Pressemitteilung

7.000 Babys sterben jeden Tag kurz nach der Geburt

New York / Köln, 19. Oktober 2017

NEUER BERICHT DER VEREINTEN NATIONEN ZUR WELTWEITEN KINDERSTERBLICHKEIT

Während weltweit die Überlebenschancen von Kindern steigen, bleibt laut UNICEF der erste Monat im Leben eines Kindes der gefährlichste. Schätzungsweise 2,6 Millionen Neugeborene überlebten im Jahr 2016 die ersten 28 Tage ihres Lebens nicht – täglich starben über 7.000 Babys kurz nach ihrer Geburt.

Fast die Hälfte (46 Prozent) aller Todesfälle bei Kleinkindern unter fünf Jahren entfielen auf diesen Zeitraum. Für rund eine Million Babys war der Tag ihrer Geburt auch ihr Todestag. 

Durch Impfungen, eine bessere Gesundheitsversorgung und bessere Hygiene konnte seit dem Jahr 2000 laut UNICEF zwar schätzungsweise 50 Millionen Kindern unter fünf Jahren das Leben gerettet werden. Dennoch starben 2016 weltweit immer noch 5,6 Millionen Kinder unter fünf Jahren aus weitgehend vermeidbaren Gründen – das entspricht rund 15.000 Kindern am Tag, 640 Kindern pro Stunde, zehn Kindern pro Minute oder einem Kind alle sechs Sekunden.

Dies ist Ergebnis des Reports „Levels & Trends in Child Mortality Report 2017“, den UNICEF im Auftrag der Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen zur Schätzung der Kindersterblichkeit (UN Inter-agency Group for Child Mortality Estimation, UN IGME) erstellt hat.

„Hinter den nüchternen Zahlen verbirgt sich unendliches Leid von Kindern und unendlicher Schmerz von Eltern“, sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. „Für uns in Deutschland ist es selbstverständlich, dass schwangere Frauen besonderen Schutz genießen, zu Vorsorgeuntersuchungen gehen und bei der Geburt eine gute fachliche Unterstützung bekommen können.

Viele werdende Mütter in Entwicklungsländern haben aber weder eine Gesundheitsstation noch eine ausgebildete Hebamme in der Nähe. Wenn wir gezielt in die entscheidende Phase rund um die Geburt investieren, können sehr viele Babys gerettet werden.“

 

 

Hohe Kindersterblichkeit in Subsahara-Afrika und Südasien

Die schlechtesten Überlebenschancen haben Kinder nach wie vor im südlichen Afrika und in Südasien. Alle sechs Länder mit einer Kindersterblichkeitsrate über 100 pro 1.000 Lebendgeburten liegen in Subsahara-Afrika (Mali, Nigeria, Sierra Leone, Somalia, Tschad, Zentralafrikanische Republik). Die Überlebenschancen für Kinder sind in einem fragilen Staat nur etwa halb so groß wie in einer friedlichen Umgebung und einem funktionierenden Staat.

Statistisch gesehen ist die Gefahr für ein Kind in Somalia am größten: Die Kindersterblichkeitsrate beträgt dort 133 pro 1.000 Lebendgeburten – mit anderen Worten: Jedes achte Kind in Somalia erlebt seinen fünften Geburtstag nicht. Zum Vergleich: In Deutschland ist die Rate vier pro 1.000 (eines von 250 Kindern).
In absoluten Zahlen hat das bevölkerungsreiche Indien die meisten Todesfälle zu beklagen: Über eine Million Mädchen und Jungen sterben dort jedes Jahr, bevor sie fünf Jahre alt sind.
Zum ersten Mal werden in dem Report auch Schätzungen zur Sterblichkeit von älteren Kindern veröffentlicht. Demnach starben vergangenes Jahr weltweit rund eine Million Kinder zwischen fünf und 14 Jahren, meist in Folge von Unfällen und nicht-übertragbaren Krankheiten.

Todesursachen bei Babys und Kindern weltweit

Schätzungsweise 2,6 Millionen Neugeborene überlebten im Jahr 2016 die ersten 28 Tage ihres Lebens nicht – täglich starben über 7.000 Babys kurz nach ihrer Geburt. 
© UNICEF/UN065191/Phelps

Während Erfolge im Kampf gegen Krankheiten wie Masern oder Durchfall dazu führen, dass die Sterblichkeit bei Kleinkindern nach dem ersten Lebensmonat sinkt, sind die Fortschritte bei der Versorgung rund um die Geburt langsamer. Dadurch steigt seit Jahren der Anteil der Neugeborenen an den Kindern, die ihren fünften Geburtstag nicht erleben.

Aber auch Infektionskrankheiten bleiben eine große Gefahr. In rund einem Drittel der Todesfälle sind Lungenentzündung, Durchfall oder Malaria die Ursache – Krankheiten, die in Industrieländern kaum eine Rolle spielen. Die häufigsten Todesursachen für Kinder unter fünf Jahren weltweit sind Komplikationen infolge einer Frühgeburt (18 Prozent), Lungenentzündung (16 Prozent), Komplikationen bei der Geburt (zwölf Prozent), Durchfall (acht Prozent), Säuglingssepsis (sieben Prozent) und Malaria (fünf Prozent).

Daneben spielen aber auch tiefer liegende Ursachen eine große Rolle. So ist in fast der Hälfte aller Fälle Mangelernährung mitverantwortlich. Der UN-Bericht zeigt auch, dass Ungleichheiten die Überlebenschancen eines Kindes maßgeblich beeinflussen: Kinder aus armen Haushalten sterben doppelt so häufig wie Kinder von wohlhabenden Familien, Kinder in ländlichen Gebieten haben eine statistisch größere Todeswahrscheinlichkeit, und Kinder von Müttern, die mindestens eine weiterführende Schule besucht haben, überleben fast drei Mal öfter.

Fortschritte im Kampf gegen die Kindersterblichkeit

In den vergangenen Jahrzehnten wurde die weltweite Kindersterblichkeit um mehr als die Hälfte gesenkt: Von 12,6 Millionen Kindern (1990) auf 5,6 Millionen Kinder jährlich (2016). Allein seit 2000 konnte so laut UNICEF schätzungsweise 50 Millionen Kindern unter fünf Jahren das Leben gerettet werden.

Allerdings ist der Fortschritt nicht schnell genug, um das „Nachhaltige Entwicklungsziel“ (Sustainable Development Goal, SDG) der Weltgemeinschaft zur Beseitigung der Kindersterblichkeit und Neugeborenensterblichkeit bis 2030 zu erreichen. Wenn die Senkung nicht deutlich schneller vorangeht, werden zwischen heute und 2030 weitere 60 Millionen Babys und Kleinkinder aus weitgehend vermeidbaren Gründen sterben.

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NINJA CHARBONNEAU

Pressesprecherin
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