Statement

JEMEN „GRÖSSTE HUMANITÄRE KRISE DER WELT“ - JETZT HILFE VERDOPPELN

Aden/ Sana’a, 26. Juli 2017

UNICEF, WFP UND WHO VERSTÄRKEN ZUSAMMENARBEIT IM JEMEN/ GEMEINSAMES STATEMENT

Gemeinsames Statement von UNICEF-Exekutivdirektor Anthony Lake, WFP-Exekutivdirektor David Beasley und WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus nach ihrem gemeinsamen Besuch im Jemen:

„Als Leiter von drei UN-Organisationen – dem UN-Kinderhilfswerk UNICEF, dem Welternährungsprogramm WFP und der Weltgesundheitsorganisation WHO – sind wir gemeinsam in den Jemen gereist, um mit eigenen Augen das Ausmaß dieser humanitären Krise zu sehen und unsere gemeinsamen Anstrengungen zur Hilfe für die Menschen im Jemen auszuweiten.

Die drei Leiter von UNICEF, WHO, WFP stehen in einem Krankenhaus in Sanaa.

Gemeinsamer Besuch in Jemen: UNICEF-Exekutivdirektor Anthony Lake (rechts), WFP-Exekutivdirektor David Beasley (links) und WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus (mitte) in einem improvisierten Krankenhaus in Sanaa.
© Moohialdin Fuad Alzekri

Dies ist der schlimmste Cholera-Ausbruch weltweit inmitten der größten humanitären Krise der Welt. Allein in den letzten drei Monaten wurden 400.000 Cholera-Verdachtsfälle und fast 1.900 Todesfälle im Zusammenhang mit Cholera gemeldet. Die lebenswichtige Gesundheits-, Wasser- und Sanitärversorgung sind durch mehr als zwei Jahre Feindseligkeiten stark beeinträchtigt. So konnten ideale Bedingungen für die Ausbreitung der Krankheit entstehen.

Jemen am Rand einer Hungersnot

Das Land steht am Rande einer Hungersnot – über 60 Prozent der Bevölkerung wissen nicht, woher sie ihre nächste Mahlzeit bekommen sollen. Fast zwei Millionen Kinder im Jemen sind akut mangelernährt. Mangelernährung macht sie anfälliger für Cholera; Krankheiten führen wiederum zu mehr Mangelernährung. Es ist eine teuflische Kombination.

In einem Krankenhaus haben wir Kinder besucht, die kaum die Kraft zum Atmen haben. Wir haben mit Familien gesprochen, die überwältigt sind von der Sorge um ihre kranken Angehörigen und die nichts zu essen für ihre Kinder haben.

Als wir durch die Stadt gefahren sind, haben wir zerstörte Infrastruktur wie Krankenhäuser und Wasserleitungen gesehen.  Inmitten von diesem Chaos gehen rund 16.000 freiwillige Helfer von Haus zu Haus, um Familien über vorbeugenden Schutz vor Durchfall und Cholera zu informieren. Ärzte, Krankenschwestern und anderes Gesundheitspersonal arbeiten rund um die Uhr, um Leben zu retten.

Mehr als 30.000 Gesundheitsmitarbeiter haben über zehn Monate lang kein Gehalt bekommen, aber viele von ihnen gehen trotzdem weiter zur Arbeit. Wir haben die jemenitischen Behörden gebeten, diesen Mitarbeitern dringend ihre Gehälter zu bezahlen. Denn wir befürchten, dass ohne sie viele Menschen sterben könnten, die sonst überleben würden. Unsere UN-Organisationen werden ihr Bestes tun, um unsererseits diese extrem engagierten Mitarbeiter mit finanziellen Anreizen und Stipendien zu unterstützen.

Jemen Krieg: Menschen stehen Schlange mit Wasserkanister

An zentralen Orten versorgen UNICEF-Helfer die Familien mit Trinkwasser aus Wassertanks. Die Menschen stehen Schlange, um das saubere Wasser abzuholen.
© UNICEF/UN057350/Algabal

Über 1.000 Stellen zur Behandlung von Cholera und Durchfall

Wir haben auch die wichtige Arbeit von örtlichen Behörden und NGOs gesehen, die von internationalen humanitären Organisationen einschließlich unserer drei unterstützt werden. Wir haben mehr als 1.000 Durchfall-Behandlungszentren und Rehydrierungs-Stellen eingerichtet. Die Lieferung von Hilfsgütern wie therapeutische Nahrung, intravenöse Medikamente und andere medizinische Ausrüstung einschließlich Krankenwagen geht weiter.

Wir unterstützen auch weiterhin die Wiederherstellung von lebenswichtiger Infrastruktur – die Instandsetzung von Krankenhäusern, Gesundheitszentren und des Wasser- und Sanitär-Netzwerks. Wir arbeiten mit der Weltbank im Rahmen einer innovativen Partnerschaft daran, auf die Bedürfnisse vor Ort zu reagieren und lokale Gesundheitsinstitutionen aufrecht zu erhalten.

„Es gibt Hoffnung“

Es gibt Hoffnung. Mehr als 99 Prozent der Menschen, die mit Cholera-Verdacht krank sind und Zugang zu Gesundheitsversorgung haben, überleben inzwischen. Und wir gehen jetzt von einer etwas niedrigeren Zahl von 385.000 Kindern unter fünf Jahren aus, die bis Ende des Jahres unter schwerer akuter Mangelernährung leiden werden.

Trotzdem bleibt die Situation düster. Tausende Menschen erkranken jeden Tag. Wir müssen dringend weiter alles tun, um die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Fast 80 Prozent der Kinder im Jemen brauchen humanitäre Hilfe.

Bei unseren Treffen mit führenden Personen in Aden und Sana’a haben wir sie dazu aufgerufen, humanitären Helfern Zugang zu umkämpften Gebieten zu ermöglichen. Und wir haben darauf gedrängt – mehr als alles andere – eine friedliche politische Lösung für den Konflikt zu finden.

Die Krise im Jemen erfordert eine beispiellose Antwort. Unsere drei Organisationen haben sich mit jemenitischen Behörden und weiteren Partnern zusammengeschlossen, um unsere Aktivitäten noch stärker zu koordinieren, Leben zu retten und für künftige Krisen besser aufgestellt zu sein.

Wir rufen jetzt die internationale Gemeinschaft auf, ihre Hilfe für die Menschen im Jemen zu verdoppeln. Wenn wir das nicht schaffen, wird die Katastrophe, die sich vor unseren Augen abspielt, nicht nur weitere Menschenleben fordern. Sie wird auch künftige Generationen und das ganze Land auf Jahre hinaus prägen.“

Service für die Redaktionen:

Fotos und Bewegtbildmaterial des Besuchs der Chefs von UNICEF, WHO und WFP im Jemen stehen Redaktionen kostenfrei zur Verfügung.

Ninja Charbonneau

NINJA CHARBONNEAU

Pressesprecherin
0221-93650-298
E-Mail: presse(at)unicef.de


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