Kolumbien: Kriegskindern helfen

Kolumbien: Neue Perspektiven für traumatisierte Kinder

Aktuell: Erdbeben in Kolumbien

Am 10. August 2026 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,4 den Westen Kolumbiens. Es war eins der schwersten Erdbeben seit Jahrzehnten. Rund 200 Menschen kamen ums Leben, darunter auch Kinder. Über 2.590 wurden verletzt (Stand: 12. August). Wir fürchten, dass die Opferzahlen noch weiter ansteigen werden. 

Besonders betroffen sind die Städte Cali, Pereira, Manizales und Quibdó. Zahlreiche Gebäude stürzten ein oder wurden schwer beschädigt, darunter auch Krankenhäuser und fast 800 Schulen. Die Stromversorgung sowie Telefon- und andere Kommunikationsverbindungen sind beeinträchtigt. Die Regierung hat den nationalen Notstand ausgerufen.

Wir von UNICEF sind in der Region vor Ort. Die UNICEF-Teams versorgen betroffene Familien unter anderem mit Trinkwasser und Hygieneartikeln und bewerten gemeinsam mit UN-Partnern und nationalen Behörden fortlaufend den humanitären Bedarf.

UNICEF fördert dauerhaften Frieden

Carlitos (Foto oben) Leben ist leichter geworden. Der Achtjährige muss jetzt nicht mehr ständig daran denken, dass er in dem giftverseuchten Viertel El Morro in Medellin aufwächst – und dass in seinem Land bis vor einiger Zeit noch Krieg herrschte. Denn mit Hilfe von UNICEF kann Carlitos wieder zur Schule gehen, so wie auch viele andere Kinder aus Medellin und Ipiales.

Die Lehrer*innen kümmern sich gezielt um Kinder, die in schwierigen Verhältnissen aufwachsen und bisher nicht zur Schule gegangen sind. Viele der Mädchen und Jungen in den ehemaligen Bürgerkriegsgebieten Kolumbiens sind verängstigt. Sie mussten Kämpfe und Vertreibung miterleben – oder sogar selbst als Kindersoldat oder Kindersoldatin dienen. Mit Ihrer Hilfe gibt UNICEF diesen traumatisierten Kindern neue Perspektiven!

Schulkinder beim unbeschwerten Tanzen.

Ein unbeschwerter Moment des Lachens: Die 13-jährige Solanyi (vorne im Bild) hat beide Eltern an den Krieg verloren. In der Schule kann sie das manchmal vergessen – zumindest für einen kurzen Augenblick.

© UNICEF/UN013372/LeMoyne

Kolumbien: Über 50 Jahre Gewalt und Angst

Seit 1964 herrschte Bürgerkrieg in Kolumbien – mehr als acht Millionen Menschen waren unmittelbar von der brutalen Gewalt und den heftigen Auseinandersetzungen betroffen. Der Kampf zwischen linksgerichteten Guerillatruppen, rechtsgerichteten paramilitärischen Gruppen und kolumbianischem Militär brachte insbesondere die ländlich lebende Zivilbevölkerung in Bedrängnis: Bewaffnete Angriffe und die Angst vor Entführungen ließen viele Familien in die Städte flüchten.

Im Jahr 2016 beschlossen die kolumbianische Regierung und FARC, die größte Guerillagruppe des Landes, das Ende des Konflikts. Wirklich stabiler Frieden herrscht damit aber leider noch nicht. Bewaffnete Gruppen kämpfen weiter gegeneinander. Seit mehreren Jahren dauern die Verhandlungen schon an. Die Umsetzung des gemeinsamen Friedensvertrages bleibt problematisch, und die Parteien sind sich im Detail noch immer nicht einig.

Wenn Krieg zum Alltag wird

In Kolumbien werden nach wie vor auch Jungen und Mädchen als Kindersoldat*innen missbraucht – viele von ihnen werden mit Waffengewalt zwangsrekrutiert. Andere schließen sich aus Not den Truppen an. Sie stammen aus armen, oft zerrütteten Familien und suchen verzweifelt nach einer Perspektive. Doch in den Truppen werden sie gequält und geschlagen, vor allem die Mädchen werden sexuell missbraucht.

Mädchen und Jungen in Kolumbien werden gezwungen zu kämpfen.

Eine junge Frau (rechts) erzählt von ihrer Zeit als Kindersoldatin: Jahrelang war sie Teil einer bewaffneten Gruppe. Jetzt spricht sie mit einer UNICEF-Mitarbeiterin darüber, um die Schrecken ihrer Vergangenheit besser zu verarbeiten.

© UNICEF/UN013282/LeMoyne

Der ständige Terror hat bei vielen Kindern zu seelischen Verletzungen geführt: Ängste und Alpträume, die vielleicht ein Leben lang bleiben werden. Und noch heute lauert überall Gefahr – auch durch Landminen und Blindgänger. Kolumbien gehört zu den weltweit am stärksten verminten Ländern. Seit den 1990er-Jahren wurden in Kolumbien schätzungsweise mehr als 12.000 Menschen durch Landminen und andere Sprengsätze getötet oder verletzt. Unter den Opfern sind rund 1.200 Kinder, und jedes Jahr kommen neue Fälle hinzu.

UNICEF stärkt Kriegskinder in Kolumbien

Mit Spenden auch aus Deutschland hat UNICEF Tausenden vom Krieg betroffenen Kindern in Kolumbien geholfen, ihre schlimmen Erlebnisse zu verarbeiten:

  • Psychologische Hilfe: Mit dem Programm "Retorno a la Alegria" – "wieder fröhlich sein" – wurden Kinder in kolumbianischen Krisenregionen psychosozial betreut. UNICEF hat dazu junge Freiwillige ausgebildet, die mit den Mädchen und Jungen spielen und malen und ihnen so helfen, ihre Erfahrungen zu verarbeiten. Auch psychologische Mitarbeitende und Sozialarbeiter*innen werden geschult. Sie unterstützen ehemalige Kindersoldat*innen, Opfer von Minenexplosionen und die betroffenen Familien dabei, ihr Leid zu bewältigen.
  • Netzwerke für Kinderschutz: UNICEF setzt sich in den früheren Konfliktregionen für einen besseren Kinderschutz ein. Lehrkräfte, Eltern, Selbsthilfegruppen und Freiwillige arbeiten in Netzwerken zusammen, um kolumbianischen Kindern in Not zu helfen. UNICEF schult die Helfenden darin, gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen lokale Sport-, Bildungs- und Kulturprojekte umzusetzen. So können die Kriegskinder Selbstbewusstsein und berufliche Perspektiven außerhalb des Militärs entwickeln. Die Mitglieder der Kinderschutz-Netzwerke klären auch über die Rekrutierungsmethoden der Kämpfer auf. So schützen sie die Mädchen und Jungen davor, als Kindersoldat*innen missbraucht zu werden.
  • Fußball für den Frieden: Mehrere Tausend Kinder und Jugendliche haben bereits am UNICEF-Programm "El Golombiao" teilgenommen. Auf spielerische Weise fördert der "Friedensfußball" Toleranz, Dialogfähigkeit und friedliche Konfliktlösung. Denn dieses Spiel hat eigene Regeln: Das erste Tor muss von einem Mädchen geschossen werden und faires Spiel wird mit Pluspunkten belohnt. El Golombiao hilft so sozial ausgegrenzten und traumatisierten Kindern, sich wieder als Teil einer Gemeinschaft zu fühlen.

Spenden für Kolumbien

Wir sind seit 1950 in Kolumbien tätig und haben zahlreiche Projekte zum Schutz der Kinder realisiert. Wir helfen überall da, wo Kinder in Kolumbien uns brauchen. Mit einer Spende unterstützen Sie unsere Arbeit vor Ort. 

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