CORONA-IMPFUNGEN: SO BEREITET UNICEF DIE WELTGRÖSSTE IMPFAKTION VOR
Freitag, 13. November 2020, 16:00 Uhr
von Caroline Dohmen | 0 Kommentare

DIE WICHTIGSTEN FRAGEN UND ANTWORTEN ZUR ROLLE VON UNICEF BEI CORONA-IMPFUNGEN

Die Corona-Pandemie hat eine beispiellose globale Krise ausgelöst, in der schon über eine Million Menschen ihr Leben verloren haben. Sie trifft alle Länder und alle Gesellschaftsgruppen. Die ärmsten Kinder in Entwicklungsländern und in Krisengebieten leiden ganz besonders unter den Folgen. Durch die Pandemie und die Maßnahmen zu ihrer Bewältigung sind wichtige Fortschritte im Kampf gegen Armut, Hunger und Unterentwicklung in Gefahr.

Angesichts steigender Infektionszahlen warten Menschen überall auf der Welt auf einen Impfstoff gegen das Coronavirus. Dazu plant UNICEF zusammen mit seinen Partnern die größte Impfaktion aller Zeiten. Hier geben wir Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Impfungen: Eine Impfinjektion wird vorbereitet.

Ein Gesundheitshelfer bereitet eine Impfung in Mali vor. Jedes Jahr beschafft UNICEF Impfstoffe für die Hälfte aller Kinder weltweit, etwa gegen Masern und Polio.
© UNICEF/UN0293657/Keïta

Wann rechnet UNICEF mit einem Corona-Impfstoff?

Momentan ist es noch ungewiss, wann ein Corona-Impfstoff zur Verfügung stehen wird. Der Prozess von der Entwicklung eines Impfstoffs bis hin zu Freigabe, Herstellung und zum Einsatz ist anspruchsvoll und erfordert sorgfältige Prüfungen und Vorbereitungen. Laut WHO könnten einige der Impfstoffe, die sich gerade in der dritten Testphase klinischer Studien befinden, 2021 zur Verfügung stehen.

Sobald ein möglicher Impfstoff nach den strengen Wirksamkeits- und Sicherheitskriterien von der Weltgesundheitsorganisation WHO freigegeben ist, wird UNICEF sich darum kümmern, diesen auch in den Entwicklungs- und Schwellenländern zugänglich zu machen.

Warum bereitet UNICEF die Impfungen gegen das Coronavirus vor?

UNICEF verfügt über jahrzehntelange Erfahrung mit großen Impfaktionen: Jedes Jahr beschaffen wir Impfstoffe für die Hälfte aller Kinder weltweit und stellen rund 600 bis 800 Millionen Spritzen für Routineimpfungen bereit. In Zusammenarbeit mit der internationalen Impfallianz Gavi (Global Alliance for Vaccines and Immunization) ist UNICEF schon heute der weltweit größte Einkäufer von Impfstoffen.

UNICEF arbeitet in über 190 Ländern weltweit. UNICEF-Mitarbeiter kennen Lieferwege und Lagerkapazitäten und sind mit Partnern vor Ort gut vernetzt. Die Vereinten Nationen haben uns deshalb gebeten, im Kampf gegen die Pandemie unsere Erfahrungen und unser globales Netzwerk zur Verfügung zu stellen, um Corona-Impfungen auch in den ärmsten Ländern der Erde schnell möglich zu machen. Denn nur wenn das Virus weltweit besiegt ist, kann es sich nicht jederzeit wieder neu verbreiten.

Unabhängig von der finanziellen Lage eines Landes sollen alle Länder Zugang zu Impfungen haben, um ihre Bevölkerung vor Covid-19 zu schützen. Um das zu gewährleisten, wurde die Initiative "Covid-19 Vaccine Global Access" (COVAX) ins Leben gerufen

Was ist COVAX?

Aktuell arbeiten bei der Initiative unter Leitung von Gavi und Weltgesundheitsorganisation mehr als 170 Länder und verschiedene Impfstoff-Hersteller zusammen. Darunter sind auch 92 Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen, die von UNICEF bei der Beschaffung und Bereitstellung des Impfstoffs sowie den Vorbereitungen auf die Impfungen vor Ort unterstützt werden. "Die Aufgabe von UNICEF ist es, in den jeweiligen Ländern organisatorische Strukturen zu schaffen und das Gesundheitssystem zu stärken, damit Impfungen möglich sind", sagt UNICEF-Mitarbeiter Benjamin Schreiber, der die Impfaktion mitorganisiert.

Wie bereitet UNICEF die Corona-Impfungen vor?

Für sichere und wirksame Impfungen ist nicht nur die Verfügbarkeit von Impfstoffen allein entscheidend: Als Vorbereitung auf mögliche Corona-Impfungen wird UNICEF noch in 2020 520 Millionen Spritzen und andere Ausrüstungen fürs sichere Impfen in Warenlagern in Entwicklungs- und Schwellenländern deponieren. Damit soll sichergestellt werden, dass die notwendige Ausrüstung in den Ländern bereits vorhanden ist, wenn die Impfstoffe eintreffen.

UNICEF hat zusammen mit den jeweiligen Behörden und Partnern begonnen, die Impfungen in den Ländern vorzubereiten. Dazu gehört:

  • Die Überprüfung von Lieferwegen und Lagerkapazitäten. So muss es Möglichkeiten geben, Kühlketten aufrechtzuerhalten, damit Impfstoffe wirksam bleiben. Schon vor der Covid-19-Pandemie hatte UNICEF mit seinen Partnern in zahlreichen Ländern die Kühlketten von Gesundheitseinrichtungen verbessert, unter anderem im Südsudan.
  • Informationsarbeit, um in Gemeinden über Falschinformationen und Vorurteile beim Impfen aufzuklären. 
  • Die Schulung von Gesundheitspersonal.
Eine medizinische Mitarbeiterin aus dem Südsudan entnimmt Impfstoffe aus einer Kühlbox.

Eine Gesundheitshelferin im Südsudan nimmt Impfstoffe aus einer von UNICEF bereitgestellten Kühlbox. Für viele Impfstoffe ist es sehr wichtig, dass sie gut gekühlt werden. 
© UNICEF/UN0349001/Obel

Auch die Entwicklung individueller Pläne zur Verteilung der Impfdosen auf die Gesundheitseinrichtungen im Land ist ein wichtiger Schritt bei der Vorbereitung. "Dabei schaut UNICEF, dass die Impfdosen bei den Leuten ankommen, die sie wirklich nötig haben – zum Beispiel auch in Slums oder abgelegenen Gegenden", sagt Benjamin Schreiber.

Wer wird zuerst geimpft?

Auch nachdem einer oder mehrere Corona-Impfstoffe zugelassen wurden, wird es noch lange dauern, bis diese weltweit in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Weitere Maßnahmen, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, sind deshalb entscheidend: Dazu gehören u.a. auch Händewaschen, Abstand halten und das Tragen von Schutzmasken.

In Entwicklungs- und Krisenländern unterstützen wir von UNICEF die Menschen bereits, indem wir über die Ansteckungsgefahr des Coronavirus aufklären, Hygiene-Artikel und Schutzkleidung verteilen, sauberes Wasser bereitstellen und alles daransetzen, Gesundheitsdienste und Routineimpfungen aufrechtzuerhalten.

Unter der Voraussetzung, dass es einen sicheren und wirksamen Impfstoff gibt, plant COVAX bis Ende 2021 zwei Milliarden Impfdosen bereitzustellen.

Zunächst sollen in allen Ländern Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsbereichs und in sozialen Einrichtungen geimpft werden, die durch ihre Arbeit tagtäglich einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Dadurch soll auch sichergestellt werden, dass diese geschützt sind und wichtige Gesundheitsdienste wie Schutzimpfungen von Kindern fortgesetzt werden können.

Im zweiten Schritt sollen dann besonders gefährdete Risikogruppen gegen das Coronavirus geimpft werden, um sie vor einer möglichen Erkrankung mit Covid-19 zu schützen. Eine Impfung von Kindern ist derzeit nicht vorgesehen.

Corona im Südsudan: Zwei UNICEF-Helfer informieren über typische Symptome.

Südsudan, 2020: UNICEF verfügt über ein großes Netzwerk von Helferinnen und Helfern, die das ganze Jahr über daran arbeiten, das Bewusstsein für Hygiene, Impfungen, Ernährung, Kinderschutz und Bildung zu schärfen.
© UNICEF/UNI317957/Chol

Wenn der Corona-Impfstoff doch nicht kommt – waren die Vorbereitungen dann umsonst?

Alle Vorbereitungen, die getroffen werden, wie beispielsweise der Ausbau von Kühlketten und Lagermöglichkeiten, die Beschaffung und Verteilung von Spritzen oder auch die Schulung von Gesundheitspersonal, sind nachhaltige Investitionen in das Gesundheitssystem eines Landes. Dadurch können die medizinische Versorgung von Kindern sowie Impfprogramme gestärkt werden. 

Sollte es tatsächlich keinen Corona-Impfstoff geben, können die Spritzen, die derzeit beschafft werden, auch für anderen Impfungen verwendet werden.

Wie kann ich helfen?

Sie können UNICEF dabei unterstützen, die Bereitstellung von Impfungen auch für Menschen in ärmeren Ländern erst möglich zu machen. Für den Ausbau von Kühlketten oder die Schulung von Gesundheitshelfern werden schon jetzt Spenden benötigt. Ihre Spende hilft uns zudem, uns bestmöglich vorzubereiten auf den Tag, an dem mit den Corona-Imfpungen begonnen werden kann.

Set für Helfer mit Schutzausrüstung gegen das Coronavirus
4 Transportboxen mit Kühlakkus, damit Impfstoffe sicher ihr Ziel erreichen
5 Impfschutz-Pakete mit je 60 Impfdosen gegen Polio und 160 gegen Tetanus

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