"WENN KINDER IHRE ELTERN WIEDERFINDEN – DAS GLÜCK IST UNBESCHREIBLICH!"
Donnerstag, 11. Januar 2018, 09:35 Uhr
von Kerstin Bücker | 1 Kommentar

Michael Charley leitet das UNICEF-Büro in Malakal, im Landesinneren des Südsudan. Der Bürgerkrieg hat hier viele Familien heimatlos gemacht, Zehntausende Kinder werden in Flüchtlingslagern groß. Der 54-jährige aus Sierra Leone arbeitet seit Jahren in Krisengebieten – und lebt dafür oft monatelang von seiner eigenen Familie getrennt.

Südsudan: Michael beim Besuch einer von UNICEF unterstützten Gesundheitsstation

Michael beim Besuch einer von UNICEF unterstützten Gesundheitsstation: Tausende Mütter in der Region erhalten durch UNICEF Beratung, Impfungen und medizinische Hilfe für ihre Neugeborenen und Kleinkinder.
© UNICEF/DT2017-59229/Kerstin Bücker

VOM LEBEN UND ARBEITEN IM BÜRGERKRIEGSLAND SÜDSUDAN

"Im Südsudan zu arbeiten ist extrem: Ich lebe in einem Container direkt auf dem Gelände des großen Flüchtlingslagers von Malakal, bewacht von UN-Blauhelmsoldaten. Auch mein Büro ist in einem Container. Aber ich will das so. Nothilfe ist mein Leben. Studiert habe ich Internationale Entwicklung, in Sierra Leone und in Ghana. Nun arbeite ich seit über einem Jahr für UNICEF im Südsudan

Was mich antreibt?

Angefangen hat alles Ende der 1990er Jahre in meiner Heimat Sierra Leone. Der Krieg dort ging zu Ende und es gab viele Kinder, die von ihren Eltern getrennt worden waren oder als Soldaten missbraucht wurden. Nach einem Praktikum wurde mir klar: Ich will Sozialarbeiter werden!

Ich half mit, die Kämpfer zu überzeugen ehemalige Kindersoldaten freizulassen. Ich ging in die Dörfer und unterstützte die Familien, ihre Kinder wiederzufinden und wiederaufzunehmen. 2002 kam ich dann zu UNICEF, als Kinderschutzexperte. Wir organisierten Unterstützung für Mädchen, die als „Kriegsbeute“ entführt worden waren, wir legten Datenbanken für die Familienzusammenführung an. Wir bildeten Partner vor Ort aus, die dafür sorgten, dass die Kinder wieder zur Schule gehen konnten und betreut wurden. Alles sehr konkrete Arbeit, die Tausenden von Kindern geholfen hat – das macht mich sehr zufrieden!

Es braucht nicht viel – macht aber einen großen Unterschied

Dann ging es in Äthiopien weiter. Wir von UNICEF kümmerten uns um Flüchtlingsfamilien in den Regionen Somali und Gambella. Auch hier ging es darum, dass die Kinder Notschulen und Kinderzentren besuchen konnten, dass sie ihre Eltern wiederfinden und die auf der Flucht erlittene Gewalt hinter sich lassen konnten. Bei meiner aktuellen Station ist das Programm jetzt ganz ähnlich: Seit 2013 haben wir es schon geschafft, über 5.000 Kinder im Südsudan wieder zurück nach Hause zu bringen. Wenn ich ein Kind sehe, das endlich seine Eltern wiedergefunden hat – dieses Lachen, dieses Glück sind einfach unbeschreiblich.

Es braucht nicht viel, damit die Kinder wieder ein Stück Normalität erfahren. Geschichten vorlesen, im Kreis ein traditionelles Lied singen, ein Fußballspiel mit anderen Kindern – all das kostet fast nichts, macht aber für die Mädchen und Jungen einen großen Unterschied. Vorher hatten sie nichts und plötzlich haben sie wieder einen Platz im Leben.

Südsudan: Michael spielt mit Kinder auf einer Plane um sie von schlimmen Erinnerungen abzulenken

Eine Plastikplane, ein Ball, Malstifte, Bauklötze – fertig ist das mobile Spielangebot. So bekommen Kinder auch in Notunterkünften Anregungen, die sie von schlimmen Erinnerungen ablenken und ihre Entwicklung fördern.
© UNICEF Southsudan/2017/Michael Charley

Sport und Kaffee

Meine eigenen Kinder? Sie leben in den USA, in New Jersey. Ich habe zwei Töchter und zwei Söhne – der Jüngste ist sechs. Meine ganze Familie lebt in Sierra Leone und in den USA. Alle drei Monate besuche ich sie, mehr ist meistens nicht drin.

Wenn ich hier in Malakal gerade nicht arbeite, mache ich viel Sport. Ich gehe fast jeden Tag Laufen oder ins Fitnessstudio hier auf dem Gelände. Und ich trinke viel Kaffee. In Äthiopien habe ich Kaffee mit Ingwer und viel Zucker kennen- und lieben(!) gelernt. Sport und Kaffee, so kann ich hier alles geben, damit es Kindern besser geht.

Ich arbeite schon mein ganzes Leben mit Kindern – ihnen helfen zu können ist für mich einfach das Schönste!"

KOMMENTARE

  • 12. Januar 2018 12:15 Uhr

    Der Südsudan ist ein Musterbeispiel dafür, wie unverantwortliches Verhalten der Bürger zum Elend führt.
    1. egoistische Stammesfehden
    2. viel zu hohes Wachstum der Bevölkerung mit ca. 4% pro Jahr
    3. Unfähigkeit eine funktionierende Regierung und Verwaltung zu schaffen.

    Solange diese selbstverschuldeten Ursachen nicht beseitigt sind, ist jede Hilfe ein Fass ohne Boden. In weniger als 20 Jahren werden doppelt so viele Kinder und Erwachsene hungern wie heute.

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