3 MYTHEN UND 3 FAKTEN ÜBER DIE MENSTRUATION
Donnerstag, 28. Mai 2020, 12:30 Uhr
von Yvonne Laudien | 2 Kommentare

„Auf der roten Welle surfen“, die „Erdbeerwoche“ haben, „Besuch von der roten Lola“ kriegen – all diese Codes umschreiben etwas, was Frauen in der Regel jeden Monat einmal beschäftigt. Täglich menstruieren weltweit schätzungsweise 300 Millionen Frauen und Mädchen. Doch viele von ihnen können ihre Menstruation nicht würdevoll und auf gesunde Weise bewältigen. 

Tampons und Binden kennt ein Mädchen aus dem Badezimmerschrank, der Werbung oder der Sexualkunde in der Schule. Die junge Frau weiß, dass sie nicht krank oder verletzt ist, sondern ein natürlicher, biologischer Prozess beginnt. In einem aufgeklärten Umfeld ist die Menstruation etwas ganz Normales, das sich meist problemlos in den Alltag integrieren lässt. Das ist aber nicht überall so! Wie angenehm oder unangenehm das „Erwachsenwerden“ für ein Mädchen ist, hängt davon ab, wo und in welcher Gesellschaft es heranwächst.

Mythos 1: „Ich muss mich wohl verletzt haben.“

„Ich war in der fünften Klasse, als ich das erste Mal meine Tage bekam. Ich dachte, ich muss mich an irgendetwas geschnitten haben. Ich habe niemandem davon erzählt, bis ich aufgehört habe zu bluten.“ – Genet (16).

Genet hat gelernt ganz offen über Menstruation zu sprechen

Genet geht in die 5. Klasse und lernt in einer Kampagne über Menstruation ganz offen zu sprechen.
© UNICEF/UN064405/Tadesse

Was geschieht mit meinem Körper? Wie Genet aus Äthiopien wissen viele Mädchen vor ihrer ersten Periode nicht, was passiert, wenn ein Mädchen in das geschlechtsreife Alter kommt. Eine Studie zeigt, dass 2015 in Indien ungefähr die Hälfte aller jugendlicher Mädchen nichts über Regelblutung wusste, bis sie ihre eigene begann. Oft ist Scham und Unsicherheit so groß, dass die Mädchen an Selbstbewusstsein verlieren, sich isolieren und die Schule meiden.

Es kommt vor, dass einige Mädchen von ihrer Familie bestraft werden, wenn sie das erste Mal bluten. In Äthiopien kursiert der Irrglaube, dass eine menstruierende Frau keine Jungfrau mehr ist. Einige Eltern glauben, dass ihre Tochter Sex hatte oder vergewaltigt wurde.

  

Mythos 2: „Du bist unrein, wenn du blutest“

Kein Spiegel, kein Trinkwasser, keine Früchte – wenn Mädchen und Frauen menstruieren. Das verbietet in Nepal ein lokaler, strenger Aberglaube. Und nicht nur in Nepal. In einigen Ländern werden Mädchen und Frauen während ihrer Periode als „dreckig“ und „unrein“ angesehen.

Rita steht vor einem Spiegel und bricht damit ein Tabu

Es ist wichtig Tabus und Mythen rund um Menstruation aufzubrechen: In Indien steht Rita vor einem Spiegel und bricht das Tabu, während der Menstruation nicht in den Spiegel zu blicken.
© UNICEF/UN0215343/Vishwanathan

Mythos 3: „Du gehörst verbannt, während du blutest“

Wenn sie ihre Tage haben, treffen mehr als die Hälfte der Frauen in Nepal ihre Freunde nicht, gehen nicht Einkaufen und nicht zur Arbeit. Zum Glück folgen mittlerweile nur noch die wenigsten Familie dem strengen traditionellen Brauch, Mädchen und Frauen während ihrer Periode in unbeheizte Menstruationshütten zu verbannen. Kälte, Rauchvergiftungen und Tierangriffe waren Gründe, warum Mädchen und Frauen in der Vergangenheit bei diesem Brauchtum ums Leben kamen.

Nepal: In diesen Hütten werden menstruierende Mädchen und Frauen nach alter nepalesischer Art verbannt

Seit 2005 verboten und oft trotzdem praktiziert: „Chhaupadi“ heißen die Hütten, in die menstruierende Mädchen und Frauen nach alter nepalesischer Art verbannt werden.
© UNICEF Nepal

WEG MIT DEN MYTHEN – HER MIT DEN FAKTEN!

Fakt 1: Eine sichere Hygiene schafft Selbstbewusstsein

Weltweit können sich viele Mädchen und Frauen Menstruations-Hygieneartikel wie Binden oder Tampons nicht leisten. Viele müssen da kreativ werden. In Bangladesch beispielsweise benutzen viele Frauen und Mädchen alte Tücher als Binden.

Zudem fehlt mehr als zwei Milliarden Menschen der Zugang zu grundlegenden Sanitärdiensten wie Toiletten oder Latrinen. In den am wenigsten entwickelten Ländern fehlt es vielen Haushalten an fließendem Wasser und Seife. Weltweit haben nur etwa 66 Prozent der Schulen sanitäre Anlagen. Das bedeutet, dass rund 900 Millionen Kinder an ihrer Schule keinen Zugang zu Hygiene haben.

Alita vor der Mädchentoilette in der Schule

Alita ist glücklich über die Mädchentoiletten in ihrer Schule. Getrennte Toiletten sind in vielen Schulen keine Selbstverständlichkeit.
© UNICEF/UN0267946/Akhbar Latif

Fehlendes Wasser und Hygiene erschweren es Mädchen und Frauen, ihren Alltag während der Periode reibungslos zu bewältigen. Nicht zu vergessen sind dabei die gesundheitlichen Folgen: Eine schlechte Menstruationshygiene kann zu Infektionen der Fortpflanzungs- und Harnwege führen.

Faozea will nicht ohne Binde zur Schule gehen.

Ohne Binden möchte Faozea (14) nicht zur Schule gehen, wenn sie ihre Menstruation hat. Dabei ist es ihr großer Traum Lehrerin zu werden.
© UNICEF/UN0122318/Faffin

Fakt 2: Menstruation geht jeden etwas an

Entjungfert, verflucht oder unrein – Stigmatisierung, Mythen und Tabus sind die Folgen von fehlender Aufklärung. Das Verständnis für und Wissen über die Menstruation ist für alle wichtig. In vielen Schulen, Mädchenclubs und Projekten lernen nicht nur die Mädchen, sondern auch Jungen, was sich hinter der Monatsblutung der Frau verbirgt. Alle können im Kampf gegen das Tabu wichtige Verbündete sein.

"Ich sollte die Mädchen an meiner Schule nicht hänseln, wenn ich Blutflecken auf ihren Kleidern sehe, sondern sie unterstützen." Solomon (12).

Äthiopien: Solomon besucht einen Mädchen-Club

Äthiopien: Solomon besucht einen Mädchen-Club und lernt viel Wissenswertes über Menstruation.
© UNICEF/UN064424/Tadesse

Schulkurse und Projekte über Menstruation geben Mädchen Mut und Know-how mit ihrer Periode sicher und selbstbewusst umzugehen. Gleichzeitig werden sie dadurch zu Multiplikatorinnen, die ihr Wissen an die Gesellschaft – an Väter, Mütter und Geschwister – weitertragen können.

Junge Mädchen lernen mit Body-Mapping

Indien: Jugendliche Mädchen lernen mit einer Body-Mapping Aktivität mehr über den weiblichen Körper.
© UNICEF/UN0214884/Vishwanathan

Es ist wichtig, dass Mädchen und junge Frauen die Möglichkeit bekommen, sich über ihre Gesundheit zu informieren. Die in einem UNICEF-Projekt entwickelte App Oky ist die erste Tracking-App, die gemeinsam mit Mädchen für Mädchen entwickelt wurde. Vertrauenswürdig, lustig und kreativ informiert und unterstützt die App Mädchen weltweit dabei, gesund und selbstbewusst mit ihrer Periode aufzuwachsen. Den Entwicklern ist dabei wichtig, dass die App einfach zugänglich ist und persönliche Daten gut geschützt sind. Die App gibt es als kostenfreien Download im Google-Play-Store.

Eine spielerische App zum tracken und lernen über die eigene Menstruation.

Unterstützt Mädchen ihre Menstruation gesund zu meistern: OKY-App.
© UNICEF/UNI322842/

Fakt 3: Dank Binde in der Schule

„Wenn ich meine Tage hatte, konnte ich nicht in die Schule gehen. Jeden Monat habe ich eine Woche Unterricht und wichtige Prüfungen verpasst,“ erzählt Marfenateau (17) aus Niger. Eigentlich muss, wer an Prüfungen nicht teilnimmt, die Schule verlassen. Doch Marfenateau hatte Glück. Jedes Mädchen an ihrer Schule wurde von UNICEF mit einem Menstruations-Set ausgestattet. Mit einem Wascheimer, Seifen, 6 Slips mit Plastikeinlagen, einem Handtuch, Tüchern und einem Duftspray sind die Mädchen auf ihre Regelblutungen vorbereitet. 

Menstruations-Kit_ UNICEF Niger_Islamane

Kein Mädchen hat seitdem den Unterricht verpasst, weil es seine Tage hat. Jetzt kann ich bis zur Abschlussprüfung in der Schule bleiben und später Krankenschwester werden.

Marfenateau (17) aus Niger

Es ist wichtig, dass Mädchen zur Schule gehen und sich entfalten können – ganz ohne Sorge um die hygienische Versorgung. Dabei unterstützt UNICEF Mädchen weltweit, zum Beispiel in Projekten, in denen Mädchen und Frauen ihre Binden selbst herstellen. 

Auch Nachhaltigkeit spielt eine wichtige Rolle: In Tschad wurden in einer Schule wiederverwendbare Damenbinden verteilt.

Halim zeigt die wiederverwertbare Binde

Ich bin glücklich, denn ich muss während meiner Periode nicht mehr zu Hause bleiben. Die Binden aus den Geschäften sind sehr teuer, aber diese hier kann ich wiederverwenden.

Halim (15) aus Tschad

Wichtig ist dabei auch die Aufklärung und Ausbildung freiwilliger Betreuer. Sie sprechen mit den Mädchen über ihre körperliche Veränderung, ihre Sexualität und die richtige Nutzung von Hygieneartikeln. 

In Guinea-Bissau unterrichtet die Lehrerin von Nhima ihre Schülerinnen über verschiedene Hygieneartikel und Möglichkeiten der Menstruationshygiene. Nhima benutzt jetzt eine auswaschbare Menstruationstasse. Sie ist so begeistert davon, dass sie auch ihre Mutter dazu gebracht hat, Menstruationstassen zu benutzen.

Menstruationshygiene_UNICEF Guiné-Bissau_2019_ZairaRodriguez

Niemand erfährt es jetzt, wenn ich meine Tage habe! 

Rechts: Nhima (17) aus Guinea-Bissau

Ob durch Menstruationstassen, selbst genähte Binden oder geteiltes Wissen – eines ist klar: Frauen und Mädchen sollen sich 365 Tage selbstbewusst, aufgeklärt und sicher in ihrem Körper fühlen dürfen. Dafür müssen wir zusammen gegen Menstruationsmythen und -Tabus ankämpfen. 

Machen wir also gemeinsam auf das Thema aufmerksam und unterstützen wir Mädchen und junge Frauen, damit sie ohne Scham, mit Würde und Perspektive leben können.

Mädchen beim studieren eines Buches

Warum sollten wir uns schämen? Es ist das Normalste auf der Welt.
© UNICEF/UN0215383/Vishwanathan

* Dieser Artikel wurde erstmals im Mai 2019 publiziert. Wir haben ihn für Sie aktualisiert.

KOMMENTARE

  • 26. Juni 2019 21:13 Uhr

    Als ich zum ersten Mal meine Periode bekam, war ich glücklich,
    denn ich wußte, daß ich eines Tages ein Kind bekommen könne.
    Meine große Schwester hatte mir erklärt, was während der Periode
    geschieht:"In Dir ist ein Zimmer für ein Kindlein, bereitet. Weil da noch kein Kind ist, werden die Tapeten heruntergerissen."

  • 26. Juni 2019 15:50 Uhr

    Verbesserung gibt es nur, wenn wir verbessern helfen. Aufklärung und Verbesserung kommen nicht von selber. Was UNICEF tut, ist unverzichtbar.Auch für uns.Als Weckruf.

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