Flüchtlingskinder: Vater und Tochter aus Syrien in Berlin

Schutz und Unterstützung für geflüchtete Kinder in Deutschland

Seit 2015 haben etwa 1,74 Millionen geflüchtete und migrierte Menschen in Deutschland Asyl beantragt – fast die Hälfte von ihnen sind Kinder und Jugendliche (Stand: Okt. 2020). Viele von ihnen stammen wie diese syrische Familie aus Bürgerkriegsländern. 

Flüchtlingskinder: Familie aus Syrien in Flüchtlingsunterkunft

Diese Familie aus Syrien sehnt sich nach einem Leben in Sicherheit. 2016 kamen sie in Deutschland an und lebten in einer Notunterkunft für geflüchtete Menschen in Berlin.

© UNICEF/DT2016-45762/Ashley Gilbertson/VII Photo

Oft wurde den Jungen und Mädchen bereits vor ihrer Ankunft in Deutschland viel wertvolle Zeit geraubt, weil sie in ihren Heimatländern wegen der unsicheren Situation nicht in die Schule gehen konnten oder weil ihre Flucht lange, ungewisse Monate dauerte. Sie haben Schreckliches erlebt, ob im Heimatland oder auf der Flucht. Darum brauchen sie Schutz und die nötige Unterstützung. In Deutschland haben viele von ihnen nun die Möglichkeit, das Erlebte zu verarbeiten, neue Freunde zu finden und neue Erfahrungen zu sammeln. 

Geflüchtete Kinder in Deutschland vor Gefahren schützen

Die deutsche Regierung sowie die Länder und Kommunen, Organisationen und Tausende Freiwillige haben in den vergangenen Jahren großartige Arbeit bei der Versorgung der neu angekommenen geflüchteten Menschen geleistet.

Studien wie die UNICEF-Studie „Kindheit im Wartezustand“ haben jedoch gezeigt, dass die Bedürfnisse und Rechte der geflüchteten Kinder trotz aller Bemühungen und der stark rückläufigen Zuzugszahlen vielerorts nicht im vollen Umfang beachtet werden. Eine Untersuchung von UNICEF und dem Deutschen Institut für Menschenrechte kommt darüber hinaus zu dem Ergebnis, dass in Sammelunterkünften für Geflüchtete der Gewaltschutz für Kinder nach wie vor zu kurz kommt. Kinder, die sich mit ihren Familien in Gemeinschaftsunterkünften oder Aufnahmezentren aufhalten müssen, befinden sich häufig in einer schwierigen Situation – und das oft für viele Monate oder sogar Jahre.

Quarantäne für diese irakische Familie.

Diese sechsköpfige Familie aus dem Irak lebte in der Landeserstaufnahmeeinrichtung Ellwangen mehrere Wochen unter Quarantäne

© UNICEF/UNI338392/Etges

Das Zusammenleben mit vielen fremden Menschen auf engem Raum, mangelnde Privatsphäre und fehlende Rückzugsorte, zum Teil problematische hygienische Bedingungen und fehlende Schutzkonzepte und -maßnahmen haben Auswirkungen auf ihre Sicherheit und ihr Wohlergehen. Diese Orte sind keine Orte für Kinder und können das Leben in der eigenen Wohnung nicht ersetzen. Doch solange die Kinder dort leben müssen, muss sichergestellt werden, dass sie bestmöglich geschützt sind.

In Gemeinschaftsunterkünften und Aufnahmezentren kommt es besonders häufig zu Gewalt, daher müssen Bund und Länder dafür sorgen, dass Gewaltschutzkonzepte in den Unterkünften entwickelt und umgesetzt werden und Kinder mit ihren Familien besser geschützt sind.

Die Covid-19-Pandemie verschlechtert ihre Lage zusätzlich: Durch die Unterbringung in großen Sammelunterkünften sind geflüchtete und migrierte Menschen einem erhöhten Risiko ausgesetzt, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Erschwerend kommen die Angst vor der Krankheit hinzu sowie Kontaktbeschränkungen und der Wegfall der Tagesstrukturen durch den eingeschränkten Zugang zu Betreuungs- und Bildungsangeboten oder Sprach- und Erstorientierungskursen. Das Leben von Kindern und ihren Familien in Flüchtlingsunterkünften erfährt so einen weiteren erheblichen Einschnitt.

Bericht Flüchtlingskinder: Auch an solch trostlosen Orten spielen die Kinder

Viele Flüchtlingsunterkünfte sind trostlose Orte, die wenig kindgerecht sind.

© UNICEF/DT2016-45781/Ashley Gilbertson

UNICEF leistet weltweit Hilfe für Kinder in Konflikten und für geflüchtete und migrierte Kinder – vor allem vor Ort in den jeweiligen Herkunftsländern wie Syrien und seinen Nachbarländern, aber auch auf den Flucht- und Migrationsrouten.

Seine langjährige weltweite Erfahrung bei Flüchtlingskrisen und insbesondere die Perspektive der Kinder bringt UNICEF auch in Deutschland ein.

Geflüchtete Kinder in Deutschland schützen: eine gemeinsame Initiative mit der Bundesregierung

Gemeinsam mit dem Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) hat UNICEF 2016 eine Initiative ins Leben gerufen, um Kinder, Jugendliche und andere Personen mit besonderen Bedürfnissen in Flüchtlingsunterkünften besser zu schützen sowie ihren Zugang zu Bildungsangeboten und psychosozialer Unterstützung zu verbessern. Die Initiative wird in enger Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsverbänden und weiteren Partnern umgesetzt.

Im Rahmen der Bundesinitiative haben die Partner erstmals bundesweit einheitliche Mindeststandards zum Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften entwickelt, die regelmäßig aktualisiert werden. Zu den umfassenden Schutzstandards gehört unter anderem, dass alle Einrichtungen Maßnahmen zum Schutz vor Gewalt ergreifen und alle dort tätigen Menschen entsprechend sensibilisiert werden. Auch die Einrichtung von sogenannten „Kinderfreundlichen Orten“, an denen Kinder Schutz und Halt erfahren und gefördert werden, ist ein wichtiger Aspekt der Initiative.

Flüchtlingskinder: Kinderfreundliche orte in Unterkünften

Joudi (11) tanzt bei einem Tag der offenen Tür in der Flüchtlingsunterkunft in Berlin. Kinder brauchen ein schützendes Umfeld.

© UNICEF/DT2016-45787/Ashley Gilbertson/VII Photo

Die Mindeststandards wurden in rund 100 Unterkünften von Koordinatoren und Koordinatorinnen für Gewaltschutz erprobt, die in enger Abstimmung mit der Leitung der Unterkunft auf die Einrichtung zugeschnittene Schutzkonzepte entwickelt und ihre Umsetzung begleitet haben.

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Unterkünfte werden zudem geschult und bei der Entwicklung der Schutzkonzepte, der Vernetzung untereinander, der Einrichtung von kinderfreundlichen Räumen und der Analyse der erzielten Fortschritte unterstützt.

Schutz und Förderung – für jedes Kind

Darüber hinaus macht sich UNICEF gegenüber Regierung, Politik und Behörden dafür stark, dass die Rechte der geflüchteten Kinder in Deutschland umgesetzt werden. Denn jedes Kind hat das Recht auf Schutz, auf eine kindgerechte Umgebung, auf Bildung oder gute Gesundheitsversorgung, auf gleiche Chance und soziale Teilhabe. Zudem engagiert sich UNICEF für eine verbesserte Datenlage zur Situation von geflüchteten Kindern.  Verlässliche Daten und Informationen sind die Voraussetzung dafür, konkrete Maßnahmen zu entwickeln und Kinder dadurch wirksam zu unterstützen.

So helfen Sie geflüchteten Kindern in Deutschland

Mit Ihrem Engagement:
Sie wollen sich ehrenamtlich engagieren? Wunderbar! Die rund 200 ehrenamtlichen UNICEF-Gruppen in ganz Deutschland freuen sich immer über tatkräftige Unterstützung. Melden Sie sich jetzt bei einer UNICEF-Gruppe in Ihrer Nähe!

Mit einer Spende:
Es ist uns ein großes Anliegen, dass wir jetzt nicht bei der Hilfe nachlassen, wo sie derzeit noch viel dringender benötigt wird – zum Beispiel für die Kinder vor Ort in Syrien und seinen Nachbarländern wie Jordanien und Libanon.