WELTWASSERTAG 2019: DIE KINDER IN ZA'ATARI FREUEN SICH ÜBER FRISCHES WASSER!
Freitag, 22. März 2019, 09:00 Uhr
von Tim Rohde | 0 Kommentare

Wie ein innovatives neues Wassernetz das Leben Tausender geflüchteter Familien verbessert...

Weltwassertag 2019: Ein Junge spielt mit einem Rad auf der Straße.

© UNICEF/UN0280504/Herwig

Eine Container-Stadt mitten in der Wüste: Za'atari in Jordanien gehört zu den größten Flüchtlingslagern der Welt. Rund 80.000 geflüchtete Menschen aus dem Bürgerkriegsland Syrien leben hier: Familien, kleine Kinder, Jugendliche – in einer der trockensten Gegenden der Erde.

Wie gelingt hier die Versorgung mit frischem, sauberem Wasser? Am Weltwassertag stellen wir Ihnen das weltweit innovativste und nachhaltigste Wasser- und Sanitärnetzwerk in einem Flüchtlingslager vor.

Sauberes Wasser und Sanitäranlagen für die Familien in Za'atari

Kürzlich sind die neuen Wasser- und Abwassernetze in Za'atari fertiggeworden: Sie sind eine nachhaltige Quelle für sauberes Wasser und verbessern jeden Tag das Leben der fast 80.000 Menschen, darunter 45.000 Kinder.

Mittlerweile sind auch der letzte Bezirk und die letzten Haushalte angeschlossen. Drei Millionen Liter Wasser fließen täglich durch das neue Wassernetz und liefern 35 Liter sauberes Trinkwasser für jedes Familienmitglied, das im Lager lebt.

Auch die letzte Familie wird nun versorgt

Auch diese Familie hat jetzt endlich fließendes Wasser zuhause: Amina, ihre Kinder und Enkelkinder waren eine der letzten Familien im Lager, die an das neue Wassernetz angeschlossen wurden. Sie leben seit 2012 in Za'atari.

„Anfangs war die Situation schwierig", erklärt Amina. „Die Wasserversorgung, die Unterkünfte und alles andere." Doch in den vergangenen Jahren hat sich die Wasser- und Sanitärsituation kontinuierlich verbessert. „Jetzt ist alles besser, Gott sei Dank. Wir haben einen so langen Weg zurückgelegt. Wenn ich eine Note für die Verbesserungen der letzten Jahre geben würde – es wäre eine glatte 10!"

Früher war Diaa dafür verantwortlich, Wasser für die Familie aus den Gemeinschaftszapfsäulen zu holen. „Wir mussten immer weit laufen, dorthin, wo das Wasser war“, sagt Diaa. „Wir hatten Kanister und Eimer, die wir in einer Schubkarre transportiert oder ganz einfach getragen haben. Insgesamt hat es eine Stunde gedauert, das Wasser den ganzen Weg nach Hause zu bringen.“

„Jetzt ist es viel besser: Wir sitzen einfach da und das saubere Wasser kommt von selbst zu uns!“ Diaa hat eine bessere Möglichkeit gefunden, seine Freizeit zu verbringen. „Jetzt gehe ich oft Fußball spielen – das ist viel besser, als Wasser zu holen. Besser, als einen Schlauch zu halten und eine Stunde lang unter der Sonne zu stehen.“

Za'atari: Der zehnjährige Diaa trinkt frisches Wasser aus einem Glas.

Diaa, 10, genießt einen Schluck Wasser.
© UNICEF/UN0280330/Herwig

Za'atari: Der zehnjährige Diaa mit einem Fußball unter dem Arm lächelt.

„Jetzt gehe ich oft Fußball spielen – das ist viel besser, als Wasser zu holen.“
© UNICEF/UN0280219/Herwig

Sauberes Wasser rettet Leben!

UNICEF baut neue Brunnen, liefert Wasserfilter und Reinigungstabletten - auch in entlegene Gebiete. Helfen Sie mit, Kinder und ihre Familien mit lebenswichtigem Trinkwasser zu versorgen.

Euro
Wasser wirkt

Ein ehrgeiziges Bauprojekt

Hinter dem neuen Wassernetz steckt ein riesiges Bauprojekt, das UNICEF mit Unterstützung des Wasserministeriums durchgeführt hat. Es wurde in den letzten sieben Jahren seit der Gründung des Lagers mit einer Gesamtinvestition von 55 Mio. US-Dollar in mehreren Etappen abgeschlossen – unterstützt durch großzügige internationale Spenden.

Das neue Wassernetzwerk hat nicht nur die Lebensqualität der Menschen deutlich verbessert, sondern auch die Betriebskosten des Lagers um rund 66 Prozent gesenkt.

Za'atari: Ein Junge füllt seine Kanister an einer UNICEF-Wasserstation auf.
Za'atari: Ein Junge schaut hält stolz einen Fußball in der Hand.

2014: Im Flüchtlingslager Za'atari füllt ein Junge seine Kanister mit Wasser (l.), heute: Dieser Junge hat jetzt mehr Zeit für Fußball, da er kein Wasser mehr holen muss (r.).

© UNICEF

Unter anderem hat das neue Wassersystem die Zahl der Wasserlaster, die täglich ins Lager hinein- und wieder herausfahren müssen, drastisch gesenkt. Der Höchststand lag bei 65 pro Tag – heute sind es nur noch 8, die innerhalb des Lagers für operative Probleme eingesetzt werden.

Darüber hinaus hat sich die Zahl der Fahrten von Lastkraftwagen, die Abwasser aus dem Lager transportieren, verringert. Früher waren es bis zu 100 pro Tag, heute werden gar keine mehr gebraucht.

Za'atari: Ein Mädchen steht vor einer Reihe von Wasserkanistern.
Za'atari: Kinder spielen auf der Straße Fußball.

2014: Ein Mädchen steht in der Nähe des Wassersammelplatzes (l.), heute: Ein Mädchen spielt mit ihren Freunden auf den LKW-freien Straßen Fußball (r.).

© UNICEF

Innovativ und wirtschaftlich

Weniger Trucks für die Wasser- und Abwasserversorgung bedeuten reduzierte CO2-Emissionen und ein geringeres Risiko von Verkehrsunfällen. Gleichzeitig wurden mehr als 12.000 Becken mit stehendem Wasser beseitigt – diese stellten ein Risiko für die Gesundheit und Sicherheit von Kindern dar.

Durch das neue Wassernetz haben sich die sanitären Bedingungen im Lager deutlich verbessert. UNICEF begann schon 2016 damit, Familien sichere Privatlatrinen zur Verfügung zu stellen. Mittlerweile sind alle Haushalte an das Abwassernetz angeschlossen.

Mehr als 1.600 barrierefreie Privatlatrinen wurden für Familien eingerichtet, in denen eine oder mehrere Personen mit einer Behinderung oder ältere Menschen leben. Damit wurden zugängliche und sichere Einrichtungen für diejenigen geschaffen, die sie besonders dringend benötigen.

Auch beim Umweltschutz spielt das neue Wassersystem eine entscheidende Rolle: Die sichere Bewirtschaftung und Entsorgung von Abwasser hat das Risiko einer möglichen Kontamination des Grundwassers erheblich verringert. Somit schützt das System die wertvollen Grundwasserressourcen. UNICEF unterstützt zudem die sichere Entsorgung von Abwasser für einen Teil der Bevölkerung, die in der Nähe des Flüchtlingslagers lebt.

Ein Mammutprojekt im Mini-Format

Einen Bewohner des Lagers hat das große Wasserprojekt besonders fasziniert: Ahmad, 12 Jahre alt, ist in Za'atari aufgewachsen. Er interessiert sich brennend für die Technik hinter der Wasserversorgung im Lager. Sein Interesse wurde geweckt, als er den Baubeginn mitverfolgte und beobachtete, wie die ersten Rohre verlegt wurden.

Za'atari: Der zwölfjährige Ahmad zeigt stolz sein LEGO-Modell.

Ich finde es wichtig, dass wir wissen, woher unser Wasser kommt. Kinder brauchen sauberes Wasser, und wenn sie keins haben, werden sie krank. Das kann sehr ernst werden.

Mit seinen LEGO-Steinen hat Ahmad nun sogar das neue Wassersystem nachgebaut. Er verfolgt die Reise jedes Wassertropfens mit dem Finger und beschreibt das System: „Das Wasser beginnt am Bohrloch. Eine Pumpe fördert das Wasser zu einem Tank, der an die unterirdische Hauptleitung angeschlossen ist. Die Hauptrohrleitung verbindet sich mit mehr Rohren, die Wasser in jede Straße liefern, und dann bringen kleinere Rohre es zu jeder Unterkunft.“

Za'atari: Ahmad präsentiert sein LEGO-Modell dem WASH-Spezialisten Ben Smith.

Ahmad mit Ben Smith, einem WASH-Spezialisten von UNICEF
© UNICEF/UN0280054/Herwig

Ahmad wurde von dem Projekt inspiriert, und nun hat er klare Ziele für die Zukunft. „Ich möchte Bauingenieur für ein Projekt wie dieses werden. Ich werde dafür sorgen, dass niemandem jemals das Wasser ausgeht!“

UNICEF ruft weiter zur Unterstützung der Wasserversorgung in Jordanien auf. Benötigt werden 7,7 Millionen US-Dollar, um 2019 im Flüchtlingslager Za'atari für sauberes Wasser und sichere sanitäre Einrichtungen zu sorgen, zusätzlich 4,1 Millionen US-Dollar für Wasser- und Sanitärprogramme im Flüchtlingslager Azraq.

Was ist der Weltwassertag?

Der Weltwassertag am 22. März wurde von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen, um auf die Bedeutung von Wasser als unser aller Lebensgrundlage aufmerksam zu machen.

Wasser ist nicht nur eine wertvolle Ressource, es ist überlebenswichtig: Sauberes Wasser, Toiletten und gute Hygienepraktiken sind essentiell für das Überleben und die Entwicklung von Kindern.

Doch trotz einiger Fortschritte haben nach neusten Schätzungen über 2,1 Milliarden Menschen weltweit keine reguläre Versorgung mit sauberem Wasser. Rund 4,3 Milliarden verfügen über keine vernünftigen Latrinen oder Toiletten. Viele dieser Menschen müssen ihre Notdurft im Freien verrichten.

Sauberes Trinkwasser und Hygiene tragen dazu bei, das gesamte Leben zu verbessern: Denn mit einem eigenen Brunnen im Dorf haben Kinder z.B. mehr Zeit für die Schule. UNICEF baut unter anderem Brunnen und repariert Wasserleitungen. In Kriegs- und Katastrophengebieten arbeitet UNICEF jeden Tag, um sauberes Trinkwasser und sanitäre Einrichtungen bereitzustellen. Helfer-Teams installieren Wassersysteme, transportieren sauberes Wasser in Flüchtlingscamps, errichten Latrinen und schulen Familien in grundlegenden Hygienepraktiken.

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