JUGENDLICHE IM ZENTRUM INTERNATIONALER MIGRATIONSPOLITIK

17. Juli 2018 von Christine Kahmann 1 Kommentar

Unterwegs für die Rechte von migrierten Kindern und Jugendlichen

Im Juni sind unsere Jugenddelegierten Yasmin, Sandra und Alexandra zu einem Workshop im Rahmen des Global Forum on Migration and Development (GFMD) nach Marokko gereist, um sich für die Rechte von migrierten Kindern und Jugendlichen stark zu machen. Warum? Weil hinter den Kulissen der Weltpolitik die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen über eine globale Vereinbarung über sichere, geordnete und reguläre Migration, den Global Compact for Migration – verhandelt haben. Und weil keiner die Herausforderungen, Bedarfe und die Prioritäten von migrierten jungen Menschen besser kennt, als die Jugendlichen selbst.

GFMD: Gruppe der Jugenddeligierten

Während des Workshops „Children and Youth on the Move“ machten sich unsere Jugenddelegierten für die Kinderrechte stark. UNICEF und die marokkanische Regierung organisierten den Workshop im Rahmen der Erarbeitung des Global Compact for Migration.
© privat

Gemeinsam mit 10 weiteren Jugenddelegierten verschiedenster Herkunftsländer haben die drei Jugendlichen aus Deutschland sich vor Ort in die Diskussionen eingebracht und mit Regierungsvertretern und Expertinnen gesprochen. Und dann übernahmen sie selbst die Bühne und präsentierten den 150 Delegierten aus aller Welt ihre Botschaften.

Was wünscht sich die Jugend von der internationalen Politik? Wir haben nachgefragt.

1. Warum ist es wichtig, dass junge Menschen sich an der Entwicklung des Global Compact for Migration beteiligen? 

Sandra:
Obwohl Menschen schon seit Jahrtausenden migrieren, steht gerade wieder die Frage im Raum: „Wie sieht eine Welt aus, in der Menschen nicht an ihrem Geburtsort oder dem ihrer Eltern leben“. Die derzeitigen Verhandlungen zur Migration und deren Ergebnisse betreffen junge Menschen maßgeblich. Auch sie treffen als Individuen mit Rechten selbst Entscheidungen darüber, wie und wo sie leben wollen. Deshalb müssen sie einen festen Platz am Verhandlungstisch haben.

Yasmin: 
Die Partizipation von Jugendlichen ist in fast allen Bereichen der Politik elementar, um nachhaltige und kreative Lösungen auf die Herausforderungen unserer Zeit zu finden. Dabei ist es wichtig, dass Entscheidungsträger auch offen für Innovation und neue Herangehensweisen sind - nur, weil bestimmte Sachen einmal festgelegt wurden, heißt das nicht, dass man sie für immer so weiterführen muss. 

Alexandra: 
Das sehe ich auch so. Junge migrierte Menschen, egal woher sie kommen und wohin sie gehen, müssen die gleichen Rechte haben wie alle jungen Menschen auf der Welt. Leider sieht die Realität nicht immer so aus. Deshalb ist die Beteiligung von Jugendlichen essentiell für die Verhandlungen zum Global Compact. Nur indem man unsere Geschichten und Erfahrungen hört, kann man verstehen, was Migration eigentlich für uns bedeutet.

GFMD: Publikum hört aufmerksam zu.

Bei dem Workshop in Marokko wurden wichtige Weichen gestellt für einen Global Compact. Die Partizipation der jungen Delegierten bei der Umsetzung des Compacts ist unabdingbar.
© privat

2. Was hat Euch am meisten beeindruckt?

Alexandra: 
Die Zusammenarbeit mit den anderen jungen Delegierten. Wir waren der wahre Beweis dafür, dass sprachliche Barrieren, kulturelle Unterschiede und Grenzen, junge Menschen nicht davon abhalten können, zusammen für eine bessere Welt zu kämpfen.
In dem Moment wo wir aufhören nach Unterschiede zu suchen und uns auf Gemeinsamkeiten konzentrieren, gibt es keine Nationalitäten, Ethnien, Religionen, und Klassen mehr. Sondern es gibt Menschen mit Träumen, Wünschen und der Hoffnung für eine Welt, in der jeder einen Platz hat.

Sandra: 
Ja, auch mich hat unsere Zusammenarbeit sehr bewegt. Wir haben die unterschiedlichsten Erfahrungen im Leben gemacht. Dennoch hat uns unsere Ambition für den Schutz von Kindern verbunden und hat es uns ermöglicht, in kurzer Zeit unglaubliches auf die Beine zu stellen. Wenn junge ambitionierte Menschen zusammenkommen, können alle Grenzen in unseren Köpfen und Landkarten außer Kraft gesetzt werden. Dann können wir eine gerechtere Welt schaffen.

Yasmin: 
Es war tatsächlich sehr ermutigend zu sehen, dass es viele Jugendliche gibt, die bereit sind, sich zu engagieren und festgesetzte Ideen und Konzepte zu verändern. Und es war schön zu merken, dass die anderen Teilnehmer der Konferenz unsere Botschaften ernst genommen haben. 

GFMD: Jugendliche stellen wichtige Themen vor

Während des Workshops präsentierten die Jugendlichen die Themen, die für sie im Vordergrund standen. Die Bundesregierung hat die Teilnahme der deutschen Jugendlichen im Rahmen des GFMD-Vorsitz unterstützt.
© privat

3. Bei dem Workshop in Marokko habt Ihr eine eigene Session gestaltet und vorgestellt – welche Themen waren Euch dabei wichtig?

Sandra: 
Die Themen Jugendpartizipation, uneingeschränkter Zugang zu Bildung und Integration als Bereitschaft und Arbeit zweier Seiten lagen uns am meisten am Herzen. Es hat für uns Priorität, dass jedem Kind eine Kindheit gewährt wird, dessen Sicherheit nicht von der Gunst anderer anhängig ist, sondern darin aufgeht, dass alle Mittel zu seiner Entfaltung und Entwicklung gegeben sind.  

Alexandra: 
Unsere Hauptbotschaften waren: Diskriminierung ist nicht die richtige Reaktion auf Migration. Junge Migrierte haben das Recht auf Sicherheit, Bildung und Partizipation. Denn wir haben ein großes Potential. Gebt uns die Chance, das zu beweisen. Wir sind nicht ‚die anderen‘; wir sind wir: kreativ, innovativ, klug und einzigartig durch unsere Hintergründe, Erfahrungen und Träume. Migration definiert uns nicht. 

Yasmin: 
Es war uns dabei im Übrigen sehr wichtig zu zeigen, dass auch wir als Jugendliche Ideen und Vorschläge zu politischen Debatten haben, die wir gerne mit einbringen wollen. Wir haben das Thema Migration von Jugendlichen versucht kreativ und innovativ anzugehen. Dabei haben wir praktisch gezeigt, wie Jugendpartizipation aussehen kann und welchen Gewinn sie mit sich bringt. Viele Delegierte zeigen auch nach dem Workshop noch großes Interesse mit uns im Austausch zu bleiben.

Jugendliche mit GFMD-Botschafter Götz Schmidt-Bremme

Nicht nur Worte, sondern echte Stories: Den jungen Delegierten war es wichtig, über ihre Erfahrungen zu sprechen – Ängste, Gewalt, Kosten, zerschlagene Hoffnungen und Enttäuschungen und das große Bedürfnis, über ihr Leben selbst zu bestimmen und sich eine Zukunft aufzubauen.
© privat

4. Im Dezember soll der Global Compact for Migration von den UN-Mitgliedstaaten verabschiedet werden. Was erhofft Ihr Euch davon für migrierte Kinder und Jugendliche weltweit?

Yasmin: 
Wir haben uns vorgenommen, ein Follow-Up Projekt zu starten. Damit wollen wir versuchen, mehr Menschen zu erreichen und zu sensibilisieren. Es ist essentiell, dass junge Menschen auch bei globalen Prozessen eine Stimme haben und Inhalte gestalten können – wie wir in Agadir. Deshalb möchten wir auf diesem begonnenen Austausch aufbauen. Die Ergebnisse des Projekts möchten wir dann auch bei der offiziellen Verabschiedung des Global Compacts im Dezember einbringen und in den nächsten Jahren weiterverfolgen.

Sandra: 
Wir erhoffen uns zudem, dass Staaten und Menschen sich wachgerüttelt fühlen, bedingungslos jedem Kind ein Leben zu ermöglichen, in dem es weder Todesangst noch strukturelle Diskriminierung erfährt bei der Bemühung zur Ausübung der Rechte auf Bildung, Gesundheit, Familienzusammenführung und Leben.

Alexandra: 
Genau. Der Global Compact for Migration ist eine sehr wichtige, historische Chance, die Rechte von migrierten Kinder und Jugendlichen global zu verankern. Ich wünsche mir zudem, dass die Jugendlichen und Kinder eine Chance haben, sich weiterhin in die Gestaltung und vor allem die Umsetzung einzubringen, ihre Geschichten zu erzählen, ihre Forderungen zu präsentieren und bei der Verabschiedung dabei zu sein. Ich bin mir sicher, dass Ihre Präsenz und Persönlichkeiten, den wirklichen Sinn des Global Compacts for Migration für die Regierungen deutlich machen – die Jugendlichen zu unterstützen, ihr Potential zu erreichen und ihnen zu helfen, grausame Erfahrungen hinter sich zu lassen, zu überwinden und wenn möglich, nie wieder erleben zu müssen.

GFMD: Jugendlicher spricht beim Panel

In verschiedenen Workshops und auch in Interviews diskutieren die Jugenddelegierten zum Thema Migration: "Junge Menschen können und möchten Dinge verändern – gebt uns die Chance, das zu beweisen!“
© privat

Der Workshop in Marokko mag vorbei sein, aber das Engagement der Jugenddelegierten geht weiter. Jugendliche brauchen Möglichkeiten, die Politik mitzugestalten - über alle Grenzen hinweg. Denn die Entscheidungen betreffen vor allem sie: die Kinder und Jugendlichen selbst. Deshalb setzen auch wir uns weiter dafür ein, dass sie gehört werden. 

Was sind Ihre Wünsche für migrierte Kinder? Machen Sie mit bei unserer Aktion #Träumesindgrenzenlos und setzen Sie ein Zeichen für Solidarität.

Wer bloggt hier?

Christine, Jessica und Susanne haben die Fragen während des Interviews gestellt. 

SERIE: „KINDERRECHTE SIND GRENZENLOS”

Flüchtlinge? Asylbewerber? Migranten? Falsche Frage!

Jedes Kind ist in erster Linie ein Kind, ganz gleich woher es kommt und wo es sich aufhält. Wir setzen uns dafür ein, dass die Mädchen und Jungen über Grenzen hinweg geschützt und gefördert werden – an ihrem Herkunftsort, im Transitland und in einer möglicherweise neuen Heimat. Denn Kinderrechte sind grenzenlos!

Lesen sie mehr dazu in unser Blog-Serie „Kinderrechte sind grenzenlos”.

KOMMENTARE

  • 04. September 2018 12:23 Uhr

    Danke an die 3 Jugendlichen (natürlich insbesondere an Sandra aus FFM), daß ihr euch sooo stark für all diese Themen einsetzt und nicht locker lasst, daß sich was ändert
    WW aus FFM

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