WIE DER KLIMAWANDEL MILLIONEN KINDER BEDROHT
Freitag, 30. August 2019, 11:30 Uhr
von Jenifer Stolz | 4 Kommentare

In Malawi leidet die zweijährige Desire unter Mangelernährung, weil es durch die Dürre infolge des Klimaphänomens El Niño in dem Land immer wieder zu Ernteausfällen kommt. In Mosambik müssen Manuel und sein kleiner Bruder Fransisco auf der Straße leben, weil ihr Zuhause durch den Zyklon Idai zerstört wurde. Und die zwölfjährige Sanjida aus Bangladesch ist durch die enorme Luftverschmutzung in der Landeshauptstadt an Tuberkulose erkrankt.

Jede dieser kurzen Geschichten erzählt von den tiefgreifenden und schädlichen Auswirkungen, die der Klimawandel auf das Leben und die Zukunft von Kindern hat.

Mädchen und Jungen – ganz gleich, wo sie leben – brauchen eine saubere und intakte Umwelt, um sich gut und gesund entwickeln zu können. Die UN-Kinderrechtskonvention garantiert jedem Kind das Recht auf Leben und auf angemessene Lebensbedingungen. Doch in vielen Teilen der Welt beeinträchtigt der Klimawandel das Aufwachsen von Kindern. Die ärmsten Kinder in den Entwicklungs- und Schwellenländern sind dabei am härtesten betroffen.

Entwicklungen, die uns Sorgen machen

Es ist wissenschaftlich belegt, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Kinder und Jugendliche sind am wenigsten für den Klimawandel verantwortlich, leiden allerdings am häufigsten unter seinen Auswirkungen.

Bangladesch: Ein Mädchen watet mit ihrem Schulrucksack durch knietiefes Wasser.

Nach der Überschwemmung ihres Heimatortes muss dieses Mädchen in Bangladesch durch kniehohes Wasser waten, um zur Schule zu gelangen.
© UNICEF/UN0286416/Akash

Seit Jahren kommt es immer öfter zu Dürren, schweren Überschwemmungen, Hitzewellen und anderen Wetterextremen. Schon heute wachsen etwa 530 Millionen Kinder in Regionen auf, die von Überschwemmungen betroffen sind, vor allem in Afrika und Asien.

Mosambik: Ein Mädchen wir nach dem Zyklon Idai geimpft.

Um Durchfallerkrankungen wie Cholera zu vermeiden, werden – wie hier nach dem verheerenden Zyklon Idai in Mosambik – Impfungen durchgeführt.
© UNICEF/UN0295301/Oatway

Die Klimaveränderungen und die damit verbundenen extremen Wetterbedingungen tragen zur Ausbreitung von Malaria, Durchfallerkrankungen und Mangelernährung bei. Für Kinder unter fünf Jahren ist dies häufig lebensbedrohlich.

Mongolei: Ein Junge trägt aufgrund der hohen Luftverschmutzung eine Schutzmaske.

Ein Junge wartet auf den Schulbus. Er schützt sich gegen die Luftverschmutzung, die in Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei, besonders hoch ist.
© UNICEF/UN0154526/Batbaatar

Kinder sollten in einer gesunden Umwelt aufwachsen können. Denn die Umweltzerstörung macht krank, wie das Beispiel von Sanjida zeigt. Auch die dramatisch zunehmende Luftverschmutzung hängt mit dem Klimawandel zusammen. Rund 300 Millionen Kinder leben in Gebieten, in denen die Verschmutzung der Luft sechsmal höher ist als die von der WHO definierten Grenzwerte.

Vanuatu: Vier Kinder spielen auf einem umgestürzten Baum.

In Vanuatu spielen Kinder auf einem umgestürzten Baum. Zyklon Pam hatte im März 2015 in dem Inselstaat im Südpazifik schwere Schäden angerichtet.
© UNICEF/UN055824/Sokhin

Für Kinder wie Manuel und Fransisco gerät die Welt aus den Fugen, wenn sie durch Naturkatastrophen ihr sicheres Zuhause und Familienmitglieder oder Freunde verlieren. Eine unbeschwerte Kindheit sieht anders aus. Naturkatastrophen richten jedes Jahr erhebliche Schäden an. Stürme, Tsunamis, Überschwemmungen und Erdrutsche zerstören Häuser und Straßen. Dadurch gibt es oft kein sauberes Wasser und keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen. Weil Schulen verwüstet oder schwer beschädigt werden, können Kinder und Jugendliche oft monatelang nicht zur Schule gehen.

Kenia: Ali sitzt mit seiner Tochter und seiner Frau vor ihrem Zelt.

Ali, seine Tochter und seine Frau vor ihrem Zuhause in Kenia. Durch die Dürre hat die Familie fast ihre komplette Ziegenherde verloren.
© UNICEF/UN0123881/Knowles-Coursin

Der Klimawandel verschärft auch den Wasser-Notstand für die ärmsten Menschen in vielen Regionen. Fast 160 Millionen Kinder leben in Gegenden, die von extremer Dürre bedroht ist, vor allem in Afrika und Asien. Das Bohren von Brunnen wird aufwändiger, weil der Grundwasserspiegel immer tiefer absinkt oder das Wasser mit Schadstoffen belastet ist. Dürren führen zu Missernten und steigenden Preisen für Lebensmittel. Für viele Familien – wie die von Desire – bedeutet dies, dass sie immer weniger zu essen haben, wodurch die Gefahr von Unterernährung bei Kindern wächst.

Alaska: Die elfjährige Amaia steht auf einer Eisscholle am Ufer des Nordpolarmeers.

Die elfjährige Amaia steht auf einer Eisscholle am Ufer des Nordpolarmeers in Alaska. Das frühe und schnelle Abschmelzen des arktischen Meereises ist eine der Folgen der Erderwärmung, die schwerwiegende Auswirkungen auf das Leben von Menschen und Tieren hat.
© UNICEF/UN055819/Sokhin

» Nun kennen Sie die wichtigsten Zusammenhänge zwischen dem Klimawandel und den Lebensumständen von Kindern in aller Welt. Zeit, Ihr Wissen zu testen! Hier geht es zu unserem Quiz. 

Es ist Zeit, nachhaltig zu handeln!

2015 wurde die Agenda 2030 und die globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Alle in den Vereinten Nationen vertretenen Regierungen haben sich damit verpflichtet, die globalen Herausforderungen wie den Klimawandel nachhaltig zu lösen und unter anderem den Planeten zu schützen. Ziel ist es, Meere und Ozeane nachhaltig zu nutzen, Ökosysteme und die biologische Vielfalt zu erhalten, den Klimawandel zu bekämpfen und mit natürlichen Ressourcen nachhaltig umzugehen.

Mit dem „Pariser Abkommen“, das so gut wie alle Länder in die Pflicht nimmt, haben sich die Staaten das Ziel gesetzt, die Erderwärmung auf unter 2 Grad begrenzt zu halten. Sie soll sogar möglichst unter 1,5 Grad bleiben. Erreicht werden soll dies durch die Minderung der Treibhausgasemissionen.

Um die globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung und die Ziele des „Pariser Abkommends“ zu erreichen, muss die Politik die nötigen Rahmenbedingungen schaffen. Nur so lassen sich in vielen Bereichen unseres Lebens Veränderungen erzielen, die notwendig sind, damit Kinder wie Manuel und Fransisco, Sanjida und Desire, aber auch kommende Generationen ein gutes Leben in einer gesunden Umwelt führen können. Dabei müssen wir entschlossen und als Gemeinschaft handeln. Denn verfehlen wir diese Ziele, wird dies dramatische Auswirkungen auf das Leben und die Zukunft unserer Kinder haben.

Prävention und schnelle Nothilfe – so hilft UNICEF

In seiner weltweiten Programmarbeit arbeitet UNICEF daran, die Auswirkungen extremer Wetterereignisse für die ärmsten Kinder und ihre Familien zu verringern, die Widerstandskraft ihrer Gemeinden zu stärken und innovative Ideen zu fördern, die Umweltschutz und Entwicklung miteinander verbinden.

New York: Ein Mädchen spricht bei einer Demo in ein Megaphon.

Jugendliche demonstrieren vor dem UN-Hauptquartier in New York für den Schutz des Klimas – und für ihre Zukunft.
© UNICEF/UN0302772/Unknown

Kinder und Jugendliche weltweit kämpfen für ihre Zukunft

In einer UNICEF-Umfrage unter mehr als 5.000 Kindern und Jugendlichen in über 60 Ländern gaben fast 80 Prozent der Befragten an, dass der Klimawandel eines der dringendsten Probleme ist, mit denen sie konfrontiert sind.

Auf der ganzen Welt bringen Kinder und Jugendliche ihre Sorgen und Ängste zum Ausdruck und fordern konkretes Handeln von der Politik und der Generation der Erwachsenen.

Im Kampf gegen den Klimawandel sind Kinder und Jugendliche eine treibende Kraft. Ihre Beteiligung und ihr Engagement sind von großer Bedeutung für ein gemeinsames globales Handeln. Deshalb muss die Politik die Sorgen und Botschaften der jungen Menschen hören und Verantwortung übernehmen.

WEITERE INFORMATIONEN UND MATERIALIEN

Lesen Sie in dem englischsprachigen UNICEF-Bericht „A Gathering Storm. Climate change clouds the future of children in Bangladesh“ nach, welche Folgen extreme Wetterereignisse und Phänomene für mehr als 19 Millionen Kinder in Bangladesch haben.

Welche Schritte unternommen werden müssen, um Kinder vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen, erfahren Sie in dem ebenfalls von UNICEF herausgegebenen Bericht „Unless we act now“.

KOMMENTARE

  • 22. Oktober 2019 17:12 Uhr

    Ich schließe mich der Meinung von Herrn Omid-Fahrd an.
    Was Sie hier betreiben ist Angstmacherei.
    Bitte bleiben Sie bei Ihren Aufgaben anstatt der Klimasekte hinter her zu laufen.
    Vielen Dank.

  • 09. Oktober 2019 22:43 Uhr

    Es ist wohl an der Zeit,daß wir
    Alten uns bei der Jugend der Welt
    für unsere Unachtsamkeit und
    Versäumnisse entschuldigen.
    Ich hoffe sehr,daß unsere Politiker
    schnell handeln und nicht bloß
    diskutieren.
    Ich bin seit einem halben Jahr
    Veganer und spende im Rahmen meiner Möglichkeiten an Umwelt-
    Organisationen.

  • 20. September 2019 14:02 Uhr

    Ich finde es wichtig, dass die Zusammenhänge erkannt und benannt werden. Denn nur so werden wir alle Kräfte mobilisieren können, die die Not der Kinder lindern hilft. Es muss noch viel mehr getan werden um ein großes Umdenken zu erreichen und neue Wege zu finden und auch zu gehen.

  • 19. September 2019 13:24 Uhr

    UNICEF begeht hier m.E. eine Gratwanderung. Ich als Spender bitte Sie, sich auf die direkte Unterstützung notleidender Kinder zu konzentrieren und nicht auf das Thema Klimawandel. Es gibt Zusammenhänge beider Themen, dennoch sollte klar getrennt werden, wohin die Mittel fließen.

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