UNSERE NEUESTE INNOVATION: DIESES ZELT TROTZT HURRIKANS UND HITZE
Donnerstag, 23. Januar 2020, 14:05 Uhr
von Laura Sandgathe | 0 Kommentare

Einen sicheren Ort für sich und die Familie finden: Das ist das oberste Ziel von Menschen, die vor Konflikten, den Folgen von Naturkatastrophen oder Epidemien fliehen mussten. Zelte sind dann eine schnelle, praktische und gute Übergangslösung. Sie dienen als Klassenräume, Krankenhäuser, Ernährungszentren oder Orte zum Spielen für die Kinder. Bei einem Nothilfeeinsatz gehören sie zu den ersten und wichtigsten Hilfsgütern, die wir von UNICEF bereitstellen. 

Die bisherigen Zelte haben dafür lange Jahre gute Dienste getan. Aber angesichts neuer Herausforderungen wie dem Klimawandel oder langwieriger Nothilfeeinsätze wurden bessere, innovative Zelte dringend notwendig. Zum Beispiel in Syrien, wo Kinder teils über Jahre in Zelten leben und unterrichtet werden. 

Da sind zum Beispiel extreme Wetterphänomene wie Stürme oder Starkregen, die buchstäblich an den Zelten rütteln. Zudem waren die bisherigen Zelte nicht ausreichend klimatisiert und in ihnen war es teils unerträglich heiß oder eisig kalt. Keine guten Voraussetzungen, etwa wenn sich hier Kinder auf den Unterricht konzentrieren sollen.

Philippinen: Rasid (12) freut sich über das neue Zelt

Wenn die Sonne auf unser Schulzelt schien, war es unerträglich heiß.

Rasid K. Kabagel (12), Philippinen

Eine Lösung musste her. Weil der Markt nichts Passendes hergab, nahmen wir von UNICEF die Sache selbst in die Hand. Das Ergebnis sind innovative Hochleistungs-Zelte, die wir in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Privatwirtschaft entwickelt haben.

So geht Innovation bei UNICEF

Was sollten die neuen Zelte können? Das war die Ausgangsfrage. Ein Expertenteam sammelte über 1.000 Anforderungen, darunter Widerstandsfähigkeit auch bei extremem Wetter, eine bessere Klimatisierung, direkte Stromversorgung im Zelt und mehr Platz im Inneren. Besser aufzubauen und zu transportieren sollten die neuen Zelte idealerweise auch sein.

Uganda: Die Solaranlage des neuen Zeltes wird installiert

Die neuen Zelte sind unter anderem mit einer eigenen Solaranlage ausgestattet. Hier wird einer der Prototypen in Uganda aufgebaut.
© UNICEF/UNI276732/Kakooza

In einem zweiten Schritt traf sich unser Team mit Partnern aus der Industrie. Gemeinsam mit den Designern und Herstellern ging es nun darum, eine Lösung zu finden, die all unseren Anforderungen gerecht werden würde. 1.000 Anforderungen – unsere Liste war lang, keine Frage. Wir gingen die Herausforderung gemeinsam an. 

Tests im Windkanal und in der Praxis

Mehrere Prototypen wurden entwickelt, getestet, überarbeitet, wieder getestet und manchmal auch verworfen. Eine besondere Herausforderung war es, die neuen Zelte widerstandsfähig gegen Stürme zu machen. Im Jules Verne Windkanal im französischen Nantes ließen wir Winde von der Stärke eines Hurrikans die Prototypen durchpusten. Zusätzlich wurden Temperaturen unterhalb des Gefrierpunktes simuliert.

Nach und nach wurde die Windstärke im Test erhöht. Im Video ist zu sehen, wie der Wind immer heftiger an dem Zelt rüttelt. Erst am Ende gibt es nach:

Dann folgte der Test im Einsatzgebiet: Zusammen mit den Herstellern nahmen wir die Zelt-Protoypen mit in unsere Projektländer. Dort wollten wir herausfinden, wie sie unter verschiedenen klimatischen Bedingungen funktionierten. Wir testeten sie im heißen und trockenen Klima in Uganda, im feuchten Klima auf den Philippinen und in der Kälte Afghanistans.

Das kann das neue Hochleistungs-Zelt

Schließlich war es so weit: Wir hatten ein fertiges Produkt! Das neue UNICEF-Hochleistungs-Zelt bietet eine ganze Reihe von Verbesserungen gegenüber den Zelten, die wir bislang genutzt haben:

  • ein verbessertes Befestigungssystem, um das Zelt optimal und sicher im Boden zu verankern
  • gerade, glatte Wände, so dass es im Inneren 20 Prozent mehr Platz gibt
  • dreilagige Fenster, bestehend aus einem Moskitonetz, einem transparenten Laken und einer Verdunklungsplane. So können Licht und Luft im Zelt gut reguliert werden
Das High Performance Zelt von Außen in Uganda

Die Fenster des neuen Zelts können flexibel verdunkelt werden. So lassen sich Licht und Temperatur im Inneren besser regulieren.
© UNICEF/UNI276715/Kakooza

Darüber hinaus gibt es einige Extras, die je nach Bedarf am Einsatzort hinzugefügt werden können: 

  • einen Bausatz für eine Solar- und eine Elektroanlage. So kann das Zelt zum Beispiel nachts beleuchtet werden
  • eine zusätzliche Winterplane für den Einsatz in kaltem Klima
  • einen festen Boden. So bleibt der Innenraum sauber, die Kinder müssen nicht direkt auf der Erde sitzen
  • eine weiche Bodenplane, auf der Mädchen und Jungen gemütlich spielen können, wenn das Zelt als Kinderzentrum genutzt wird
Philippinen: Vier neue Schul-Zelte
Philippinen: Die neuen Zelte beleuchtet bei Nacht - dank Strom

Bei Tag: Blick von oben auf die neuen Zelte. 

Bei Nacht: Dank eigener Stromversorgung können die Zelte nachts beleuchtet werden.


© UNICEF/UNI276762/, © UNICEF/UNI276740/

Das sagen Kinder und Helfer

"Die neuen Zelte lassen sich viel einfacher aufbauen. Sie lassen sich auch besser transportieren, denn sie sind leichter", sagt Leah Tacsan, UNICEF-Mitarbeiterin auf den Philippinen. "Aber vor allem bieten sie den Kindern einen besseren Ort zum Lernen. Wenn sie sich hier wohlfühlen, können sie sich auch leichter von ihren Erlebnissen in Konflikten oder nach Naturkatastrophen erholen."

Philippinen: Sittiehawa Sandigan (5) spielt im neuen Schul-Zelt

Ich spiele gern in dem neuen Zelt.

Sittiehawa Sandigan (5), Philippinen

Und der nächste Schritt? 

Wir von UNICEF sind davon überzeugt, dass die Hochleistungs-Zelte die weltweite Nothilfe entscheidend voranbringen. Sie bieten eine hohe Qualität und sind speziell auf die Bedürfnisse der Kinder und Helfer vor Ort eingestellt. Ein solches Produkt zu entwickeln war nur möglich durch die enge Zusammenarbeit mit privaten Partnern.

Kinder weltweit sollen von den neuen Zelten profitieren! Jetzt geht es darum, mit der Produktion in Serie zu gehen. Je mehr der neuen Zelte so schnell wie möglich bei den Mädchen und Jungen ankommen, desto besser.

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