KINDERSOLDATEN IN AFRIKA UND WELTWEIT

10. Februar 2017 von Ninja Charbonneau 15 Kommentare

Kindersoldaten: Opfer und Täter zugleich, Kinder ohne Kindheit.

Aus dem bürgerkriegsgeplagten Südsudan gab es vor kurzem endlich eine gute Nachricht: 145 Kindersoldaten, alle Jungen, haben in einer feierlichen Zeremonie ihre Waffen niedergelegt - unter ihnen der 14-jährige Tom (alle Namen geändert). Es ist ein symbolischer Akt und der erste Schritt auf dem langen Weg von Tom und den anderen Jungen zurück in ein ziviles Leben. Am 12. Februar ist Welttag gegen den Einsatz von Kindersoldaten - eine jährliche Erinnerung, dass noch viel passieren muss, um diese schwere Kinderrechtsverletzung endlich zu beenden.

Kindersoldaten erzählen: Tom im Schatten zweier Bäume

Kindersoldat Tom im Südsudan.
© UNICEF/UN043975/Kolok

Im Südsudan und anderen Ländern wie der Zentralafrikanischen Republik oder der Demokratischen Republik Kongo gelingt es UNICEF und Partnern immer wieder, Kindersoldaten zu befreien. Aber Zehntausende Jungen und auch Mädchen werden immer noch als Kindersoldaten missbraucht. Sie sind Opfer und Täter zugleich, Kinder ohne Kindheit, und der Weg zurück in ein normales Leben ist schwer. Viele von ihnen haben jahrelang das Töten gelernt, sind aber nie zur Schule gegangen.

KINDERSOLDATEN ERZÄHLEN UNICEF IHRE GESCHICHTE

Tom und andere befreite Kindersoldaten im Südsudan haben UNICEF-Mitarbeitern ihre Geschichte erzählt:

Als Tom mit 14 seine Waffe niederlegt, hat er drei Jahre voller Gewalterfahrung hinter sich - er war erst elf, als sein Dorf in Pibor überfallen wurde. "Ich erinnere mich noch daran, als ob es gestern wäre. Ich hörte überall Schüsse und schreiende Menschen. Häuser haben gebrannt. Gerade, als wir unser Haus verlassen wollten, wurden wir von Soldaten eingekreist. Sie haben meine älteren Brüder geschlagen und gefragt, ob sie Waffen hätten. Meine Eltern sind mit mir und den anderen jüngeren Kindern in den Wald gerannt. Aus unserem Versteck haben wir gesehen, wie die Männer unser Haus abgebrannt und meine älteren Brüder mitgenommen haben."

Kindersoldaten: Tom erzählt seine Geschichte

Tom war drei Jahre Kindersoldat im Südsudan.
© UNICEF/UN043977/Kolok

Es war nicht das erste Mal, dass Toms Dorf angegriffen wurde. Bei einem früheren Angriff war eine seine Schwestern getötet worden. "Ich konnte es nicht mehr ertragen, unschuldige Kinder und Frauen sterben zu sehen. Ich war sehr verbittert wegen des Tods meiner Schwester. Deshalb habe ich beschlossen, dass ich etwas tun muss. Ich wollte mich wegen all der Morde rächen, vor allem an dem meiner Schwester, deshalb schloss ich mich der Cobra-Miliz an."

Toms Eltern waren damit einverstanden. Fast ein Jahr lang blieb er zunächst bei der Miliz. An den Tagen, an denen er nicht als Kämpfer gebraucht wurde, half er als Koch, Träger oder Wachtposten. 2014 schickte ihn der Kommandeur weg und sagte ihm, er solle zur Schule gehen. Aber als Toms Dorf zwei Jahre später erneut angegriffen wurde, wurde Tom wieder Kindersoldat. "Ich hatte keine Wahl: Entweder würde ich zur Cobra-Miliz gehen oder von den Regierungssoldaten getötet werden, also ging ich zur Cobra." Anders als viele andere Kindersoldaten wurde Tom nicht zwangsrekrutiert - für ihn war die bewaffnete Gruppe ein Umfeld, in dem er etwas Schutz und regelmäßig zu essen bekam. Trotzdem ist der 14-Jährige heute traurig, wenn er an seine Zeit als Kindersoldat zurückdenkt: "Ich habe das Gefühl, dass ich drei Jahre meines Lebens verloren habe. Wenn ich zur Schule gegangen wäre, würde ich jetzt bald einen Abschluss machen."

Kindersoldaten erzählen: Tom steht in einer Waldlichtung

Tom und seine Familie sind inzwischen wiedervereint.
© UNICEF/UN043976/Kolok

Die verlorenen Jahre kann Tom zwar nicht nachholen, aber er bekommt jetzt eine zweite Chance. In einem von UNICEF unterstützten Interims-Zenter hat er Beratung und psychosoziale Hilfe erhalten. Inzwischen wurde er mit seiner Familie wiedervereint und hofft, dass er bald zur Schule gehen kann.
"Nie wieder! Nie wieder werde ich mich einer Miliz anschließen! Wenn es noch mal Kämpfe in meinem Dorf gibt, werde ich wegrennen und mich verstecken. Und wenn es ruhig ist, werde ich zur Schule gehen."

WO GIBT ES KINDERSOLDATEN?

Kindersoldaten weltweit

Kindersoldaten gibt es nicht nur in Afrika. Die Vereinten Nationen veröffentlichen jedes Jahr eine „Liste der Schande“ über die Armeen und bewaffneten Gruppen, die Minderjährige in ihren Reihen haben - 58 stehen im Moment darauf. In 20 Ländern beziehungsweise Konfliktsituationen werden schwerste Menschenrechtsverletzungen gegen Kinder begangen - dazu gehören die Rekrutierung von Kindersoldaten, aber auch die Tötung und Verstümmelung von Kindern oder Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser. In Syrien und Irak rekrutiert zum Beispiel der sogenannte „Islamische Staat“ gezielt Kinder und Jugendliche. Die Terrormiliz Boko Haram in Nigeria zwingt teilweise Kinder, sich als Selbstmordattentäter in die Luft zu sprengen.

Auch in Afghanistan,  auf den Philippinen oder Somalia werden Mädchen und Jungen als Kindersoldaten missbraucht. Niemand weiß, wie viele es sind. Manche Schätzungen gehen von bis zu 250.000 Kindersoldaten weltweit aus, aber Beweise gibt es nur in deutlich weniger Fällen.

Kindersoldaten weltweit: Karte mit Ländern

Quelle: United Nations: Children and armed conflict. Report of the Secretary-General, 15 May 2014

17.000 Kindersoldaten kämpfen in Südsudan

In Südsudan, dem jüngsten Staat der Erde, tobt seit Dezember 2013 ein blutiger Bürgerkrieg. Der Präsident und sein ehemaliger Stellvertreter, die zu verschiedenen Ethnien gehören, liefern sich einen erbitterten Machtkampf. Mehrere Waffenruhen wurden seitdem vereinbart, aber Frieden gibt es nicht. Tausende Menschen wurden getötet, Hunderttausende vertrieben – und schätzungsweise 17.000 Minderjährige wurden seit 2013 als Kindersoldaten rekrutiert.

WELTTAG GEGEN DEN EINSATZ VON KINDERSOLDATEN

Am 12. Februar 2002 trat das Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention zum Verbot des Einsatzes von Kindern als Soldaten in Kraft, deshalb wird jährlich am 12. Februar der Welttag gegen den Einsatz von Kindersoldaten begangen. Bis heute sind ihm 166 Staaten beigetreten. Deutschland hat das Zusatzprotokoll im Dezember 2004 ratifiziert.

Das Abkommen hat weltweit Diskussionen angestoßen und Gesetzesänderungen bewirkt. Laut Zusatzprotokoll gilt die Rekrutierung von Kindern unter 15 Jahren als Kriegsverbrechen. Mädchen und Jungen unter 18 Jahren dürfen nicht gegen ihren Willen eingezogen werden oder an Kampfhandlungen teilnehmen. Das Zusatzprotokoll hat viel bewirkt und unter anderem dazu beigetragen, dass Verantwortliche erstmals vor dem Internationalen Strafgerichtshof angeklagt wurden.

So wurde 2012 der kongolesische Milizenchef Thomas Lubunga vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen der Rekrutierung von Kindersoldaten zu 14 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt – ein wichtiges weltweites Signal. Auch Charles Taylor, der ehemalige Präsident von Liberia, wurde 2012 zu 50 Jahren Gefängnis verurteilt. Ihm wurde eine Reihe von Kriegsverbrechen zur Last gelegt, darunter der Einsatz von Kindersoldaten.

UNICEF-HILFE FÜR EHEMALIGE KINDERSOLDATEN

Der Weg zurück in ein normales Leben ist für ehemalige Kindersoldaten sehr schwer. Oft sind sie traumatisiert von dem, das sie erlebt haben – und selbst tun mussten. In manchen Fällen werden sie in ihren Familien und Dörfern als Mörder angesehen und können nur langsam wieder in die Gesellschaft integriert werden.

Schützen Sie Kinder vor Gewalt und Ausbeutung!

Angst und Verzweiflung prägen den Alltag von Kindern, die als Kindersoldaten Arbeiter ausgebeutet, in Konflikten und Notsituationen traumatisiert oder missbraucht werden. Sie können dafür sorgen, dass diese Kinder gesetzlichen Schutz und professionelle Hilfe bekommen!

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Kinderschutz

Kindersoldat David: „Wir waren so verzweifelt“

Der Tag, an dem David (alle Namen geändert) ein Kindersoldat wurde, hatte begonnen wie jeder andere Tag. Der 16-Jährige verabschiedete sich morgens von seinen Eltern in einem Dorf in der Provinz Unity State in Südsudan und ging zur Schule. Er kam nicht mehr zurück. Bewaffnete Männer überfielen die Schule und entführten David zusammen mit rund 100 Mitschülern. Die Männer sagten den völlig verängstigten Jungen, es sei ihre Pflicht zu kämpfen und ihren Stamm zu verteidigen.

Kindersoldaten erzählen: David aus Südsudan

„Am schlimmsten war, morgens um drei Uhr geweckt zu werden und bis mittags trainieren zu müssen. Wir haben nur drei Mal pro Woche etwas zu essen bekommen. Wenn du die Waffe nicht richtig bedienen konntest, wurdest du geschlagen. Ich hatte keine Wahl.” – David aus Südsudan.
© UNICEF/2015/South Sudan/Ainga Razafy

Er wurde von seinen Mitschülern getrennt und musste mit anderen Jugendlichen zusammen drei Monate lang in einem Trainingscamp das Kämpfen lernen. „Am schlimmsten war, morgens um drei Uhr geweckt zu werden und bis mittags trainieren zu müssen. Wir haben nur drei Mal pro Woche etwas zu essen bekommen. Wenn du die Waffe nicht richtig bedienen konntest, wurdest du geschlagen. Ich hatte keine Wahl.”

David und die anderen Kindersoldaten wurden an die Front gebracht und gezwungen, zu kämpfen. Sie konnten es nicht ertragen. Gemeinsam planten sie, bei der ersten Gelegenheit zu fliehen – auch wenn das lebensgefährlich war. „Wir waren so verzweifelt“, sagt David.

Unter dem Vorwand, wie üblich Feuerholz zu suchen, flüchteten sich rund 100 Jungen in den Wald. „Wir haben unsere Waffen und Uniformen zurückgelassen“, erzählt David. Die meisten Jungen schlugen den Weg in Richtung Sudan ein. David und vier andere konnten sich nach Bentiu zu einem Stützpunkt der Vereinten Nationen durchschlagen, in dem Zehntausende Menschen Zuflucht vor der Gewalt suchen. David hatte Glück: Eine Familie im Camp hat ihn und zwei andere Teenager aufgenommen.

David im südsudanesischen Bentiu ist froh, der Miliz entkommen zu sein. Aber auch jetzt fühlt er sich nicht frei, den UN-Stützpunkt zu verlassen wäre zu gefährlich.

„Was wir am dringendsten in unserem Land brauchen ist Frieden“, sagt er. Je länger ein Konflikt dauert, desto größer ist die Gefahr, dass die jeweiligen Konfliktparteien zum Äußersten greifen – auch zum Einsatz von Kindersoldaten.

Geschichten von sechs weiteren Kindersoldaten

KOMMENTARE

  • anonym
    20. November 2017 20:37 Uhr

    Ich hoffe diese ganzen Kinder kommen über ihre schrecklichen Gedanken weg und können sich ein schönes neues Leben aufbauen ☺️

  • anonym
    20. November 2017 20:36 Uhr

    Ich hoffe diese ganzen Kinder kommen über ihre schrecklichen Gedanken weg und können sich ein schönes neues Leben aufbauen ☺️

  • anonym
    11. Juni 2017 20:13 Uhr

    Ich selber würde wahrscheinlich zu einer Armee (vorausgesetzt sie begeht keine Verbrechen o.ä) gehen da ich zwar links aber dennoch militärisch motiviert bin. Allerdings würde ich nicht wollen das auch andere Jugendliche zur Armee gehen

  • anonym
    12. März 2017 15:09 Uhr

    Tom und seine FAMILEI sind inzwischen wiedervereint Rechtschreibung Korrigieren bidddeee

  • anonym
    26. Januar 2017 20:31 Uhr

    Ich finde sehr gut das ir die amen Kinder hilft

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