HEUSCHRECKENPLAGE IN OSTAFRIKA: INSEKTEN-INVASION FÜHRT ZU NAHRUNGSKATASTROPHE
Mittwoch, 1. Juli 2020, 10:00 Uhr
von Katharina Kesper | 0 Kommentare

Sie verputzen gnadenlos die Ernte der Bauern und der Bevölkerung: Am Horn von Afrika wird eine Plage durch Wüstenheuschrecken zu einer Nahrungskatastrophe für Millionen von Menschen. Seit Anfang des Jahres fressen Abertausende Heuschrecken in wenigen Sekunden ganze Äcker und Weiden kahl. Sie werden damit für viele Ost-Afrikaner zu einer größeren Bedrohung als die Corona-Pandemie.

Heuschreckenplage Afrika: Eine Frau in Kenia arbeitet auf dem Feld umzingelt von einem Heuschreckenschwarm.

Kenia: Eine Frau versucht vergeblich zu verhindern, dass der Heuschrecken-Schwarm ihre Ernte verschlingt.
© FAO/Sven Torfinn

Die Heuschrecken ernten, was die Bauern säen

Seit Anfang des Jahres kämpfen vor allem die Bauern in Äthiopien, Kenia, Somalia, Tansania, Uganda, Sudan und Südsudan gegen hunderte von Millionen kleiner, hektisch umherschwirrender Tierchen, die in Sekundenschnelle komplette Ernten verschlingen und sich unbeirrt und unaufhaltsam fortbewegen.

Die Lage ist nach wie vor äußerst alarmierend, denn neue Heuschreckenschwärme haben sich in Äthiopien, Kenia und Somalia gebildet. Wüstenheuschrecken gehören zu den bedrohlichsten Insekten der Welt: Sie können am Tag bis zu 150 Kilometer zurücklegen und vermehren sich unglaublich schnell. Das führt in den ohnehin schon stark ernährungsunsicheren Regionen im Osten Afrikas zu noch mehr Hunger und noch mehr Armut.

Ein Heuschrecken-Schwarm kann an einem Tag die gleiche Menge an Nahrung aufnehmen wie etwa 35.000 Menschen…

Die Kinder in Ostafrika leiden aus vielen Gründen

Für die Familien und Kinder im Osten Afrikas sind es besonders harte Zeiten. Sie kämpfen gegen die schlimmste Wüstenheuschrecken-Invasion, die die Region seit mehr als 25 Jahren heimgesucht hat. Hinzu kommen Dürreperioden, verheerende Überschwemmungen und obendrauf noch die Corona-Krise, die Gesundheits- und Bildungssysteme lähmt.

Kenia: Ein Kind versucht die Heuschrecken mit einem Tuch zu vertreiben.

Die Wüstenheuschrecken schwärmen nach Kenia, kommend aus Somalia und Äthiopien und zerstören Ackerland. © FAO/Sven Torfinn
© FAO/Sven Torfinn

Über 25 Millionen Menschen sind laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in der Region von Nahrungsmittelknappheit betroffen. Zu den Ernteverlusten, die die Lebensgrundlage für viele Menschen bildet, kommen noch die Weideverluste für viele Viehhirten hinzu. Die Preise für Lebensmittel und Tierfutter sind stark gestiegen. Landwirte und ihre Familien stehen vor einer Katastrophe.

Regenfalle und Überschwemmungen erschweren den Kampf gegen die Heuschrecken

Schwere Regenfälle haben in Ostafrika zwischen März und Mai zu überlaufenden Flüssen, Seen und Schlammlawinen geführt. Damit nicht genug, begünstigt der viele Regen die Vegetation und bietet somit den idealen Nährboden für die nächste Generation tödlicher Wüstenheuschrecken.

Nahaufnahme der Wüstenheuschrecke

So klein und unscheinbar und doch so existenzbedrohend: die Wüstenheuschrecke.
© UNICEF/UNI296470/Prinsloo 

Aufgrund der Überschwemmungen wurden in Kenia Hunderttausende Menschen aus ihren Häusern vertrieben. In Äthiopien haben mehr als 300.000 Menschen ihr Zuhause verloren – in Somalia sogar mehr als 900.000 Menschen. Unter diesen Umständen ist es schwer für die Menschen, sich vor dem Coronavirus zu schützen. Sie können nicht zu Hause bleiben, weil sie kein Zuhause mehr haben, weil die eigene Wohnung weggespült worden ist.

Ostafrika: Ein Mofafahrer fährt durch einen Heuschreckenschwarm.

Regenfälle und das warme ostafrikanische Klima begünstigen eine rasante Vermehrung der Wüstenheuschrecke.
© FAO/Sven Torfinn

Die Corona-Krise erschwert die Bekämpfung zusätzlich

Um gegen die Heuschrecken-Plage vorzugehen, ist die Bekämpfung mit Pestiziden aus der Luft das einzig wirksame Mittel.

Die Auswirkungen von Covid-19 machen sich jedoch auch bei der Bekämpfung bemerkbar: Es gibt Schwierigkeiten bei den Lieferketten für Pestizide und auch der Einsatz von Hilfskräften stockt. Die Regierungen und verschiedene Hilfsorganisationen tun alles in ihrer Macht stehende, um eine Nahrungs-Katastrophe abzuwenden. Sowohl zur Bekämpfung der Heuschreckenschwärme als auch zur Unterstützung der Lebensgrundlagen sind dringend finanzielle Mittel erforderlich.

Mit Schutzanzug und Sprührucksack geht ein Schädlingsbekämpfer gegen die Heuschrecken vor.

Kenianische Schädlingsbekämpfer verwenden motorisierte Sprührucksäcke im Kampf gegen die Heuschrecken.
© FAO/Sven Torfinn

Ernteausfälle: Tausende Kinder haben nicht genug zu essen

Unsere UNICEF-Kollegen in Äthiopien sehen bereits eine bittere Tendenz: Familien und Kinder aus den Gemeinden, die in den von den Wüstenheuschrecken heimgesuchten Gebieten leben, sind stärker von Unterernährung betroffen. Bereits zwischen Januar und Februar ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum die Zahl der schwer akut mangelernährten Kinder um etwa 20 Prozent gestiegen.

Allein in Äthiopien hat die Heuschreckeninvasion 50 Prozent der verfügbaren Weideflächen seit Beginn der Plage vernichtet.

Schwere akute Mangelernährung ist eine der verheerendsten Folgeerscheinungen für viele Kinder in Ostafrika. UNICEF geht davon aus, dass die Zahl der Kinder in Äthiopien, die dieses Jahr wegen Mangelernährung behandelt werden müssen, um 24 Prozent und somit auf 570.000 Kinder ansteigen wird.

Ein Anstieg dieser Größenordnung kann wiederum dazu führen, dass die Kindersterblichkeit zunehmen wird. Denn stark unterernährte Kinder sterben häufiger an Infektionskrankheiten wie Masern und Malaria.

Außerdem fehlt etwa einer Million Kinder aus den ärmsten Familien durch die Schulschließungen eine feste Mittagsmahlzeit, die oft die einzige Nahrungsquelle darstellt. Allein in Addis Abeba fehlt diese Mahlzeit seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie einer halben Million Kinder.

Kenia: Ein Bauer hält eine gelbe Wüstenheuschrecke in seinen Händen.

Ein Blick auf den Feind: Eine gelbe Wüstenheuschrecke in den Händen eines kenianischen Bauern.
© FAO/Sven Torfinn

UNICEF und seine Partner sind da!

Von Berlin bis Bangkok, von Sydney bis Seattle – Kinder und Familien auf der ganzen Welt sind von der Covid-19-Krise betroffen. Für die Kinder Ostafrikas kommen jedoch noch allerhand anderer Sorgen und Nöte dazu. UNICEF und seine Partner sorgen dafür, dass sie lebensrettende Wasser- und Sanitärversorgung sowie Hygienesets erhalten.

Trotz der stetigen Bemühungen von Regierungen, Gemeinden, Organisationen wie UNICEF und natürlich von Müttern und Vätern, gibt es Zeiten, in denen zusätzliche Unterstützung unerlässlich ist.

Glücklicherweise gibt es Dinge, die getan werden können:

  • Behandlungsprogramme können ausgeweitet werden
  • gefährdete Familien können mit Geldtransfers unterstützt werden, damit sie Lebensmittel kaufen können
  • Gesundheitshelfer können geschult werden, um die richtigen Informationen im Kampf gegen Unterernährung an die Bevölkerung weiterzugeben. Hierzu gehört zum Beispiel die Ermutigung an Mütter, weiterhin zu Stillen.
Ein Versorgungshubschrauber fliegt über das Ackerland hinweg.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen setzt die Maßnahmen im Kampf gegen die Wüstenheuschrecken in Ostafrika trotz der Corona-Beschränkungen so gut es geht fort.
© FAO/Sven Torfinn

Weitere Informationen zur Heuschreckenplage finden Sie auf der englischsprachigen Seite Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO).

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