DER BUS KOMMT!
Dienstag, 18. Juni 2019, 09:37 Uhr
von Verena Linde | 0 Kommentare

Das Kindermagazin GEOlino stellt in jeder Ausgabe ein UNICEF-Projekt vor. In Heft 6 erschien eine Geschichte zu Jordanien, die es jetzt in unserem Blog nachzulesen gibt. 

Madelin aus Syrien lebt in einem Flüchtlingscamp in Jordanien. Seit Jahren herrscht in ihrer Heimat Krieg. Für die Zwölfjährige und ihre Freunde gibt es nun einen Lichtblick: den Bus, der sie täglich zur Schule bringt!

Jordanien: Kinder warten vor einem von UNICEF organisiertem Schulbus.

Jeden Tag gegen zehn Uhr versammeln sich die aus Syrien geflüchteten Kinder an der Straße und warten auf den Schulbus. Nur dank ihm können sie überhaupt in die Schule gehen.
© UNICEF/UN0239909/Herwig

Wann kommt er denn endlich? Ungeduldig stehen die zwölfjährige Madelin, ihr kleiner Bruder Fawaz und ein gutes Dutzend andere Kinder am Straßenrand. Sie haben ihre besten Kleider angezogen und Papier und Stifte in die Rucksäcke gesteckt. Da! Endlich hören sie das vertraute Brummen. In einer dichten Staubwolke rollt der Schulbus heran und bremst neben Madelin und den anderen. 

Jordanien: Eine Gruppe von Flüchtlingskindern hat viel Spaß im Schulbus.

Die Fahrt ist ein kurzer Spaß. Zu Fuß wären die Kinder zwei Stunden unterwegs – so weit liegt die Schule entfernt.
© UNICEF/UN0239916/Herwig

„Allein schon die Fahrt ist total aufregend und schön. Es ist die beste Zeit des Tages“, berichtet Madelin. „Ohne den Bus könnten wir gar nicht zur Schule gehen und würden nur herumsitzen“, ergänzt die neunjährige Malak.

Jordanien: Portrait von Fawaz (12), ein syrischer Flüchtlingsjunge

Wir haben so ein Glück. Dank dem Bus lernen wir Lesen und Schreiben. Das macht Spaß – und die Busfahrt ist auch cool.

Fawaz, 12 Jahre

DIE FAHRKARTE FÜR BILDUNG UND ZUKUNFT

Die Freude der Mädchen und Jungen über den Schulbus ist riesig – und vielleicht nur zu verstehen, wenn man weiß, wo sie leben, wie sie leben und was sie erlebt haben. Die Kinder sind allesamt Flüchtlinge aus Syrien. Sie wohnen in einem notdürftig errichteten Zeltlager nahe der Hauptstadt Jordaniens, Amman. Seit acht Jahren herrscht in ihrem Heimatland Bürgerkrieg. 

Jordanien: Portrait von Madelin (12), ein syrisches Flüchtlingsmädchen

Wegen des Krieges in meiner Heimat Syrien habe ich zwei Schuljahre komplett verpasst. Aber ich war fleißig und habe den Stoff nun in einem Jahr nachgeholt.

Madelin, 12 Jahre

Beobachter schätzen, dass knapp eine Million Menschen aus Syrien in das kleine Nachbarland Jordanien geflohen sind. Und längst nicht alle haben ein Zeltdach in einem offiziellen Flüchtlingslager über dem Kopf, sondern selbst Hütten zusammengezimmert aus dem, was sie fanden. 

Wie die Familien von Madelin, Fawaz und Malak. In ihrem Lager gibt es keine Schule. Trotzdem haben die Mädchen und Jungen noch Glück: In einem Kinderzentrum von UNICEF können sie spielen, haben jemanden, der ihnen zuhört, Fragen beantwortet und die Mädchen und Jungen über ihre Rechte aufklärt. Hier, am Kinderzentrum, startet auch der Bus zur Schule. Meistens jedenfalls.

Jordanien: Portrait von Fawaz (10), ein syrischer Flüchtlingsjunge

»Ich gehe seit drei Jahren in die Schule, und ich liebe es zu lernen. Andere Kinder müssen auf dem Feld arbeiten.«

Fawaz, 10 Jahre

Vor ein paar Wochen etwa gab es nicht genügend Geld für den Bus, und die Fahrten wurden gestrichen. „Madelin hat drei Tage nur geweint“, berichtet ihre Mutter. „Ich wusste damals nicht, ob ich überhaupt je wieder zur Schule gehen kann. Es war schrecklich“, sagt Madelin. Denn für die Mädchen und Jungen hängt viel an dem Bus: ihre Bildung, ihre Zukunft. Wann oder ob sie je wieder in ihre Heimat zurückkehren können, wissen sie nicht. 

Jordanien: Portrait von Malak (9), ein syrisches Flüchtlingsmädchen

»Ich bin so froh, dass ich wieder zur Schule gehen kann. Schließlich will ich selbst Lehrerin werden, da darf ich nichts verpassen.«

Malak, 9 Jahre

Auf den Busfahrten und im Unterricht jedoch vergessen Madelin und die anderen ihre Sorgen. Es ist eben – die beste Zeit des Tages!

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