WELTWASSERTAG 2018: WIE VIEL WASSER BRAUCHT EINE FAMILIE ZUM LEBEN?
Mittwoch, 21. März 2018, 17:50 Uhr
von Beatrix Hell | 0 Kommentare

Auch zum Weltwassertag 2018 haben nach neuesten Schätzungen von UNICEF immer noch mehr als 663 Millionen Menschen weltweit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Betroffen von Wasserknappheit und mangelnder Hygiene sind vor allem die ärmsten Familien in Entwicklungs- und Schwellenländern, etwa im südlichen Afrika und Südasien.

Aber wie viel Wasser braucht eine Familie eigentlich zum Leben? Das Statistische Bundesamt sagt zu Deutschland: Über 120 Liter pro Person verbrauchen wir für die private Nutzung. Und wie sieht das in anderen Ländern aus?

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Der amerikanische Fotograf Ashley Gilbertson wollte es genau wissen und dokumentierte den Wasserkonsum von Familien aus sieben Ländern.

WELTWASSERTAG: EINE FOTOREPORTAGE AUS SIEBEN LÄNDERN

Wasserkonsum in Bolivien

„Wasser ist die wichtigste Sache in unserem Leben“, resümiert Ms. Esteban. Sie lebt mit ihrer Familie in einem Armenviertel von El Alto. 100 Liter Wasser brauchen sie täglich.

René Visalla und seine Familie zapfen ihre Tagesration von 140 Litern Wasser am hauseigenen Brunnen. Der Wasseranschluss und eine Toilette bedeuten Sicherheit für die Familie, sagt René. Jetzt sind sie auch vor den Schlangen sicher, die ihnen immer bei der Notdurft im Busch begegneten.

Flores Familie braucht jeden Tag 120 Liter:20 Liter zum Kochen35 Liter für die Toilette15 Liter zum Duschen10 Liter zum Wäschewaschen35 Liter zum SpülenNur fünf Liter zum Trinken.

Wasserkonsum in Bolivien

© UNICEF/NYHQ2015–1909/Gilbertson

Sauberes Wasser rettet Leben!

UNICEF baut neue Brunnen, liefert Wasserfilter und Reinigungstabletten - auch in entlegene Gebiete. Helfen Sie mit, Kinder und ihre Familien mit lebenswichtigem Trinkwasser zu versorgen.

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Wasser wirkt

Wasserkonsum in Jordanien

Auf rund 8.000 Liter schätzt Abu Ibrahim seine tägliche Wassermenge – 200 Liter für die Familie und der große Rest für die Herde. Auf der Suche nach Futterplätzen und Wasserlöchern wandern die Beduinen mit ihren Schafen durch die jordanischen Wüsten.

Wasserkonsum in Malawi

Rhoda Januarys Familie schöpft ihre 100 Liter Trinkwasser aus einem kürzlich gebohrten Wasserloch. Vorher kam das Wasser aus einem Flachbrunnen. „Das Wasser war wirklich schlecht“, erklärt Rhoda. „Wir mussten Chemikalien zur Reinigung hinzugeben. Aber oft hatten wir kein Geld dafür.“

Die Gesundheitshelferin und allein erziehende Mutter Mercy Katondo ist froh, dass sie ihre etwa 100 Liter vom Wasserhahn eines Nachbarn holen darf: „So habe ich eine Sorge weniger. Das Leben ist ohnehin schwer genug für mich und meine beiden Mädchen.“

Wasserkonsum in Malawi

© UNICEF/NYHQ2015–1837/Gilbertson

Wasserkonsum in Niger

Fouré Moussa holt die 80 Liter, die ihre Familie mit sieben Personen täglich verbraucht, aus einem Brunnen in zwei Kilometern Entfernung von ihrem Haus. Um langes Anstehen zu vermeiden, geht sie schon in der Dunkelheit los. Hin- und Rückweg dauern jeweils 30 Minuten; 15 Minuten braucht Fouré, um den Kanister zu füllen.

Wasserkonsum im Niger

© UNICEF/NYHQ2015–1862/Gilbertson

Der Familie von Hamidou Hama stehen drei Optionen zur Verfügung, um ihre tägliche Wasserration von 100 Litern zu beziehen: Kostenlos von einem verschmutzten Teich, der sich nur zur Regenzeit füllt, gegen Bezahlung vom nahen öffentlichen Wasserhahn, der leider nur saisonal betrieben wird, oder von einer weit entfernten Wasserstelle.

Wasserkonsum in Niger

© UNICEF/NYHQ2015–1861/Gilbertson

Jeden Tag brauchen Mahamadou Moussa und seine Familie 60 Liter Wasser, das sie zum Trinken und Kochen traditionell filtern. Gebadet wird im nahen Fluss, auch wenn sie wissen, dass er Krankheiten wie Durchfall mit sich bringen kann.

Wasserkonsum in Indien

Swaga Mala Gayali (im Hintergrund 2. v. l.) lebt mit ihrem Mann bei seinen Eltern. Bevor sie eine Handpumpe installierten, musste die junge Frau über 40 Mal am Tag einige hundert Meter entfernt vom Nachbarn die 220 Liter Wasser für die Familie heranschleppen.

Wasserkonsum in Indien

© UNICEF/NYHQ2015–1937/Gilbertson

Atiphon Sarker (links) lebt mit ihren vier Söhnen und deren Familien zusammen. Zwar gibt es einen Tiefbrunnen mit guter Wasserqualität, doch der wird von 100 Familien benutzt und ist sehr reparaturanfällig. Daher nutzt die Großfamilie oft auch einen Flachbrunnen, dessen Wasser nicht gut schmeckt.

Wasserkonsum in Indien

© UNICEF/NYHQ2015–1935/Gilbertson

Wasserkonsum in Myanmar/Birma

Mit dem Anbau von Erdnüssen verdient San Win das Geld für seine Familie. Die täglich benötigten 160 Liter holt er an einem 15 Jahre alten Schulbrunnen. Die Warteschlagen sind aber häufig sehr lang.

Wasserkonsum in Myanmar

© UNICEF/NYHQ2015–1958/Gilbertson

Wasserkonsum im Flüchtlingslager Za'atari (Jordanien)

„Wenn wir nicht genügend Wasser haben, können wir nicht alles sauber halten“, sagt Amal Al Hoshan (2.v.r), „dann bekommen wir Krätze und Läuse.“ 300 Liter täglich brauchen sie und ihre Kinder.

Wasserkonsum im Za'atari-Camp in Jordanien

© UNICEF/NYHQ2015–1886/Gilbertson

Wasserkonsum in Myanmar/Birma

Die Näherin Nyo Oo, ihr Mann, Ladenbesitzer, und ihre Töchter beziehen ihr Wasser, 100 Liter täglich, von einem örtlichen Tiefbrunnen gegen Bezahlung. Um zu sparen, nutzen sie zum Baden Wasser aus einem Tümpel – trotz des Infektionsrisikos durch Verschmutzungen.

Wasserkonsum in Myanmar

© UNICEF/NYHQ2015–1955/Gilbertson

Wasserkonsum in den USA

„Ich war schockiert, als ich die Tagesmenge meiner dreiköpfigen Familie in New York erfuhr: 1.000 Liter“, kommentierte der Fotograf Ashley Gilbertson seine Aufnahmen am Weltwassertag. Ihm war bewusst, dass in anderen Ländern den Familien weniger zur Verfügung steht. Aber wie viel weniger hat er erst auf seinen Reisen erfahren.

Wasserkonsum in den USA

© UNICEF/NYHQ2015–1968/Gilbertson

ZUM WELTWASSERTAG: WASSERPROJEKTE VON UNICEF

Am Weltwassertag 2018 erinnern wir daran: Vor allem für Kinder in armen ländlichen Gebieten kann der fehlende Zugang zu sauberem Wasser lebensgefährlich sein. Verunreinigtes Wasser, fehlende Toiletten und mangelnde Körperpflege sind nach wie vor die Auslöser für viele Krankheiten wie Durchfall, Krätze oder Bindehautentzündung. Durchfallerkrankungen gehören weiterhin zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern.

Die Verbesserung der Wasserversorgung gehört daher zu den Schwerpunkten der Arbeit von UNICEF. In über 100 Programmländern hilft UNICEF schon mit einfachen Mitteln – beispielsweise mit dem Bau von Brunnen, leicht zu wartenden Handpumpen, der Installation von Wasserleitungen und Abwasserkanälen. Bei Naturkatastrophen wie in Nepal oder in Kriegs- und Krisengebieten wie in Syrien oder Südsudan stellt UNICEF große Mengen Chemikalien zur Wasseraufbereitung bereit und verteilt Hygieneartikel wie Seife, Waschmittel oder Windeln an Familien.

Schon mit einem kleinen Beitrag können Sie zum Weltwassertag unsere Projekte unterstützen. Helfen Sie mit, Kinder mit überlebenswichtigem Trinkwasser zu versorgen und über Hygiene aufzuklären.

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