Hunger und Gewalt bedrohen Kinder
Wie ist es, jetzt in Afghanistan ein Kind zu sein? Die Situation der Mädchen und Jungen hat sich in den letzten Monaten dramatisch verschlechtert. Immer wieder aufflammende Gewalt, die schwerste Dürre seit rund 30 Jahren und der Kollaps der Wirtschaft bringen immer mehr Familien im Land in verzweifelte Not. Jetzt kommt auch noch eine Heuschreckenplage hinzu.
Fast die gesamte Bevölkerung lebt in Armut. Eltern müssen furchtbare Entscheidungen treffen: Sollen sie das Geld für eine Fahrt mit einem kranken Kind ins Krankenhaus bezahlen oder Lebensmittel für alle Kinder der Familie kaufen? Im Laufe des Jahres 2023 werden schätzungsweise fast 900.000 Kinder unter fünf Jahren schwer akut mangelernährt sein (Stand: März 2023). Diese Mädchen und Jungen sind damit in direkter Lebensgefahr und brauchen sofort Hilfe, um zu überleben.

Millionen afghanische Kinder wie dieses Kleinkind sind von Mangelernährung bedroht.
© UNICEF/UN0596864/FazelDie Mädchen und Jungen können nichts für die Krise in Afghanistan, zahlen aber den höchsten Preis. Wir dürfen sie jetzt nicht allein lassen. Wir von UNICEF setzen unseren Einsatz für die Kinder und Frauen in Afghanistan fort! Helfen Sie ihnen mit Ihrer Spende für dringende Hilfsgüter:
Diese Hilfsgüter werden jetzt in Afghanistan gebraucht
Humanitäre Krise in Afghanistan: Ein Albtraum für Kinder
Mehr als 28 Millionen Menschen in Afghanistan sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, darunter über 15 Millionen Kinder (Stand: März 2023). Das sind ungefähr so viele Kinder wie in ganz Deutschland. Nach der Machtübernahme der Taliban spitzt sich die Situation immer weiter zu. Die Wirtschaft liegt am Boden und die Dürre hat einen Großteil der Ernten zerstört. Im ganzen Land haben Menschen nicht genug zu essen. Der Hunger bringt Millionen Kinder in Lebensgefahr.
Heuschreckenplage verstärkt Hunger in Afghanistan
Die Dürre in Afghanistan ist der Hauptgrund für die schlecht ausfallenden Ernten im Land. Aber es gibt noch einen weiteren Faktor, der den Hunger und die dramatische Ernährungsunsicherheit in Afghanistan verschärft: Seit Mai werden im Norden und Nordosten Afghanistans Heuschreckenschwärme gesichtet. Nahrungsmittelexpert*innen fürchten, dass die Heuschrecken bis zu einem Viertel der Jahresernten vernichten könnten. Vor allem die Weizenproduktion ist bedroht. Umso wichtiger ist es jetzt für uns, dass wir die Kinder und Familien in Afghanistan weiterhin unterstützen und unsere humanitäre Hilfe fortsetzen.
Eines dieser hilfsbedürftigen Kinder ist die 18 Monate alte Amina. Sie ist lebensbedrohlich mangelernährt und wird in einer Klinik behandelt. Wir von UNICEF unterstützen das Gesundheitssystem im Land und setzen zudem auf mobile Kliniken, die direkt zu den Kindern fahren – auch in die entlegensten Gebiete.

Amina ist wegen ihrer Mangelernährung zu schwach, um selbst zu trinken.
© UNICEF/UN0530483/BidelJeder Beitrag hilft
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Weil Amina zu schwach zum Trinken ist, bekommt sie therapeutische Spezialmilch über eine Sonde. Die Milch versorgt sie mit lebenswichtigen Nährstoffen und Kalorien.
Aminas Mutter Jahan Bibi sagt: "Wir haben nichts zu essen zuhause. Wir verkaufen alles, was wir haben, um Lebensmittel kaufen zu können. Ich selbst esse kaum etwas und bin zu schwach, um Amina zu stillen." Unsere Kolleg*innen vor Ort berichten von immer mehr schwangeren und stillenden Frauen, die mangelernährt sind. Viele verwehren sich selbst Mahlzeiten, um die wenigen Lebensmittel ihren Kindern geben zu können.
Afghanistan ist seit vielen Jahren einer der schlimmsten Orte der Welt, um ein Kind zu sein. In den letzten Wochen ist es noch schlimmer geworden.
Die Rechte von Mädchen und Frauen werden immer weiter untergraben. Insbesondere die Entscheidung, Mädchen weiter offiziell keinen Besuch einer weiterführenden Schule zu erlauben, bedeutet einen schweren Rückschlag – für die Mädchen und für die Zukunft des Landes.
Und auch die immer wieder aufflammende Gewalt bedroht die Kinder. Hunderte Mädchen und Jungen wurden allein im vergangenen Jahr durch Kämpfe getötet. Zahlreiche Kinder sind traumatisiert, weil sie Zeuge schrecklicher Gräueltaten wurden. Auch die Gefahr durch Minen und Blindgänger ist hoch.
- 900.000Kinder unter 5
werden in 2023 schwer akut mangelernährt sein und brauchen dringend Spezialnahrung.
- Über 4 Mio.Kinder
gehen nicht zur Schule, davon sind die Mehrheit Mädchen.
- Über 15 Mio.Kinder
brauchen humanitäre Hilfe, um zu überleben.
Im Juni 2022 zerstörte noch dazu ein verheerendes Erdbeben zahlreiche Gebäude in den Provinzen Paktika und Khost. Viele Familien verloren ihr Zuhause und mussten im Freien schlafen. Wir von UNICEF halfen ihnen unter anderem mit Trinkwasser und Hygieneartikeln wie Seife und Wasserreinigungstabletten.
UNICEF bleibt in Afghanistan – für jedes Kind
UNICEF ist trotz einer unsicheren Sicherheitslage weiter in Afghanistan im Einsatz. Die Entscheidung der Taliban, afghanischen Frauen die Zusammenarbeit mit NGOS und auch mit den Vereinten Nationen zu verbieten, verurteilen wir aufs Schärfste. Afghanische Frauen sind der Lebensnerv unserer humanitären Hilfe. Sie sind hochqualifiziert und in einer einzigartigen Position, um die schwächsten Afghan*innen zu erreichen. Zudem haben sie Zugang zu Bevölkerungsgruppen, die ihre männlichen Kollegen nicht erreichen können. Wir fordern die De-facto-Behörden nachdrücklich auf, die Entscheidung zurückzunehmen.
Unterdessen leisten wir mit unseren Partnern, wo immer möglich, weiter Nothilfe. Wir versorgen die Familien etwa mit sauberem Trinkwasser und mangelernährte Kinder mit Spezialnahrung und leisten medizinische Hilfe in den Notlagern. Zudem machen wir unseren Einfluss für Kinderrechte geltend.
Durch unseren über 70-jährigen Einsatz in Afghanistan haben wir ein großes Netzwerk an Partnern aufgebaut. Darauf können wir jetzt zurückgreifen, damit die Hilfe weitergeht und auch ankommt. Als UN-Kinderhilfswerk sind wir politisch neutral und ergreifen ausschließlich Partei für Kinder. Spenden für Afghanistan fließen direkt in unsere Hilfsprojekte vor Ort oder an unsere Partner, mit denen wir uns gemeinsam für die Kinderrechte in Afghanistan einsetzen.
Diese Nothilfe-Maßnahmen leisten wir vor Ort:
Die Familien bekommen regelmäßig Wasser von uns, vor allem in den Gebieten, die besonders von der Dürre betroffen sind. Auch die geflüchteten Menschen in den Notlagern erhalten von uns Trinkwasser.
Babys und Kleinkinder erhalten weiterhin lebenswichtige Impfungen von uns. Und mit unseren mobilen Gesundheitsstationen erreichen wir viele Menschen in Afghanistan, um sie medizinisch zu versorgen.
Mangelernährte Kinder bekommen von uns Spezialnahrung, um wieder zu Kräften zu kommen.
Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verteilen auch Hygieneartikel, zum Beispiel Seife oder Windeln.
An verschiedenen Orten im Land stocken wir unsere Vorräte an Hilfsgütern weiter auf. Dazu gehören auch Hilfsgüter für den Winter, etwa warme Kleidung und wetterfeste Zelte.
Geflüchtete Mädchen und Jungen können zum Spielen eine unserer sicheren und kinderfreundlichen Zonen aufsuchen, die wir in einigen Notlagern zu ihrem Schutz eingerichtet haben.

Bild 1 von 4 | Wir sind im Einsatz, damit Kinder und Familien zumindest eine grundlegende medizinische Versorgung bekommen. Dafür unterstützen wir Krankenhäuser und mobile Kliniken.
© UNICEF/UN0506222/Fazel
Bild 2 von 4 | Die zweijährige Fatima wird in Herat auf Mangelernährung untersucht. In dem Gesundheitszentrum werden Kinder auch geimpft.
© UNICEF/UN0511133/Bidel
Bild 3 von 4 | Hier haben sie Raum, Zeit und Sicherheit zum lachen und einfach Kind sein: Mädchen in einem kinderfreundlichen Zentrum von UNICEF.
© UNICEF/UN0748253/Naftalin
Bild 4 von 4 | Wir bringen lebenswichtige Hilfsgüter ins Land, zum Beispiel Spezialnahrung für mangelernährte Kinder und Medikamente.
© UNICEF/UN0531646/FazelAfghanistan ist ein Binnenstaat in Asien, der an Pakistan, China, Tadschikistan, Usbekistan, Turkmenistan und den Iran grenzt.
Es leben etwa 38,9 Millionen Menschen im Land. Die meisten von ihnen sprechen Dari oder Paschtu. Die Hauptstadt ist Kabul.
Etwa 40 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten in der Landwirtschaft, knapp 40 Prozent im Dienstleistungssektor. Armut ist verbreitet. 2021 lag Afghanistan auf Platz 6 der ärmsten Länder der Welt.