ZWEI MÄDCHEN UND EINE UNGEWÖHNLICHE FREUNDSCHAFT

18. Juni 2018 von Katharina Kesper 2 Kommentare

Zahra (7) aus Syrien und Mariella (5) aus Deutschland haben sich noch nie persönlich getroffen, trotzdem verbindet sie etwas Besonderes. Und das, obwohl sie weder die gleiche Sprache sprechen noch im selben Land leben. Wie kam es dazu?

Zahra aus Syrien und Mariella aus Deutschland

Zahra aus Syrien und Mariella aus Deutschland.
© Muhammed Muheisen / © privat

Zahra: Das Mädchen hinter dem Siegerporträt UNICEF-Foto des Jahres 2017

Alles fängt im Dezember 2017 an, als der Fotograf Muhammed Muheisen den Wettbewerb „UNICEF-Foto des Jahres“ gewinnt. Sein Siegerbild ist ein Porträt von Zahra: Einem Mädchen, das gemeinsam mit seiner Familie vor Gewalt und Krieg aus ihrem Heimatort in Syrien geflohen ist und seitdem in einer einfachen Zeltstadt in Jordanien lebt. 

Das Portrait von Zahra, geschossen von Muhammed Muheisen

Zahra war gerade mal fünf Jahre alt, als dieses Foto von ihr entstand. Sie lebt seit nun drei Jahren mit ihrer Familie in einer provisorischen Unterkunft in Jordanien. Es ist das Siegerporträt des UNICEF-Foto des Jahres Wettbewerbs 2017. 
© Muhammed Muheisen, Jordanien (AP/dpa)

Zum erstem Mal hat der Fotograf Zahra und ihre Familie im August 2015 in dem Flüchtlingslager in Jordanien getroffen, erzählte er mir bei der Preisverleihung in Berlin. Nur wenige Monate zuvor war die Familie aus Syrien geflohen. 

Zwei Mädchen, zwei Briefe: eine schöne Botschaft

Im Mai 2018 hat Muhammed Zahra wieder besucht: dieses Mal mit einem Brief aus Deutschland im Gepäck. Die kleine Mariella aus Osnabrück hatte einen Brief an Zahra verfasst. Und ihre Freude darüber, dass ein Mädchen so weit entfernt ihre Geschichte kennt und ihr Mut zuspricht, war riesig!

Wie kam es dazu?

Kleine Geschichten wie diese zwischen Mariella und Zahra berühren mich sehr und es ist schön zu sehen, was so ein internationaler Fotowettbewerb alles auslösen kann. Denn viele Medien in Deutschland haben das Foto von Zahra gezeigt und im Zuge dessen über ihre Geschichte berichtet. So hat auch Mariella Zahras Foto in der Zeitung gesehen und ihre Mama gefragt, wieso das Mädchen so traurig aussehe.

Als sie die Hintergründe hörte, ist sie auf die Idee gekommen, Zahra einen tröstenden Brief zu schreiben – einfach um ihr eine kleine Freude zu machen. Sie schrieb, dass sie traurig sei, dass Zahra wegen des Krieges von ihrem Zuhause weggehen musste und dass sie hoffe, mit ihr in Kontakt zu bleiben. Genau dieser Brief landete eines Morgens auf meinem Schreibtisch.

Ich wusste, dass Muhammed nach Weihnachten direkt zu seinem nächsten Projekt aufgebrochen ist, um weitere Geschichten von geflüchteten Menschen zu dokumentieren. Also schrieb ich ihm eine kurze Nachricht, legte den Brief von Mariella dazu und schickte ihn an seine Heimatadresse in Amsterdam.

Auf nach Jordanien!

Ein paar Monate später hatte ich eine Mail von Muhammed in meinem Postfach, in der er schrieb: „Ich habe gerade meine Post durchgesehen und bin auf den Brief der kleinen Mariella gestoßen. Das hat mich so glücklich gemacht und berührt: Ich plane nächste Woche wieder nach Jordanien zu fliegen und ihn Zahra persönlich zu geben. Und ich werde einen Antwortbrief mitbringen – ist das nicht toll?"

Muhammed überbringt die Briefe der Mädchen

Muhammed und Zahras große Schwester haben zusammen mit ihr den Antwortbrief an Mariella verfasst. Zurück in Amsterdam hat Muhammed diesen dann für Mariella übersetzt und noch ein Foto der beiden Schwestern beigelegt.

Die beiden Mädchen sind fast im gleichen Alter und doch erleben sie ihre Kindheit auf sehr unterschiedliche Weise. Mariella wird nach den Ferien eingeschult – für Zahra bleibt der Zugang zu Bildung vorerst ein großer Traum.

„Ich träume davon, dass jeder ein Zuhause hat, glücklich ist und zur Schule gehen kann“, sagt Zahra zu Muhammed in Jordanien. 

Eine Verbindung, die bleibt

Seit drei Jahren besucht der Fotograf gemeinsam mit seiner Frau immer wieder die syrische Familie. Er hält den Kontakt zu ihr und ihrer Familie: Denn das ist für Muhammed ganz normal, wenn er Menschen auf seinen Reisen fotografiert und ihre Geschichten in die Welt hinausträgt.

Leider hat sich an ihrer Situation seit der ersten Begegnung nicht viel verändert. Noch immer können weder Zahra noch eines ihrer sieben Geschwister zur Schule gehen. Noch immer haben sie kein richtiges Zuhause, und noch immer ist jeder Tag aufs Neue eine echte Herausforderung.

Die schöne Idee eines kleinen Mädchens und eines Fotografen, der mit den Menschen, die er fotografiert stets Kontakt hält, haben diese Brieffreundschaft möglich gemacht.

Und wer weiß: Vielleicht werden sich die beiden Mädchen eines Tages sogar persönlich kennenlernen.

#TRÄUMESINDGRENZENLOS

Am 20. Juni ist Weltflüchtlingstag – dann startet unsere neue UNICEF-Aktion „Träume sind grenzenlos“. Wovon träumen Sie? Ganz bestimmt gibt es ein Kind dort draußen, das einen vergleichbaren Traum träumt. Wir wollen mit der Aktion aufzeigen, dass wir alle ähnliche Träume haben – egal woher wir kommen, egal wie unterschiedlich wir sind. Also los: Traum aufschreiben, Selfie machen, auf Social Media mit dem Hashtag #träumesindgrenzenlos posten und weitererzählen!

KOMMENTARE

  • 19. Juni 2018 14:42 Uhr

    Für uns ehrenamtlichen Mitarbeiter von UNICEF sind das wunderbare und ermutigende Berichte. Es ist schön davon zu erfahren.
    Freundliche Grüße aus Landshut

  • 19. Juni 2018 13:50 Uhr

    Liebe Frau Kesper,
    Das ist ein toller Bericht und macht unsere Familie richtig stolz. Wir hoffen sehr, dass die Mädchen sich eines Tages in Frieden begegnen können!
    Vielleicht werden ja auch noch andere Kinder aktiv. Das würde uns freuen!
    Herzliche Grüße aus Osnabrück
    Familie Keull

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