© UNICEF/UNI535065/WillocqNahezu ausgerottete Krankheiten: Impfungen schaffen Immunität und schützen vor Krankheitserregern und Epidemien.
Gut zu wissen

Impfungen sei Dank: 9 tödliche Infektionskrankheiten, die (fast) besiegt wurden

Kaum jemand bei uns in Deutschland denkt noch viel nach über gefährliche Krankheiten wie Diphtherie, Tetanus, Polio oder gar die Pocken. Womit das zusammenhängt? Ganz klar: Mit erfolgreichen Impfkampagnen und einer hohen Durchimpfungsquote schon bei Kindern.


von Susanne Nandelstädt

Im Verlauf der Coronapandemie haben wir alle miterlebt, wie entscheidend es bei der Bekämpfung einer Infektionskrankheit ist, schnell einen wirksamen Impfstoff zu haben. Innerhalb kurzer Zeit gab es damals enorme Erfolge im Kampf gegen Covid-19, sobald die Impfkampagne Fahrt aufgenommen hatte und sich große Teile der Bevölkerung impfen lassen konnten.

Impfungen sind also hocheffektiv – und im besten Fall führen sie sogar dazu, eine Krankheit komplett auszurotten. Doch noch immer gibt es hochansteckende und lebensgefährliche Infektionskrankheiten, die in manchen Teilen der Welt die Gesundheit von Millionen Mädchen und Jungen bedrohen. Bei uns in Deutschland sorgen diese Krankheiten dank regelmäßiger Routineimpfungen für Kinder kaum noch für Schlagzeilen. Acht dieser Infektionskrankheiten stelle ich Ihnen in diesem Artikel vor. Plus die eine Krankheit, die tatsächlich weltweit und vollständig ausgerottet ist.

Welche Kinderkrankheiten wurden durch Impfungen fast ausgerottet?

1. Tetanus (Wundstarrkrampf)

Tetanus, auch Wundstarrkrampf genannt, ist eine sehr gefährliche und schmerzhafte bakterielle Infektion. Das Tetanusbakterium ist weltweit verbreitet und gelangt über eine kleine verunreinigte Wunde (wie etwa einen unscheinbaren Kratzer, Stich oder Schnitt) in den Körper und damit in den Blutkreislauf.

Ausgerottete Krankheiten: Ein Mädchen in Guatemala erhält eine Schutzimpfung gegen Tetanus.

Die zehnjährige Lourdes in Guatemala bekommt eine Impfung, die sie gegen Tetanus-Krankheitserreger schützt.

© UNICEF/UN0771169/Izquierdo

Einmal infiziert, lösen die Tetanuserreger starke Krämpfe und Muskelsteifheit aus. Trotz moderner Intensivmedizin verläuft Tetanus auch heute noch bei vielen tödlich: Rund zehn bis 20 Prozent der Tetanuspatient*innen sterben an der Infektionskrankheit.

Menschen jeden Alters sind anfällig für Tetanus. Bei Neugeborenen und ihren Müttern tritt die Krankheit jedoch besonders häufig auf und kann schwer verlaufen. Sie können sich mit Tetanus anstecken, wenn die Nabelschnur nicht richtig gepflegt oder unhygienisch geschnitten wurde und Erreger über die Nabelwunde in den Körper gelangen.

Die meisten Säuglinge, die an Tetanus erkranken, überleben die Erkrankung nicht – und das sogar bei frühzeitiger Behandlung. Weltweit sterben jährlich noch immer mehrere Tausend Neugeborene an Tetanus.

Früher machten sich Eltern in Deutschland schnell Sorgen, wenn sich ihre Kinder beim Spielen im Freien verletzten – denn die Tetanuserreger verbergen sich vor allem in der Erde. Aber durch moderne Tetanus-Impfstoffe gehört diese Sorge bei uns jetzt praktisch der Vergangenheit an. Dennoch bleibt der Impfschutz gegen Tetanus unverändert wichtig, denn die Infektionsquelle – das Tetanusbakterium – ist nach wie vor vorhanden.

Info
Tetanusimpfungen in Deutschland

In Deutschland sind Tetanuserkrankungen aufgrund der hohen Impfraten extrem selten geworden. Die erste Tetanusimpfung bekommen Babys in Deutschland laut Empfehlung der STIKO (Ständige Impfkommission) möglichst ab ihrer achten Lebenswoche. Gegen Tetanus wird in Form einer Mehrfachimpfung geimpft. Das heißt man verabreicht mit einer Impfung unterschiedliche Impfstoffe gegen mehrere Infektionskrankheiten. Es folgen im Laufe des ersten Lebensjahres zwei weitere Tetanus-Teilimpfungen. Die erste Auffrischimpfung wird für Kinder im Alter von fünf bis sechs Jahren empfohlen. Eine weitere gibt es ab dem zehnten Lebensjahr. Erwachsene sollten die Tetanusimpfung alle zehn Jahre wieder auffrischen lassen. 

2. Keuchhusten (Pertussis)

Keuchhusten ist weltweit eine der häufigsten Infektionskrankheiten bei Kindern und wird per Tröpfcheninfektion über enge Kontaktpersonen übertragen – durch Husten, Niesen oder auch beim Sprechen. Die Kinderkrankheit ist hochansteckend und kann sich daher schnell in Familien, Kindertagesstätten und Schulen ausbreiten. Die Keuchhusten-Erreger befallen die Schleimhäute der oberen Atemwege und verursachen starke, krampfartige Hustenanfälle. Das "Keuchen" kommt von dem Geräusch einer infizierten Person, wenn sie versucht, genug Sauerstoff in ihre Lunge zu ziehen.

Ausgerottete Infektionskrankheiten: Ein Junge in Malaysia erhielt eine Keuchhustenimpfung in den Arm.

Die neugeborene Nichte des elfjährigen Rawin ist an Keuchhusten gestorben. Rawin lebt in einer entlegenen Region Malaysias. Jetzt kam ein mobiles UNICEF-Impfteam zu ihm nach Hause, und er erhielt Impfungen gegen Keuchhusten und andere Krankheiten.

© UNICEF/UNI434650/Sufari

Bei ungeimpften Menschen kann eine Keuchhusten-Ansteckung zu Lungenentzündungen, Krampfanfällen, Hirnschäden und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Besonders gefährlich ist Keuchhusten für Kinder – vor allem für Säuglinge, die noch zu jung sind für ihre erste Impfung und bei denen es am häufigsten zu Komplikationen kommt.

Erst bei komplett geimpften Personen entfaltet der Impfstoff seine volle Wirkung. Aber auch wer einmal vollständig geimpft war, kann im Laufe seines Lebens trotzdem an Keuchhusten erkranken. Deshalb sind regelmäßige Auffrischungsimpfungen gegen Keuchhusten für uns alle unverzichtbar.

Keuchhusten kommt bei uns nicht mehr oft vor und gilt daher nicht mehr als klassische Kinderkrankheit. Dennoch bleibt Keuchhusten eine Bedrohung, denn in jedem Jahr werden in Deutschland mehrere Tausend Keuchhusten-Fälle gemeldet. Die Quelle sind meist ältere Kinder oder Erwachsene, die nicht ausreichend geimpft sind. Bei ihnen verläuft Keuchhusten oft sehr milde und wird daher nicht immer erkannt.

Info
Keuchhusten-Impfungen in Deutschland

Durch ein langjähriges Pertussisimpfprogramm ist die Zahl der Keuchhusten-Fälle in Deutschland stark zurückgegangen. Wie Tetanus gehört auch Keuchhusten zu den Krankheiten, gegen die in Deutschland standardmäßig geimpft wird. Die Keuchhusten-Impfung ist Teil einer Kombinationsimpfung mit anderen Impfstoffen. Die erste Impfdosis erhalten Babys möglichst im Alter von zwei Monaten. Nach insgesamt drei Teilimpfungen ist die Grundimmunisierung bereits vor dem ersten Geburtstag abgeschlossen. Im Vorschul- und später Jugendalter erhalten die Kinder ihre Auffrischimpfungen gegen Keuchhusten.

3. Hepatitis B

Die Infektionskrankheit Hepatitis B ist weltweit stark verbreitet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt in ihrem "Global Hepatitis Report 2024", dass im Jahr 2022 mindestens 254 Millionen Menschen weltweit chronisch mit Hepatitis B infiziert waren und sich jährlich mehr als eine Million Menschen anstecken. Von den infizierten Menschen wissen aber schätzungsweise nur rund zehn Prozent, dass sie überhaupt erkrankt sind. Laut WHO starben allein im Jahr 2022 rund 1,1 Millionen an den Folgen ihrer Hepatitis-B-Erkrankung.

Ausgerottete Krankheiten: UNICEF setzt bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten lebensrettende Impfstoffe ein.

Ein UNICEF-Mitarbeiter untersucht im Gesundheitszentrum von Ouangolodougou im Norden der Elfenbeinküste ein Neugeborenes, das gleich gegen Hepatitis B und Polio geimpft wird. Mit Impfungen beugt man dem Ausbruch von ansteckenden Krankheiten vor. 

© UNICEF/UNI525464/Dejongh

Hepatitis B wird durch infizierte Körperflüssigkeiten wie Blut oder Speichel übertragen, hauptsächlich auf sexuellem Weg, aber auch zum Beispiel durch eine Schwangerschaft. Wenn sich eine Schwangere mit Hepatitis B infiziert hat, kann sie die Infektion während der Schwangerschaft oder Geburt auf ihr Kind übertragen. Die Krankheit verläuft oft über Monate und wird in vielen Fällen chronisch: Jedes neunte Kind, das sich mit Hepatitis B ansteckt, entwickelt eine chronische Infektion. Dieser Verlauf ist sehr gefährlich und kann zu Leberzirrhose und Krebs führen. Für zahlreiche Kinder endet die Infektion sogar tödlich.

Deshalb sollten alle Schwangeren auf das Virus getestet werden und alle Babys kurz nach der Geburt ihren ersten Hepatitis-B-Impfstoff erhalten. Hepatitis B ist eine der ersten Impfungen für Babys und ein echter Lebensretter.

Info
Hepatitis-B-Impfungen in Deutschland

Allein in Deutschland sind schätzungsweise bis 300.000 Menschen chronisch mit Hepatitis B infiziert. Tausende Menschen stecken sich jährlich deutschlandweit mit Hepatitis B an.

Daher wird man in Deutschland – sofern die Eltern den Empfehlungen der STIKO folgen – schon als Säugling standardmäßig gegen Hepatitis B geimpft. Denn gerade bei Säuglingen und Kleinkindern ist das Risiko für eine chronische und schwere Verlaufsform von Hepatitis B hoch. Die Grundimmunisierung bei uns in Deutschland besteht aus drei Teilimpfungen und erfolgt im Rahmen einer Sechsfach-Impfung. Die erste Impfung gegen Hepatitis B erhalten Babys ab einem Alter von zwei Monaten, die beiden anderen Impfdosen bekommen sie ebenfalls noch im Verlaufe des ersten Lebensjahrs.

4. Polio (Kinderlähmung)

Poliomyelitis (als Polio abgekürzt und auch als "Kinderlähmung" bekannt) ist eine hochansteckende akute Infektionskrankheit, die tödlich enden oder aber zu schweren Behinderungen führen kann. Das Poliovirus breitet sich vorwiegend per Schmierinfektion von Person zu Person aus, etwa dann, wenn nach dem Toilettengang die Hände nicht gründlich genug gewaschen werden und Krankheitserreger über den Stuhl an die Hände und schließlich in den Mund gelangen. Die Ansteckung kann auch per Tröpfcheninfektion über Husten oder Niesen erfolgen.

Das Poliovirus kann in das Gehirn und das Rückenmark einer infizierten Person eindringen und führt zu unterschiedlichen Krankheitsverläufen. Typisch sind vor allem der Muskelschwund und die bleibenden Lähmungen, die der Polioerreger hervorrufen kann.

Deutschland ist seit den 1990er-Jahren frei von Poliomyelitis, und im Jahr 2002 hat die WHO auch ganz Europa für poliofrei erklärt. Da die Krankheit bis zur Einführung der Polioimpfung in den 1960er-Jahren aber weit verbreitet war, gibt es auch heute noch polioinfizierte Menschen in Deutschland, die unter den Spätfolgen ihrer Viruserkrankung leiden.

Ausgerottete Krankheiten: Ein Polioüberlebender im Kongo hilft bei der Bekämpfung der Kinderlähmung.

Rajabu, 27, erkrankte als Zweijähriger schwer an Polio, weil seine Eltern ihn nicht impfen ließen. Seitdem kann er seine Beine nicht mehr bewegen. Heute setzt er sich in der Demokratischen Republik Kongo mit UNICEF für die Bekämpfung der Kinderlähmung ein und wirbt unter Eltern für eine größere Impfbereitschaft für deren Kinder.

© UNICEF/UNI550113/Mulala

Weltweit ist die Zahl der Poliofälle um 99,9 Prozent zurückgegangen, nachdem der Polio-Impfstoff in den 1950er-Jahren entwickelt worden war. In einigen Ländern kommt es aber noch immer zu Polioinfektionen: In Afghanistan und Pakistan ist das hochansteckende Poliovirus nach wie vor aktiv. In diesen Ländern verbreitete sich eine Variante des sogenannten "wilden Poliovirus" zuletzt sogar wieder stärker. Der Grund: Durch die Covid-19-Pandemie konnten manche Impfprogramme zwischenzeitlich nicht mehr fortgesetzt werden, sodass in diesen Ländern die Impfquote phasenweise nicht so hoch war wie in den Jahren zuvor. Afghanistan und Pakistan sind die einzigen verbleibenden Länder, in denen das Poliovirus noch fortwährend auftritt.

Ausgerottete Krankheiten: Ein UNICEF-Helfer verabreicht einem Jungen in Afghanistan eine Polioimpfung.

Ein Junge in Afghanistan bekommt eine Schluckimpfung gegen Kinderlähmung. Afghanistan ist eins der wenigen Länder weltweit, in denen es in den letzten Jahren noch zu Ausbrüchen der Krankheit kam. Impfungen helfen, das Risiko einer Epidemie zu reduzieren.

© UNICEF/UNI475171/Karimi

Aber auch in einigen anderen Ländern, von denen einige schon längst poliofrei waren, erkrankten in den letzten Jahren wieder Kinder an Polio. Der Gazastreifen in Palästina war zum Beispiel 25 Jahre lang poliofrei. Doch im Sommer 2024 erkrankte dort, mitten im Gazakrieg, erstmals wieder ein Kind an Polio. Wir von UNICEF reagierten schnell und führten mit unseren Partnern vor Ort unter extrem schwierigen Bedingungen eine groß angelegte Impfkampagne gegen Polio durch, um fast 600.000 Kinder vor der gefährlichen Infektionskrankheit zu schützen.

Solange es also irgendwo auf der Welt noch Polioinfektionen gibt, ist die Impfung von Säuglingen und Kindern der einzig wirksame Weg, um sie vor der grausamen Krankheit zu schützen. Nur konsequente und umfassende Impfungen können dafür sorgen, dass sich nicht wieder mehr Kinder mit Polio anstecken und die Krankheit weltweit ausgerottet wird.

Info
Polioimpfungen in Deutschland

In Deutschland werden Kinder im Rahmen einer Fünffach- oder Sechsfach-Impfung schon als Säuglinge gegen Polio geimpft. Für die Polioimpfung wird ein Kombinationsimpfstoff verwendet. Säuglinge erhalten ihn erstmals im Alter von zwei Monaten, die zweite und dritte Dosis ebenfalls noch im ersten Lebensjahr. Nach diesen drei Impfdosen haben Babys eine vollständige Grundimmunisierung.

Im Alter von neun bis 16 Jahren braucht man eine einmalige Auffrischimpfung gegen Polio – danach gilt man als vollständig geimpft und hat eine lebenslange Immunität. 

Übrigens: Bei dem früher verwendeten Polio-Lebendimpfstoff kam es bei einer von drei Millionen Impfungen vor, dass dadurch eine Kinderlähmung verursacht wurde. Heute wird ein anderer Polioimpfstoff verwendet, bei dem diese Auswirkung glücklicherweise ausgeschlossen ist.

5. Masern

Die Masern gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten überhaupt. Vermutlich können sich unsere Eltern oder Großeltern noch daran erinnern, dass in ihrer Kindheit so genannte "Masernpartys" abgehalten wurden: Dabei wurden an Masern erkrankte Kinder gezielt mit gesunden Kindern in Kontakt miteinander gebracht. Auf diese Weise versuchte man damals sicherzustellen, dass Kinder schon jung an den Masern erkrankten und so immun dagegen wurden.

Ausgerottete Krankheiten: Ein Baby im Sudan bekommt eine Masern-Schutzimpfung.

Madina hat ihre sieben Monate alte Tochter Elaf zur Masernimpfung gebracht. In einer von UNICEF unterstützten Gesundheitsstation in Nord-Darfur (Sudan) können Kinder lebensrettende Impfungen nachholen, die sie durch den Krieg im Sudan verpasst haben. 

© UNICEF/UNI934962/Jamal

Bei leichteren Verläufen führen Masern zu Ausschlag und grippeähnlichen Symptomen. Bei schweren Fällen verursachen sie gefährliche Komplikationen wie etwa eine Gehirnentzündung. Diese endet bei manchen Erkrankten tödlich oder lässt eine Lähmung oder geistige Behinderung zurück.

In den letzten Jahren starben wieder mehr Menschen an den Masern als zuvor. So breitet sich das Masernvirus aktuell in den USA wieder aus, weil nicht genug Kinder geimpft sind. Und auch in Europa ist die Zahl der Masernfälle gestiegen und hat sich laut der WHO im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Jedes Jahr kommt es dadurch weltweit zu Zehntausenden Todesfällen durch Masern, hauptsächlich bei nicht oder nur unzureichend geimpften Kindern unter fünf Jahren.

Masern sind besonders dort verbreitet, wo Impfstoffe schwer zugänglich sind, insbesondere in Teilen Afrikas, des Nahen Ostens und Asiens. Schon eine einzelne masern-infizierte Person kann in diesen Regionen einen neuen Ausbruch verursachen. Denn das Masernvirus breitet sich rasend schnell aus: Der R-Wert (die Rate, wieviele Menschen ein*e Infizierte*r durchschnittlich ansteckt) liegt bei den Masern zwischen 12 und 18. Im Vergleich: Bei der Coronapandemie lag der R-Wert in Deutschland nie über zwei. Masern sind zudem so ansteckend, dass die Viren noch bis zu zwei Stunden nach Verlassen eines Raums über die Luft weitergegeben werden können.

Info
Masernimpfungen in Deutschland

Masern galten bei uns in Deutschland schon fast als ausgerottet. Doch in den letzten Jahren kam es auch bei uns aufgrund einer zu niedrigen Impfquote immer wieder zu Masernausbrüchen. Im Jahr 2015 lag die Zahl mit fast 2.500 gemeldeten Masernfällen am höchsten. 

Um die Verbreitung von Masern zu verhindern, gibt es seit dem Frühjahr 2020 eine Masern-Impfpflicht in Deutschland. Sie gilt für alle Kinder, die einen Kindergarten oder eine Schule besuchen (sowie für das dort arbeitende Personal). Durch die Impfpflicht ist die Zahl der gemeldeten Masernfälle in Deutschland seit 2020 stark gesunken: Im vergangenen Jahr 2025 waren es nur noch 283 gemeldete Masernfälle in Deutschland. 

Schon eine zweimalige Impfung schützt Kinder wirksam gegen Masern: Die erste Teilimpfung erhalten Babys in der Regel im Alter von elf Monaten. Die zweite bekommen sie, wenn sie 15 Monate alt sind. Für die Masernimpfungen wird ein Kombinationsimpfstoff in Form eines Lebendimpfstoffs verwendet.

6. Mumps

Mumps – umgangssprachlich manchmal auch Ziegenpeter genannt – ist eine weltweit auftretende Virusinfektion, die die Speicheldrüsen befällt. Die Viren werden meist per Tröpfcheninfektion übertragen, etwa durch Husten oder Niesen.

Krankheiten ausrotten: Ein Baby in Mosambik hat eine Mehrfachimpfung in Form von Lebendimpfstoffen erhalten.

Auch wenn ihr Sohn gerade gar nicht glücklich aussieht: Seine Mutter Fatima in Mosambik ist froh, dass sie ihn eben gegen Mumps und andere Krankheiten hat impfen lassen. "Meine Kinder werden sehr selten krank, und ich weiß, dass das den Impfungen zu verdanken ist", sagt sie lächelnd.

© UNICEF/UNI519241/Franco

Am häufigsten erkranken Kinder zwischen dem zweiten und 15. Lebensjahr an Mumps. Bei rund einem Drittel der Kleinkinder verläuft die Mumpsinfektion harmlos und ohne Krankheitsanzeichen. Doch auch symptomlos erkrankte Kinder können andere anstecken und so das Virus übertragen.

Die typischen Symptome bei leichten Mumpsverläufen ähneln der Grippe – beispielsweise Fieber, Husten und Kopfschmerzen. Noch bekannter ist Mumps aber dafür, dass die Krankheit durch eine Entzündung der Ohrspeicheldrüsen bei manchen Patient*innen zu den charakteristischen enorm geschwollenen Wangen führt. Bei rund jedem / jeder zehnten Erkrankten verursacht Mumps eine Hirnhautentzündung. Für Jungen, die sich in der Pubertät mit Mumps infizieren, kann die Krankheit außerdem zu einer gefährlichen Hodenentzündung führen – diese kann ihre Fruchtbarkeit einschränken. Entzündungen von Brustdrüsen oder Eierstöcken wiederum können bei Mädchen und Frauen die Folge einer Mumpsinfektion sein.

Info
Mumpsimpfungen in Deutschland

Früher waren Mumpsinfektionen in Deutschland durchaus häufig, doch aufgrund der mittlerweile hohen Durchimpfung ist die Erkrankung deutlich seltener geworden und die Immunität dagegen hat zugenommen: Rund 700 Mumpsinfektionen wurden zuletzt jährlich in Deutschland gemeldet.

Um sich vor Mumps zu schützen, wird allen Kindern und Jugendlichen in Deutschland eine zweimalige Impfung empfohlen. Die erste Impfdosis wird am Ende des ersten Lebensjahres verabreicht, eine zweite gibt es im Alter von 15 Monaten. Danach ist man immun gegen diese Infektionskrankheit. 

Die Mumpsimpfung wird üblicherweise als Kombinationsimpfung durchgeführt: Die Mehrfachimpfung enthält gleichzeitig auch Impfstoffe gegen die Kinderkrankheiten Masern, Röteln und oft auch Windpocken.

7. Röteln

Auch Röteln verbreiten sich durch Husten und Niesen. Die Virusinfektion ist bekannt für ihren typischen roten Hautausschlag, der etwa zwei Wochen nach der Ansteckung auftritt und rund drei Tage anhält.

Ausgerottete Krankheiten: Impfungen schützen Kinder vor gefährlichen Krankheitserregern und dem Ausbruch von Krankheiten.

Jemen: Ein Junge in Aden wurde gegen Masern und Röteln geimpft. Der Piks tat etwas weh, aber jetzt kann er schon wieder lächeln.

© UNICEF/UNI444821/ALfilastini

Für etwa die Hälfte der infizierten Menschen verlaufen die Röteln komplikationsfrei. Die Rötelnsymptome sind in diesen Fällen nur mild – sodass viele Infizierte nicht einmal bemerken, dass sie krank sind. Extrem gefährlich sind Röteln aber vor allem für Schwangere und ihre ungeborenen Babys. Eine Rötelninfektion kann bei einer ungeimpften Schwangeren leicht eine Fehlgeburt auslösen oder zu einer schweren Schädigung des Ungeborenen führen. Mit Röteln infizierte Babys kommen oft blind, gehörlos, geistig behindert, mit einem entzündeten Organ oder einem Herzfehler auf die Welt.

Um niemanden zu gefährden, sollten alle Kinder gegen Röteln geimpft werden. Auch Frauen mit unvollständigem Impfschutz oder unklarem Impfstatus müssen frühzeitig noch einmal geimpft werden – und zwar vor einer Schwangerschaft. Nur so kann verhindert werden, dass Schwangere an Röteln erkranken und ihre Infektion sich auf das ungeborene Baby überträgt.

Info
Rötelnimpfungen in Deutschland

Deutschland ist eins der vielen Länder, das seit Jahren Röteln-Imfpstoffe in seinem nationalen Impfprogramm verwendet. Die gemeldeten Rötelnfälle sind deshalb weltweit stark zurückgegangen. In Deutschland ist es in den letzten Jahren dank der Impfungen sogar gelungen, Rötelninfektionen in der Bevölkerung zu unterbinden: Seit 2020 gelten die Röteln bei uns aufgrund der hohen Impfquoten als eliminiert. 

Damit das so bleibt, ist die Rötelnimpfung weiterhin Teil des Impfkalenders der STIKO. Sie gehört in Deutschland also zu den Standardimpfungen. Entsprechend der Impfempfehlungen gibt es zwei Impfdosen: Die erste Teilimpfung wird als Kombinationsimpfung im Alter von elf Monaten gegeben werden, eine Wiederholungsimpfung folgt wenige Monate später.

8. Diphtherie

Diphtherie ist eine lebensbedrohliche bakterielle Infektionskrankheit, die Rachenschleimhäute und Haut befallen kann. Für viele von uns klingt sie wie eine Krankheit aus alten Zeiten, die längst ausgerottet sein müsste. Doch Diphtherie ist nur in den Regionen und Ländern tatsächlich verschwunden, wo die Impfquote hoch genug ist, damit sich die Krankheit nicht ausbreiten kann. Ohne Impfungen aber würde Diphtherie schnell wieder zurückkehren, auch nach Deutschland.

Ausgerottete Krankheiten, zum Beispiel Diphtherie: Ein Junge bekommt von einer Gesundheitshelferin eine Impfung.

Nigeria: Der zwölfjährige Ahmad wird in einem Gesundheitszentrum gegen Diphtherie geimpft. Die Impfung sorgt für eine Grundimmunität gegen die Krankheit und könnte ihm sein Leben retten. Diphtherie ist eine potenziell tödliche Infektionskrankheit, die in Nigeria zuletzt zu schweren Krankheitsausbrüchen führte.

© UNICEF/UNI443113/Adesegun

Der Erreger der Diphtherie ist ein Bakterium, das per Tröpfcheninfektion übertragen wird. Wenn der Rachen davon befallen ist, bilden sich Beläge, die die Atemwege verschließen und schlimmstenfalls zum Tod durch Ersticken führen. Das Bakterium kann außerdem Organschäden verursachen. Zwischen fünf und zehn Prozent der Diphtherie-Erkrankten sterben auch heute noch an der Infektionskrankheit.

Info
Diphtherieimpfungen in Deutschland

In westlichen Ländern wie Deutschland kommt es nur noch in Einzelfällen zu Diphtherieinfektionen. Damit das so bleibt, sind die Impfungen nach einem festgelegten Impfschema unerlässlich. 

Die STIKO empfiehlt in Deutschland allen Babys und Kleinkindern die Grundimmunisierung gegen Diphtherie: Man erreicht sie mit drei Teilimpfungen, die jeweils im Rahmen einer Sechsfachimpfung mit anderen Impfstoffen kombiniert werden. Los geht es im Alter von etwa zwei Monaten mit der ersten Impfdosis, die beiden anderen Impfungen folgen ebenfalls noch im Laufe des ersten Lebensjahres.

Als Kind bekommt man im Alter von fünf oder sechs Jahren die erste Auffrischimpfung. Die zweite gibt es zwischen neun und 16 Jahren. Danach braucht man alle zehn Jahre eine weitere Auffrischung.

Welche ist die einzige bisher ausgerottete Infektionskrankheit?

Pocken: Seit 1980 weltweit ausgerottet

Leider gibt es also mit den oben beschriebenen Krankheiten immer noch einige gefährliche Infektionskrankheiten, die noch weit davon entfernt sind, komplett ausgerottet zu werden. Vor allem in Entwicklungsländern bringen sie jedes Jahr viele Kinderleben in Gefahr.

Die einzige Infektionskrankheit, die tatsächlich bereits als weltweit ausgerottet gelten kann, sind die Pocken. Pocken waren eine hochansteckende Viruserkrankung mit grippeähnlichen Symptomen und einem schweren Hautausschlag. Über Jahrtausende wüteten Pockenviren und breiteten sich in großen Epidemien weltweit aus. Viele Millionen Menschen, vor allem kleine Kinder, starben durch die Pockenviren.

Ausgerottete Krankheiten: Eine Pockenimpfung in Indien in den 1960er-Jahren.

1961: Ein Gesundheitshelfer impft ein Mädchen in Indien gegen die Pocken. Es sollte noch einige Jahre dauern, bis die Pocken im Jahr 1980 endlich weltweit ausgerottet werden konnten – dank langer und groß angelegter Impfkampagnen.

© UNICEF/UNI41906/unknown

Nach langer Forschung wurde Ende des 18. Jahrhunderts ein erstes Vakzin gegen das Pockenvirus entwickelt. Die Pockenimpfungen gelten als der Beginn der Geschichte der Impfungen überhaupt. Dennoch starben noch im 20. Jahrhundert weltweit rund 500 Millionen Menschen an den Pocken. Erst nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 1967 weltweit eine Impflicht gegen Pocken vorgeschrieben hatte, ging es rasant voran. Den letzten in Deutschland verzeichneten Pockenfall gab es 1972, und schon wenige Jahre später konnte die Pocken-Impfpflicht wieder aufgehoben werden. 1980 erklärte die Weltgesundheitsorganisation die Pocken für weltweit ausgerottet – eine Erfolgsgeschichte, die erst durch die Pockenimpfung möglich wurde.

Ausgerottete Krankheiten: Nach den Pocken könnte vielleicht auch Polio bald zu den ausgestorbenen Kinderkrankheiten gehören.

Stolz zeigt das Mädchen im Jemen die Markierung an ihrem kleinen Finger: Damit hat die Gesundheitshelferin gekennzeichnet, dass das Mädchen gegen Polio geimpft wurde. Nach den Pocken könnte Polio die zweite eines Tages "ausgestorbene" Krankheit sein, die weltweit ausgerottet ist. 

© UNICEF/UNI529051/ALfilastini

Wie hilft UNICEF bei der Ausrottung gefährlicher Kinderkrankheiten in ärmeren Ländern?

Mit groß angelegten Impfkampagnen konnten wir von UNICEF in den vergangenen Jahrzehnten schon in vielen Ländern dieser Welt gefährliche Krankheiten und Epidemien eindämmen. Doch noch immer sterben viel zu viele Kinder weltweit an vermeidbaren Infektionskrankheiten – dabei könnte eine einfache Impfung ihr Leben retten.

Mit Ihrer Spende tragen Sie dazu bei, dass wir auch für Länder mit einem schwächeren Gesundheitssystem als hier in Deutschland noch mehr Impfstoffe besorgen können gegen Krankheiten, die bei uns schon nahezu verschwunden sind. Damit sich auch dort die Eltern irgendwann um Krankheiten wie Tetanus, Diphtherie, Polio oder Mumps kaum noch Gedanken machen müssen und auch ihre Kinder gesund aufwachsen können.

Impfstoffe gegen tödliche Kinderkrankheiten

Helfen Sie mit Ihrer Spende, auch die Kinder in Entwicklungsländern mit Impfstoffen zu versorgen. Damit die Kinder dort genauso gut geschützt sind gegen Infektionskrankheiten wie bei uns in Deutschland. Vielen Dank!

Weitere Informationen darüber, wie Impfungen wirken und Leben retten, gibt es hier auf unserer ausführlichen Impf-Infoseite.

Info
  • UNICEF ist einer der weltweit größten Abnehmer von Impfstoffen.
  • Gemeinsam mit Partnern erreichen wir jährlich fast die Hälfte aller Kinder weltweit mit Impfungen.
  • 2024 haben wir fast drei Milliarden Impfdosen an etwa 100 Länder geliefert.
  • In den letzten 50 Jahren wurden 154 Millionen Todesfälle bei Kindern durch Impfungen verhindert.

Häufige Fragen & Antworten zu (fast) ausgerotteten Krankheiten und Impfungen

** Dieser Blogbeitrag ist in Anlehnung an einen Blog von UNICEF Australien entstanden. Wir haben ihn erstmals im April 2021 veröffentlicht und aktualisieren und erweitern ihn regelmäßig für Sie. **

Autor*in Susanne Nandelstädt

Susanne Nandelstädt arbeitet als Online-Redakteurin für UNICEF. Im Blog schreibt sie über UNICEF-Projekte weltweit.