Gewalt gegen Kinder: Ein Kind streckt zum Schutz seine Hand aus

Gewalt gegen Kinder beenden

Für viele Kinder auf der Welt ist Gewalt alltäglich

Wir müssen unsichtbare Gewalt gegen Kinder sichtbar machen

"Gleich setzt es was!“ Zucken Sie bei diesem Satz unwillkürlich zusammen? "Nochmal so etwas und ich hab' dich nicht mehr lieb!“ Haben Sie das schon einmal mit angehört?

Viele von uns können nachfühlen, wie solche Sätze auf Kinder wirken – viele Mädchen und Jungen hören sie auch heute noch täglich. Sie werden mit Worten erniedrigt, ihnen wird Angst gemacht. Noch immer werden Kinder geschlagen – und das ist nicht alles. Alltägliche Gewalt gegen Kinder hat viele Gesichter, und sie geht häufig von den Menschen aus, die den Kindern am nächsten sind. Auch in Deutschland. Dieser Tatsache müssen wir uns stellen.

Drei von vier Kindern auf der Welt 
erleben zu Hause Gewalt

Die Zahl ist erschreckend: Drei von vier Kindern weltweit erfahren zwischen ihrem zweiten und vierten Lebensjahr Gewalt durch Eltern und Erziehungsberechtigte. Sie erleben körperliche Gewalt, sexuellen Missbrauch, Vernachlässigung oder psychische Gewalt, etwa Liebesentzug, Diskriminierung, Anschreien oder Bedrohungen. Die Coronakrise und ihre Folgen haben die Risiken von Gewalt gegen Kinder nochmals verschärft. In vielen Ländern wurde der Schulbetrieb unterbrochen, viele Angebote für Kinder fallen bis heute weg. Wenn Eltern ihre Arbeit verlieren, steigt das Stresslevel in den Familien – ein Nährboden für Gewalt.

DIE FOLGEN VON GEWALT KÖNNEN FÜR KINDER VERHEEREND SEIN

Mittlerweile ist klar erwiesen, dass wiederholte Gewalterfahrungen die Gesundheit und die Entwicklung von Kindern stark beeinträchtigen können und sogar zu Depressionen, Selbstverletzungen und – im schlimmsten Fall – zum Suizid führen können. Das ständige Gefühl der Angst kann die Entwicklung des kindlichen Gehirns beeinträchtigen, mögliche Folgen sind beispielsweise Konzentrationsschwierigkeiten.

Wer als Kind körperliche oder psychische Gewalt erlebt, kann außerdem größere Probleme haben, zu lernen und positive Beziehungen einzugehen. Und: Wer Gewalt erlebt, hält sie häufig für normal. Das kann später auch die Erziehung eigener Kinder beeinflussen.

In Deutschland hielten 2016 fast die Hälfte der Eltern einen Klaps auf den Hintern noch immer für ein erlaubtes Erziehungsmittel. Wussten Sie aber, dass jedes Kind weltweit und auch in Deutschland das Recht hat, frei von jeglicher Gewalt aufzuwachsen?

  • UN-Kinderrechtskonvention

    In der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen ist der Schutz von Kindern vor Gewalt seit 1989 fest verankert. In Artikel 19 heißt es etwa: „Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Gesetzgebungs-, Verwaltungs-, Sozial- und Bildungsmaßnahmen, um das Kind vor jeder Form körperlicher oder geistiger Gewaltanwendung, Schadenszufügung oder Misshandlung, vor Verwahrlosung oder Vernachlässigung, vor schlechter Behandlung oder Ausbeutung einschließlich des sexuellen Missbrauchs zu schützen (…).“

  • Nachhaltige Entwicklungsziele

    Die internationale Gemeinschaft hat sich 17 nachhaltige Entwicklungsziele gesetzt, die bis 2030 erreicht werden sollen. Zum Kinderschutz ist in Ziel 16 festgelegt, „Missbrauch und Ausbeutung von Kindern, den Kinderhandel, Folter und alle Formen von Gewalt gegen Kinder“ zu beenden.

  • Bürgerliches Gesetzbuch

    Seit 20 Jahren gilt in Deutschland Artikel 1631 des Bürgerlichen Gesetzbuchs: „Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“

Ein Mädchen mit der UN-Kinderrechtskonvention

Laut UN-Kinderrechtskonvention haben Kinder das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung.
© UNICEF/UNI331931/Bänsch

GEWALT GEGEN KINDER BLEIBT HÄUFIG VERBORGEN

Stellen Sie sich einen Eisberg vor, dessen Gipfel spitz aus dem Wasser ragt, während der größte Teil seiner Masse unter der Oberfläche verborgen bleibt. Alltägliche Gewalt gegen Kinder wird häufig übersehen. Vieles findet innerhalb der eigenen vier Wänden statt und bleibt für andere unsichtbar. Aber auch in Kitas, Schulen und im Internet können Kinder Gewalt ausgesetzt sein. Viele Erwachsene verschließen davor die Augen. 

1,1 Milliarden Eltern und Betreuende halten die körperliche Bestrafung von Kindern für notwendig

Gewalt wird toleriert, als Privatsache oder "gar nicht so schlimm" bewertet. 1,1 Milliarden Eltern und Betreuende waren 2017 der Ansicht, dass die körperliche Bestrafung von Kindern sogar weiter notwendig ist. 

Auch wenn schwere Einzelfälle von Missbrauch und Vernachlässigung zum Glück immer häufiger öffentlich werden und gesellschaftliche Debatten auslösen – die alltägliche Gewalt gegen Kinder bleibt oft verborgen.

Beratungsstellen für Kinder und Erwachsene

Gibt es Anzeichen dafür, dass ein Mädchen oder Junge Gewalt erfährt, sollte gehandelt werden. Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene stehen erfahrene und kostenlose Anlaufstellen und Beratungsangebote zur Verfügung. 

» Eine Übersicht mit allen Kontaktinformationen finden Sie hier.

WAS MACHT UNICEF?

UNICEF will das tatsächliche Ausmaß alltäglicher Gewalt sichtbar machen, weltweit und auch bei uns in Deutschland. Wirksamer Kinderschutz hängt davon ab, ein Bewusstsein für alle Formen und für die Folgen von Gewalt gegen Kinder zu schaffen, um gesellschaftliche und individuelle Haltungen und Umgangsformen zu verändern. 

Wir sind der Überzeugung, dass Gewalt gegen Kinder durch nichts zu rechtfertigen ist. Deshalb setzt sich UNICEF weltweit für die Rechte und den Schutz von Kindern ein – mit Programmen, die genau auf die Herausforderungen im Land abgestimmt sind.

UNICEF ist weltweit an der Seite der Kinder: Beispielsweise in Bolivien unterstützt UNICEF Eltern, die auf einem der vielen Märkte des Landes arbeiten, Gewalt und Kinderarbeit zu vermeiden. Auf den Philippinen arbeitet UNICEF mit Eltern daran, in der Erziehung Alternativen zur Gewalt zu finden.

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