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Mustafas Neuanfang in Deutschland


von Christine Kahmann

"Hier kann man seine Träume verwirklichen"

„Wir wussten nicht, was Krieg bedeutet. Dann, eines Tages, schlugen in unserer Nachbarschaft Bomben ein. Jetzt wissen wir es. Wir wurden fast alle getrennt auf der Flucht. Im (Flucht-) Boot sagten sie uns, wir würden ertrinken. Daran musste ich immer denken. Doch zum Glück ist das nicht passiert.“

Dies erzählte der heute 16-jährige Mustafa, als er vor drei Jahren das erste Mal mit UNICEF sprach. Er war 13 Jahre alt, als er gemeinsam mit seiner Mutter vor dem Bürgerkrieg in Syrien floh. Wie viele andere Kinder und Familien auf der Flucht wagten sie die gefährliche Reise über das Mittelmeer, waren dann zunächst in einem Flüchtlingscamp in Griechenland. Heute, drei Jahre später, lebt Mustafa in Bayern, spielt gerne Fußball und träumt davon, einmal Schreiner zu werden.

Angekommen in Deutschland

Kurz nach seiner Ankunft in Deutschland erzählte Mustafa UNICEF, dass die Leute in Deutschland ihn oft fragen würden, woher er kommt. Das kann er gut nachvollziehen: „Ich finde es ist ihr Recht, zu fragen. Wenn jemand Fremdes in dein Land kommen würde, würdest du auch wissen wollen, warum.“ 

Mustafa antwortet dann, dass er aus Syrien kommt und von dort flüchtete, weil dort Krieg herrscht. „Wir sind Menschen wie ihr“, fügt er hinzu. 

Inzwischen hat sich Mustafa gut in Deutschland eingelebt und schaut weiter nach vorne.

„Anfangs war es gar nicht so einfach, Freunde zu finden, denn ich konnte kein Deutsch und kannte niemanden“, erzählt Mustafa. „Aber in der Schule habe ich angefangen die Sprache zu erlernen und Freundschaften zu schließen – erst in meiner eigenen Klasse, dann in anderen Klassen, dann im Ort. So habe ich Leute kennengelernt.”

"Im Gegensatz zu Syrien ist es sicher hier"

Für Mustafa ist Fußball seine große Leidenschaft. Regelmäßig trifft er sich nach der Schule mit seinen Freunden, um zu spielen. „Beim Fußballspielen brauchst Du keine Worte. Du spielst einfach und verständigst Dich wortlos. Du schaust Deine Mitspieler an und weißt sofort, was sie denken“, erklärt er.

„Im Gegensatz zu Syrien ist es sicher in Deutschland. Man kann lernen und es gibt gute Schulen. Hier kann man seine Träume verwirklichen. Ich habe viele Freunde und wir spielen gemeinsam Fußball. Mit meiner jüngeren Schwester gehe ich häufig spazieren oder Eis essen. Natürlich fühlt man sich manchmal fremd. Aber immer weniger. Man sieht, wie die Menschen hier sind und was sie tun und dann passt man sich an und lernt dazu“, fügt er hinzu. 

Ein Drittel aller Menschen, die seit 2015 einen Asylerstantrag in Deutschland gestellt haben, sind Kinder und Jugendliche wie Mustafa – junge Menschen, die oft Furchtbares erlebt haben und probieren, in ihrer neuen Umgebung Fuß zu fassen. Junge Menschen, die wie Mustafa zur Schule gehen, neue Freundschaften schließen und Deutsch lernen. Junge Menschen, die endlich wieder eine Chance auf eine Kindheit haben. 

Serie: „Kinderrechte sind grenzenlos”

Mitarbeiterfoto: Christine Kahmann, UNICEF Deutschland
Autor*in Christine Kahmann

Christine Kahmann berichtet aus der Pressestelle über aktuelle UNICEF-Themen.