Pressemitteilung
UNICEF: HILFE FÜR KINDER IST WETTLAUF GEGEN DIE ZEIT
Amman / Sanaa / Köln
Dienstag, 25. April 2017, 00:01 Uhr

Presseinfo anlässlich der internationalen Geber-Konferenz für den Jemen

Die anhaltende Gewalt im Jemen verschärft eine der weltweit schlimmsten Hungerkrisen. Insgesamt rund sieben Millionen Menschen wissen nicht mehr, wo sie die nächste Mahlzeit bekommen können. Fast 2,2 Millionen Kinder im Jemen sind mangelernährt.

Nach Einschätzung von UNICEF und dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) besteht für eine halbe Million Kinder akute Lebensgefahr, wenn sie nicht die dringend benötigte Hilfe und Behandlung erhalten.

Jemen: Ein kleines Kind wird auf Mangelernährung untersucht.

In Folge der extremen Nahrungsmittelunsicherheit und des Zusammenbruchs der Wasserversorgung in vielen Städten leiden im Jemen bereits 462.000 Kinder an akuter schwerer Mangelernährung.
© Omar Alobidy

Millionen Kinder im Jemen sind akut mangelernährt. Viele sterben an Krankheiten, die absolut vermeidbar wären“, so Geert Cappelaere, UNICEF Regionaldirektor für den Nahen Osten und Nordafrika. „Die Konfliktparteien und die internationale Gemeinschaft müssen dringend mehr tun, um zu verhindern, dass im Jemen eine Hungersnot ausbricht, die noch mehr Kindern das Leben kosten würde. Wir befinden uns in einem Wettlauf gegen die Zeit.“

Die anhaltende Gewalt und die Nahrungsmittelunsicherheit haben fatale Folgen für Kinder. Um zu überleben, sehen sich Familien oftmals zu drastischen Maßnahmen gezwungen, wie zum Beispiel die frühe Verheiratung von Kindern. Aus Not schließen sich auch immer mehr Heranwachsende bewaffneten Gruppen an.

So wurden beispielsweise im Vergleich zum letzten Quartal 2016 in den ersten drei Monaten dieses Jahres dreimal so viele Kinder rekrutiert. Hinzukommt, dass große Teile des Landes durch den andauernden Konflikt für Mitarbeiter von Hilfsorganisationen nicht zugänglich sind und besonders schutzbedürftige Kinder und ihre Familien von der dringend benötigten Hilfe nicht erreicht werden.

Trotz dieser und anderer Schwierigkeiten konnte UNICEF zusammen mit seinen Partnern im Februar den Ernährungszustand von 132.000 Kindern untersuchen und über 5.000 Kinder unter fünf Jahre, die unter akuter Mangelernährung litten, behandeln. Im Rahmen einer Polio-Impfkampagne wurden etwa fünf Millionen Kinder unter fünf Jahre mit Vitamin-A-Präparaten versorgt. Das WFP konnte für 5,3 Millionen Menschen in 17 Gouvernements Nahrungsmittelhilfe bereitstellen.

Jemen: Ein Junge wird gegen Polio geimpft.

Ein Junge wird von einem UNICEF-Helfer gegen Polio geimpft.
© Moohi Al-Zikri

Zu Beginn des Monats kündigte das WFP an, die Nahrungsmittelverteilung im Jemen auf bis zu neun Millionen Menschen auszuweiten. Gemeinsam mit UNICEF sollen 2,9 Millionen Kinder unter fünf Jahren sowie schwangere Frauen und stillende Müttern vor Mangelernährung bewahrt bzw. behandelt werden. Doch für die Nothilfe der beiden Organisationen im Jemen stehen derzeit nur rund 20 Prozent der notwendigen Mittel bereit.

UNICEF und das WFP rufen dringend zu einer raschen politischen Lösung des Konflikts auf. Die beteiligten Konfliktparteien und diejenigen, die darauf Einfluss nehmen können, müssen den ungehinderten Zugang zu Menschen in Not ermöglichen und jegliche Handlungen unterlassen, die die Auslieferung lebensrettender humanitärer Güter verhindern könnten.

Service für die Redaktionen:

» Fotos sowie Videos zur Nothilfe im Jemen

» Report zu "Zwei Jahre Krieg im Jemen - Falling Through the Cracks"

Rudi Tarneden

RUDI TARNEDEN

Abteilungsleiter Presse / Sprecher
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E-Mail: presse(at)unicef.de