Pressemitteilung

UNICEF Deutschland zur weiteren Verschärfung der Lage der Kinder in Gaza

„Tödlicher Kreislauf aus Hunger, Wassermangel und Krankheiten greift um sich“

Köln

„Die laufende Woche zeigt, wie die Lage für Kinder im Gazastreifen täglich lebensbedrohlicher wird. Vor wenigen Tagen mussten wir den fast kompletten Zusammenbruch der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung melden. Damit beginnen in der Regel in humanitären Notsituationen auch großflächige Krankheitsausbrüche. Jetzt kommt die Warnung der Vereinten Nationen vor einer drohenden Hungersnot hinzu. Das Leid der Kinder ist nicht mehr in Worte zu fassen“, sagt Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland.

In den Straßen von Chan Yunis warten Kinder auf das Essen, das von einer Gemeinschaftsinitiative zubereitet wurde.

In den Straßen von Chan Yunis warten Kinder auf das Essen, das von einer Gemeinschaftsinitiative zubereitet wurde.

© UNICEF/UNI485697/El Baba

Eine aktuelle Analyse zur Ernährungssicherheit, erstellt von mehreren UN-Organisationen und Nichtregierungsorganisationen, der sogenannte Integrated Food Security Phase Classification (IPC) Report, sagt für die kommenden sechs Monate eine lebensbedrohliche Versorgungskrise voraus, wenn die Kämpfe anhalten. Von dieser wäre die gesamte Bevölkerung im Gazastreifen betroffen. Unter den rund 2,2 Millionen Menschen sind eine Million Kinder. Mehr als jeder vierte Haushalt in Gaza ist bereits jetzt mit extremem Hunger konfrontiert.

„Ein für die Kinder rasch tödlicher Kreislauf aus Hunger, dem Mangel an sauberem Trinkwasser und Krankheiten greift immer weiter um sich. Das Wetter ist kalt und feucht. Kinder sterben, weil ihre Körper aufgrund von Mangelernährung, Durchfallerkrankungen und Dehydration so geschwächt sind, dass sie keine Widerstandskraft mehr haben“, so Schneider. „Kinder dürfen nicht länger den Preis für diesen grausamen Krieg zahlen.“

Erst am Mittwoch hatte UNICEF gemeldet, dass Kindern im südlichen Gazastreifen offenbar nur noch durchschnittlich 1,5 bis zwei Liter Wasser pro Tag zur Verfügung stehen. Diese Menge liegt weit unter dem in humanitären Notlagen empfohlenen Mindestbedarf von mindestens 15 Litern Wasser pro Tag.

Die örtlichen Behörden registrieren aktuell fast das 20-fache des monatlichen Durchschnitts der gemeldeten Durchfallfälle bei Kindern unter fünf Jahren. Immer mehr Kinder leiden unter Haut- und Infektionskrankheiten wie Krätze, Windpocken oder Meningitis. Hinzu kommen rund 160.000 Fälle von akuten Atemwegsinfektionen.

In den Notunterkünften im Gazastreifen stehen im Durchschnitt lediglich eine Toilette für 700 Personen und noch weniger Duschen zur Verfügung. Es gibt kaum Möglichkeiten für persönliche Hygiene, wovon besonders Mädchen betroffen sind. UNICEF fordert weiter dringend einen humanitären Waffenstillstand, um die Kinder in dieser Lage umfassender und sicher versorgen zu können.

Service für die Redaktionen

Eine Hungersnot (auf Englisch „Famine“) wird offiziell erst dann ausgerufen, wenn bestimmte Kriterien zutreffen. Eine Hungersnot ist erreicht, wenn in einem Gebiet mindestens 20 Prozent der Menschen mit gravierenden Einschränkungen in der Nahrungsmittelversorgung zurechtkommen müssen, mindestens 30 Prozent der Kinder unter fünf Jahren an akuter Mangelernährung leiden und mindestens zwei von 10.000 Menschen täglich aufgrund von Mangel an Nahrungsmitteln oder einer Kombination von Hunger und Krankheiten sterben.

Pressemeldung von UNICEF vom 20.12.2023.: „Kaum ein Tropfen zu trinken“: Kinder im Gazastreifen haben nur noch Zugang zu zehn Prozent ihres normalen Wasserverbrauchs

Weiterführende Informationen auf der Webseite: Israel / Gaza: Großes Leid für Kinder auf beiden Seiten

Pressemitteilung des WFP vom 21.12.2023 – Gaza: Neuer Bericht prognostiziert Hungersnot, wenn der Konflikt anhält

Bild- und Videomaterialien stehen hier zur Verfügung.

Vera Tellmann

Vera TellmannAbteilungsleiterin Presse / Sprecherin

0221-93650-235presse@unicef.de