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Gut zu wissen

Fragen & Antworten: UNICEF und die weltweite Corona-Impfaktion

Im Rahmen der COVAX-Initiative setzt sich UNICEF für eine weltweite und gerechte Verteilung der Corona-Impfstoffe ein. Doch was bedeutet das genau? Wie bereitet UNICEF Corona-Impfungen vor? Und warum ist die weltweite Impfaktion so wichtig?

Freitag, 23.04.2021, 16:33 Uhr

von Caroline Dohmen  •  15 Kommentare

Die Corona-Pandemie hat eine beispiellose globale Krise ausgelöst, die alle Länder und alle gesellschaftlichen Gruppen trifft. Dabei geht die Gefahr für Kinder weit über die Ansteckung an sich hinaus. Durch anhaltende oder neue Kontaktbeschränkungen können sich beispielsweise ihre Gesundheitsversorgung sowie ihre Chance auf Schulunterricht und Kinderschutzangebote deutlich verschlechtern. Auch weil viele Menschen ihre Arbeit verloren haben, sind wichtige Fortschritte im Kampf gegen Armut, Hunger und Unterentwicklung in Gefahr.

Überall auf der Welt haben Menschen auf einen Impfstoff gegen das Coronavirus gewartet. Nachdem erste Impfstoffe zugelassen wurden, sind Ende letzten Jahres Impfungen gegen Covid-19 gestartet. Der Impfstart erscheint als Licht am Ende des Tunnels. UNICEF und seine Partner setzen alles daran, dass dieses Licht für alle Kinder und ihre Familien scheinen kann

Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Corona-Impfungen

Wie weit ist die Entwicklung von Impfstoffen gegen Covid-19?

Durch große Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie weltweite Kooperationen haben Wissenschaftler innerhalb kurzer Zeit erste Impfstoffe entwickeln können. Insgesamt gibt es weltweit mehr als 200 Impfstoffkandidaten, einige Impfstoffe sind bereits zugelassen. 

Die Vakzine müssen strenge Sicherheits- und Wirksamkeitsstandards erfüllen. Die Kriterien hierfür legt weltweit die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fest. Bislang haben die Impfstoffe von Pfizer/Biontech und AstraZeneca sowie der Corona-Impfstoff Janssen des Herstellers Johnson & Johnson eine Notfallzulassung der WHO erhalten. Im Mai 2021 wurden auch die Corona-Impfstoffe von Moderna und Sinopharm von der WHO zugelassen.

Darüber hinaus haben Länder und Staatenverbünde auch ihre eigenen Zulassungsverfahren. In Deutschland wird, wie in weiteren Ländern der EU, seit dem 27. Dezember 2020 gegen Covid-19 geimpft.

Warum kümmert sich UNICEF um Corona-Impfungen in Entwicklungs- und Schwellenländern?

UNICEF arbeitet in 190 Ländern weltweit und verfügt über jahrzehntelange Erfahrung mit großen Impfaktionen: Jedes Jahr beschaffen wir Impfstoffe für die Hälfte aller Kinder weltweit und stellen rund 600 bis 800 Millionen Spritzen für Routineimpfungen bereit.

In Zusammenarbeit mit der internationalen Impfallianz Gavi (Global Alliance for Vaccines and Immunization) ist UNICEF schon heute der weltweit größte Einkäufer von Impfstoffen. UNICEF-Mitarbeiter verfügen über umfassendes Wissen zu Lieferwegen und Lagerkapazitäten und sind mit zahlreichen Partnern vor Ort gut vernetzt.

Indonesien: Ein UNICEF-Mitarbeiter in Indonesien beim Transport von Corona-Impfstoffen.

An einem Flughafen nahe Jakarta in Indonesien beobachtet ein UNICEF-Mitarbeiter, wie Corona-Impfstoffe verladen werden.

© UNICEF/UN0427303/COVAX/Arimacs Wilander

Die Vereinten Nationen haben UNICEF gebeten, im Kampf gegen die Pandemie zu helfen. Um eine gerechte Verteilung von Impfdosen gegen Covid-19 zu erreichen, wurde die Initiative COVAX (Covid-19 Vaccine Global Access) ins Leben gerufen. Im Rahmen von COVAX stellen wir unsere umfassenden Erfahrungen und unser globales Netzwerk zur Verfügung, damit insbesondere auch Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen Zugang zu Corona-Impfungen erhalten. "Es ist vermutlich die komplexeste logistische Herausforderung aller Zeiten", sagt Mounir Bouazar, Logistikexperte von UNICEF, der die Lieferung von Corona-Impfstoffen und wichtiger Impfausrüstung koordiniert.

Was ist COVAX?

COVAX ist eine internationale Plattform unter der Leitung der Impfallianz Gavi, der Weltgesundheitsorganisation WHO sowie der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI). Mehr als 190 Länder und verschiedene Impfstoff-Hersteller arbeiten darin zusammen mit dem Ziel, Covid-19-Impfstoffe weltweit allen Menschen zugänglich zu machen. 

Darunter sind auch 92 Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen, die von UNICEF bei der Beschaffung und Bereitstellung des Impfstoffs sowie den Vorbereitungen vor Ort unterstützt werden. "Die Aufgabe von UNICEF ist es, in den jeweiligen Ländern organisatorische Voraussetzungen zu schaffen und die Gesundheitssysteme zu stärken, damit Impfungen möglich sind", sagt UNICEF-Mitarbeiter Benjamin Schreiber, der das weltweite Impfvorhaben mitorganisiert. 

Warum ist die weltweite Impfaktion so wichtig?

Die Pandemie ist nur besiegt, wenn sie überall besiegt ist. Das geht nur, wenn sich Menschen auf der ganzen Welt vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen können und Ansteckungsketten so unterbrochen werden.

Unabhängig von der finanziellen Lage müssen alle Länder Zugang zu Impfungen haben, um ihre Bevölkerung vor Covid-19 zu schützen. Das ist eine Frage der globalen Gerechtigkeit.

Kinder werden zwar noch nicht gegen das Coronavirus geimpft, trotzdem ist die weltweite Impfaktion für sie besonders wichtig, damit sie beispielsweise weiter medizinisch versorgt und zur Schule gehen können.

Wie viele Impfdosen wurden bereits ausgeliefert?

Bis Anfang Juli wurden durch COVAX über 95 Millionen Impfdosen ausgeliefert. Bis zu zwei Milliarden Impfdosen sollen im Jahr 2021 insgesamt bereitgestellt werden.

Die ersten Lieferungen der COVAX-Impfstoffe gingen im Februar nach Ghana und in die Elfenbeinküste, bis Anfang Juli wurden mehr als 134 Länder und Gebiete beliefert. Die Impfungen haben zumeist unverzüglich begonnen.

In den letzten Monaten ist es jedoch zu Lieferengpässen gekommen, unter anderem aufgrund der schweren Covid-19-Ausbrüche in Indien. Deshalb appellieren wir an die Industrieländer, verfügbare Impfdosen jetzt schnellstmöglich zu teilen und setzen alles daran, die fehlenden Impfdosen möglichst schnell auszugleichen. Denn nur, wenn wir insbesondere das Gesundheitspersonal und besonders gefährdete Menschen auch in den ärmsten Ländern impfen, können wir das Risiko einer weiteren Ausbreitung des Virus und die Gefahr von Mutationen verringern.

COVAX: Gesundheitshelfer erhält Impfung gegen Covid-19

März 2021: Der 36-jährige Phénix Azian ist Gesundheitshelfer und einer der ersten in der Elfenbeinküste, der eine COVAX-Impfung erhält.

© UNICEF/UN0423309/COVAX/Miléquêm Diarassouba

Die verfügbaren Dosen werden den an COVAX teilnehmenden Ländern mit Hilfe einer standardisierten Zuteilungsformel je nach Bevölkerungsgröße zugewiesen. Die große globale Nachfrage bringt mit sich, dass Impfstoffe zunächst noch nicht überall zur Verfügung stehen. Es wird Monate – möglicherweise sogar Jahre – dauern, um genügend Impfstoff für alle Menschen auf der Welt bereitzustellen.

Deshalb müssen weitere Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz vor Infektionen aufrechterhalten werden – wie beispielsweise Abstandhalten, regelmäßiges Händewaschen und das Tragen von Schutzmasken.

Corona im Südsudan: Zwei UNICEF-Helfer informieren über typische Symptome.

Südsudan, 2020: UNICEF verfügt über ein großes Netzwerk von Helferinnen und Helfern, die das ganze Jahr über daran arbeiten, das Bewusstsein für Hygiene, Impfungen, Ernährung, Kinderschutz und Bildung zu schärfen.

© UNICEF/UNI317957/Chol

In den letzten Monaten ist es aufgrund der schweren Corona-Ausbrüche in Indien und anderen Ländern in Südasien zu Lieferengpässen gekommen. COVAX setzt alles daran, die fehlenden Impfdosen möglichst schnell nachzuliefern, damit sich Familien überall auf der Welt vor einer Infektion schützen können und erneuten Infektions-Ausbrüchen sowie Mutationen des Virus entgegengewirkt wird.

Wer wird gegen Covid-19 geimpft?

Im Rahmen von COVAX empfiehlt die WHO den Regierungen, Impfstoffe als erstes Mitarbeitenden in Gesundheits- und Sozialberufen zugänglich zu machen. Die Impfungen tragen somit dazu bei, dass Kinder in den ärmsten Ländern weiter medizinisch versorgt werden und zur Schule gehen können. 

Die WHO empfiehlt außerdem, Risikogruppen wie beispielsweise ältere Menschen zu impfen. UNICEF ruft die Regierungen darüber hinaus dazu auf, bei möglichen Impfungen auch Lehrer zu priorisieren.

UNICEF setzt sich auch dafür ein, dass Kinder trotz der zusätzlichen Anstrengungen im Kampf gegen Covid-19 weiter gegen andere gefährliche Infektionskrankheiten wie Kinderlähmung oder Masern geimpft werden.

Wie bereitet UNICEF die Corona-Impfungen vor?

Für sichere und wirksame Impfungen ist nicht nur die Verfügbarkeit von Impfstoffen allein entscheidend: Als Vorbereitung auf die Corona-Impfungen hat UNICEF im Herbst 2020 bereits 520 Millionen Spritzen und andere Ausrüstungen fürs sichere Impfen in Warenlagern in Entwicklungs- und Schwellenländern deponiert. Im Februar 2021 ist die erste Auslieferungswelle von Spritzen für die weltweiten Covid-19-Impfungen gestartet. Damit soll sichergestellt werden, dass die notwendige Ausrüstung in den Ländern bereits vorhanden ist, wenn die Impfstoffe eintreffen. 

Schon vor der Covid-19-Pandemie hatte UNICEF mit seinen Partnern in zahlreichen Ländern die Kühlketten von Gesundheitseinrichtungen verbessert, unter anderem im Südsudan.

Zusammen mit den jeweiligen Behörden und Partnern werden aktuell die Impfungen in den Ländern vorbereitet. Dazu gehören:

  • Die Überprüfung von Lieferwegen und Lagerkapazitäten. So muss es Möglichkeiten geben, Kühlketten aufrechtzuerhalten, damit Impfstoffe wirksam bleiben.
  • Informationsarbeit, um in Gemeinden über Falschinformationen und Vorurteile beim Impfen aufzuklären und so das Vertrauen in die Sicherheit und Wirksamkeit von Impfungen zu stärken. 
  • Die Schulung von Gesundheitspersonal.

All diese Maßnahmen sind zugleich nachhaltige Investitionen in das Gesundheitssystem eines Landes. UNICEF hilft damit, die medizinische Versorgung von Kindern sowie Impfprogramme langfristig zu stärken.

Eine medizinische Mitarbeiterin aus dem Südsudan entnimmt Impfstoffe aus einer Kühlbox.

Eine Gesundheitshelferin im Südsudan nimmt Impfstoffe aus einer von UNICEF bereitgestellten Kühlbox. Für viele Impfstoffe ist es sehr wichtig, dass sie gut gekühlt werden. 

© UNICEF/UN0349001/Obel

Auch die individuelle Planung der Verteilung von Impfdosen auf die Gesundheitseinrichtungen im Land ist ein wichtiger Schritt zur Vorbereitung. "Dabei schaut UNICEF, dass die Impfdosen bei den Leuten ankommen, die sie wirklich nötig haben – zum Beispiel auch in Slums oder abgelegenen Gegenden", sagt Benjamin Schreiber.

UNICEF wird die Menschen in Entwicklungs- und Krisenländern zudem weiter darüber aufklären, wie sie sich vor Ansteckung mit dem Coronavirus schützen können. Wir werden Hygiene-Artikel und Schutzkleidung verteilen, sauberes Wasser bereitstellen und dafür sorgen, dass Gesundheitsdienste für die ärmsten Familien und Routineimpfungen aufrechterhalten werden.

Wie kann ich helfen?

Sie können UNICEF dabei helfen, Impfungen gegen Covid-19 auch für Menschen in ärmeren Ländern möglich zu machen. Spenden werden beispielsweise für den Ausbau von Kühlketten oder die Schulung von Gesundheitshelfern benötigt.

*Dieser Beitrag erschien zuerst am 10. November 2020. Wir aktualisieren ihn regelmäßig für Sie.

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