KUSMA KÄMPFT UM IHR RECHT
Donnerstag, 16. Januar 2020, 14:02 Uhr
von Verena Linde | 2 Kommentare

Das Kindermagazin GEOlino stellt in jeder Ausgabe ein UNICEF-Projekt vor. In Heft 1/2020 erschien eine Reportage über die 13-jährige Kusma, die für ihr Recht auf Bildung kämpft.

Kusma ist 13 Jahre alt und möchte Ärztin werden. Doch in ihrer Heimat Indien können die meisten Mädchen nicht studieren, sie werden stattdessen früh verheiratet. Das darf nicht sein, findet Kusma.

Kusma streckt den Rücken durch und erhebt ihre Stimme. Um sie herum sitzen Schulkameraden, dazu Frauen und Männer aus ihrer Gemeinde Pirra nahe der Millionenstadt Ranchi im Osten Indiens. Sie alle hören gespannt zu: „Kinderehen sind verboten“, sagte Kusma. „Jeder, der an solch einer Hochzeitsfeier teilnimmt, macht sich strafbar, selbst der Koch.“ 

Indien: Kusma spricht vor ihren Schulkameraden und Gemeindemitgliedern über Kinderehen.

© UNICEF/UNI207725/Katragadda

Die 13-Jährige berichtet, dass auch Kinder Rechte haben, dass Bildung sich lohnt – auch für Mädchen. Es gibt keinen bestimmten Anlass für die Ansprache. Die Worte sprudeln einfach aus Kusma heraus, weil sie sich Tag für Tag mit dem Thema beschäftigt. Ihr eigenes Glück hängt davon ab: Die Schülerin möchte Ärztin werden. Unbedingt. 

Indien: Kusma spielt in der Pause mit Freunden Fußball.

Am Ball: An Kusmas Schule sind Mädchen ganz vorn dabei - ob beim Fußball oder im Unterricht. In der indischen Gesellschaft hingegen müssen sich Frauen immer noch unterordnen.
© UNICEF/UNI207885/Katragadda

Indien: Kusma und zwei Freundinnen fahren mit dem Fahrrad zur Schule.

Kusma und ihre Freundinnen fahren mit dem Fahrrad zur Schule - das ist Luxus in ihrem Leben. Das Geld, das Kusmas Vater als Mechaniker und ihre Mutter als Köchin verdienen, reicht nur knapp, um die Familie zu versorgen.
© UNICEF/UNI207859/Katragadda

Sie weiß, dass sie hart für ihren Traum kämpfen muss. Denn in ihrer Heimat Indien können die wenigsten Mädchen studieren. Gerade in ärmeren Familien verheiraten die Väter ihre Töchter früh, weil sie den Familien dann nicht mehr auf der Tasche liegen. Im Bundesstaat Jharkhand, in dem auch Kusma lebt, werden 38 Prozent der Mädchen sogar noch vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet.

Mit der Ehe endet meist die Ausbildung. Statt in die Schule zu gehen oder einen Beruf zu erlernen, bekommen die jungen Frauen Kinder und kümmern sich um den Haushalt. Kusma hat Angst, dass auch ihr dieses Schicksal blüht. Ihr Vater hat ihr zwar versprochen, dass sie weiter zur Schule gehen darf, bis sie 20 Jahre alt ist. „Aber mit 20 bin ich ja noch keine Ärztin, ich brauche mehr Zeit“, sagt sie.

Indien: Kusma und ihr Vater umarmen sich lachend.

Wenn ihr Vater sein Versprechen hält und Kusma nicht früh verheiratet, kann sie womöglich ihren Traum verwirklichen und Ärztin werden.
© UNICEF/UNI207694/Katragadda

Und noch etwas bereitet ihr Sorgen: „In meiner Schule gibt es weder Computer noch Lehrer, die uns daran unterrichten könnten. So kann ich mich nicht informieren, was ich unternehmen muss, um Ärztin zu werden.“ Hinzu kommt, dass der komplette Unterricht auf Hindi stattfindet und nicht auf Englisch. Das muss Kusma allerdings sprechen können, um Medizin zu studieren.

Indien: Kusma sitzt zuhause an ihren Schulaufgaben.

Warum sollte ich nicht Ärztin werden können? Niemand hat das Recht, mich aufzuhalten.

Kusma, 13 Jahre

Trotz aller Hindernisse glaubt Kusma an ihren Traum und setzt alles daran, damit er wahr wird. Sie quält sich täglich um halb vier Uhr in der Früh aus dem Bett und brütet über ihren Schulbüchern, während alle anderen noch schlafen. Die Mühe lohnt sich: Kusma schreibt Bestnoten. 

Und auch sonst ergreift sie jede Chance, etwas dazuzulernen, nahm zum Beispiel an einem Reporter-Workshop von UNICEF teil. Dabei hat sie viel über Kinderrechte gelernt. Dieses Wissen nutzt sie, um ihre Familie, ja, die ganze Gemeinde von ihrem Ziel zu überzeugen. Sie verkündet ihre Ansichten nicht nur in der Schule, sondern spricht auch auf dem Marktplatz und wo immer es sich sonst ergibt.

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KOMMENTARE

  • 19. Januar 2020 01:19 Uhr

    Fürchterlich, dass es im 21.Jahrhundert immer noch Länder gibt mit solch veralteten Sitten und Gebräuchen.Die armen jungen Mädchen werden geradezu verkauft und dann oft zu Mägden für ihre oft uralten Männer und müssen übler Weise oft noch mit den Opas ins Bett und Kinder kriegen. Aber das kannn nur die Gesellschaft dort ändern, indem die Kinder aufstehen und eben für ihr Recht kämpfen.Wirksame Unterstützung von außen wäre hier hilfreich.

  • 16. Januar 2020 20:29 Uhr

    Hallo ich finde es wichtig das sie für ihr eigenes recht kämpft und dahinter steht was sie macht. ps- ich in der erste juhu

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