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UNICEF ZUR LIBYEN-KONFERENZ IN BERLIN
Köln
Freitag, 17. Januar 2020, 10:07 Uhr

GEWALT IN LIBYEN GEFÄHRDET KINDER

Vor der internationalen Libyen-Konferenz in Berlin am Sonntag fordert UNICEF alle Konfliktparteien erneut dazu auf, Kinder jederzeit zu schützen, Angriffe auf Schulen zu beenden und Angriffe auf Kinder und zivile Einrichtungen zu unterbinden.

Mädchen springen Seil auf einem Schulhof in Tripolis.

Libyen: Schülerinnen springen Seil auf ihrem Schulplatz im Osten von Tripolis im Februar 2017. 
© © UNICEF/UN055246/Romenzi

Die zunehmende Gewalt in und rund um die libysche Hautstadt Tripolis seit Dezember hat schwere Auswirkungen auf das Leben der Zivilbevölkerung und gefährdet das Leben von Kindern. In einigen Ortschaften gerieten Zivilisten und Kinder zwischen die Fronten. Mindestens 150.000 Menschen mussten vor den Kämpfen fliehen, darunter 90.000 Kinder. Rund 15.000 unbegleitete geflüchtete oder migrierte Kinder und Jugendliche, von denen sich viele in Lagern in der Nähe umkämpfter Gebiete aufhalten, sind zusätzlichen Gefahren ausgesetzt. Minderjährige wurden auch zum Kämpfen rekrutiert. 

Tripolis: Schulen wurden Orte der Angst

Schulen in Tripolis sind in den vergangenen Wochen zu Orten der Angst geworden. Mehr als 115.000 Kinder in der libyschen Hauptstadt können nicht länger zur Schule gehen, weil fünf Schulen zerstört wurden und 210 weitere Bildungseinrichtungen in den Regionen Ain-Zara, Abu Salim und Soug al Juma’aa geschlossen werden mussten. Am 3. Januar wurden vier Schulen im Stadtteil Soug al Jum'aa im Osten von Tripolis angegriffen und stark beschädigt - rund 3.000 Schülerinnen und Schüler sind davon betroffen.

Für Mädchen und Jungen, die nicht zur Schule gehen können, ist das Risiko, Opfer von Gewalt oder zwangsrekrutiert zu werden, wesentlich höher. Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung - auch in Konfliktgebieten. Wenn Kindern der Zugang zu Bildung verwehrt wird, gefährdet dies ihr Leben und ihre Zukunft.

Auch Gesundheitseinrichtungen und Wassersysteme werden angegriffen und zerstört. Allein 30 Gesundheitseinrichtungen wurden aufgrund der Gewalt beschädigt, 13 mussten bereits schließen. Das Abwassersystem ist so gut wie zusammengebrochen und die Gefahr von Krankheiten wächst. Angriffe auf Schulen und zivile Einrichtungen sind eine schwere Verletzung der Kinderrechte, der Menschenrechte und des internationalen Völkerrechts.

Gemeinsam mit seinen Partnern leistet UNICEF in Libyen lebenswichtige Hilfe für Kinder in den Bereichen Wasserversorgung, Gesundheit, Bildung, Ernährung und Schutz. Seit Ende Dezember 2019 hat UNICEF:

  • Medikamente und technische Geräte wie zum Beispiel zur Kühlung von Impfstoffen für 25.000 Menschen in Al-Rehbay, Kelka, Tripolis, Al Zawia sowie in Tarhouna bereitgestellt;
  • 48 Schulen in Tarhouna mit sogenannten Early Childhood Development Kits mit Spiel- und Lernmaterialien für jüngere Kinder ausgestattet;
  • Anfang Januar Winterkleidung für Kinder in vier Internierungslagern bzw. Gefängnissen in Misrata und Tripolis verteilt;
  • Ausbildungskurse für Trainer organisiert, die Helfern zeigen, wie Kinder und Familien sich vor der Gefahr durch Minen und Blindgängern schützen können;
  • psychosoziale Unterstützung für Kinder in zwei kinderfreundlichen Orten bereitgestellt;

Zudem koordiniert UNICEF die humanitäre Hilfe in Libyen in den Bereichen Wasser und Hygiene sowie Bildung. In 2020 benötigt UNICEF rund 26,6 Millionen US-Dollar für Hilfsprogramme für Kinder in Libyen.

Rudi Tarneden

RUDI TARNEDEN

Abteilungsleiter Presse / Sprecher
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E-Mail: presse(at)unicef.de