019: Ein Gesundheitshelfer bereitet eine Impfung vor. Jedes Jahr beschafft UNICEF Impfstoffe für die Hälfte aller Kinder weltweit, etwa gegen Masern und Polio.
© UNICEF/UN0293657/Keïta

In Zusammenarbeit mit der internationalen Impfallianz Gavi (Global Alliance for Vaccines and Immunization) ist UNICEF schon heute der weltweit größte Einkäufer von Impfstoffen. UNICEF-Mitarbeiter verfügen über umfassendes Wissen über Lieferwege und Lagerkapazitäten und sind mit zahlreichen Partnern vor Ort gut vernetzt.

Die Vereinten Nationen haben UNICEF gebeten, im Kampf gegen die Pandemie zu helfen. Wir stellen unsere umfassenden Erfahrungen und unser globales Netzwerk zur Verfügung, um Corona-Impfungen auch in den ärmsten Ländern der Erde schnell möglich zu machen.

Unabhängig von der finanziellen Lage müssen alle Länder Zugang zu Impfungen haben, um ihre Bevölkerung vor Covid-19 zu schützen. Das ist eine Frage der globalen Gerechtigkeit. Dazu kommt, dass das Virus weltweit besiegt werden muss, damit es sich nicht jederzeit wieder neu verbreiten kann. Um auch die ärmsten Länder mit Impfstoffen zu versorgen, wurde die Initiative COVAX ("Covid-19 Vaccine Global Access") ins Leben gerufen.

Was ist COVAX?

COVAX ist eine internationale Plattform unter der Leitung der Impfallianz Gavi, der Weltgesundheitsorganisation WHO sowie der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations CEPI. Mehr als 180 Länder und verschiedene Impfstoff-Hersteller arbeiten darin zusammen mit dem Ziel, Covid-19-Impfstoffe weltweit allen Menschen zugänglich zu machen. 

Darunter sind auch 92 Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen, die von UNICEF bei der Beschaffung und Bereitstellung des Impfstoffs sowie den Vorbereitungen vor Ort unterstützt werden. "Die Aufgabe von UNICEF ist es, in den jeweiligen Ländern organisatorische Voraussetzungen zu schaffen und die Gesundheitssysteme zu stärken, damit Impfungen möglich sind", sagt UNICEF-Mitarbeiter Benjamin Schreiber, der das weltweite Impfvorhaben mitorganisiert.

Wann werden Corona-Impfstoffe überall zugänglich sein?

Um wirksame und sichere Covid-19-Impfungen auch in den 92 Ländern möglichst schnell zugänglich zu machen, hat COVAX im Januar 2021 eine Vereinbarung mit dem Impfhersteller Pfizer über die Bereitstellung von 40 Millionen Pfizer/BioNTech-Impfdosen getroffen. Gemäß einer ersten vorläufigen Verteilungsprognose sollen COVAX noch im ersten Quartal 2021 insgesamt 1,2 Millionen Dosen dieses Impfstoffs zur Verfügung stehen. Hinzukommen größere Mengen des Impfstoffs von AstraZeneca/Oxford, der Mitte Februar von der WHO zugelassen wurde.

Ende Februar sind erste Lieferungen an COVAX-Impfstoffen in Ghana und der Elfenbeinküste eingetroffen. Dabei handelt es sich um eine erste Tranche von Lieferungen des Impfstoffs von Serum Institute of India / AstraZeneca. Die Lieferungen markieren den Beginn der weltgrößten Impfbeschaffungs- und Lieferungsaktion. Am 01. März sind in Ghana und der Elfenbeinküste erste Personen mit den COVAX-Impfstoffen geimpft worden.

COVAX: Gesundheitshelfer erhält Impfung gegen Covid-19

März 2021: Der 36-jährige Phénix Azian ist Gesundheitshelfer und einer der ersten in der Elfenbeinküste, der eine COVAX-Impfung erhält.
© UNICEF/UN0423309/COVAX/Miléquêm Diarassouba

Die verfügbaren Dosen werden den an COVAX teilnehmenden Ländern mit Hilfe einer standardisierten Zuteilungsformel je nach Bevölkerungsgröße zugewiesen. Die große globale Nachfrage bringt mit sich, dass Impfstoffe zunächst noch nicht überall zur Verfügung stehen. Es wird Monate – möglicherweise sogar Jahre – dauern, um genügend Impfstoff für alle Menschen auf der Welt bereitzustellen.

Deshalb müssen weitere Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz vor Infektionen aufrechterhalten werden – wie beispielsweise Abstandhalten, regelmäßiges Händewaschen und das Tragen von Schutzmasken.

Corona im Südsudan: Zwei UNICEF-Helfer informieren über typische Symptome.

Südsudan, 2020: UNICEF verfügt über ein großes Netzwerk von Helferinnen und Helfern, die das ganze Jahr über daran arbeiten, das Bewusstsein für Hygiene, Impfungen, Ernährung, Kinderschutz und Bildung zu schärfen.
© UNICEF/UNI317957/Chol

Wer wird gegen Covid-19 geimpft?

Im Rahmen von COVAX empfiehlt die WHO den Regierungen, Impfstoffe als erstes Mitarbeitenden in Gesundheits- und Sozialberufen zugänglich zu machen und im Anschluss Risikogruppen wie beispielsweise ältere Menschen zu impfen. UNICEF ruft die Regierungen darüber hinaus dazu auf, bei möglichen Impfungen auch Lehrer zu priorisieren.

UNICEF setzt sich auch dafür ein, dass Kinder trotz der zusätzlichen Anstrengungen im Kampf gegen Covid-19 weiter gegen andere gefährliche Infektionskrankheiten wie Kinderlähmung oder Masern geimpft werden. 

Wie bereitet UNICEF die Corona-Impfungen vor?

Für sichere und wirksame Impfungen ist nicht nur die Verfügbarkeit von Impfstoffen allein entscheidend: Als Vorbereitung auf mögliche Corona-Impfungen hat UNICEF im Herbst 2020 bereits 520 Millionen Spritzen und andere Ausrüstungen fürs sichere Impfen in Warenlagern in Entwicklungs- und Schwellenländern deponiert. Im Februar 2021 ist die erste Auslieferungswelle von Spritzen für die weltweiten Covid-19-Impfungen gestartet. Damit soll sichergestellt werden, dass die notwendige Ausrüstung in den Ländern bereits vorhanden ist, wenn die Impfstoffe eintreffen. Schon vor der Covid-19-Pandemie hatte UNICEF mit seinen Partnern in zahlreichen Ländern die Kühlketten von Gesundheitseinrichtungen verbessert, unter anderem im Südsudan.

Zusammen mit den jeweiligen Behörden und Partnern werden aktuell die Impfungen in den Ländern vorbereitet. Dazu gehören:

  • Die Überprüfung von Lieferwegen und Lagerkapazitäten. So muss es Möglichkeiten geben, Kühlketten aufrechtzuerhalten, damit Impfstoffe wirksam bleiben.
  • Informationsarbeit, um in Gemeinden über Falschinformationen und Vorurteile beim Impfen aufzuklären. 
  • Die Schulung von Gesundheitspersonal.

All diese Maßnahmen sind zugleich nachhaltige Investitionen in das Gesundheitssystem eines Landes. UNICEF hilft damit, die medizinische Versorgung von Kindern sowie Impfprogramme langfristig zu stärken.

Eine medizinische Mitarbeiterin aus dem Südsudan entnimmt Impfstoffe aus einer Kühlbox.

Eine Gesundheitshelferin im Südsudan nimmt Impfstoffe aus einer von UNICEF bereitgestellten Kühlbox. Für viele Impfstoffe ist es sehr wichtig, dass sie gut gekühlt werden. 
© UNICEF/UN0349001/Obel

Auch die individuelle Planung der Verteilung von Impfdosen auf die Gesundheitseinrichtungen im Land ist ein wichtiger Schritt zur Vorbereitung. "Dabei schaut UNICEF, dass die Impfdosen bei den Leuten ankommen, die sie wirklich nötig haben – zum Beispiel auch in Slums oder abgelegenen Gegenden", sagt Benjamin Schreiber.

Unter der Voraussetzung, dass entsprechende Mengen an Corona-Impfstoff zur Verfügung stehen, könnte UNICEF in 2021 den Transport von voraussichtlich 850 Tonnen Covid-19-Impfstoffen pro Monat gewährleisten. Bis zum Ende des Jahres sollen im Rahmen der COVAX-Initiative zwei Milliarden Impfdosen zugänglich gemacht werden. Im Februar 2021 startete die erste Auslieferung von Corona-Impfstoffen im Rahmen von COVAX.

UNICEF wird die Menschen in Entwicklungs- und Krisenländern zudem weiter darüber aufklären, wie sie sich vor Ansteckung mit dem Coronavirus schützen können. Wir werden Hygiene-Artikel und Schutzkleidung verteilen, sauberes Wasser bereitstellen und dafür sorgen, dass Gesundheitsdienste für die ärmsten Familien und Routineimpfungen aufrechterhalten werden.

Wie kann ich helfen?

Sie können UNICEF dabei helfen, Impfungen gegen Covid-19 auch für Menschen in ärmeren Ländern möglich zu machen. Spenden werden beispielsweise für den Ausbau von Kühlketten oder die Schulung von Gesundheitshelfern benötigt.

Mit Ihrer Spende leisten Sie einen wichtigen Beitrag zur größten Impfaktion aller Zeiten. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

KOMMENTARE

  • anonym
    18. Februar 2021 15:06 Uhr

    Liebe Carolin,

    wenn Sie auf den Spendenlink unter dem Artikel klicken, müssten Sie eigentlich auf die Spendenseite zur Corona-Impfaktion kommen, falls dies nicht funktioniert habe ich Ihnen noch einmal den Link eingefügt: https://www.unicef.de/spenden/jetzt-spenden?purpose=235762.

    Wir würden uns sehr freuen, Sie im Kreis unserer Spender*innen zu begrüßen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Fenja Petersen
    UNICEF-Infoservice

  • anonym
    18. Februar 2021 15:04 Uhr

    Liebe Monika, Stefanie und Annemarie,

    vielen Dank für die Idee, Spendenboxen an Impfstationen gegen Covid-19 aufzustellen. Die Idee haben wir Intern weitergegeben.

    Mit freundlichen Grüßen
    Fenja Petersen
    UNICEF-Infoservice

  • anonym
    15. Februar 2021 18:38 Uhr

    Es ist ja sicher durchaus sinnvoll und auch richtig, die Menschen in den armen Ländern gegen bestimmte Krankheiten wie z.B. Polio zu impfen.Aber ich bin da sehr skeptisch, was die Impfungen gegen Corona betrifft und halte es nicht für eine gute Idee, zum jetzigen Zeitpunkt alle Menschen zu impfen. Die Impfstoffe sind meiner Meinung nach viel zu wenig getestet. Wenn Spätschäden auftauchen wird keiner dafür aufkommen. Die Pharmaindustrie übernimmt da soweit ich informiert bin keine Verantwortung und die Regierungen in diesen Ländern werden das auch nicht tun.Schwerwiegende Folgen kann das besonders für junge Menschen haben. Ich halte es auch zum jetzigen Zeitpunkt für sinnvoller, in Bildung zu investieren und den Menschen z.B. Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen. Außerdem vermute ich, dass in vielen Ländern die Armut gerade durch die Corona-Maßnahmen so groß geworden ist, dass die Menschen viel mehr Lebensmittel benötigen um zu überleben und die Möglichkeit zu arbeiten um Geld zu verdienen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Kornelia Guy

  • anonym
    06. Februar 2021 09:53 Uhr

    Genau diesen Gedanken hatte ich heut morgen auch...eine Spendenaktion direkt bei Erhalt der Impfung und es müsste irgendwie einfach gehen, mit Kreuz und Unterschrift und fertig. Ich denke viele wollen helfen, kommen aber dann doch nicht dazu sich eine Organisation usw. zu suchen...

  • anonym
    02. Februar 2021 21:15 Uhr

    Ich wollte mich mit genau dem oben von Monika Aigner genannten Vorschlag an Sie wenden. Vielleicht könnte man sogar direkt nach erfolgter Impfung in den Impfzentren um eine (freiwillige) Spende bitten. Ich könnte ich mir vorstellen, dass viele Menschen aus Freude über die eigene Impfung großzügig wären. Ein kurzer Hinweis des Personals vor Ort und aufgestellte Spendenbehälter könnten den Personalaufwand im Rahmen halten.

    Über eine kurze Rückmeldung zu Ihrer Einschätzung der Umsetzbarkeit würde ich mich sehr freuen. Ich würde mich auch gerne an einer dahingehenden Forderung an Politik / zuständige Stellen beteiligen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Stefanie Stein

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