Dürre in Äthiopien: Zwei Kinder vor ausgetrockneter Landschaft
© UNICEF/UN0583951/ Dürre in Äthiopien: Zwei Kinder vor ausgetrockneter Landschaft
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Dürre in Ostafrika: Kreislauf aus Katastrophe und Armut

In Ostafrika ist bereits zum dritten Mal die Regenzeit ausgefallen. Brunnen trocknen aus, Tiere verenden, Kinder leiden Hunger. Wie dramatisch die Situation vor Ort ist, berichten zwei UNICEF-Mitarbeiter.


von Sandra Bulling

Gianfranco Rotigliano, Leiter des UNICEF-Büros in Äthiopien, ist alarmiert. "Die Lage hier ist wirklich kritisch. Den Menschen fehlt einfach alles. In manchen Gegenden sind fast alle Wasserstellen ausgetrocknet. Die Frauen und Kinder müssen immer längere Wege zurücklegen um Wasser zu holen, teilweise bis zu 15 Kilometer pro Strecke."

Die Region Ostafrika ist derzeit von einer der schlimmsten Dürren seit 40 Jahren betroffen. Drei aufeinander folgende Regenzeiten sind in den letzten zwei Jahren ausgefallen. Ernten sind verdorrt, Tiere verdurstet oder verhungert. Die Menschen verlieren ihre Lebensgrundlage. In Äthiopien, Somalia und Kenia haben rund 14 Millionen Menschen, die Hälfte davon Kinder, nicht ausreichend zu essen. 

Dürre in Äthiopien: Ein Junge treibt Esel über ausgetrocknetes Land

Drei Regenzeiten sind in Äthiopien und den Nachbarländern ausgefallen. Das Vieh verendet und damit bricht die Lebensgrundlage der Familien weg.

© UNICEF Ethiopia/2022/Mulugeta Ayene

"Wir sehen hier ganz klar eine Folge des Klimawandels", erklärt Gianfranco Rotigliano. Die Einwohner am Horn von Afrika, wie man die Region auch nennt, sind Dürren durchaus gewohnt – nur nicht in so kurzen Abständen. Gab es in früheren Zeiten alle 20-25 Jahre eine schlimme Dürre, so sind es nun alle drei bis fünf Jahre. Diese Abstände sind zu kurz für die Familien, um sich von solch einer Katastrophe zu erholen und ihre Lebensgrundlagen wieder aufzubauen. Die Folge: ein Kreislauf aus Katastrophe und Armut. 

Ukraine-Krieg verschärft die Ernährungslage

Der Krieg in der Ukraine verschärft die Lage noch zusätzlich. Ein großer Teil der Weizenexporte für den afrikanischen Kontinent kam bislang aus der Ukraine. Da der Handel aktuell unterbrochen ist, werden Lebensmittel immer teurer und für viele Familien unerschwinglich. 

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Hungersnot, Ernährungskrise, Mangelernährung – Was ist das?

In Äthiopien rechnet Gianfranco Rotigliano damit, dass rund 850.000 Kinder in diesem Jahr unter schwerer Mangelernährung leiden werden. Die Dürreregion ist geprägt von der Viehzucht. Kamele, Ziegen, Schafe und Rinder sind oft der einzige Wertbesitz der Familien und somit eine Rücklage für schlechte Zeiten. Die Tiere sorgen für Milch, Fleisch und Einkommen. Wenn sie sterben, dann stirbt für die Menschen auch die Hoffnung. 

Dürre in Äthiopien: Ein Helfer untersucht ein Kind auf Mangelernährung

Ein Mitarbeiter einer mobilen Klinik untersucht die zweijährige Nimo Abdi Dhuh auf Mangelernährung.

© UNICEF Ethiopia/2022/Mulugeta Ayene

"Die Tiere sind für die Familien das wichtigste Hab und Gut. Jetzt, wo ihre Herden verendet sind, verlassen viele verzweifelte Eltern mit ihren Kindern ihre Heimat und suchen nach einer Überlebenschance in anderen Teilen Äthiopiens. Ich habe vor einigen Wochen die Dürreregion besucht. An einem Ort kamen über Nacht Hunderte Familien an, die in ihren Dörfern nicht mehr leben konnten", berichtet Gianfranco Rotigliano. 

UNICEF-Mitarbeiter Gianfranco Rotigliano

Gianfranco Rotigliano leitet das UNICEF-Büro in Äthiopien.

© UNICEF/UNI283490/

Auf der Flucht vor der Trockenheit

Wenn Kinder ihre Heimat verlassen müssen, dann können sie nicht mehr zur Schule gehen und sind während der Flucht und in den Camps, in denen die Familien stranden, oft großen Gefahren ausgesetzt. In den ausgetrockneten Gebieten mussten über 155.000 Mädchen und Jungen die Schule abbrechen, um beim Wasserholen zu helfen oder auf die Geschwister aufzupassen, während die Eltern nach Wasser für die Familie und die Tiere suchen. 

Gianfranco Rotigliano weiß genau, was zu tun ist: „Wir müssen das Leben dieser Familien unbedingt verbessern und dafür sorgen, dass sie wieder Wasser haben. Zusammen mit Partnerorganisationen und der Regierung bringt UNICEF daher Wasser per Lastwagen in die Dörfer und errichtet Wasserstellen in der Nähe ausgetrockneter Flussbetten. Wenn wir dort etwa fünf Meter in die Tiefe bohren, finden wir oft Wasser."

Sein Team arbeitet rund um die Uhr daran, mangelernährte Kinder mit nahrhafter Erdnusspaste zu behandeln. Ganz wichtig ist Gianfranco Rotigliani auch die humanitäre Bargeldhilfe: "Die Mütter wissen genau, was sie und ihre Kinder zum Überleben brauchen. Wenn wir ihnen Bargeld geben, dann können sie selbst entscheiden. Wenn die Kaufkraft bei den Familien wieder vorhanden ist, dann gibt es auch auf den Märkten wieder mehr Lebensmittel."

Somalia: Wo Menschen sich kein Wasser leisten können

Auch das Nachbarland Somalia ist von der lang anhaltenden Trockenperiode betroffen. Fast das gesamte Land leidet unter der Dürre. "Ein Viertel der Bevölkerung braucht dringend Hilfe. 1,4 Millionen Kinder sind mangelernährt. Rund 330.000 werden sterben, wenn sie keine schnelle Hilfe bekommen", erzählt Victor Chinyama, Kommunikationsleiter von UNICEF Somalia. 

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12 Krisen, von denen Sie kaum in den Nachrichten hören

Wasser ist so teuer geworden, dass Familien es sich nicht mehr leisten können. In manchen Gebieten des Landes sind die Wasserpreise um 72 Prozent gestiegen. Durch den Wassermangel steigt die Krankheitsgefahr vor allem für Kinder. Durchfallerkrankungen wie Cholera sind für Kinder, vor allem für mangelernährte Mädchen und Jungen, oft lebensgefährlich. 

Somalia: Ein Mädchen auf dem Weg zum Brunnen

Ein Mädchen auf dem Weg zum Brunnen, um Wasser für ihre Familie zu holen.

© UNICEF/UN0591404/Taxta

Auch in Somalia greifen die Familien zu verzweifelten Maßnahmen, um zu überleben. Seit November letzten Jahres haben eine halbe Million Menschen ihre Heimatregion verlassen und suchen in den Städten nach Essen, Wasser und Futter für die geschwächten Tiere. So wie Asha Hussein, die mit vier Kindern in einem Camp für vertriebene Familien lebt. Sie beschreibt ihre Situation: „Ich habe unser Dorf verlassen, nachdem 190 unserer Ziegen verendeten. Es wurde sehr schwer, zu überleben, die restlichen zehn Ziegen waren schwach und standen kurz vor dem Hungertod. Also fasste ich den Entschluss, meine Kinder zu retten und kam hierher. Mein Mann ist in unserem Dorf geblieben und versucht etwas Geld zu verdienen, indem er Holzkohle verkauft."

Doch das Überleben im Camp ist nicht einfach. Es gibt kaum Wasser und Essen. Asha Hussein muss ihre ältesten Töchter lange Wege zum Wasserholen schicken. "Jeden Tag plagt mich die Sorge, was ich meinen Kindern geben kann. Ich habe auch Angst um meine Töchter auf dem täglichen Weg zur Wasserstelle. Es gab schon Fälle, wo Mädchen und Frauen attackiert wurden, als sie Wasser oder Feuerholz sammelten."

Dürre in Somalia: Eine Mutter ist mit ihren Kindern geflüchtet

Asha Hussein und ihre Kinder stehen vor ihrer Hütte, die sie sich selbst gebaut haben. 

© UNICEF Somalia/2022/Sarman

In Somalia liefert UNICEF sauberes Trinkwasser per Lastwagen und errichtet Wasserstellen für Menschen und Tiere. Die Wasserpumpen werden dabei von Solarstrom bedient. Mobile Gesundheitsteams bringen medizinische Hilfe in die Dörfer und Camps und behandeln mangelernährte Kinder. 

Die nächste Regenzeit für Ostafrika wird im März-April erwartet. Wenn sie ausfällt oder nur sehr schwach ist, dann droht in der Region eine Hungersnot. Der erfahrene Nothelfer Gianfranco Rotigliano hat in den letzten 30 Jahren mehrere Hungerkrisen in Ostafrika erlebt. "Ich habe schon oft gesehen, wie die Dürre Menschen an den Rand des Überlebens drängt. Ich hoffe sehr, dass wir dieses Szenario in diesem Jahr abwenden können."

Bitte helfen sie uns dabei, die Kinder in Äthiopien, Somalia und Kenia vor den Folgen der Dürre zu schützen. Die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit liegt jetzt auf der eskalierenden Lage in der Ukraine – doch wir dürfen auch die Kinder in anderen Notsituationen nicht vergessen.

Spenden und helfen Sie den Kindern in Ostafrika!

Bitte helfen sie uns dabei, die Kinder in Äthiopien, Somalia und Kenia vor den Folgen der Dürre zu schützen. Jeder Beitrag macht einen Unterschied. Vielen Dank.

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Spendenzweck
Drohende Hungersnot in Teilen Afrikas – jetzt spenden
Sandra Bulling ist Teamleiterin Programmkommunikation bei UNICEF
Autor*in Sandra Bulling

Sandra Bulling leitet die Abteilung Programmkommunikation und bloggt über Themen der internationalen Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit.