Pressemitteilung

UNICEF: Angriffe auf Wasser- und Sanitäreinrichtungen müssen aufhören!

New York/ Köln

Neuer UNICEF-Report zeigt, in welchen Ländern Wasser weiterhin als Waffe eingesetzt wird.

Angriffe auf Wasser- und Sanitäreinrichtungen und die dort arbeitenden Menschen gefährden das Leben von Millionen Kindern in Konfliktgebieten, warnt UNICEF.

Syrien: Ein Mädchen trägt einen Kanister mit Wasser durch die Straßen von Aleppo.

Ein Mädchen trägt Wasser durch die Straßen von Aleppo. Die Wasserversorgung in der Stadt ist immer wieder unterbrochen.

© UNICEF/UNI131533/Romenzi

In den neun Ländern im Nahen Osten, Afrika, Asien und Europa*, die in dem heute veröffentlichten UNICEF-Report „Wasser unter Beschuss“ ("Water Under Fire Volume 3: Attacks on water and sanitation services in armed conflict and the impacts on children") untersucht wurden, sind schätzungsweise etwa 48 Millionen Menschen auf eine sichere Wasser- und Sanitärversorgung angewiesen.

Der Schutz von Wasser- und Sanitäranlagen ist entscheidend für das Überleben von Millionen Kindern. In fragilen Staaten ist es für Kinder unter fünf Jahren 20-mal wahrscheinlicher, an Durchfallerkrankungen zu sterben als an Gewalt und Kinder in extrem fragilen Staaten und Regionen sind mit Blick auf die Wasser-, Sanitär- und Hygiene-Situation oft mehr als achtmal schlechter gestellt als Kinder, die in einem stabilen und geschützten Umfeld aufwachsen.

„Der Zugang zu Wasser ist überlebenswichtig und darf niemals als Kriegswaffe eingesetzt werden“, sagte der Leiter der weltweiten UNICEF-Nothilfe Manuel Fontaine. „Angriffe auf die Wasser- und Sanitärinfrastruktur sind Angriffe auf Kinder. Wenn die Wasserversorgung stoppt, können sich Krankheiten wie Cholera und Durchfall wie ein Lauffeuer verbreiten, oft mit tödlichen Folgen. Krankenhäuser funktionieren dann nicht mehr und immer mehr Kinder leiden an Unterernährung und Auszehrung. Kinder und Familien müssen häufig Wasser holen, wodurch sie Gewalt und anderen Gefahren ausgesetzt sind – insbesondere Mädchen.“

Der UNICEF-Bericht zeigt die immensen Auswirkungen auf Kinder und Familien, wenn in Ländern mit bewaffneten Konflikten die Wasser- und Sanitärinfrastruktur angegriffen, beschädigt oder zerstört, kontrolliert oder auf andere Weise eingeschränkt wird. Der Report hebt hervor, dass der Zugang von Kindern zu Wasser in fast allen Konflikten, in denen UNICEF Nothilfe leistet, bedroht ist:

  • In der Ostukraine zum Beispiel gab es seit Jahresbeginn vier Angriffe auf die Wasserinfrastruktur, seit 2017 wurden 380 Angriffe verzeichnet. Rund 3,2 Millionen Menschen sind dort auf Wasser- und Sanitärversorgung angewiesen.
  • Im Jemen wurden zwischen März 2015 und Februar 2021 122 Luftangriffe auf die Wasserinfrastruktur gezählt. Rund 15,4 Millionen Menschen benötigen dringend sicheres Wasser und sanitäre Einrichtungen. Durch die Cholera-Epidemie erkranken jede Woche weiterhin Tausende Kinder.
  • Seit 2019 gab es im Staat Palästina 95 Angriffe auf 142 Wasser- und Sanitärinfrastrukturen. Mehr als 1,6 Millionen Menschen leben ohne Zugang zu diesen grundlegenden Dienstleistungen.
  • Die jahrzehntelange Instabilität im Irak hat zu massiven Schäden an der Wasser- und Sanitärinfrastruktur geführt, so dass 1,85 Millionen Menschen vom regelmäßigen Zugang zu lebensrettendem Trinkwasser und sicheren sanitären Einrichtungen abgeschnitten sind.
  • In Syrien benötigen rund 12,2 Millionen Menschen Zugang zu Wasser und sanitären Einrichtungen, da die Infrastruktur in den vergangenen zehn Jahren des Konflikts stark beschädigt wurde.

Um Kinder in Konflikten zu schützen und den Zugang zu sicherem und ausreichendem Wasser zu gewährleisten, ruft UNICEF dazu auf:

  • Alle Konfliktparteien müssen die Angriffe auf Wasser- und Sanitäranlagen und das Personal sofort einstellen und ihre Verpflichtungen zum Schutz von Kindern in Konflikten erfüllen, einschließlich des Schutzes der Wasser- und Sanitärinfrastruktur;
  • Regierungen, einschließlich der Mitglieder des UN-Sicherheitsrates, müssen entschiedenere Maßnahmen ergreifen, um die Urheber dieser Angriffe zur Rechenschaft zu ziehen;
  • Internationale Geldgeber müssen in Konfliktsituationen rasch in Wasser- und Sanitäreinrichtungen investieren, da dies die erste Maßnahme ist, um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern.
  • Die Zivilgesellschaft sollte unseren Aufruf zum Handeln unterstützen, um Angriffe auf Kinder in Konflikten zu beenden und die Stimme zum Schutz der Wasser- und Sanitärinfrastruktur sowie des Personals erheben.

UNICEF arbeitet in Konflikt- und Krisenländern, um Kinder zu schützen und für sicheres Trinkwasser und angemessene sanitäre Einrichtungen zu sorgen, indem es Wassersysteme verbessert und repariert, Wasser per LKW transportiert, Latrinen aufstellt und das Bewusstsein für Hygienepraktiken fördert. Im Jahr 2020 leitete UNICEF Nothilfemaßnahmen im Bereich Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene in 120 Ländern und erreichte 39 Millionen Menschen mit sauberem Wasser und fast sieben Millionen mit sanitären Einrichtungen.

Das Auswärtige Amt sowie das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützen seit vielen Jahren die weltweiten Bemühungen von UNICEF, den Zugang von Kindern zu Wasser zu fördern. So engagiert sich Deutschland beispielsweise in der Ukraine gemeinsam mit UNICEF, um unmittelbare humanitäre Hilfe zu leisten und langfristig die Wasserversorgung von Kindern und ihren Familien zu verbessern und zu stabilisieren.

*Zentralafrikanische Republik, Irak, Libyen, Staat Palästina, Pakistan, Sudan, Syrien, Ukraine und Jemen

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