© UNICEF/UNI939216/JamalSudan Al-Fasher: Eine Frau im Sudan unterstützt geflüchtete Familien als Ernährungsberaterin.
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Sudan: Für die Menschen aus Al-Fashir

„Obwohl ich alles verloren habe, habe ich noch etwas zu geben“

Wir stellen Ihnen fünf beeindruckende Frauen aus dem Sudan vor, die uns zeigen, was Mitgefühl und Hilfsbereitschaft bedeuten. Trotz ihrer eigenen Not empfangen sie Geflüchtete aus Al-Fashir mit offenen Armen. Als ehrenamtliche Helferinnen schenken sie den Vertriebenen Schutz, Geborgenheit und Hoffnung. 

Seit drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg. Kinder sterben oder erleiden schwere Verletzungen bei Angriffen, viele werden Opfer sexualisierter Gewalt. Immer wieder werden Wohnhäuser, Schulen, Märkte und Krankenhäuser bei den Angriffen getroffen. Millionen Menschen fliehen vor der Gewalt.

In der Stadt Al-Fashir ist die Lage besonders katastrophal: Ganze Stadtteile werden belagert, Krankenhäuser geraten unter Beschuss, Straßen werden blockiert. Im November wurde dort eine Hungersnot festgestellt. Zehntausende Menschen haben die Stadt bereits verlassen und suchen Zuflucht in anderen Regionen des Sudan.

Wenn die aus Al-Fashir Vertriebenen nach tagelanger Flucht in Städten wie Tawila, Golo und Rokero ankommen, sind sie hungrig und zutiefst erschöpft. Doch auch in den Camps fehlt es an allem: Trinkwasser, Lebensmittel, sanitäre Anlagen sind Mangelware.

  • Sudan Al-Fashir: Die 6-jährige Touba vermisst nach der Flucht ihr Zuhause.

    „Ich vermisse unser Zuhause, meine Freunde, unsere Nachbarn und einfach alles“, sagt Touba. „Ich möchte nach Hause.“ Die Sechsjährige und ihre Familie wurden aus ihrer Heimat in Al-Fashir (Nord-Darfur) vertrieben. Ende 2025 erreichten sie das Lager Golo in Zentral-Darfur. 

    © UNICEF/UNI941673/Jamal
  • Sudan Al-Fashir Geflüchtete: Asma kann seit einem Jahr nicht mehr zur Schule gehen.

    „Ich war seit einem Jahr nicht mehr in der Schule“, erzählt Asma (10). Im Dezember 2025 kam sie im Flüchtlingslager Golo Jadeeda in Zentral-Darfur an. „Ich habe hier keine Freunde. Ich vermisse mein Zuhause sehr, aber ich will nicht zurück. Ich bin hier glücklich, weil es keinen Krieg gibt.“

    © UNICEF/UNI941678/Jamal
  • Sudan Al-Fashir: Die 9-jährige Tuqaa musste vor der Gewalt in ihrer Heimat Al-Fasher fliehen.

    „Ich wünsche mir, dass die Erwachsenen diesen Krieg beenden“, sagt Tuqaa (9), als sie nach ihrer Flucht im Geflüchtetencamp in Zentral-Darfur angekommen ist. „Meine Freundinnen und Freunde sind jetzt überall verstreut.“

    © UNICEF/UNI941674/Jamal
  • Sudan Al-Fashir: Die 14-jährige Mihrab ist aus der Region Al-Fasher geflüchtet.

    „Ich lerne sehr gern und möchte wieder zur Schule gehen“, sagt Mihrab (14) traurig. Seit Kriegsbeginn 2023 war sie nicht mehr in der Schule. „Statt zur Schule zu gehen, verbringe ich meine Zeit hier im Camp damit, Wasser für meine Familie zu holen.“ 

     

    © UNICEF/UNI943044/Jamal

Hilfe und Mitgefühl finden die geflüchteten Kinder und Familien bei Frauen, die sich als freiwillige Helferinnen in dieser akuten Notlage engagieren zum Beispiel als Lehrerin, Ernährungsberaterin oder Sozialarbeiterin.

Die meisten dieser Helferinnen sind selbst Vertriebene. Sie haben das Leid am eigenen Leib erlebt. Doch trotz ihrer eigenen Not empfangen sie die Ankommenden mit großer Fürsorge. Sie haben sich ihre Hilfsbereitschaft, Güte und Solidarität bewahrt und zeigen uns, dass Menschlichkeit selbst in diesem verheerenden Krieg überlebt. UNICEF hat mit fünf dieser Frauen gesprochen, die ich Ihnen hier vorstellen möchte.

Fadeela, Ernährungsberaterin: „Ich fühle den Schmerz der Mütter“

Sudan Al-Fasher: Eine Frau im Sudan unterstützt geflüchtete Familien als Ernährungsberaterin.

Die fünffache Mutter Fadeela unterstützt als Ernährungsberaterin andere Familien, die nach ihrer Vertreibung Hilfe brauchen. 

© UNICEF/UNI939216/Jamal

Viele Familien, die aus Al-Fashir geflohen sind, haben in Golo, Zentral-Darfur, Zuflucht gesucht. Dort arbeitet Fadeela Ahmed in einem Gesundheitszentrum als Ernährungsberaterin. Mit einem Arm hält sie ihr eigenes Baby, während sie gleichzeitig geflüchtete Mütter und Kinder betreut, die dringend Hilfe brauchen.

Wenn die Mütter hier ankommen, sind sie so unterernährt, körperlich erschöpft und traumatisiert, dass ihre Muttermilch nicht mehr fließt und sie nicht stillen können. Dadurch verschlechtert sich der ohnehin schon schlechte Ernährungszustand ihrer Kinder noch weiter.

Fadeela, Ernährungsberaterin

Täglich geht Fadeela über 45 Minuten zum Gesundheitszentrum, um die Vertriebenen zu unterstützen. Sie untersucht Kinder und Mütter, versorgt mangelernährte Kinder mit Spezialnahrung und gibt ihnen neue Hoffnung. Als Mutter von fünf Kindern kennt Fadeela die Sorgen der Frauen genau. Trotz der schwierigen Lage im Sudan bleibt sie fest entschlossen, weiterhin zu helfen. „Wenn Mütter uns um Ernährungsberatung bitten, können wir nicht ablehnen, weil wir den Schmerz dieser Mütter nachempfinden. Ich stelle mir immer vor, es wäre meine eigene Tochter, die lebensrettende Hilfe bräuchte“, sagt sie.

Das Gesundheitszentrum, in dem Fadeela arbeitet, wird von UNICEF unterstützt. Vertriebene Familien werden hier medizinisch versorgt und behandelt.

Alawiya, Lehrerin: „Durch Bildung wird der Frieden siegen“

Sudan Al-Fasher: Eine Lehrerin im Sudan unterrichtet in einem Camp für Geflüchtete.

Die Schule, in der Hunderte Menschen wie Alawiya untergekommen sind, ist für sie als Lehrerin zugleich ihr Arbeitsplatz. 

© UNICEF/UNI939557/Jamal

Alawiya ist Lehrerin und Mutter von vier Kindern. Auch sie floh vor der Gewalt in Al-Fashir. Mit wenigen Habseligkeiten kam sie nach ihrer Flucht in Rokero (Zentral-Darfur) an. Anfangs lebte sie mit ihren Kindern auf der Straße, bis sie in der Al-Zahra-Grundschule Zuflucht fand. Nachts dient ihr die Schule als Zuhause, tagsüber als Arbeitsplatz: „Ich schlafe im Klassenzimmer und gehe frühmorgens hinaus, um Tee zu trinken, mich umzuziehen und anschließend zu unterrichten“, erzählt sie. „Bildung ist entscheidend für das Leben der Einzelnen und der Gemeinschaften.“

Um aus der tragischen aktuellen Situation im Sudan herauszukommen, gibt es keinen anderen Weg als Bildung. Und durch Bildung wird der Frieden siegen.

Alawiya, Lehrerin

Wie die anderen Familien, die in der Schule Schutz suchen, hat auch Alawiya die Vertreibung erlebt: „Es ist schmerzhaft für uns alle. Wir haben alle dasselbe durchgemacht. Aber wir trösten uns gegenseitig“, sagt sie. Über 1.200 Schülerinnen und Schüler, darunter 400 geflüchtete Kinder, lernen an der Schule, an der Alawiya lebt und unterrichtet.

Latifa, Helferin im UNICEF-Spiel- und -Lernzentrum: „Dieser Ort hier bedeutet Sicherheit, Fürsorge und Liebe für die Kinder“

Sudan Geflüchtete Al Fasher: Eine junge Frau engagiert sich als Freiwillige in einem Geflüchtetencamp in Tawila / Nord-Darfur

Latifa arbeitet ehrenamtlich als Helferin in einem UNICEF-Zentrum, in dem Kinder spielen und lernen können. Täglich sieht sie dort, wie die Kinder in diesem sicheren Ort aufblühen und wieder ein kleines bisschen Glück und Freude erleben. 

© UNICEF/UNI941833/Jamal

Latifa wurde im Sudan mehrfach vertrieben, bevor sie Ende 2025 in Tawila, Nord-Darfur, ankam. Seitdem engagiert sie sich in einem kinderfreundlichen UNICEF-Zentrum. Dort hilft sie Kindern, die vom Krieg betroffen sind, beim Lernen und spielt mit ihnen.

Dieser Ort bedeutet Sicherheit, Fürsorge und Liebe für diese vertriebenen Kinder. Sie haben in so jungen Jahren schon so viel Schlimmes erlebt.

Latifa, Helferin in einem UNICEF-Spiel- und -Lernzentrum

Täglich sieht Latifa die Angst, das Trauma, den Verlust und den Schmerz in den Augen der Kinder, die sie betreut. Doch sie glaubt fest daran, dass ihre Unterstützung den Kindern hilft, zu heilen. Im UNICEF-Zentrum tanken sie auf und schöpfen neue Kraft. Latifa beobachtet, wie die Kinder schon nach kurzer Zeit wieder kleine Momente der Freude und des Glücks erleben: „Die Kinder haben so viele Erinnerungen an Gewalt. Sie brauchen Unterstützung und Dinge, die sie an ihre Kindheit erinnern, zum Beispiel Spiele und Spielzeug. Sie verändern sich völlig, nachdem sie hierher gekommen sind.“

Latifa kennt den Schmerz von Verlust und Vertreibung aus eigener Erfahrung. Deshalb hat sie sich vorgenommen, mit ihrer Arbeit zu einem sicheren Ort beizutragen, an dem Kinder spielen, sich austauschen, Freundschaften schließen und heilen können.

Amina, Hebamme: „Ich habe immer noch etwas zu geben“

Sudan Geflüchtete Al-Fashir: Amina arbeitet als Hebamme in einem Gesundheitszentrum in Nord-Darfur

Die Hebamme Amina hat selbst eine dramatische Flucht hinter sich. Im UNICEF-Gesundheitszentrum unterstützt sie Schwangere und Stillende.

© UNICEF/UNI941778/Jamal

Auch Amina, eine Hebamme, wurde aus ihrer Heimat Al-Fashir vertrieben und lebt nun in Tawila. Ihre Flucht beschreibt sie mit bewegenden Worten: „Viele Kinder starben auf dem Weg. Ich traf eine schwangere Frau mit Vierlingen. Sie kam nur mit dem einen Kind im Bauch an.“ Diese Erlebnisse bestärken Amina, weiter als Hebamme zu arbeiten und Müttern bei der Geburt ihrer Kinder beizustehen.

Die Frauen kommen erschöpft, hungrig und verängstigt an. Viele kommen aus dem Zamzam-Flüchtlingscamp. Sie haben keine Unterkunft, keine Decken, nichts, um ihre Neugeborenen einzuwickeln.

Amina, Hebamme

„Obwohl ich selbst alles verloren habe, habe ich immer noch etwas zu geben“, sagt sie. In Tawila arbeitet sie nun in einer Gesundheitseinrichtung, die von UNICEF unterstützt wird. Dort betreut sie Schwangere und begleitet sichere Entbindungen. Sie kümmert sich auch um die Nachsorge, berät zur Ernährung und sorgt dafür, dass schwangere und stillende Frauen die nötigen Medikamente und Vitamine bekommen. Doch die Zustände in den Lagern, in die die Frauen nach dem Besuch des Gesundheitszentrums zurückkehren müssen, bereiten ihr Sorgen: „Die überfüllten Unterkünfte und die kalten Nächte bergen ernsthafte Gefahren für Neugeborene.“

Jeden Abend geht Amina vom Gesundheitszentrum nach Hause zu ihren eigenen Kindern. Als Geflüchtete teilt sie mit ihrer Familie die gleichen Unsicherheiten wie die Frauen, denen sie hilft. Und doch steht sie jeden Morgen wieder auf und kehrt zurück, um ihre Arbeit fortzusetzen.

Mahla, Sozialarbeiterin: „Wir helfen uns hier gegenseitig, zu heilen“

Sudan Geflüchtete Al-Fasher: Mahla arbeitet als Sozialarbeiterin in einem Camp in Nord-Darfur.

Die Sozialarbeiterin Mahla bietet Frauen und Mädchen psychosoziale Gespräche an, damit sie das Erlebte verarbeiten können. 

© UNICEF/UNI941831/Jamal

Mahla arbeitet als Sozialarbeiterin in einem Zentrum in Tawila, das Frauen und Mädchen unterstützt, die unter den Folgen des Kriegs im Sudan leiden. Auch Mahla wurde vertrieben. Sie kennt das Leid, das geflüchtete Familien täglich durchleben, aus eigener Erfahrung. In dem von UNICEF geförderten geschützten Raum verbringt sie Zeit mit den betroffenen Frauen und Mädchen und bietet ihnen psychosoziale Unterstützung in Einzel- und Gruppengesprächen.

Ich weiß, wie viel man ertragen muss, um in Sicherheit zu gelangen – und welche Risiken damit verbunden sind. Wir harrten zwei Wochen lang hungrig und durstig in der Sonne aus, bevor wir hier ankamen. Kleine Kinder starben auf der Flucht vor Hunger, weil es weder Essen noch Schatten gab.

Mahla, Sozialarbeiterin

„Ich kann gar nicht beschreiben, welchen Unterschied dieser Ort für Frauen und Mädchen macht“, sagt Mahla. „Hier fühlen sie sich gesehen, gehört und sicher. Die Frauen und Mädchen behandeln einander wie Schwestern. Wir helfen uns hier gegenseitig zu heilen.“

Die Kinder im Sudan brauchen jetzt unsere Hilfe

Der Krieg im Sudan verursacht unermessliches Leid für Millionen von Kindern und Familien. UNICEF ist vor Ort im Sudan, um die Kinder und ihre Familien zu unterstützen. Unsere Teams leisten Hilfe sowohl in Regionen, in die Familien vor der Gewalt fliehen, als auch direkt in den Konfliktgebieten. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende! Vielen Dank, dass Sie helfen. Jeder Beitrag zählt!

Autor*in Susanne Nandelstädt

Susanne Nandelstädt arbeitet als Online-Redakteurin für UNICEF. Im Blog schreibt sie über UNICEF-Projekte weltweit.