DIE UNGEWÖHNLICHSTEN SCHULWEGE DER WELT
Mittwoch, 28. August 2019, 10:30 Uhr
von Yvonne Laudien | 1 Kommentar

DIESE KINDER ÜBERWINDEN FÜR BILDUNG ALLE HINDERNISSE

Nichts kann sie aufhalten! Sie überqueren Berge und Flüsse oder Kampflinien, laufen viele Kilometer zu Fuß – manche Kinder nehmen große Strapazen und Risiken auf sich, um die Schule besuchen zu können. Diese Beispiele gehören wohl zu den ungewöhnlichsten Schulwegen der Welt.

Sambia: Wo Schulwege zu Seen werden

Stellen Sie sich vor, einmal im Jahr ist für Schulen – für Bildung – einige Monate lang „Land unter“. Ein riesengroßer See entsteht während der jährlichen Regenzeit in Sambia dort, wo normalerweise der Schulweg ist. In Sambias westlicher Provinz, in der Barotse-Auenlandschaft, müssen die Schulen zur Zeit der jährlichen Überflutungen für einige Monate schließen.

Das Leben hier, in einem der größten Feuchtgebiete Afrikas, ist für Kinder eine besondere Herausforderung und fordert ständige Anpassungsfähigkeit. Der Klimawandel verstärkt Unsicherheiten durch extremere Wetterereignisse zusätzlich.

Sambia: Eine schwimmende Grundschule

Mit der schwimmenden Schule fällt der Unterricht nicht mehr aus, wenn die jährliche regionale Überflutung stattfindet.
© UNICEF/Zambia/2018/James

Auch die Malabo Grundschule musste früher für einige Monate im Jahr geschlossen werden. Jetzt kann die Schule aber endlich dauerhaft Unterricht anbieten: Aus der niedrig gelegenen Schule aus Lehmwänden ist mit UNICEFs Unterstützung nun eine „schwimmende Schule“ geworden. Neu auf einem höher gelegenen Ufer errichtet, wird sie während der Regenzeit zu einer Insel für Bildung. Gut, dass die Kinder erfahrene Paddler und Schwimmer sind! Zu Fuß oder mit dem Kanu - diese Kinder trotzen den jährlichen Wetterextremen.

Sambia: Ein Schüler paddelt zur Schule.

Es ist großartig, dass die Überschwemmung die Schule nicht mehr beeinträchtigt und wir nicht schließen.

Mwangubia Njekwa (12) - Schüler

Ostukraine: Wo Bildung unter Beschuss steht

Stellen Sie sich vor, der Schulweg ist übersäht von Minen, Panzersperren und scharfer Munition. Für viele Kinder in der Ostukraine ist das seit Jahren der Alltag: Ihre Wohnhäuser, ihr Schulweg, ihre Schulen stehen unter Beschuss. Viele Schulwege verlaufen ganz in der Nähe der sogenannten Kontaktzone. Dort sind die Kämpfe am heftigsten, denn es ist die Grenze zwischen den von der Regierung kontrollierten Gebieten und denen unter Kontrolle der Nichtregierungs-Gruppen.

Ostukraine: Die 14-jährige Sonia läuft an einem zerstörten Gebäude vorbei.

Sonia (14) fürchtet die Minen und Blindgänger, die in ihrer Stadt und der Umgebung verstreut liegen.
© UNICEF/UN0312582/Filippov

Kontrollpunkte und gefährliche, durchlöcherte Straßen müssen Mädchen und Jungen tagtäglich passieren, um zur Schule zu kommen. Dabei besteht immer wieder die Gefahr, in ein Kreuzfeuer zu geraten. Zu allem Überfluss bleiben die Schulbusse aufgrund der schlechten Straßen oft liegen. Besonders schlimm ist die Situation im Winter, wenn bei Schneefall die Busse nur langsam vorankommen und die Fahrt bis zu zwei Stunden dauern kann.

Die Strapazen des gefährlichen Schulwegs rauben den Schülerinnen und Schülern Energie und Konzentration. Auch die Schulen sind nicht sicher, weil sich potenzielle Angriffsziele wie Militärstandorte, Stützpunkte, Lager oder Kontrollposten in unmittelbarer Nähe befinden. 

Ostukraine: Die 10-jährige Lera sitzt vor den durch Sandsäcke bedeckten Fenstern.

Eines Tages, als ich zur Schule kam, waren alle Kinder schon im Schutzraum der Schule. Die Bombardierung fing an, da war ich gerade auf dem Schulweg. Ich musste mich beeilen.

Lera Nagormay (10) - Schülerin

Trotzdem ist der Schulbesuch wichtig – nicht nur, um zu lernen. Er bietet Kindern und Jugendlichen in Krisensituation Halt und Sicherheit. Damit Mädchen und Jungen in der Ostukraine weiterhin lernen können, unterstützt UNICEF Reparaturen der beschädigten Bildungseinrichtungen und stellt Unterrichtsmaterial zur Verfügung. Außerdem arbeitet UNICEF in der gesamten Ostukraine mit zahlreichen Partnern zusammen, damit Hunderttausende vom Konflikt betroffene Kinder und Jugendliche Zugang zu psychosozialer Unterstützung erhalten.

Von Venezuela nach Kolumbien: Wo Bildung keine Grenzen kennt

Stellen Sie sich vor, dass Kinder für den Schulunterricht tagtäglich das eigene Land verlassen. Für Hunderte Jungen und Mädchen aus Venezuela ist das der Fall. Früh am Morgen, bei jedem Wetter sind Schülerinnen und Schüler auf dem Weg von Venezuela ins Nachbarland Kolumbien.

Venezuela: Eine Gruppe von Kindern überquert die Francisco de Paula Santander Brücke.

An der Francisco de Paula Santander Brücke warten jeden Morgen gegen 5 Uhr Hunderte von Jungen und Mädchen, die die Staatsgrenze von Venezuela überqueren.
© UNICEF/UN0309970/Arcos

Diese morgendliche Migration zur Schule hängt mit der schweren politischen und wirtschaftlichen Krise Venezuelas zusammen. Viele venezolanische Familien können sich weder die Schulfahrt noch die Schulmaterialien für ihre Kinder leisten. Auch die Schulen in Venezuela leiden unter der Wirtschaftskrise. Oft fehlt in den Schulen der Strom, das Wasser, die Mahlzeiten für die Schüler und das Gehalt für die Lehrer. Weil sie ihre eigene Familie nicht mehr ernähren können, geben viele Lehrer ihren Beruf auf oder verlassen das Land.

Kolumbien bietet den migrierten, geflüchteten oder pendelnden Kindern aus Venezuela kostenlose Bildung an. Zehntausende Kinder und Jugendliche aus Venezuela sind in Schulen rund um die kolumbianische Stadt Cúcuta eingeschrieben. Rund 3.000 von ihnen pendeln täglich aus Venezuela zur Schule. UNICEF unterstützt sie dabei, zum Beispiel mit Schulbussen, die sie vom Grenzübergang abholen.

Kolumbien: Schüler aus Venezuela steigen in die Schulbusse.

Auf der kolumbianischen Seite warten Busse des kolumbianischen Bildungsministeriums und UNICEF auf die Schulkinder, um sie zu den Schulen in der Umgebung zu bringen.
© UNICEF/UN0303663/Arcos

Darüber hinaus unterstützt UNICEF die kolumbianischen Bildungsreinrichtungen zum Beispiel bei der Umsetzung flexibler Bildungsprogramme, die es den venezolanischen Kindern ermöglichen, einem regelmäßigen Lehrplan zu folgen. Auch die venezolanischen Schulen unterstützt UNICEF, unter anderem mit Bildungsmaterial, Weiterbildungen und Finanzierungen für das Lehrpersonal sowie Schulernährungsprogrammen.

Kilometer für Bildung: Kinder trotzen allen Hindernissen

Die Beispiele von außergewöhnlichen Schulwegen zeigen, welche Anstrengungen Mädchen und Jungen weltweit für Bildung auf sich nehmen. Ob Wetterextreme, fehlende Infrastruktur, geographische Beschaffenheit oder Krisen und Konflikte – ihre Ausdauer und Entschlossenheit lassen sie alle Hindernisse überwinden.

Weitere ungewöhnliche Schulwege zeigen die folgenden Bilder:

Die Anstrengungen dieser Mädchen und Jungen zeigen, wie wichtig Schule ist. Der regelmäßige Schulbesuch gibt Kindern und Jugendlichen Perspektive und ist ein wichtiger Grundstein für eine bessere Zukunft. Doch eine Schule besuchen zu können ist auch heute noch keine Selbstverständlichkeit. Weltweit gehen immer noch 263 Millionen Kinder nicht in die Schule. 

Überall auf der Welt ist er ein Familienritual: der tägliche Weg zur Schule. Als ich auf die Grundschule ging, war der ganz einfach: Der Schulbus hielt direkt vor unserer Haustür und nach knapp zehn Minuten Fahrt hielt er direkt vor unserem Schulgelände. Für meine Bildung musste ich nicht einmal eine Straße überqueren. Heute weiß ich, das ist ein großer Luxus.

Jedes Kind hat das Recht auf Bildung! Wie genau UNICEF sich dafür einsetzt, lesen Sie unter den UNICEF Bildungsprojekte.  

KOMMENTARE

  • 29. August 2019 11:39 Uhr

    Super Kommentar! Ein sehr brisantes Thema, welches viel mehr in die Öffentlichkeit rücken sollte. Wie prädestiniert wachsen unsere Kinder auf! Allein aus Dankbarkeit darüber ist die Arbeit von unicef extrem unterstützungswürdig! Weiter so!

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