News

Tödliche Corona-Welle in Afrika südlich der Sahara

Köln/ Genf

Statement des UNICEF-Sprechers James Elder zu den verheerenden Folgen für Kinder

Demokratische Republik Kongo: Ein Mädchen wäscht sich vor dem Unterricht die Hände mit Wasser.

Demokratischen Republik Kongo: Im Februar konnten Schulen wie diese nach Monaten der Schulschließungen unter Hygienemaßnahmen wieder öffnen. Durch die tödliche Corona-Welle schließen Schulen nun erneut.

© UNICEF/UN0421477/Wenga

"Afrikanische Länder südlich der Sahara befinden sich inmitten einer tödlichen Covid-19-Welle. Bei der derzeitigen Infektionsrate wird diese innerhalb weniger Wochen die bisherigen Ausbrüche übertreffen. Während sich ansteckende Varianten ausbreiten, erreichen die Impfstoffe Afrika nur schleppend. Krankenhäuser sind bereits an ihren Kapazitätsgrenzen.

  • In Uganda gab es zwischen März und Juni 2021 einen Anstieg von Covid-19-Fällen um 2.800 Prozent. Die Verfügbarkeit von Sauerstoff entscheidet in Uganda über Leben und Tod.
  • Namibia hatte in der letzten Woche die höchste Todesrate in Afrika. Die Krankenhäuser sind voll und es gibt nicht genügend Sauerstoff. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums gibt es in Namibia jeden Tag über 1.000 neue Covid-19-Fälle und 30 Todesfälle. Das ist eine sehr hohe Todesrate für ein Land mit 2,5 Millionen Einwohnern.
  • In der Demokratischen Republik Kongo bietet sich ein ebenso erschreckendes Bild - mit niedrigen Impfraten und schlecht ausgestatteten Gesundheitseinrichtungen.
  • In Südafrika droht die dritte Infektionswelle noch schlimmer zu werden als die beiden vorherigen. Bislang haben nur 2,5 Millionen Menschen bei einer Bevölkerung von rund 57 Millionen mindestens eine Impfung erhalten. Und dies ist noch eine der höchsten Impfraten in Afrika.
  • Betrachtet man die Situation auf der ganzen Welt, so wurden bisher etwa 2,7 Milliarden Impfdosen verabreicht - davon nur etwa 1,5 % auf dem afrikanischen Kontinent.

Die Auswirkungen dieser Situation für Kinder sind verheerend

  • Kinder verlieren Eltern und Großeltern, die sich um sie kümmern;
  • UNICEF schätzt, dass 9 Millionen Kinder im östlichen und südlichen Afrika nach Schulöffnungen nicht mehr in den Unterricht zurückkehrten. Jetzt werden Schulen erneut wieder geschlossen;
  • Kinder sind durch Isolation, Enge und Einkommensverluste Angst und Stress ausgesetzt;
  • Die Gesundheitsversorgung hat sich verschlechtert: Die Versorgung von Schwangeren, Routineimpfungen und Malariabehandlungen sind rückläufig – in einigen Ländern um mehr als 20 Prozent;
  • Schätzungsweise 50 Millionen Menschen wurden seit Jahresbeginn in Afrika südlich der Sahara in die extreme Armut gedrängt und die Armutsrate bei Kindern steigt weiter. Durch die beispiellosen Belastungen in den Familien nehmen geschlechtsspezifische Gewalt, Missbrauch, Teenager-Schwangerschaften und Kinderarbeit zu.

UNICEF unterstützt Regierungen, die Weltgesundheitsorganisation und andere Partner, um die Covid-19-Gesundheitskrise und weitere Auswirkungen auf Kinder und ihre Familien zu bekämpfen. Maßnahmen sind:

  • die Beschaffung und Bereitstellung von Covid-19-Impfstoffen für die ärmsten Länder, insbesondere für das Gesundheitspersonal und Mitarbeiter*innen in sozialen Einrichtungen;
  • die Stärkung des Gesundheitswesens und der Kühlkettensysteme sowie die Beschaffung von Sauerstoffflaschen;
  • die Zusammenarbeit mit Fluggesellschaften, um Transportkapazitäten zu sichern;
  • die Zusammenarbeit mit Regierungen, dass Kinder weiter lernen können, und Schulen auf dem ganzen Kontinent mit Wasser und sanitären Anlagen versorgt werden;
  • den Ausbau von Cash-Transfers, um die ärmsten Familien mit kleinen Geldbeträgen zu unterstützen. Hierzu verhandelt UNICEF auch mit internationalen Institutionen und Gebern.
  • die Bereitstellung von psychosozialer Unterstützung für Kinder und ihre Familien;
  • die Stärkung von Gemeinden, um die Betreuung und den Schutz von Kindern vor schädlichen Praktiken, wie z.B. Kinderheirat zu verbessern.

Aber es muss noch viel mehr getan werden. Die Regierungen müssen vorrangig dafür sorgen, dass die Schulen offen und sicher bleiben – durch angemessene Sicherheits- und Hygienekonzepte.
Der beste Weg aus dieser Pandemie ist eine globale, gerechte Verteilung von Impfstoffen sowie Mitteln zur Diagnose und Therapie einer Covid-19-Infektion.

Wir können den Kampf gegen die Pandemie nur gewinnen, wenn die Mitgliedsstaaten die COVAX-Initiative nachhaltig finanzieren und den Zugang zu Impfstoffen sicherstellen. Dazu müssen sie den Ausbau der Produktionskapazitäten für Impfstoffe unterstützen – durch freiwillige Lizenzierung von Eigentumsrechten und Technologietransfer.

Diese Maßnahmen sind entscheidend, aber sie bringen keine schnellen Veränderungen: Zur Überbrückung müssen als Notmaßnahme alle verfügbaren Überschussdosen bereitgestellt werden. Das Gleiche gilt für ausreichende Finanzmittel.