Pressemitteilung
ELF JAHRE SYRIENKRIEG: KINDER LEIDEN WEITER UNTER GEWALT UND TRAUMATA
Damaskus/Köln
Dienstag, 15. März 2022, 12:30 Uhr

LAUT UNICEF WURDEN SEIT 2011 RUND 13.000 KINDER GETÖTET ODER VERLETZT

Elf Jahre nach Beginn des Krieges in Syrien wird das Leben der Kinder weiterhin durch Gewalt, Vertreibung, traumatische Erlebnisse und fehlenden Zugang zu Bildung und anderen grundlegenden Dienstleistungen beeinträchtigt.

Trotz des Rückgangs der Kämpfe sind Kinder in Syrien tagtäglich weiterhin großen Gefahren für Leib und Leben ausgesetzt. So wurden allein gestern Berichten zufolge drei Kinder durch nicht explodierte Sprengkörper in Aleppo getötet. Im vergangenen Jahr wurden fast 900 Kinder in Syrien gewaltsam getötet oder verletzt – diese Zahlen beziehen sich nur auf Fälle, die von den Vereinten Nationen überprüft und verifiziert werden konnten.

Syrien: Das Mädchen Aminah steht vor zerstörten Häusern und Trümmern.

Die elfjährige Aminah steht in ihrer Heimatstadt Almleha, im Umland von Damaskus vor zertrümmerten Häusern. Die Zerstörung durch den Krieg in Syrien ist allgegenwärtig.
© UNICEF/UN0603129/Belal

„In elf Jahren Syrienkrieg wurden rund 13.000 Mädchen und Jungen getötet oder verletzt – das sind durchschnittlich drei Kinder jeden Tag. Wir dürfen und wir werden die Not der syrischen Kinder angesichts der vielen anderen Krisen nicht vergessen und ihnen weiter zur Seite stehen. UNICEF bleibt ein verlässlicher Partner von allen Kindern in Konflikt- und Krisenländern – überall auf der Welt“, sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland.

Landminen, explosive Kriegsmunitionsrückstände und nicht explodierte Sprengkörper waren 2021 die Hauptursachen für die Todesfälle oder schweren Verletzungen von Kindern. Viele Mädchen und Jungen tragen hierdurch lebenslange Behinderungen davon. Schätzungsweise jede dritte Ortschaft in Syrien ist durch explosive Rückstände kontaminiert.

Zu den körperlichen Wunden kommen psychische Verletzungen. Im vergangenen Jahr zeigte ein Drittel der Kinder in Syrien Anzeichen von psychischen Problemen wie Angst, Traurigkeit, Müdigkeit oder Schlafstörungen.

„Seit Beginn des Krieges im Jahre 2011 sind in Syrien fast fünf Millionen Kinder geboren worden. Sie kennen nichts Anderes als Krieg und Konflikt. In vielen Teilen Syriens leben sie weiterhin in Angst vor Gewalt, vor Landminen und explosiven Überresten des Krieges“, sagte der Leiter von UNICEF Syrien, Bo Viktor Nylund.

Situation der syrischen Kinder im Überblick

  • Seit 2011 wurden mindestens 6.850 Kinder getötet und 6.010 weitere schwer verletzt. 
  • Über 7.000 Minderjährige wurden seit 2011 als Kindersoldat*innen rekrutiert und eingesetzt. 
  • Die Vereinten Nationen haben seit 2011 über 770 Angriffe auf Bildungseinrichtungen oder –personal sowie 700 Fälle verifiziert, in denen Gesundheitseinrichtungen angegriffen oder für militärische Zwecke missbraucht wurden. 
  • Durch den Konflikt, eine Wirtschaftskrise sowie die Covid-Pandemie leben mittlerweile 90 Prozent der Menschen in Syrien in Armut. 
  • Mehr als 6,5 Millionen Kinder in Syrien brauchen humanitäre Hilfe – ein Anstieg um sieben Prozent im vergangenen Jahr. 
  • Mehr als drei Millionen syrische Kinder gehen nicht zur Schule.
  • Fast 2,8 Millionen Mädchen und Jungen sind in die Nachbarländer geflohen.

In ganz Syrien und in den Nachbarländern leisten UNICEF und seine Partner weiter Hilfe, um Kinder zu schützen und ihnen zu helfen, die Auswirkungen des Konflikts zu bewältigen. Im vergangenen Jahr hat UNICEF in Syrien 11,3 Millionen Menschen, darunter 7,3 Millionen Kinder, mit humanitärer Hilfe erreicht. Unter anderem haben UNICEF und Partner über 220.000 Mädchen und Jungen mit psychosozialer Hilfe in Kinderzentren und durch mobile Teams unterstützt. 874.000 Kinder und 176.000 Eltern wurden über die Gefahren von Landminen und Blindgängern aufgeklärt. 

Das Programm für Kinder mit Behinderungen kam im vergangenen Jahr 11.639 Mädchen und Jungen zugute. UNICEF unterstützt Schulen, die integratives Lernen fördern und hilft bedürftigen Familien durch regelmäßige kleine Bargeldbeträge und Betreuung durch persönliche Fallmanager*innen im Rahmen eines integrierten Sozialschutzprogramms. „Wir haben noch einen langen Weg vor uns, um mehr Kindern mit Behinderungen und anderen vom Krieg betroffenen Kindern zu helfen, damit sie ihr volles Potenzial ausschöpfen und vor Schaden geschützt, gesund und gebildet aufwachsen können“, sagte der UNICEF-Vertreter Bo Nylund.

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NINJA CHARBONNEAU

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