Pressemitteilung
NEUE WELT-AGENDA MUSS KINDER IN DEN FOKUS STELLEN
Berlin
Donnerstag, 29. Januar 2015, 10:55 Uhr

NEUJAHRSGESPRÄCH IN SCHLOSS BELLEVUE ZU "POST 2015"

2015 wollen die Vereinten Nationen neue globale Nachhaltigkeitsziele vereinbaren und damit die Weichen für eine gerechtere Welt stellen. Zum Auftakt dieses entscheidenden Jahres ruft UNICEF dazu auf, Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt der geplanten neuen „Welt-Agenda“ zu stellen, um endlich auch den am stärksten benachteiligten Mädchen und Jungen ein sicheres und gesundes Aufwachsen zu ermöglichen. Beispielsweise ist es in den vergangenen Jahrzehnten gelungen, die weltweite Kindersterblichkeit zu halbieren und mehr Kinder in die Schule zu bringen. Doch bis heute sind Millionen Kinder von jedem Fortschritt abgehängt – und in vielen Ländern nimmt die Ungleichheit sogar noch zu.

Anlässlich des traditionellen Neujahrsgesprächs in Schloss Bellevue appellierte UNICEF-Schirmherrin Daniela Schadt: „Die Entscheidungen, die jetzt gefällt werden, haben Einfluss auf das Leben von uns allen – und ganz besonders von denjenigen, die heute Kinder oder Jugendliche sind. Nur gemeinsam und indem jedes Land, jede Regierung, jede Gesellschaft und letztlich jeder einzelne von uns mithilft, können wir Hunger und Armut überwinden und globale Herausforderungen, wie die Bekämpfung des Klimawandels und seiner Folgen, bewältigen.“

Auf Einladung der UNICEF-Schirmherrin Daniela Schadt diskutierten beim traditionellen Neujahrsgespräch in Schloss Bellevue Jugendliche und Vertreter von Kinderrechts- und Entwicklungsorganisationen sowie aus Politik und Wirtschaft über das Thema „Das Recht auf Zukunft – Kinder und Jugendliche und die neuen globalen Nachhaltigkeitsziele“.

„An der Lebenssituation der Kinder lässt sich am besten ablesen, wie weit die Welt ihren Verpflichtungen nachkommt“, sagte Dr. Christian Salazar, stellvertretender Programmdirektor von UNICEF. „So lange jedes Jahr mehr als sechs Millionen Kleinkinder an vermeidbaren Krankheiten sterben, sind die Defizite noch gewaltig. Die neuen Entwicklungsziele sind eine historische Chance, bessere Lebensbedingungen für alle zu schaffen.“

Der Vorsitzende von UNICEF Deutschland, Dr. Jürgen Heraeus, betonte die schon erreichten Fortschritte: „Wenn wir die täglichen Nachrichten über Kriege, Naturkatastrophen und Finanzkrisen verfolgen, kann man leicht den Eindruck gewinnen, dass alles immer schlimmer wird. Aber das Gegenteil ist der Fall. Zum Beispiel geht die extreme Armut in fast allen Ländern der Welt zurück und mehr Menschen haben Zugang zu sauberem Trinkwasser. Es ist also kein naiver Gedanke, dass wir die Welt verbessern können – wir tun es bereits.“

Die globalen Entwicklungsziele ab 2015

Im September 2015 verabschieden die Vereinten Nationen nachhaltige Entwicklungsziele, die eine gerechtere Welt schaffen und bis 2030 allen Menschen ein Leben in Würde ermöglichen sollen. Die neuen Ziele lösen die im Jahr 2000 beschlossenen „Millenniumsziele“ ab, die im Dezember 2015 auslaufen. Kurz vor Ende der Frist wird deutlich, dass trotz großer Fortschritte viele der damals gesteckten Ziele – darunter die Senkung der Kindersterblichkeit um zwei Drittel und Grundschulbildung für alle Kinder weltweit – nicht erreicht werden.

Die neuen globalen Nachhaltigkeitsziele sollen auf den Erfolgen der Millenniumsziele aufbauen und ihre bisherigen Lücken schließen. Die neue Agenda ist eine große Chance, weil sie soziale, wirtschaftliche und ökologische Entwicklung gemeinsam betrachtet und jedes einzelne Land in die Pflicht nimmt – auch die Industriestaaten. Sie bietet außerdem die Gelegenheit, zusätzliche wichtige Themen wie Gewalt gegen Kinder und den gezielten Kampf gegen Ungleichheit sowie Kinderarmut voranzutreiben.

Das fordert UNICEF für die neue nachhaltige Entwicklungsagenda:

  • Gleiche Chancen für jedes Kind ermöglichen: Jedes Kind hat ein Recht auf einen guten Start ins Leben, auf Überleben und Entwicklung, gute Bildung und Schutz vor Gewalt und Ausbeutung. Die neue Agenda muss Ungleichheiten systematisch angehen und sicherstellen, dass besonders die ärmsten und am stärksten benachteiligten Kinder erreicht werden. Dieser Schwerpunkt muss sich auch im endgültigen Dokument, das die UN-Generalversammlung im September 2015 beschließen soll, wiederfinden. Die G7 sollten bei ihrem Gipfel unter deutscher Präsidentschaft im Juni 2015 deutlich machen, dass auch die Industrieländer ihren Teil zur Verwirklichung der nachhaltigen Entwicklungsziele beitragen werden.
  • Gezielt in Kinder investieren: Gezielte Investitionen in die am meisten benachteiligten Bevölkerungsgruppen haben nachweislich die stärksten positiven Effekte für die gesamte Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft. Neben den Regierungen müssen auch der Finanzsektor, Unternehmen, Stiftungen sowie Non-Profit-Organisationen zur Verwirklichung der vereinbarten Nachhaltigkeitsagenda beitragen. Die Internationale Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung im Juli 2015 in Addis Abeba ist ein wichtiger Meilenstein, um die Ziele erreichen zu können. 
  • Fortschritte messen und Benachteiligungen angehen: Bei der Umsetzung der neuen Entwicklungsziele wird es besonders wichtig sein, dass die Länder Daten über die Lebenssituation von Kindern noch wesentlich systematischer erheben als bisher, zum Beispiel nach Geschlecht, Alter, ethnischer Gruppe, Einkommen, Wohnort, möglicher Behinderung, Angehörigkeit zu einer Minderheit oder Migrationshintergrund. So lassen sich mögliche Benachteiligungen erkennen und die geeigneten Maßnahmen ergreifen – auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene. 

Nothilfeaufruf: Jedes zehnte Kind lebt in einer Konfliktregion

Vor dem Hintergrund der zahlreichen aktuellen Krisen stellt UNICEF heute in Genf den größten Nothilfeaufruf seiner Geschichte vor. Weltweit brauchen nach Schätzungen von UNICEF rund 62 Millionen Kinder in 71 Ländern dringend lebensrettende humanitäre Hilfe. Laut UNICEF lebt derzeit jedes zehnte Kind auf der Welt – 230 Millionen – in einer Konfliktregion.

Insgesamt benötigt UNICEF in diesem Jahr rund 2,7 Milliarden Euro, um Kinder in Krisenregionen wie Syrien, Nigeria oder der Ukraine sowie in den von Ebola betroffenen Ländern und nach Naturkatastrophen mit dem Nötigsten zu versorgen. Die Mittel werden dringend benötigt, um Kinder zum Beispiel gegen gefährliche Krankheiten zu impfen, mit sauberem Wasser und Nahrung zu versorgen sowie für Notschulen und psychosoziale Hilfen.

Service für Redaktionen

Der stellvertretende Programmdirektor von UNICEF, Dr. Christian Salazar, ist in Berlin und steht gerne für Interviews zur Verfügung.

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