ABDULLAHS GESCHICHTE

8. November 2016 von Eva Padberg 1 Kommentar

Im Irak suchen hunderttausende Kinder Zuflucht vor Terror und Gewalt. Im Flüchtlingscamp Camp Debaga und an weiteren Stationen ihrer Irak-Reise hat UNICEF-Botschafterin Eva Padberg viele Kinder kennengelernt und ihre Geschichten gehört.

Egal, mit wem man hier in Debaga spricht, eine Schreckensgeschichte hat jeder Erwachsene und jedes Kind zu berichten.

Reisetagebuch Eva Padberg: Abdullah erzählt seine Geschichte

© UNICEF/UNI.DT2016-50210/Claudia Berger

Eine davon ist die von Abdullah, 11 Jahre alt, den ich im Jugendcenter kennenlerne. Das Jugendcenter ist im ehemaligen Footballstadium untergebracht und beherbergt derzeit 60 unbegleitete Jungen zwischen 11 und 17 Jahren. Betreut von sieben Sozialarbeitern und zwei Ausbildern sind die Jugendlichen in diesem separaten Trakt untergebracht, bestehend aus einem Volleyballhof und zwei großen Zelten.

Abdullahs Vater war Polizist. Als der IS in sein Dorf kam, wurden die Schulen für alle Mädchen geschlossen und der Unterricht für die Jungen hatte ein Curriculum, das den Zielen des IS entsprach. Alle Menschen, die bei der Regierung arbeiteten, wurden gezielt getötet.

Abdullahs Vater versteckte sich. Der Junge wurde vom IS gezwungen, seinen Aufenthaltsort zu verraten. Er wollte es nicht, aber als sie gedroht haben, ihn umzubringen, hat er das Versteck preisgegeben. Dem Vater wurde die Kehle durchschnitten.

Abdullahs Leid geht weiter

Nach dem Tod seines Vaters heiratete Abdullahs Mutter einen neuen Mann, der es ihr nicht erlaubt hat, ihren Sohn mit in die Ehe zu bringen. Seine Tante ist mit ihm und ihren vier Töchtern nach Debaga geflüchtet. Dort lebt sie jetzt in einem anderen Teil des Camps und sagt, sie kann sich nicht auch noch um den Jungen kümmern, da sie mit ihren eigenen Kindern plus der Tochter ihres Bruders schon überfordert ist.

Reisetagebuch Eva Padberg: Ein Zelt des Jungendcenters

© UNICEF/UNI.DT2016-50211/Claudia Berger

Seit einem Monat lebt er nun im Jugendcenter. Hin und wieder besucht er seine Tante. Abdullah ist schwer traumarisiert und wird von einer Sozialarbeiterin betreut. Sie redet viel mit ihm, und der Junge ist ihr sehr ans Herz gewachsen. Sein Leidensweg geht aber auch hier im Lager immer weiter.

„Leider gibt es nur ein Zelt mit Schlafplätzen für alle 60 Jungen“, berichtet seine Sozialarbeiterin Zaynab Muhemed Omar. „Er hat mir erzählt, dass er schon zweimal sexuell bedrängt wurde. Es muss hier einfach einen separaten Platz für die Jüngeren geben. Sie müssen vor den Älteren geschützt werden.“

Wie sieht Abdullahs Zukunft aus?

Abdullah ist erst 11 Jahre alt, aber sein Gesicht ist von Leid und den Schrecken des Krieges gezeichnet. Seine Augen haben keinen kindlichen Glanz mehr, der Blick ist leer. Abdullah ist ein Gesicht der verlorenen Generation. Was sind seine Hoffnungen, seine Perspektiven?

Reisetagebuch Eva Padberg: Flüchtlingscamp Debaga

© UNICEF/UNI.DT2016-50212/Claudia Berger

Seine Tage verbringt er am liebsten beim Fußballspielen, und bald wird er eine Schule im Camp besuchen dürfen. Seine Sozialarbeiterin hat ihn gerade dafür angemeldet. Die Schule sei zwar sehr überfüllt, aber zumindest hat er dann eine Aufgabe und vielleicht auch ein Ziel, für das es sich zu kämpfen lohnt.

Abdullahs größter Wunsch: zur Schule zu gehen … und ein Fahrrad. 

Lesen Sie in den kommenden Tagen weitere Berichte von Eva Padberg über ihre Reise in den Irak und Besuche bei UNICEF-Helfern vor Ort.

Reisetagebuch Eva Padberg

Teil 1: Von Erbil ins Lager Debaga
Teil 2: Abdullahs Geschichte
Teil 3: Nach Akre in der Provinz Dohuk
Teil 4: Kinderfreundliche Schule in Erbil
Übersicht über die gesamte Reise

KOMMENTARE

  • anonym
    04. Dezember 2016 20:51 Uhr

    sehr geehrte frau padberg,

    ich habe heute mit meiner syrischen freundin zusammen gegen die kindernot im jemen gespendet. es gibt so viel kinderleid auf der welt. deswegen kaufen wir auch manche produkte nicht mehr. wir mussten uns aber entscheiden... deswegen jemen. so viel leid. so viel gewalt. so viele entbehrungen... furchtbar.

    ich hoffe, sie spenden auch was?! das meine ich jetzt etwas provokativ aber auch hoffnungsvoll. übers köpfchen streicheln genügt manchmal nicht... wenn kinder verhungern.

    mit besten weihnachtlichen grüssen,

    sabine boscheinen

KOMMENTAR SCHREIBEN

Herzlich Willkommen im UNICEF-Blog! Für ein faires Miteinander beachten Sie bitte die Verhaltensregeln.
*Pflichtfeld