DIE VERÄNDERUNG, DIE WIR IN HAITI SEHEN WOLLEN, SIND WIR SELBST

8. Januar 2015 von Cornelia Walther 1 Kommentar

Wenn ein Kind vor Ihren Augen von einem LKW überfahren würde, würden Sie hinlaufen um ihm zu helfen?

Und ist das eine andere Situation als die der Kinder in Haiti, die ihren fünften Geburtstag nicht erleben, weil sie an vermeidbaren Krankheiten wie Malaria, Durchfall oder Lungenentzündung sterben?

Ein Land auf dem Scheideweg

Am 12. Januar 2010 um 16:53 lies ein Erdbeben die Erde von Haiti erzitten. Es veränderte das Land, und sein Schicksal. Heute, am fünften Jahrestag der Katastrophe, erinnern wir uns an damals und haben die Möglichkeit, unsere Prioritäten neu zu überdenken.

Haiti: Zerstörungen nach dem Erdbeben in Port-au-Prince

Zerstörungen in der Hauptstadt Port-au-Prince nach dem Erdbeben im Jahr 2010.
© UNICEF/NYHQ2010-2606/LeMoyne

Haiti ist auf dem Scheideweg von Not zu Hoffnung, von Hilfe zu Handeln. Viele Dinge verändern sich, und werden verändert von Individuen. UNICEF versucht, die Fähigkeiten und Kapazitäten von lokalen Partnern aufzubauen und zu verbessern. Die Wurzel der Veränderung, die heute in Haiti zu spüren ist, liegt in Familien, Gemeinden, Lehrern, Ärzten, Krankenschwestern, Journalisten und Künstlern. Wir bewegen uns in die richtige Richtung, aber wir müssen noch mehr tun – um jedes Kind zu erreichen.

Haiti: Medizinische Hilfe für Erdbeben-Opfer

Ein Baustein der Hilfe, medizinische Geräte für die Behandlung von Kindern: Dr. Ronain, Kinderärztin in Haiti, untersucht ein neugeborenes Kind in einem von UNICEF bereitgestellten Inkubator.
© UNICEF/NYHQ2010-0266/Noorani

Ich bin erst im September letzten Jahres nach Haiti gezogen. Vorher habe ich 12 Jahre in Westafrika und Afghanistan gelebt. Aus irgendeinem Grund habe ich mich in Haiti vom ersten Moment an zuhause gefühlt, willkommen geheißen von der Wärme und Stärke des Landes und der Menschen. Die Herausforderungen, die wir hier zu bewältigen haben, sind groß, aber groß sind auch die Möglichkeiten.

Erfolge für Kinder

Heute sind die Auswirkungen der Zusammenarbeit von UNICEF, der Regierung in Haiti und ihren Partnern greifbar. Das Lächeln der Kinder zeigt uns, was wir zusammen erreicht haben:

  • Heute gehen drei von vier Kindern zwischen 6 und 11 Jahren in die Grundschule. Vor dem Erdbeben waren es nur halb soviele.
  • Die Kinder- und Neugeborenensterblichkeit ist in den letzten 15 Jahren stetig zurückgegangen, ein Trend der von der Katastrophe verzögert, aber nicht unterbrochen wurde.
  • 2005 war noch jedes zehnte Kind unter fünf Jahren unterernährt, heute ist es jedes zwanzigste.
  • Landesweit haben heute zwei von drei Haushalten Zugang zu sauberem Wasser, ein wichtiger Schutz vor Krankheiten.
  • Schritt für Schritt wurde in Haiti das Kinderschutzsystem aufgebaut und gestärkt. Acht von zehn Kindern in Haiti haben heute eine Geburtsurkunde und damit eine offizielle Identität.
Haiti: Schulkinder mit UNICEF-Heften

Großer Erfolg: Heute gehen mehr Kinder in die Schule als zur Zeit vor dem Erdbeben. UNICEF hat dabei geholfen, Schulen wiederaufzubauen und unterstützt mit Schulmaterial.
© UNICEF/NYHQ2010-1310/Ramoneda

Herausforderungen in Haiti bleiben groß

Man spürt so viel Hoffnung und Mut in Haiti. Doch gleichzeitig wird die Kluft zwischen jenen Kindern die auf der Sonnenseite geboren wurden, und denen, die im Dunkeln sind und oft auch bleiben, immer größer.

Im heutigen Haiti stirbt eines von zehn Kindern bevor er oder sie fünf Jahre alt wird. Die Gründe sind meist Krankheiten die es in Deutschland nicht mehr gibt, oder die man dort leicht behandeln kann. Mehr als jedes zehnte Kind geht immer noch nicht zur Schule. Auf dem Land hat einer von zwei Haushalten kein Zugang zu sauberem Wasser. Acht von zehn Kindern zwischen zwei und 14 Jahren werden Opfer irgendeiner Art von Missbrauch, und jedes zweite Kind zwischen fünf und 14 Jahren muss arbeiten um zu überleben.

Haiti war das erste Land, das für seine Unabhängigkeit gekämpft, und sie auch bekommen hat. Traurig, dass dieses Land heute die größte Anzahl an Kindersklaven weltweit haben könnte. Hinzu kommt, dass immer noch viele Kinder in einem der 105 Camps leben, weil ihr Zuhause im Erdbeben zerstört wurde. Und die Choleraepidemie, der in den letzten fünf Jahren über 8000 Menschen zum Opfer gefallen sind, wütet weiter.

Gemeinsam etwas verändern

Hat denn ein Junge aus Paris oder Berlin ein größeres Recht zu leben, zu lernen und zu spielen als ein Mädchen aus Port-au-Prince? Die meisten von uns würden sagen, dass es da keinen Unterschied geben darf. Doch bis alle Jungen und Mädchen in Port-au-Prince und darüberhinaus ihre Rechte auch wahrnehmen können muss noch viel getan werden. Sie können uns dabei helfen.

Falls Sie an regelmäßigen Eindrücken aus Haiti interessiert sind, besuchen Sie mein Haiti-Bilderblog.

KOMMENTARE

  • anonym
    18. Januar 2015 19:11 Uhr

    Das wichtigste ist ein zuverlässiges Rechtssystem das für alle gilt und zu dem jeder Zugang hat.

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