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VIER WOCHEN NACH ZYKLON IDAI
Beira/Köln
Freitag, 12. April 2019, 15:30 Uhr

„WIR BRAUCHEN EINEN LANGEN ATEM“

Vier Wochen nach Zyklon Idai brauchen in Mosambik, Malawi und Simbabwe weiter 1,5 Millionen Kinder Hilfe. Interview mit Daniel Timme von UNICEF über die Situation in Mosambik.

Wie ist die Lage in den Überschwemmungsgebieten in Mosambik heute?

Daniel Timme: Das Wasser geht langsam zurück, aber die Not bleibt. Dreck, Schlamm und unhygienische Verhältnisse in den verwüsteten Orten bringen erhebliche Krankheitsgefahren mit sich, insbesondere für die Kinder. Allein hier in Mosambik brauchen eine Million Kinder medizinische und sonstige Hilfe. Der Weg zurück in die Normalität wird lange dauern.

Zyklon Idai in Mosambik: UNICEF-Helfer Daniel Timme mit Kindern

UNICEF-Mitarbeiter Daniel Timme mit Kindern in einem Kinderzentrum in Beira, Mosambik.
© UNICEF/Wikus de Wet

Was bedeutet das für die Familien?

Über 200.000 Häuser sind zerstört. Wo ihre Behausungen standen, finden die Familien leere Flächen vor. Viele versuchen woanders neu anzufangen. Sie müssen neue Schulen für ihre Kinder finden und Gesundheitseinrichtungen. Nach dem Zyklon Idai braucht die Bevölkerung jetzt langfristige Hilfe.

Wo steht die Hilfe jetzt?

Es gibt zahlreiche Erfolgsgeschichten. Zum Beispiel ist es uns zusammen mit unseren Partnern gelungen, die Wasserversorgung für 500.000 Menschen in Beira ziemlich schnell wieder in Gang zu bringen. Die Cholera-Impfkampagne hat 900.000 Menschen erreicht.

Jetzt kommen wir langsam aus der akuten Nothilfephase heraus. Da suchen wir nach längerfristigen Lösungen. Statt Wasser in Tankwagen zu bringen, sollen Brunnen angelegt werden. Von Notschulen in Zelten sollten die Kinder rasch wieder in feste Schulgebäude umziehen können. Über 300.000 Schulkinder brauchen jetzt Unterstützung, damit ihre Bildung weitergehen kann.

Was macht Ihnen Sorgen?

Die Gefahr von Durchfallerkrankungen ist weiter hoch. Dazu kommt Malaria. Es sind bereits 7.500 Fälle bestätigt. Deshalb verteilt UNICEF 500.000 imprägnierte Moskitonetze, damit die Kinder vor den Malaria-Mücken geschützt werden. Wir bereiten auch Impfkampagnen gegen Masern und zur Entwurmung von Kindern. Vitamin-A-Tabletten zur Stärkung der Abwehrkräfte werden verteilt. Wir unterstützen auch die Einrichtung mehrerer Gesundheitsstationen in den Umsiedlungsgebieten.

Welche weiteren Schwerpunkte setzt UNICEF?

Nach einer so großen Naturkatastrophe muss der Kinderschutz dringend gesichert werden. Zusammen mit unseren Partnern organisieren wir psychosoziale Hilfsangebote und Aktivitäten in kinderfreundlichen Orten. In Aufnahmeeinrichtungen oder Gebieten wo sich Familien neu ansiedeln, müssen Sicherheitsmaßnahmen organisiert werden – zum Beispiel um Gewalt und Übergriffe zu verhindern. Weil die Familien so arm sind, besteht die Gefahr, das Kinderarbeit, Kinderheiraten oder sexuelle Ausbeutung zunehmen.

Gibt es genug Unterstützung?

Wir sind unglaublich dankbar für die schnelle und große Unterstützung – insbesondere aus Deutschland. Die Spenden haben es möglich gemacht, dass wir sofort ganz viel anschieben konnten. Jetzt brauchen wir einen langen Atem. Ich würde mich riesig freuen, wenn Spenderinnen und Spender hierbei weiterhelfen.

Rudi Tarneden

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Rudi Tarneden
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