Pressemitteilung

UNICEF-BERICHT ZUR LAGE VON KINDERN IN DEUTSCHLAND 2013

K?ln, 24. Oktober 2013

BENACHTEILIGTE KINDER ST?RKEN

UNICEF Deutschland fordert Kraftanstrengung in neuer Legislaturperiode

UNICEF Deutschland ruft Bund, L?nder und Gemeinden dazu auf, alle Kr?fte zu b?ndeln, um verfestigte Armutssituationen bei Kindern zu verhindern. Benachteiligte Kinder und Jugendliche brauchen fr?hzeitigere und umfassendere Unterst?tzung.

Eine L?ngsschnittanalyse f?r den UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland 2013 ergab, dass zwischen 2000 und 2010 rund 8,6 Prozent der Kinder und Jugendlichen langj?hrige Armutserfahrungen gemacht haben. Die meisten von ihnen (6,9 Prozent) lebten zwischen 7 und 11 Jahre lang in einem Haushalt, der mit weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens auskommen musste. 1,7 Prozent aller Heranwachsenden wuchsen sogar 12 bis 17 Jahre unter diesen schwierigen Bedingungen auf. Auf die heutige Situation bezogen w?ren demnach insgesamt rund 1,1 Millionen Heranwachsende einen Gro?teil ihrer Kindheit und Jugend relativer Armut ausgesetzt.

Kinder in Deutschland. ?Liesa Johannssen

? UNICEF DT/2012/Liesa Johannssen

?Wir m?ssen die am st?rksten benachteiligten Kinder fr?hzeitiger und umfassender unterst?tzen?, erkl?rte Prof. Dr. Hans Bertram, Herausgeber des UNICEF-Berichts, der heute in Berlin vorgestellt wurde. ?Der Ausbau von Krippen, Kitas und Ganztagsschulen allein reicht nicht aus, um das Wohlbefinden und die Teilhabe dieser Kinder zu sichern.?

?Jedes Kind hat ein Recht darauf, dass wir ihm helfen, einen Platz im Leben zu finden?, sagte Dr. J?rgen Heraeus, Vorsitzender von UNICEF Deutschland. ?Wir d?rfen nicht hinnehmen, dass eine gro?e Gruppe von Kindern einfach abgeh?ngt wird.?

Vorstellung des neuen UNICEF-Berichts in Berlin. ?UNICEF/Kerstin B?cker.

Pressekonferenz in Berlin zur Vorstellung des neuen UNICEF-Berichts (v.l.n.r.): UNICEF-Pressesprecher Rudi Tarneden, Dr. J?rgen Heraeus, Vorsitzender von UNICEF Deutschland, Prof. Dr. Hans Bertram?und UNICEF-Gesch?ftsf?hrer Christian Schneider.
? UNICEF/Kerstin B?cker

Lange Armutsphasen kosten Zukunft

Namhafte Wissenschaftler stellen in dem Report neue Forschungsergebnisse zur Situation von Kindern vor, die besonders von Ausschluss bedroht sind: Kinder alleinerziehender und arbeitsloser Eltern, Kinder mit Migrationshintergrund sowie Kinder in problematischen und gewaltbelasteten Lebensverh?ltnissen.

UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland. ?UNICEF/Kerstin B?cker.

Reiche, kluge, gl?ckliche Kinder? Gesch?ftsf?hrer Christian Schneider pr?sentiert den neuen UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland.?
? UNICEF/Kerstin B?cker.

Armutserfahrungen haben demnach stark negative Auswirkungen auf Kinder, wenn sie mindestens ein Drittel der Kindheit andauern. Je l?nger und je ?fter Kinder Phasen von relativer Armut durchleben, desto negativer sind die Folgen nicht nur f?r die materielle Situation. Wer als Kind dauerhaft unterhalb der Armutsgrenze leben muss, ist als Erwachsener deutlich unzufriedener mit seinem Leben. Gelernte Hoffnungslosigkeit macht es schwer, Herausforderungen im weiteren Leben zu meistern.

Besonders schwierig ist die Situation von Kindern alleinerziehender Eltern. Sie haben zum Beispiel bereits am Ende der vierten Klasse einen Leistungsr?ckstand in Mathematik und Naturwissenschaften von einem halben Lernjahr auf ihre Altersgenossen. Die Ursache liegt jedoch nicht in der Familienform, sondern in den sozialen und ?konomischen Problemen vieler alleinerziehender Eltern. 2009 hatte zum Beispiel jede vierte alleinerziehende Mutter die Schule nicht beendet bzw. lediglich einen Hauptschulabschluss.

UNICEF Deutschland h?lt es f?r dringend erforderlich, dass Bund, L?nder und Gemeinden gemeinsam die Teilhabechancen der am st?rksten benachteiligten Kinder verbessern. Die Politik sollte sich das Ziel setzen, den Anteil von Kindern in verfestigter Armut in den kommenden vier Jahren zu halbieren.

Wird nicht gegengesteuert, kann das Wohlbefinden und die Zukunftsf?higkeit der Kinder Schaden nehmen. So belegen Untersuchungen, dass diese Kinder weniger Sport machen, mehr fernsehen und h?ufiger rauchen. Problembelastete Kinder und Jugendliche sind auch st?rker in Gefahr von Computer- und Internetabh?ngigkeit, da sie dort m?glicherweise leichter Erfolgserlebnisse haben.

?Schwierige? Lebensverh?ltnisse sind auch Hauptursache f?r gewaltt?tiges Verhalten: schlagende Eltern, Gewaltmedienkonsum, gewaltakzeptierende M?nnlichkeitsnormen und das Zusammentreffen vieler Heranwachsender mit solchen Erfahrungen in bestimmten Schulen oder Stadtteilen. Gleichzeitig wirken aber auch pr?ventive Ma?nahmen gegen Gewalt. So sank insgesamt der Anteil der polizeilich registrierten Straftaten von Jugendlichen von 8,2 Prozent in 1998 auf 6,7 Prozent in 2011.

Im internationalen Vergleich der Industrienationen schneidet Deutschland beim Wohlbefinden von Kindern im oberen Drittel ab. So gibt es Fortschritte bei der Bildung und bei der Gesundheit. Und auch die materielle Situation der deutschen M?dchen und Jungen ist mit Platz 11 unter 29 L?ndern vergleichsweise gut. Allerdings birgt der Blick auf Durchschnittswerte die Gefahr, die gravierenden Probleme eines Teils der Kinder zu ?bersehen.

UNICEF-Forderungen an die deutsche Politik

Zu Beginn der neuen Legislaturperiode fordert UNICEF Deutschland einen konkreten Ma?nahmenplan, um zu verhindern, dass benachteiligte Kinder ?abgeh?ngt? werden:?

  • Die Politik muss entschieden gegen Kinderarmut vorgehen. Die neue Bundesregierung sollte in einer gemeinsamen Kraftanstrengung mit L?ndern und Kommunen konkrete Ziele zur ?berwindung der Kinderarmut entwickeln und umsetzen. Alle in Deutschland lebenden Kinder sollten einen eigenen Rechtsanspruch auf eine Grundsicherung erhalten.
  • Bildung in Deutschland sollte fr?hzeitige und gezielte F?rderung f?r?benachteiligte Kinder umfassen.?Benachteiligte Kinder brauchen zielgenaue und fr?hzeitige F?rderung und gut ausgebildete Lehrkr?fte. Die Bildungspolitik f?r diese Kinder sollte durch gezielte Arbeits- und?Sozialpolitik erg?nzt werden, die vor allem Alleinerziehende wirksam unterst?tzt.?
  • Alle Kinder haben das Recht auf umfassenden Schutz vor Gewalt.?Die Bundesregierung sollte zur Bek?mpfung der Gewalt gegen Kinder eine verbindliche,?mit L?ndern, Kommunen und den Akteuren der Zivilgesellschaft abgestimmte und?ausreichend finanzierte nationale Strategie entwickeln.?
  • Die UN-Kinderrechtskonvention vollst?ndig umsetzen.?Um dem Kindeswohl Vorrang bei allen Kinder betreffenden Entscheidungen zu geben, sollten die Rechte der Kinder ausdr?cklich im Grundgesetz verankert werden. UNICEF Deutschland fordert zudem einen Beauftragten f?r Kinderrechte auf Bundesebene.
  • Die neue Bundesregierung sollte Kommunen dabei unterst?tzen,?kinderfreundlicher zu werden.?Es ist vor allem die Aufgabe der Kommunen, Kinderrechte umzusetzen. Bund und L?nder m?ssen St?dte, Gemeinden und Nachbarschaft dabei unterst?tzen ein positives Umfeld schaffen, in dem Kinder und Jugendliche geh?rt und beteiligt werden.

Der UNICEF-Bericht zur Lage von Kindern in Deutschland ?Reiche, kluge, gl?ckliche Kinder?? (Hrsg. Hans Bertram) erscheint im Verlag Beltz Juventa.

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Rudi Tarneden

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Ein M?dchen in der Arche in Berlin Hellersdorf ? UNICEF DT/2012/Liesa Johannssen

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