Äthiopien: Kinder stehen vor einem vertrockneten Baum.
© UNICEF/UN0635773/PougetÄthiopien: Kinder stehen vor einem vertrockneten Baum.
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Foto-Reportage: Die verheerenden Folgen der Dürre für Kinder am Horn von Afrika

Die Wasserkrise in Dschibuti, Eritrea, Äthiopien, Kenia und Somalia bringt Millionen Kinder in große Gefahr.


von Caroline Dohmen

Die Familien in den Ländern am Horn von Afrika erleben derzeit die schlimmste Dürre seit 40 Jahren. Vier aufeinanderfolgende Trockenperioden innerhalb von zwei Jahren haben dazu geführt, dass große Teile des Viehbestands und der Ernten vernichtet werden, Brunnen versiegen und Menschen ums nackte Überleben kämpfen müssen. Die Auswirkungen auf die Gesundheit, Ernährungssituation, Bildung und Sicherheit von Kindern sind immens. Das zeigen die Bilder unserer Foto-Reportage.

Somalia: Junge sammelt Wasser in einer Pfütze.

Wenn das Wasser immer knapper wird: Ein kleiner Junge sammelt das letzte bisschen Wasser, das er in einem ausgetrockneten Flussbett in Dolow, Somalia, finden kann.

© UNICEF/UN0607653/Rich

Familien am Horn von Afrika sind gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen

Die anhaltende Dürre und der Wassermangel zwingen Millionen Familien dazu, auf der Suche nach Nahrung und Wasser ihr Zuhause zu verlassen. Kinder und Jugendliche, die unterwegs sind oder in Notlagern leben, sind der Gefahr von Gewalt oder Missbrauch ausgesetzt. Das Risiko steigt vor allem für Frauen und Kinder, die sich auf immer weitere Wege begeben müssen, um Wasser zu holen.

Somalia: Ein Mädchen trägt Wasser in einem Kanister.

Somalia: Die 10-jährige Hibo trägt Wasser in einem Kanister zu ihrem vorübergehenden Zuhause im Lager Kaharey für Binnenvertriebene: „Wir mussten unser Zuhause verlassen und waren zehn Tage lang unterwegs, um das Lager zu erreichen“.

© UNICEF/UN0644298/Fazel
Somalia: Ein Kind wird auf dem Arm seiner Mutter auf Mangelernährung untersucht.

Somalia: Die 18-jährige Ayesha Absi hält ihr Kind fest im Arm. Im Lager Waffi für Binnenvertriebene wird der kleine Junge auf Mangelernährung untersucht: „Meine Familie hat all ihr Vieh und ihre Kamele verloren. Sie sind alle gestorben, weil wir kein Wasser für sie hatten. Jetzt haben wir nichts mehr.“

© UNICEF/UN0663316/Sewunet

Alle Dinge des täglichen Lebens sind rationiert

Wasserknappheit, vernichtete Ernten und verendetes Vieh: In den von Dürre geplagten Regionen gibt es kaum etwas zum Überleben für die Kinder und ihre Familien. Die Suche nach Wasser und Nahrung wird zum reinen Überlebenskampf.

Äthiopien: Frau mit Kind auf dem Arm gibt Kamelen das letzte bisschen Futter.

Äthiopien: Hafsa Bedel, eine Mutter von sechs Kindern, kämpft darum, dass ihre Kamele die Dürre überleben. Doch die Situation scheint aussichtslos: „Ich kann es mir nicht leisten, sie mit Mais zu füttern. Wir haben nicht einmal genug für uns selbst“.

© UNICEF/UN0639635/Ayene
Kenia: Kinder rollen Wasserkanister über den trockenen Boden.

Kenia: Menschen im Bezirk Garissa beim Wasserholen.

© UNICEF/UN0539447/Orina
Kenia: Ein Esel mit trägt Kanister zum Wasserholen.

Kenia: Ganze Gemeinschaften sind gezwungen ihre Häuser auf der Suche nach Wasser für ihre Familien und ihr Vieh zu verlassen.

© UNICEF/UN0679018/Orina

Eine Frage des Überlebens

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Hungersnot, Ernährungskrise, Mangelernährung – Was ist das?

Die Dürre hat verheerende Folgen für die Überlebenschancen von Kindern. Wenn Nahrung und Trinkwasser immer knapper werden, sind Kinder stark gefährdet, an schwerer Mangelernährung zu erkranken. Mindestens zehn Millionen Kinder am Horn von Afrika leiden unter akutem Hunger, Mangelernährung und Durst.

Somalia: Baby bekommt über eine Sonde Nahrung.

Somalia: Baby Sukra befindet sich in einem von UNICEF unterstützten Zentrum in Somalia. Hier werden Kinder wegen Mangelernährung behandelt.

© UNICEF/UN0663263/Sewunet

Gleichzeitig steigt durch den schlechten Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen das Risiko von Durchfallerkrankungen sowie Cholera, Hepatitis, Typhus und Polio. Ein Teufelskreis: Denn das Risiko, dass ein schwer akut mangelernährtes Kind an gewöhnlichen Infektionskrankheiten stirbt, ist bis zu elfmal so hoch wie bei einem gesunden Kind.

Somalia: Mädchen lächelt in die Kamera.

Somalia: Die einjährige Obsinale erholt sich im Krankenhaus von Hargeisa, nachdem sie wegen Mangelernährung behandelt wurde. Die Situation im Krankenhaus ist sehr angespannt: Die Betten sind voll und es gibt nur einen Platz auf dem Boden für neu aufgenommene Kinder.

© UNICEF/UN0663254/Sewunet

Bildung darf nicht weiter aufgeschoben werden

Die Dürre hat auch Auswirkungen auf die Bildung der Kinder: Wenn Familien täglich lange Wege auf der Suche nach Wasser zurücklegen oder ihre Heimat ganz verlassen müssen, verpassen viele Kinder den Unterricht in der Schule. Teilweise werden Schulen sogar geschlossen. Bereits heute gehen 15 Millionen Kinder am Horn von Afrika nicht zur Schule – schätzungsweise 3,3 Millionen Kinder sind zusätzlich gefährdet, die Schule aufgrund der Dürre und ihren Folgen abzubrechen.

Äthiopien: Kind ist mit zwei Eseln unterwegs. Vorne liegt eine verendete Kuh.

Äthiopien: Abdurazak Mohammed geht eigentlich in die sechste Klasse. Aufgrund der Dürre wurde seine Schule geschlossen. Nun begleitet er das Vieh auf der Suche nach Wasser und Nahrung. „Ich bin traurig, dass meine Schule geschlossen wurde“, sagt er.

© UNICEF Ethiopia/2022/Mulugeta Ayene
Äthiopien: Junge begleitet seine Mutter und ihre Kamele zum Wasserholen an einem See.

Äthiopien: Der zehnjährige Bukhari Aden begleitet seine Mutter beim Wasserholen. Er war noch nie in der Schule: „In unserem Dorf sind die Kinder dafür verantwortlich, sich um die Tiere zu kümmern. Wenn es Wasser in der Nähe des Dorfes gäbe, könnte ich leicht zur Schule gehen.“

© UNICEF/UN0639601/Ayene

UNICEF unterstützt Familien am Horn von Afrika – während der Dürre und danach

UNICEF und seine Partner sind vor Ort im Einsatz, um das Leben der Kinder in akuter Not zu retten. Sie versorgen zum Beispiel schwer mangelernährte Kinder mit therapeutischer Milch und Erdnusspaste und Hunderttausende Menschen mit sauberem Trinkwasser. Auch sorgen wir dafür, dass Kinder lernen können.

Außerdem setzt UNICEF sich dafür ein, die Widerstandsfähigkeit von Familien gegen die schwere Dürre zu stärken. Mit Voranschreiten des Klimawandels sind langfristige Lösungen erforderlich, um für eine zuverlässige Wasserversorgung zu sorgen. So arbeiten wir daran, den Zugang zu klimaresistenten Wasser-, Sanitär- und Hygienediensten zu verbessern, bohren nach zuverlässigen Grundwasserquellen und entwickeln den Einsatz von Solarsystemen.

Sonalia: Mädchen gießt Wasser in einen Trog für ihre Ziegen.

Somalia: Fatuma gibt den Ziegen ihrer Familie Wasser. Es stammt aus einem 400 Meter tiefen, klimaresistenten Bohrloch, das von UNICEF eingerichtet wurde und mit Solarenergie betrieben wird. Rund 18.000 Menschen und ihr Vieh werden so nachhaltig mit Wasser versorgt.

© UNICEF/UN0635404/Ayene
UNICEF-Autorin Caroline Dohmen
Autor*in Caroline Dohmen

Caroline Dohmen ist Themenredakteurin im UNICEF-Newsroom und bloggt über die aktuelle Situation von Kindern und die Arbeit von UNICEF weltweit.