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Fotoreportagen

Kinder-Porträts aus Syrien: 12 Gesichter, 12 Schicksale

Mein Name ist Muhammed Muheisen. Ich bin Fotograf. Seit einem Jahrzehnt reise ich durch Länder auf der ganzen Welt, um das tägliche Leben und die Herausforderungen syrischer Flüchtlinge zu dokumentieren.

Mittwoch, 03.03.2021, 09:00 Uhr

von Muhammed Muheisen  •  10 Kommentare

10 JAHRE KRIEG IN SYRIEN - UND KEIN ENDE IN SICHT

Mit diesen bislang unveröffentlichten Porträts möchte ich den Kindern ein Gesicht geben. Sie sind Teil meiner Fotoreportage "Voices", die ich zum zehnten Kriegsjahr Syriens zusammengestellt habe.

Für mich ist ein Bild nie nur ein Bild – es ist mehr. Es ist eine Geschichte, ein Zeugnis und eine Botschaft aus einem Teil der Welt an den anderen Teil der Welt. Durch meine Fotos werden diese Stimmen gehört und sichtbar.

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2012 und 2013 fotografierte ich in Syrien, danach immer wieder in Flüchtlingslagern in Jordanien. 2015 stand ich mit meiner Kamera an den Ufern der griechischen Insel Lesbos.

Ich reiste mit den Geflüchteten über die Balkanroute und dokumentierte, wie sie in Ländern Nordeuropas versuchten ein neues Zuhause zu finden.

Portrait: Mohammed AlHassan/Nour Abdulrazaq

Mohammed AlHassan (9) aus Qamishli, fotografiert im Lager Eleonas in Athen, Griechenland. "Ich erinnere mich nur an den Krieg in Syrien", sagte mir Mohammed 2019, zwei Jahre nachdem er und seine Familie vor dem Krieg in Syrien geflohen sind, wie seine Eltern erzählten. // Nour Abdulrazaq (12) aus Deir ez-Zor, fotografiert im Lager Elefsina nordwestlich der griechischen Hauptstadt. "Ich und meine Zwillingsschwester Manar haben immer die Kampfjets beobachtet und sie am Himmel gezählt". Ich traf Nour im September 2018, etwa acht Monate nachdem sie und ihre Familie vor dem Krieg in Syrien geflohen waren.

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Ich sage immer: "In jedem Bild steckt eine Seele". Die Bilder zeigen Menschen, die gezwungen waren, alles hinter sich zu lassen auf der Suche nach einem neuen, sicheren Zuhause.

Niemand verlässt gerne seine Heimat, sein Zuhause, den Ort seiner Kindheit – es sei denn, er hat keine andere Wahl. Das versuche ich in meinen Bildern zu erzählen.

"Ich habe die Hoffnung durch ihre Augen gesehen und Hoffnung ist alles, was sie haben."

Portrait: Ahmad Mahmoud/Zahra Mahmoud

Ahmad Mahmoud (10) aus Deir ez-Zor, fotografiert in einer Zeltsiedlung am Rande von Mafraq, Jordanien. Ich traf Ahmad zum ersten Mal im Jahr 2016, ein Jahr nachdem er und seine Familie vor dem Krieg in Syrien geflohen waren. // Zahra Mahmoud (9) aus Deir ez-Zor, lebt mit ihrer Familie in einer Zeltsiedlung am Rande von Mafraq, Jordanien. Im Jahr 2015 flohen Zahra und ihre Familie vor dem Krieg in Syrien und fanden im benachbarten Jordanien Schutz. Ich habe Zahra 2015 zum ersten Mal getroffen und  zuletzt im Februar 2020.

© UNICEF/UN0415715/Muheisen; UNICEF/UN0415716/Muheisen

Zahra ist eines dieser Kinder, die mir besonders ans Herz gewachsen sind. Sie ist Teil meines Lebens, so wie ich ein Teil ihres Lebens bin. Ich traf Zahra Mahmoud zum ersten Mal im Jahr 2015, kurz nachdem sie und ihre Familie vor dem Krieg in Syrien geflohen waren und in einer Zeltsiedlung im benachbarten Jordanien Schutz gesucht hatten.

Sie war traurig, still und die Narben des Krieges waren überall in ihrem Gesicht zu sehen. Ich wollte unbedingt ihre Geschichte mit der Welt teilen und es wurde zu meiner Mission, diese Geschichte am Leben zu erhalten.

"Hoffnung ist alles, was wir haben. Wir sollten nie aufhören zu hoffen."

Seitdem habe ich Zahra und ihre Familie mindestens einmal im Jahr besucht und über die Jahre habe ich Zahra vor meinen Augen und vor meiner Kameralinse wachsen sehen. Im Februar 2020 habe ich Zahra und ihre Familie das letzte Mal persönlich gesehen. In einem Videoanruf im April war Zahra so glücklich, mit mir zu sprechen, dass sie mir durch den Bildschirm eine Blume anbot und wir versprachen, uns bald wieder zu treffen.

Portrait: Tabarak Ahmad/Anas Mohammed

Tabarak Ahmad (5) aus Deir ez-Zor, fotografiert im Lager Eleonas in Athen, Griechenland. Ich habe Tabarak das erste Mal 2019 und das letzte Mal im Mai 2020 getroffen. Laut Ahmad al Alaa, Tabaraks Vater, sind sie froh, in Sicherheit zu sein und sie tun ihr Bestes, um sich zu integrieren und sich ein neues Leben aufzubauen. // Anas Mohammed (2) aus Al Hasaka, lebt mit ihren Eltern in einer Zeltsiedlung am Rande von Mafraq, Jordanien. Anas wurde in Jordanien geboren. Ich habe Anas zum ersten Mal im Mai 2018 getroffen, als sie etwa 6 Monate alt war. Ihre Eltern sind 2015 aus Syrien geflohen und leben seitdem in Zeltsiedlungen in Jordanien.

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Indem ich Kinder porträtiere, sind sie nicht mehr nur "der syrische Flüchtlingsjunge oder das syrische Flüchtlingsmädchen", sondern sie stehen mit ihrem Namen und ihren Träumen für eines von unzähligen Schicksalen.

In dem vergangenen Jahrzehnt habe ich viel von jungen Menschen gelernt, die direkt von den Konflikten betroffen sind. Sie haben mich gelehrt, mich glücklich und gesegnet zu fühlen. Zu schätzen, dass ich sicher und gesund bin.

Portrait: Manar Abdulrazaq/Aseel Fouad

Manar Abdulrazaq (12) aus Deir ez-Zor, fotografiert im Lager Elefsina nordwestlich der griechischen Hauptstadt. "Ich wünsche mir, wieder zur Schule zu gehen. Wir mussten unser Zuhause in Syrien verlassen, nachdem es durch einen Luftangriff zerstört wurde, ich kann mich noch an das Geräusch der Kampfjets am Himmel erinnern. Es war so beängstigend", sagte Manar. Ich traf sie im September 2018, etwa 8 Monate nachdem sie und ihre Familie vor dem Krieg in Syrien geflohen waren. // Aseel Fouad (5) aus Deir ez-Zor, fotografiert in einer Zeltsiedlung am Rande von Mafraq, Jordanien.

© UNICEF/UN0415713/Muheisen; UNICEF/UN0415714/Muheisen

Die Menschen, die ich fotografiere, haben Namen, Träume, Erinnerungen und Hoffnungen, und ich gebe mein Bestes, um ihre Geschichten der Welt zu erzählen. 

Ich gehe nicht einfach vorbei und mache ein Foto. Ich verbringe Zeit mit ihnen und ich hoffe so einen Unterschied zu machen, ob dieser groß oder klein ist – zumindest fangen wir irgendwo an. Das ist eine riesige Aufgabe. Es sind keine hundert Meter, es ist ein Marathon.

Portrait: Rama Al Hiji/Malak Al Hiji

Rama Al Hiji (7) aus Idlib, fotografiert im Eleonas Camp in Athen, Griechenland. Laut Ramas Mutter ist ihre Tochter stark traumatisiert, weil sie in Syrien Dinge erlebt hat, die ein Kind niemals hätte erleben dürfen. // Malak Al Hiji (9) aus Idlib, fotografiert im Lager Eleonas in Athen, Griechenland.

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Ich konzentriere mich hauptsächlich auf Kinder, weil ich glaube, dass Kinder die wahren, oftmals verborgenen Leidtragenden von Konflikten sind.

Kinder auf der ganzen Welt haben eines gemeinsam: Sie suchen Spaß, sie suchen Freude, sie suchen Glück. Egal woher sie kommen und unter welchen Umständen sie aufwachsen und leben.

INFO

Muhammed Muheisen

Muhammed Muheisen dokumentiert seit 2001 große Krisen und Konflikte in Asien, Europa, dem Nahen Osten, Afrika und den USA. Seit über einem Jahrzehnt fotografiert er die Flüchtlingskrise in verschiedenen Teilen der Welt. 2017 gewann er den Fotowettbewerb von UNICEF Deutschland.

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