Fatima (7) aus dem Dorf Karenssa in Äthiopien
© UNICEF/NYHQ2009-2260/Kate HoltFatima (7) aus dem Dorf Karenssa in Äthiopien
Pressemitteilung

Jährlich drei Millionen Mädchen in Gefahr

Köln

Neuer UNICEF-Bericht zur Genitalverstümmelung von Mädchen und Frauen

Mädchen werden heute deutlich seltener Opfer von Genitalverstümmelung als noch ihre Mütter. Inzwischen spricht sich die Mehrheit der Menschen in den meisten betroffenen Ländern dafür aus, die Tradition der Mädchenbeschneidung abzuschaffen. Das ist das Ergebnis eines umfassenden neuen UNICEF-Berichts über die 29 am stärksten betroffenen Länder. Dennoch geht der Wandel in vielen Regionen nur langsam voran. So sind weiterhin jährlich drei Millionen Mädchen in Gefahr, an ihren Genitalien beschnitten zu werden. Weltweit müssen 125 Millionen Mädchen und Frauen mit den Folgen des Eingriffs leben.

UNICEF setzt sich weltweit gemeinsam mit Partnern und den Gemeinden selbst für die Abschaffung ein. Den Bericht „Female Genital Mutilation/Cutting: A statistical overview and exploration of the dynamics of change“ stellt UNICEF heute in Washington, D.C., vor.

Mädchenbeschneidung: Traditionen hinterfragen, Umdenken fördern

Fatima (7) aus dem Dorf Karenssa in Äthiopien

Bild 1 von 7 | Fatima (7) aus dem Dorf Karenssa in Äthiopien wurde im Alter von einem Jahr an ihren Genitalien beschnitten. Weltweit müssen laut einem neuen UNICEF-Report 125 Millionen Mädchen und Frauen mit den Folgen von Genitalverstümmelung leben. Jedes Jahr sind weitere drei Millionen Mädchen in Gefahr.

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Beschneidung in Guinea-Bissau: Mutter mit Töchtern

Bild 2 von 7 | Guinea-Bissau gehört zu den Ländern, in denen weibliche Genitalverstümmelung/-beschneidung sogar zunimmt: Von 45 Prozent 2006 auf 50 Prozent 2010. Doch diese Frau und ihre Töchter wohnen in Cambadju – dem ersten Dorf des Landes, das sich in einer öffentlichen Zeremonie für ein Ende der Tradition ausgesprochen hat.

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Beschneidung in Senegal: Mädchen präsentieren Poster über Kinderrechte

Bild 3 von 7 | Während einer Versammlung in Malicounda Bambara in Senegal präsentieren Mädchen Poster über die Kinderrechte. Auch innerhalb eines Landes unterscheiden sich die Beschneidungsraten je nach ethnischer Zugehörigkeit oder Region stark. Bei den Wolof Mädchen in Senegal schwankt sie zum Beispiel zwischen null Prozent in Diourbel und 35 Prozent in Matam.

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Fatma aus dem sudanesischen Dorf Aroma

Bild 4 von 7 | Die fünfjährige Fatma aus dem sudanesischen Dorf Aroma wurde nicht beschnitten – ihre Mutter hat sich nach einer öffentlichen Diskussion dagegen entschieden. In ihrer Heimat gehört Fatma damit noch zu einer Minderheit: 88 Prozent der Mädchen und Frauen – das sind 12,1 Millionen – müssen mit den Folgen der Genitalverstümmelung leben.

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Bild 5 von 7 | Amani musste leidvoll erfahren, welche gravierenden Folgen Genitalverstümmelung haben kann: Bei den Geburten ihrer Töchter Donya (18 Monate) und Shimus (4) kam es zu Komplikationen. Deshalb ist sie sich mit ihrem Mann einig, dass ihre Töchter nicht beschnitten werden sollen – obwohl die Praxis in ihrem Dorf Sufi Al Bashir in Sudan noch sehr weit verbreitet ist.

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Beschneidung in Kenia: Mutter mit Töchtern

Bild 6 von 7 | Habiba (Mitte) wurde im Alter von fünf Jahren an den Genitalien verstümmelt und später zugenäht. Sie hat auch ihre älteren Töchter beschneiden lassen – in der Annahme, das sei von der Religion vorgeschrieben. Da sie jetzt weiß, dass das nicht stimmt, wird sie ihre jüngeren Töchter Kowsar (10, links) und Fathi (7, rechts) vor dem schmerzhaften Eingriff schützen. In Kenia ist der Anteil der beschnittenen Frauen innerhalb von zehn Jahren von 38 Prozent auf 26 Prozent gesunken.

© UNICEF/NYHQ2011-1292/Christine Nesbitt
Äthiopien: Fotowand mit Bildern nicht beschnittener Mädchen

Bild 7 von 7 | Diese Mädchen in Awash Sabat Kilo in Äthiopien wurden nicht beschnitten – und jeder soll das sehen. Offene Diskussionen in den Gemeinden tragen zu einem Einstellungswandel bei. Denn obwohl weibliche Genitalverstümmelung in fast allen betroffenen Ländern gesetzlich verboten ist, wird die Tradition häufig fortgesetzt. Als häufigsten Grund geben die Eltern dafür das Gefühl sozialer Verpflichtung an.

© UNICEF/NYHQ2009-2257/Kate Holt

Die aktuelle Untersuchung zeigt, dass in allen 29 Ländern in Afrika und im Mittleren Osten, in denen Mädchenbeschneidung hauptsächlich praktiziert wird, immer weniger Frauen und Männer die Tradition unterstützen. Deutliche Fortschritte gibt es in Irak, Kenia, Liberia, Nigeria, Tansania und Zentralafrikanische Republik. Doch trotz des Einstellungswandels hat sich in einigen Ländern wie Ägypten, Dschibuti, Guinea und Somalia in den vergangenen Jahren wenig geändert: Hier werden weiter mehr als 90 Prozent der Mädchen beschnitten.

Als häufigster Grund für die fortgesetzte Mädchenbeschneidung wird das Gefühl sozialer Verpflichtung angegeben. Die Angst vor Ausgrenzung ist dabei sogar stärker als die Sorge vor Strafverfolgung: In den meisten Ländern ist Mädchenbeschneidung mittlerweile gesetzlich verboten. Der UNICEF-Bericht kommt deshalb zu dem Schluss, dass Gesetze allein zum Schutz der Mädchen nicht ausreichen. Vielmehr müssen möglichst viele Frauen und Männer in den Prozess einbezogen werden, die Tradition zu hinterfragen und offen zu diskutieren. Denn oft lassen Eltern ihre Töchter beschneiden, weil sie annehmen, dass das erwartet wird – obwohl in mehreren Ländern auch die Mehrheit der Männer gegen Mädchenbeschneidung ist.

UNICEF unterstützt mit Hilfe von deutschen Spenden zum Beispiel Aufklärungs- und Bildungsprojekte in Äthiopien und im Senegal.

UNICEF bietet Grafiken, Fotos und Videos zum Download an.