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UNICEF: REKRUTIERUNG UND EINSATZ VON KINDERN IN KONFLIKTEN MUSS AUFHÖREN
Juba/Köln
Freitag, 12. Februar 2021, 10:00 Uhr

INTERNATIONALER TAG GEGEN DEN EINSATZ VON KINDERSOLDATEN

Der Einsatz von Kindern in bewaffneten Konflikten ist eine schwere Verletzung der Kinderrechte und muss endlich aufhören, fordert UNICEF anlässlich des Internationalen Tages gegen den Einsatz von Kindersoldaten. Kinder werden zu Gewalttaten gezwungen und sind Zeugen von solchen. Sie werden getötet, verletzt, verstümmelt, seelisch und sexuell missbraucht. Das ist lebensbedrohlich und schadet Kindern und ihrer Entwicklung extrem.  

Kindersoldaten: Nach ihrer Flucht oder Befreiung brauchen ehemalige Kindersoldaten Unterstützung.

Südsudan 2020: Nach ihrer Flucht oder Befreiung brauchen ehemalige Kindersoldatinnen und Kindersoldaten Unterstützung bei ihrer Rückkehr in ein normales Leben.
© UNICEF/UNI334914/Ryeng

„Mit Frustration und Ungeduld in der Stimme fordere ich alle bewaffneten Einheiten auf, die Rekrutierung und den Einsatz von Kindern sofort zu stoppen“, sagte Andrea Suley, Leiterin von UNICEF Südsudan. „Ich fordere die Regierung des Südsudan auf, Mittel für den Aktionsplan zum Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten bereitzustellen, der im vergangenen Jahr unterzeichnet wurde, und mit seiner Umsetzung zu beginnen.“

Nach ihrer Freilassung oder Flucht kämpfen die Kinder oft mit Albträumen, aggressivem Verhalten, ihre Gedanken kreisen um das Erlebte und sie leiden unter Angstzuständen. Wenn körperliche Verletzungen und seelische Wunden nicht beachtet werden, können sie lebenslange Auswirkungen haben – ob in Form von körperlichen Einschränkungen oder psychischen Belastungen. Doch es gibt nur begrenzte Hilfen für diejenigen, die fliehen können oder befreit werden.  

Psychische Gesundheit ist entscheidend für die gesunde Entwicklung von Kindern, wird aber oftmals übersehen oder nicht berücksichtigt, da die fragilen Gesundheitssysteme bereits Schwierigkeiten haben, den grundlegenden Bedarf an medizinischer Versorgung abzudecken. 

Im Südsudan, wo die Zahl der Kinder, die in bewaffneten Konflikten eingesetzt werden, sehr hoch ist, gibt es nur drei Psychiater, 23 Psychologen und eine psychiatrische Einrichtung mit begrenzter Aufnahmemöglichkeit. Durch die Schulschließungen in Folge der Corona-Pandemie ist eine weitere wichtige Instanz zur psychologischen Unterstützung weggebrochen. Dies verschlimmert eine ohnehin schon schwierige Situation noch weiter.

UNICEF unterstützt die Kinder bei der Rückkehr in ein normales Leben

Im Rahmen des von UNICEF unterstützten Reintegrationsprogramms im Südsudan werden Kinder nach ihrer Befreiung drei Jahre lang von einer Sozialarbeiterin oder einem Sozialarbeiter begleitet und bei der Verarbeitung der schwierigen Erlebnisse und beim Wiederaufbau ihres Lebens und einer Zukunft unterstützt. Doch das Programm war im letzten Jahr zu 73 Prozent unterfinanziert.

„Den Kindern, die bereits so viel durchgemacht haben, die Betreuung und Unterstützung zu geben, die sie brauchen, um ihr Leben wiederaufzubauen, muss oberste Priorität haben“, sagte Suley. „Das bedeutet, dass die vorhandenen Programme besser finanziert und die psychologische Unterstützung ausgeweitet werden muss.“

Es ist schwierig abzuschätzen, wie viele Kinder tatsächlich von bewaffneten Gruppen eingesetzt werden und wurden. UNICEF geht davon aus, dass allein im Südsudan Tausende betroffen sind. Im kommenden Jahr benötigt UNICEF vier Millionen US-Dollar zur Unterstützung von Kindern, die mit Streitkräften oder bewaffneten Gruppen assoziiert sind.

» Die komplette englischsprachige Pressemeldung von UNICEF zum Internationalen Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten steht hier zur Verfügung.

Chrisitine Kahmann, UNICEF Deutschland

CHRISTINE KAHMANN

Pressesprecherin - Aktuelle Themen, Nothilfe
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