Naturkatastrophen weltweit: Bedrohung für Kinder

Ihr Kleid hochgekrempelt, watet ein junges Mädchen in Bangladesch auf ihrem Schulweg durch kniehohes Wasser. Überschwemmungen und andere Naturkatastrophen sind wiederkehrende Realität für Millionen von Kindern und ihre Familien. Wirbelstürme, Dürren, Erdbeben oder Fluten zerstören die Lebensgrundlagen von Millionen von Menschen, verwüsten ganze Landstriche und kosten etwa 50.000 Menschen jedes Jahr das Leben.

Familien mit Kindern sind besonders in Not. Naturkatastrophen und ihre Folgen wie Armut, Flucht und Hunger sind ein Albtraum für Eltern und ihre Kinder. Unzählige Kinder leiden nach Naturkatastrophen an Mangelernährung oder erkranken an Durchfällen. Weil Schulen schwer beschädigt oder zerstört werden oder weil ihre Familien existenzielle Not leiden, müssen viele Kinder arbeiten, anstatt zur Schule zu gehen.

Ob nach Taifunen, Erdbeben oder Tsunamis – UNICEF versorgt die betroffenen Familien schnell mit dem Wichtigsten, das sie zum Überleben brauchen: Sicheres Trinkwasser und Lebensmittel, Hygiene-Pakete, Decken und Kleidung sowie Medikamente und Impfungen. UNICEF schafft Spiel- und Lernzentren, in denen Kinder ohne Angst wieder Kind sein können.

UNICEF-Hilfsprojekte Naturkatastrophen

Welche Naturkatastrophen gibt es?

Jedes vierte Kind weltweit lebt in von Naturkatastrophen betroffenen Gebieten. Zu den häufigsten Naturgewalten gehören Erdbeben, Stürme, Hitzewellen, Dürren und Überschwemmungen. Vor allem in Afrika, Asien oder Südamerika bedrohen diese zerstörerischen Naturereignisse das Leben von Kindern. Viele verlieren ihr Zuhause, Freunde und Familienmitglieder, nicht selten werden sie schwer verletzt oder kommen ums Leben.

Naturkatastrophen machen eine unbeschwerte Kindheit vielerorts unmöglich und verschlechtern Zukunftschancen. Tsunamis, Überschwemmungen oder Stürme zerstören Infrastruktur und damit den Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen.

Klimakrise bedroht Kinder weltweit

Durch die globale Klimakrise hat sich die Zahl der jährlichen Naturkatastrophen in den letzten Jahrzehnten verdoppelt. Obwohl Kinder am wenigsten für den Klimawandel verantwortlich sind, leiden sie am massivsten unter den Auswirkungen. UNICEF rechnet damit, dass in den kommenden Jahren jedes Jahr rund 175 Millionen Kinder unter den Folgen extremer Wetterphänomene zu leiden haben. Diese Entwicklung bedroht viele erzielten Fortschritte der letzten Jahrzehnte, denn extreme Wetterbedingungen tragen zur Ausbreitung von Mangelernährung, Durchfallerkrankungen und Malaria bei. Durch den globalen Temperaturanstieg gibt es in trockenen Weltregionen immer weniger Trinkwasser, während niedrig gelegene Gebiete durch den ansteigenden Meeresspiegel immer häufiger von Überflutungen betroffen sind.

Sturmfluten, Flutwellen und andere Naturkatastrophen: Ein Junge in Nicaragua während eines Hurrikans am Meer.

Während eines Hurrikans können Windgeschwindigkeiten von mehr als 250 km/h erreicht werden. Durch den Klimawandel sind Millionen Kinder extremen Gefahren ausgesetzt.

© UNICEF/UN0372815/Ocon/AFP-Services

Der Klimawandel und die zunehmenden Naturkatastrophen zwingen weltweit immer mehr Kinder und ihre Familien zur Flucht. Wenn sauberes Wasser und gute Ernten knapper werden, bleibt Menschen keine andere Wahl, als ihre Heimat zu verlassen. Etwa 250 Millionen Menschen werden Schätzungen zufolge aufgrund des Klimawandels in den nächsten 30 Jahren ihr Zuhause verlassen müssen.

Bedrohung für Kinder durch Naturkatastrophen wie Überschwemmungen und Wirbelstürme

Wenn Wirbelstürme aufs Festland treffen, beschädigen sie die Infrastruktur und vernichten Felder und Ernten. Als Folge von Hurrikans, Taifunen, Zyklonen oder anderen Wirbelstürmen kommt es oft zu Flutkatastrophen und Überschwemmungen. In Zentralamerika etwa richteten im November 2020 die schweren Stürme Eta und Iota katastrophale Schäden an: Die Wassermassen rissen Straßen, Brücken, Häuser und ganze Landstriche mit sich. Zehntausende Menschen verloren ihr Zuhause und mussten in Notunterkünften untergebracht werden. 2013 verwüstete Taifun Haiyan weite Teile der Philippinen: Der Sturm gilt als einer der schlimmsten Stürme der Geschichte und kostete Tausende Menschen das Leben.

Nothilfe nach Naturkatastrophen: Ein Mädchen im Südsudan watet durch das Hochwasser.

Nach Fluten im Südsudan versucht dieses Mädchen, sich und ihre Schulsachen über Wasser zu halten. UNICEF unterstützt Kinder nach Naturkatastrophen, wieder zurück in die Schulen zu gehen, stattet sie mit Lernmaterial aus und baut Schulen wieder auf.

© UNICEF/UN0540660/CHOL

Das Risiko, sich an Krankheiten anzustecken, ist nach Überschwemmungen besonders hoch. Wenn sauberes Wasser zum Trinken oder Händewaschen fehlt, können sich Cholera oder andere Durchfallerkrankungen schneller übertragen und verbreiten. Vor allem für jüngere Kinder kann das schnell tödlich enden.

Erdbeben und Tsunamis gefährden Kinder

Sogar Hunderte Kilometer vom Epizentrum entfernt können Erdbeben noch ganze Dörfer und Städte erschüttern – häufig mit vielen Todesopfern. Bei den schweren Erdbeben in Haiti (2010 und 2021) und Nepal (2015) verloren insgesamt Hunderttausende Menschen ihr Leben.  
Erdbeben zerstören Wohnhäuser, Krankenhäuser und Schulen. Die Bevölkerung ist dann dringend auf Nothilfe angewiesen. Kinder benötigen sichere Unterkünfte, Kleidung, Trinkwasser, Lebensmittel und Medikamente.

Auch Vulkanausbrüche werden in der Regel von Erdbeben ausgelöst. Je nach Lage des Ausbruchs sind die Folgen für die Menschen dramatisch.

Die Auswirkungen von Erdbeben sind oft noch nach vielen Jahren spürbar, auch weil die betroffenen Länder zusätzlich mit anderen Naturkatastrophen zu kämpfen haben. Wirbelstürme und Monsunregen beispielsweise erschweren nach einem Erdbeben den Wiederaufbau. Erdbeben können auch Tsunamis verursachen. So löste ein gewaltiges Seebeben am zweiten Weihnachtstag 2004 den verheerenden Tsunami aus: Die Jahrhundertkatastrophe zerstörte tausende Kilometer der südostasiatischen und somalischen Küste.

Regenfälle führen zu Erdrutschen und Schlammlawinen

Langanhaltende Regenfälle – etwa der in vielen Ländern alljährlich wiederkehrende Monsun – tragen stark zu Überschwemmungen bei, führen dazu aber auch immer wieder zu Erdrutschen und Schlammlawinen. In Flüchtlingscamps sind Menschen besonders von Erdrutschen bedroht, da sie dort unter improvisierten Bedingungen und auf engem Raum leben. UNICEF unterstützt deshalb Projekte zur Katastrophenvorsorge, um Kinder und Familien vor diesen Naturgewalten zu schützen.

Bedrohung durch Dürren und Wassermangel

Wenn dagegen der Regen monatelang ausbleibt, trocknen Brunnen aus, versiegen Wasserquellen und ganze Ernten werden vernichtet. Fast 160 Millionen Kinder leben in Gegenden, die von extremer Dürre bedroht sind, vor allem in Afrika und Asien. In Ländern wie Äthiopien und Somalia hat langanhaltende Trockenheit die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen zerstört.

Naturkatastrophen - Dürre in Äthiopien: Ein Junge läuft neben seinen Eseln über ausgedörrtes Land. Überall fehlen Wasserstellen.

Hitzewellen und Erderwärmung führen zu Dürren und ausgetrockneten Feldern. Der Wassermangel lässt sich an der kargen Landschaft Äthiopiens ablesen.

© UNICEF/UN022121/Mulugeta Ayene

Im schlimmsten Fall folgt auf die Dürre eine Hungersnot, von denen Kinder besonders betroffen sind. Sie benötigen ausreichend Nährstoffe, um sich zu entwickeln. Mangelernährung schädigt Kinder für ihr gesamtes Leben. Die Mädchen und Jungen bleiben körperlich und geistig zurück und sind oft krank.

Häufig sind auch Flüchtlings- und Migrationswellen die Folge von Dürren. Millionen von Menschen aus Wüstenregionen verlassen ihre Heimat, wenn ihre Trinkwasserquellen versiegt sind und ihre Nutztiere sterben. Jahrelange Dürreperioden führen immer wieder zu bewaffneten Konflikten um die wenigen verbliebenen Ressourcen.

Bei Naturkatastrophen spenden und betroffenen Kindern helfen

Als Hilfsorganisation können wir dank Ihrer großzügigen Spenden bei Naturgewalten wie Überschwemmungen oder Dürren lebenswichtige Hilfsgüter in die betroffenen Regionen bringen.

Hilfe in Naturkatastrophen: UNICEF-Mitarbeiter*innen lagern Hilfsgüter in gefährdeten Regionen.
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UNICEF-Hilfsgüter stehen wie hier in Fidschi wenn möglich schon vor einer Katastrophe bereit. Wasser, Hygieneartikel und Medikamente werden gelagert, damit sie etwa nach einem Tropensturm schnell an Familien verteilt werden können.

© UNICEF/UN0384349/Stephen/Infinity Images
Sauberes Wasser nach Naturkatastrophen: Eine Familie in Uganda zapft Trinkwasser.
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Lebengefährliche Krankheiten wie die Cholera breiten sich besonders schnell aus, wenn Familien nach Katastrophen kein sauberes Wasser zum Trinken und Waschen haben. Wie hier nach Überflutungen in Uganda sorgt UNICEF daher für sauberes Wasser.

© UNICEF/UNI356824/Adriko
Naturkatastrophen: Kinder in Guatemala spielen in einem UNICEF-Kinderzentrum.
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Naturkatastrophen hinterlassen auch seelische Wunden. Darum unterstützt UNICEF Kinder mit psychosozialen Aktivitäten so wie hier in Guatemala nach den Stürmen Iota und Eta.

© UNICEF/UNO403847/Billy/AFP-Services
Naturkatastrophen führen zu Mangelernährung: Ein Kind in Vietnam wird untersucht.
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Stürme und Fluten wie hier in Vietnam zerstören oft ganze Ernten – Hunger und Mangelernährung sind die Folgen. UNICEF-Gesundheitshelfer*innen versorgen mangelernährte Kinder mit Spezialnahrung, um ihr Überleben zu sichern.

© UNICEF/UN0407855/Viet Nam/Truong Viet Hung

UNICEF-Spezialistinnen und -Spezialisten versorgen die Kinder und ihre Familien direkt nach einer Naturkatastrophe schnell mit Hygieneartikeln, Zelten, sauberem Trinkwasser und anderen Hilfsgütern. Unsere Helferinnen und Helfer sind vor Ort, solange die Kinder uns brauchen – auch lange nach der Katastrophe.

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