GESCHLOSSENE SCHULEN WEGEN COVID-19: WIE KINDER VON RUANDA BIS SYRIEN JETZT LERNEN
Dienstag, 21. April 2020, 17:50 Uhr
von Klas Libuda | 0 Kommentare

Man muss die Zahl einmal laut aufsagen, um das Ausmaß zu begreifen: 1,5 Milliarden Schüler gehen derzeit nicht zur Schule. In zahlreichen Ländern würde gerade die entscheidende Phase des laufenden Schuljahrs beginnen. Aber wegen der Corona-Pandemie bleiben weltweit Schulen geschlossen. In mehr als 180 Ländern ist der Betrieb eingestellt, in Deutschland soll er in den kommenden Wochen schrittweise wieder aufgenommen werden.

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Wann die Schulen wieder öffnen, ist in vielen Ländern indes ungewiss. Damit Kinder und Jugendliche nicht den Anschluss verlieren, werden nun weltweit neue Lehrmethoden ausprobiert. Unterrichtet wird etwa in Chatgruppen, im Fernsehen oder übers Radio.

Corona: In Ruanda lernen Kinder jetzt übers Radio.

Der elfjährige Igihozo Kevin sitzt in Ruanda vor dem Radio statt in der Schule.
© UNICEF/UNI319836/Kanobana

In Ruanda gibt es Unterricht im Radio

Mit Unterstützung von UNICEF wird im ostafrikanischen Ruanda das Lernen übers Radio erprobt. 144 Manuskripte fürs Fernlernen via Radio hat UNICEF dafür aus aller Welt kurzfristig organisiert, nachdem Mitte März in Ruanda die Schulen geschlossen worden waren. Mit dortigen Kooperationspartnern wurde der Unterrichtsstoff dem Lehrplan angepasst und ist nun auf Sendung. Die jeweils 20-minütigen Einheiten zur Grundbildung widmen sich dem Rechnen und Schreiben und sind so konzipiert, dass Kinder ihnen alleine folgen können. Mit den örtlichen Behörden arbeitet UNICEF außerdem daran, naturwissenschaftliche und mathematische Lehrstoffe für das Fernsehen aufzubereiten.

In Ruanda geht man davon aus, über das Radio die meisten Schüler erreichen zu können. Gerade Kinder ohne Zugriff auf das Internet sollen Gelegenheit bekommen, weiter teilzuhaben. Auch in Somalia, wo Kinder wegen der seit Jahren anhaltenden Konflikte ohnehin nur eingeschränkten Zugang zu Bildung haben, wird nun Unterricht gesendet. Das somalische Bildungsministerium bietet mithilfe von UNICEF und weiteren Partnern Bildungsprogramme im Fernsehen und Radio an. Der Unterricht zielt auf Acht- und Zwölftklässler ab, die im Juni ihren Abschluss machen sollen. Lehrangebote für weitere Klassenstufen werden entwickelt. 

Ersetzen kann das Lernen aus der Ferne den Schulbesuch natürlich nicht, weil Kindern und Jugendlichen die Interaktion mit Lehrern und Mitschülern fehlt. Zumindest aber kann der Fernunterricht helfen, die in den vergangenen Wochen entstandenen Lücken zu schließen. Deshalb unterstützt UNICEF auch an der Elfenbeinküste und in Indonesien die dortigen Bildungsministerien dabei, Unterricht fürs Fernsehen zu produzieren. Gemeinsam mit den indonesischen Behörden entwickelt UNICEF zudem Richtlinien für den Fernunterricht und den Kinderschutz in Zeiten der Corona-Pandemie.

Corona: Ein Junge an der Elfenbeinküste lernt zuhause.

An der Elfenbeinküste lernt der dreijährige Paul gemeinsam mit seinem Vater.
© UNICEF/UNI317535/McIlwaine

Neue Online-Plattformen in Nordmazedonien und Timor-Leste

In Nordmazedonien haben sich Behörden, Produzenten, Sender und UNICEF zusammengetan, um ein Bildungsprogramm für junge Zuschauer zu entwickeln, das bereits seit Mitte März im Fernsehen gezeigt wird – in fünf Sprachen: auf Mazedonisch, Albanisch, Türkisch, Serbisch und Bosnisch. Für 6- bis 14-Jährige wurde bereits vor dem Ausbruch des Coronavirus eine E-Learning-Plattform auf Youtube entwickelt, deren Start nun kurzfristig vorgezogen wurde. Hunderte Lehrvideos sind bereits verfügbar. 

In der Ukraine, im Kosovo und in Timor-Leste in Südostasien haben Kinder und Eltern nun ebenfalls Zugriff auf eine Online-Plattform, die vom Technologieunternehmen Microsoft, der University of Cambridge und UNICEF entwickelt wurde. Über die Plattform können Videos, Tonaufnahmen und E-Books abgerufen werden. 

Für den Fernunterricht bietet das Internet gerade viele Vorteile, es birgt aber auch Gefahren. Nicht alle Kinder haben die Kompetenzen, sich vor Online-Risiken zu schützen, dazu zählen Kinderrechtsverletzungen wie sexuelle Ausbeutung, ungewollte Konfrontationen mit Gewaltdarstellungen oder Mobbing. Jüngst hat UNICEF deshalb Regierungen, Internetanbieter, Schulen und Eltern zu mehr Wachsamkeit aufgerufen.

Corona: Ein Mädchen in Timor-Leste lernt über eine Online-Plattform.

Über eine neue E-Learning-Plattform haben Kinder und Eltern in Timor-Leste nun Zugriff auf Videos, Tonaufnahmen und E-Books.
© UNICEF/UNI320754/Soares

3,8 Millionen Kinder sind in Syrien von Schulschließungen betroffen. Zur traurigen Wahrheit in dem krisengeschüttelten Land gehört allerdings, dass der Schulbetrieb dort in den vergangenen Jahren immer wieder unterbrochen worden war. Syrien stand wie andere Regionen – etwa in West- und Zentralafrika – wegen zunehmender Angriffe auf Bildungseinrichtungen bereits vor der Pandemie vor enormen Herausforderungen. 

Viele Kinder greifen dort deshalb auf Bücher zurück, die das eigenständige Lernen ermöglichen sollen, ein Programm, das von UNICEF gefördert wird. In der umkämpften Provinz Idlib im Nordwesten des Landes versuchen Lehrer in Vertriebenencamps derweil, den Unterricht über Whatsapp-Gruppen und mit Handyvideos aufrechtzuerhalten. Zum Unterricht in die von UNICEF unterstützten Schulzelte dürfen die Kinder wegen der Ansteckungsgefahr vorerst nicht kommen.

Ein Lehrer in Syrien nimmt ein Handyvideo auf.

Walid Al-Daghim ist Lehrer in einem Vertriebenencamp in der syrischen Provinz Idlib. Wegen der Corona-Pandemie nimmt er in einem Schulzelt Videos auf, um sie seinen Schülern zu schicken.
© UNICEF/UNI322050/Suleiman

Besonders brenzlig ist die Lage für viele Kinder auch deshalb, weil die Schulschließungen in zahlreichen Ländern nicht nur die Lernmöglichkeiten einschränken, sondern damit den Zugang zu Gesundheitsprogrammen, sauberem Wasser und Verpflegung mit Essen. Auch die psychische Gesundheit von Kindern wird durch die Schließungen gefährdet. Für Kinder in Krisen- und Konfliktgebieten oder auf der Flucht, die in Ländern mit fragilen Bildungssystemen leben, erschwert die Pandemie den Zugang zu Bildung umso mehr. Experten von UNICEF befürchten gar, dass viele Kinde nicht zum Unterricht zurückkehren werden, weil sie nun arbeiten gehen müssen oder früh verheiratet werden. 

Neben der Entwicklung alternativer Lernmethoden arbeitet UNICEF mit Regierungen und Partnern unter anderem in der Krisenbewältigung und Notfallplanung im Bildungsbereich zusammen, versorgt Schulen mit Informationen zur Hygiene und stattet sie aus, etwa mit Seife und Desinfektionsmittel. Außerdem erhebt UNICEF Daten und wertet sie aus, um die Umsetzung von Bildungsmaßnahmen nachzuverfolgen. 

Auch die Planungen zur Wiedereröffnung von Schulen werden bereits begleitet. So unterstützt UNICEF zum Beispiel die Regierung in Ghana dabei, Schulen für die Rückkehr von Kindern und Jugendlichen vorzubereiten. Diskutiert wird dabei auch, wie versäumter Unterrichtsstoff nachgeholt werden kann. Ziel ist, dass alle Kinder in die Schulen zurückkehren.

>> UNICEF ist weltweit im Einsatz: Lesen Sie hier, wie unsere Kollegen in zahlreichen Ländern den Ausbruch des Coronavirus erleben <<

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Wir von UNICEF tun in unseren Programmländern alles, um vor allem Kinder und Familien vor einer Ansteckung zu schützen. Dabei brauchen wir Ihre Unterstützung. Jeder Beitrag hilft.

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