UNICEF-Report 2016

Flüchtlingskindern helfen

Im siebzigsten Jahr seines Bestehens sieht sich UNICEF mit einem seit der Gründung nicht mehr dagewesenen Ausmaß humanitärer Krisen und Gewalt gegen Kinder konfrontiert.

Jedes neunte Kind auf der Welt wächst heute in einer Umgebung auf, in der Gewalt oder bewaffnete Konflikte über lange Zeiträume ihrer Kindheit an der Tagesordnung sind. 65 Millionen Menschen sind auf der Flucht, der Großteil von ihnen im eigenen Heimatland. Jeder zweite Flüchtling ist ein Kind oder Jugendlicher. Der UNICEF-Report 2016 ruft dazu auf, die fundamentalen Rechte von Kindern in Krisengebieten und auf der Flucht zu verteidigen.

UNICEF-Report 2016: Flüchtlingskindern helfen

Die Kindheit ist die wichtigste Phase im Leben eines jeden Menschen. Hier entscheidet sich, ob Mädchen und Jungen gesund groß werden und ihre Fähigkeiten entwickeln können, ob sie lernen, ihr Leben in die Hand zu nehmen und die Zukunft ihres Landes mit zu gestalten. Die Erfahrungen, die Kinder in Krisengebieten machen, prägen nicht nur ihre Persönlichkeit. Sie prägen auch die Zukunft ihrer Gesellschaft.

Ob in Syrien, Irak oder Afghanistan, Südsudan, Nigeria oder der Zentralafrikanischen Republik: Trotz Chaos, Gewalt und Hass ist es möglich, die Not der Kinder zu lindern und ihnen auch unter schwierigsten Bedingungen Orientierung und Hoffnung zu geben. Um Gesundheit, Bildung und Schutz sicher zu stellen, muss die humanitäre Hilfe dabei die Brücke zu nachhaltiger Entwicklungshilfe schlagen.

UNICEF-Report: Kindheit in Krisengebieten

UNICEF-Report: Nach einem Bombenangriff kann Saja nur noch mit Krücken laufen

Bild 1 von 5 | Es ist beeindruckend, mit welchem Mut Saja in die Zukunft schaut – nach fünf Jahren Krieg in Syrien und nach allem, was sie durchgemacht hat. „Meine Freunde wurden getötet, als wir bombardiert wurden. Ich habe mein Bein verloren.“

© UNICEF Syrien/2016
Zwei kleine Jungen stehen Arm in Arm vor ihrer mit Hilfe von UNICEF aufgebauten Schule.

Bild 2 von 5 | Zwei kleine Jungen stehen Arm in Arm vor der Primary School in Aleppo. Der Aufbau der Schule wurde von UNICEF unterstützt.

© UNICEF/UN018890/Al-Issa
UNICEF-Report: Mädchen Amira beim Zeichnen in einer Flüchtlingsunterkunft

Bild 3 von 5 | Amira, ist 7 Jahre alt und kommt aus Syrien. Sie musste den Tod ihres Vaters und ihres Onkels miterleben. Nun lebt sie in einer Flüchtlingsunterkunft im Libanon. Sie malt gerne und langsam kehrt Normalität in ihr Leben ein.

© UNICEF/R. Haidar
Kafa spielt mir ihrer Cousine im durch UNICEF kinderfreundlich eingerichteten Zelt. Zuhause fühlen sie sich dort aber nicht.

Bild 4 von 5 | Kafa, 13, spielt mit ihrer Cousine Bushrah, 11 während sie auf ihre Nichte aufpasst. Auch im kinderfreundlich eingerichteten Zelt im Flüchtlingslager in Jordanien fühlen sich die Kinder nicht richtig zuhause. 

© UNICEF/NYHQ2013-1443/Noorani
UNICEF-Botschafter Orlando Bloom in einer Schule in der Ukraine.

Bild 5 von 5 | UNICEF-Botschafter Orlando Bloom bei seinem Besuch in einer Schule in Slowjansk in der Ostukraine.

© UNICEF/UN017898/Georgiev

Kriege bedrohen das Leben und die Gesundheit von Kindern unmittelbar. Sie zerstören aber auch die Lebensgrundlage von Familien, rauben ihnen den Besitz und ihre Einkommensmöglichkeiten. Kinder erhalten nicht mehr ausreichend zu essen und zu trinken. Wenn sie krank werden, gibt es keine Medikamente. Wegen der Not der Familien müssen Flüchtlingskinder häufig arbeiten oder werden früh verheiratet und können nicht zur Schule gehen.

Angriffe auf Schulen sind international geächtet, aber allein in Syrien hat UNICEF im Jahr 2014 rund 60 entsprechende Attacken mit Bomben oder Mörsern gezählt. Bisher ist die militärische Nutzung von Schulen als Kasernen oder Waffenlager nur unzureichend im Völkerrecht eingeschränkt. Das hat häufig zur Konsequenz, dass Kinder ihre Schulen nicht mehr nutzen können oder verstärkt in die Schusslinie geraten.

Südsudan zerstörte Schule

Chubat (rechts) sitzt mit ihrer Freundin auf einer ehemaligen Schulbank in den verbrannten Ruinen ihrer Schule im Südsudan.

© UNICEF/UN018992/George

Viele „Kriegskinder“ gehen jahrelang nicht mehr zur Schule – weil die Schulen zerstört sind, der Schulweg zu gefährlich ist oder es an Geld für Hefte und Stifte fehlt. In Syrien und der Region hat trotz größter Anstrengungen in den zurückliegenden Jahren gerade einmal die Hälfte der Flüchtlingskinder einen Platz in der Schule bekommen. Doch wie soll es gelingen, jemals wieder einen mühsam errungenen Frieden zu sichern, wenn Kinder und Jugendliche nicht schon heute an Bildungs- und Versöhnungsprozessen beteiligt werden? 

Auch für Kinder auf der Flucht muss gelten - gleichgültig, warum sie geflohen oder wo sie gestrandet sind und welchen Aufenthaltsstatus sie haben - sie sind in erster Linie Kinder, die ein Recht auf eine Kindheit haben.