WIE UNICEF-HILFSGÜTER VON A NACH B KOMMEN
Mittwoch, 8. Juli 2020, 10:00 Uhr
von Katharina Kesper | 3 Kommentare

Impfstoffe, Wasserreinigungstabletten, Erdnusspaste: So funktioniert die UNICEF-Hilfe weltweit

3,83 Milliarden Dollar – das ist der Gegenwert der Hilfsgüter, die UNICEF im letzten Jahr weltweit für Kinder und Familien in Not bereitgestellt hat. Von Impfstoffen über Wasserpumpen und Nahrungsmittel bis hin zu Spielzeug und Schulequipment – wir liefern diese Waren in über 100 Länder. 

Wie funktioniert das überhaupt und wo lagern all diese Hilfsgüter? Wir erklären es Ihnen!

Eine Fahrzeugkolonne liefert Hilfsgüter in der Zentralafrikanischen Republik.

Für die UNICEF-Helfer in der Zentrafrikanischen Republik ist kein Weg zu schlammig, zu unwegsam oder zu weit.
© UNICEF/UN0239516/Gilbertson VII Photo

Wer verteilt die Hilfsgüter?

Weltweit arbeiten mehr als 1.100 Menschen für UNICEF im Bereich Logistik. Das ist eine geballte Power an Spezialisten, die sich um den Versand, die Bestellung und die Verteilung von Hilfsgütern kümmern. Ein großartiges Team, das unermüdlich und an beinahe jedem Fleck der Welt für Kinder im Einsatz ist. Wir arbeiten dabei oft mit Partnern und Organisationen vor Ort, um von der lokalen Expertise zu profitieren. Zunächst also ein großes DANKE an alle UNICEF-Helfer und -Partner.

Welche Hilfsgüter verteilt UNICEF?

Unser Steckenpferd: Therapeutische Spezialnahrung, die wirkt! Erdnusspaste hat die Behandlung von mangelernährten Kindern revolutioniert. Denn die therapeutische Zusatznahrung ist so zusammengesetzt, dass schwer mangelernährte Kinder diese Nahrung auch im extrem ausgezehrten Zustand essen, schlucken und verdauen können. Sie enthält zudem lebenswichtige Vitamine und Mineralien, damit die Kinder wieder zu Kräften kommen. In 2019 haben wir über 49.000 Tonnen Erdnusspaste verteilt. Die Spezialnahrung wurde insbesondere dafür verwendet, um mangelernährte Kinder am Horn von Afrika, im Südsudan oder im Jemen zu versorgen.

Dabei setzen wir immer mehr auf die lokale Produktion von Erdnusspaste. Die erste afrikanische Fabrik, die Erdnuspaste produziert, steht zum Beispiel in Niger. Insgesamt wurden 2019 bereits 69 Prozent der nahrhaften Paste in den Programmländern selbst hergestellt - das ist super und fördert die lokale Wirtschaft!

Wir haben Länder und Krisenregionen weltweit im letzten Jahr vor allem mit Impfstoffen versorgt. Das machte ganze 19 Prozent unserer gesamten Hilfsgüterlieferungen aus. Jährlich sterben schätzungsweise 1,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren weltweit an Krankheiten, vor denen sie durch Impfungen geschützt gewesen wären. Wir arbeiten mit Partnern und Herstellern zusammen, um Kindern wichtige Impfstoffe zur Verfügung zu stellen, unabhängig davon, wo sie leben. Ganze 2,4 Milliarden Impfdosen wurden 2019 in 99 Länder verteilt. Wir haben damit 45 Prozent der unter Fünfjährigen auf der ganzen Welt erreicht.

Mittel zur sauberen Wasseraufbereitung – zum Beispiel Wasserreinigungstabletten – folgen direkt auf Platz zwei der meist bezogenen Hilfsgüter. Vor allem für Kinder kann der fehlende Zugang zu sauberem Wasser lebensgefährlich sein. Verunreinigtes Wasser, fehlende Toiletten und mangelnde Körperpflege sind nach wie vor die Auslöser für viele Krankheiten. Die Verbesserung der Wasserversorgung gehört daher zu den Schwerpunkten der Arbeit von UNICEF.

An dritter Stelle steht die Versorung mit Nahrungsmitteln, wie der kalorienhaltigen Erdnusspaste, proteinhaltigen Keksen oder therapeutischer Milch.

Rund 49,9 Millionen Dollar sind 2019 in die Bereitstellung von Bildungsmaterialien für 57 Länder geflossen. Es gibt zum Beispiel die „School in a Box“, die bis oben hin voll mit Schulmaterial gefüllt ist. Übrigens: Auch frühkindliche Bildung spielt für uns eine große Rolle. Hier beliefern wir verschiedene Regionen und Länder mit speziellen Spiel- und Lernmaterialien für die ganz Kleinen.

Wie erreichen Hilfsgüter Kinder und Familien in Konflikt- und Krisengebieten?

2019 erreichte ein großer Anteil der Hilfsgüter 58 Länder und Regionen in akuten Notsituationen. Ganze 346 Millionen Dollar flossen in Hilfspakte für Kinder in Kriegs- und Krisengebieten.

Konflikte, die über Jahre andauern, Naturkatastrophen oder wirtschaftlichen Krisen wirken sich weiterhin auf die humanitäre Situation von Tausenden Menschen aus. Insbesondere Bevölkerungsgruppen im Nahen Osten, in Afrika und in Südostasien sind betroffen. Die Instabilität betrifft dann häufig auch Nachbarländer der Region. 

Jeder Notfall ist einzigartig und erfordert eine maßgeschneiderte Versorgung und Logistikreaktion.

Kann UNICEF die verschickten Pakete bis zur Auslieferung ins Projektland verfolgen?

Ja! Unser Erklär-Video zeigt, wie UNICEF mit der Smartphone-App "Warehouse in a pocket" noch besser und effizienter Packete packen, verschicken und verfolgen kann. Das ist ein technologischer Durchbruch für den gesamten Versorgungssektor! Die App umfasst neun verschiedene Funktionen: Von Lagerbestand überprüfen über Sendungen und Lieferungen verfolgen bis hin zum Aufzeichnen des Wareneingangs.

Das klingt alles sehr technisch, hat aber viele Vorteile. Die durchschnittliche Zeitersparnis im vergangenen Jahr lag bei mehr als 30 Prozent. Hinzu kommen bessere Rückverfolgbarkeit und zuverlässige Informationen über die Lieferketten.

Lassen Sie es sich von Susanne Fraisse selbst erklären:  

Wo kommen die Hilfsgüter her?

Wussten Sie, dass das weltweit größte humanitäre Warenlager von UNICEF in Kopenhagen steht? Ein Grund für die Wahl dieses Standorts: der internationale Containerverkehr. Von der dänischen Hauptstadt aus packen und verschicken wir Hilfspakete in verschiedene Länder.

Es gibt ungefähr 100 verschiedene „Sets“ – wie wir sie nennen – die dort zusammengestellt werden. Zum Beispiel Hygienekset, Schulset oder Hebammenset – für jede Notsituation individuell angepasst und zusammengestellt. Das Lager ist wirklich riesig – hier ein Vergleich: Mit 20.000 Quadratmetern ist das Depot etwa so groß wie drei Fußballfelder. 36.000 Paletten werden dort gelagert. Mehr als 400 Mitarbeiter arbeiten in Kopenhagen. Insgesamt arbeiten im Bereich Logistik 1139 Mitarbeiter weltweit bei UNICEF - aus 139 verschiedenen Nationen.

Das Warenlager ist immer für einen humanitären Notfall gewappnet. Jederzeit könnten bis zu 10.000 Menschen für mindestens drei Monate mit überlebenswichtigen Hilfsgütern versorgt werden.

Dazu gehören dann zum Beispiel Moskitonetze, Erdnusspaste, Medikamente oder Wasserreinigungstabletten. Und noch eine beeindruckende Zahl: Insgesamt lagern in Kopenhagen rund 850 verschiedene Hilfsgüter.

Das UNICEF-Warenlager in Kopenhagen

Im Warenlager in Kopenhagen stapeln sich mehrere Tausend Paletten Hilfsgüter.
© UNICEF/UN0297760/Nabrdalik VII

Wenn die Hilfsgüter nicht aus aus Kopenhagen kommen, dann aus einem der drei anderen großen Warenlager von UNICEF, die geografisch näher am Krisengebiet liegen. Diese stehen in Panama, Shanghai und Dubai. In 2019 wurden in Kopenhagen rund 272.000 Pakete gepackt.

Woher weiß UNICEF, in welchem Land welche Hilfsgüter benötigt werden?

Bevor Hilfsgüter verschickt werden, meldet das betroffene Land oder die Region, die in einer Notsituation ist, ihren Bedarf. Denn die Kollegen vor Ort wissen am besten, wie viele Kinder bzw. wie viele Familien welche Form der Hilfe brauchen. 

Südsudan: UNICEF-Helfer trägt Kühlboxen

Für jedes Kind auf der Welt überall im Einsatz.
© UNICEF/UN0219198

Gleichzeitig wird geprüft, welche Hilfsgüter lokal beschafft werden können. Nach Möglichkeit fördern wir dann die regionalen Zulieferer, um die Wirtschaft vor Ort nachhaltig zu stärken und nicht zu sehr von externer Hilfe abhängig zu machen. 

Als nächstes folgt die Budgetierung und Planung. Auch wie dringlich eine Lieferung benötigt wird, meldet das jeweilige Länderbüro dem Warenlager in Kopenhagen. Einkauf, Kommunikation und Logistik spielen also eine große Rolle. Wenn die Hilfsgüter ihren Zielort erreichen, werden sie geprüft und inspiziert. Vor Ort werden sie dann gegebenenfalls noch einmal zwischengelagert, meist aber sofort verteilt. Ob die Hilfsgüter ausreichen oder weitere benötigt werden, muss das jeweilige Länderbüro direkt prüfen. 

Wie teuer sind die Hilfsgüter?

Eine „School in a Box“ kostet zum Beispiel 180 Euro und ermöglicht rund 40 Kinder provisorischen Unterricht. Natürlich ist das Thema Kostenkalkulation für uns wichtig und wir haben immer das Ziel, die Hilfsgüter preiswert zu beschaffen, um am Ende noch mehr Kinder damit zu erreichen.

Ein großer Vorteil für UNICEF: Wir können die Hilfsgüter in riesigen Massen einkaufen. Wir sind einer der größten Abnehmer für Hilfsgüter im humanitären Bereich und können dadurch gute Einkaufspreise verhandeln. 

...und Nachhaltigkeit?

Ja, an die Umwelt denken wir auch! Unsere Hilfsgüter sind nachhaltig! Wir verwenden zum Beispiel biokompostierbare Beutel für Gesundheits- und Bildungskits, denn uns ist eine „grüne“ Versorgung wichtig. Die Beutel werden bei der Entsorgung Teil des Bodens oder des Wassers und das, ohne Plastikmikropartikel zu hinterlassen.

Bereits in 2017 haben wir rund 20 Millionen biologisch kompostierbare Taschen in Gesundheits- oder Bildungskits nach Burundi, in die Demokratische Republik Kongo, nach Nigeria und Sierra Leone geschickt.

Burundi: Schuljunge hält neue Schulsachen in kompostierbarem Beutel

Ein Schuljunge aus Burundi hält seine neuen Schulsachen in einem kompostierbaren Beutel. 
© UNICEF Burundi/2017/J.Haro

Das große Ziel: Hilfe für jedes Kind

Unser Ziel ist es, die Bedürfnisse von Kindern in der ganzen Welt zu erfüllen. Das erfordert eine hohe Reaktionsfähigkeit, ein starkes Logistikwissen und weltweit agile und vernetzte Mitarbeiter. Wir sind stolz auf unser Team und ihren unermüdlichen Einsatz weltweit. Und dankbar für jedes Kinderlächeln, das wir zurückbekommen!

Kambodscha: Drei Jungen springen vor Freude in die Luft.

Die drei Jungen aus Kambodscha freuen sich sichtlich über ihren Schulbesuch und springen vor Freude in die Luft.
© UNICEF/UN0322936/Seng

WEITERE INFORMATIONEN UND MATERIALIEN

  • Weitere Informationen, Zahlen und Fakten zum UNICEF-Warenlager in Kopenhagen können Sie in unserem Jahresreport 2019 nachlesen.
  • Oder Sie besuchen die englischsprachige Seite der Supply Division.

Dieser Blogbeitrag wurde für Sie mehrfach aktualisiert und auf basiert auf dem jährlich neu erscheinenden Jahresbericht unseres Logistikzentrums in Kopenhagen. 

KOMMENTARE

  • 04. September 2018 09:01 Uhr

    Liebe Frau Gmeiner-Schicker,
    vielen Dank für Ihren Hinweis - Sie haben natürlich völlig Recht, wenn Sie stutzig werden. Hier ist uns ein Fehler unterlaufen, es handelt sich nicht um einen Impfstoff gegen Influenza, sondern gegen Haemophilus influenzae Typ b (Hib). Wir haben dies in der Bildunterschrift richtig gestellt.
    Viele Grüße
    Wiebke Eckau
    UNICEF-Infoservice

  • 03. September 2018 18:06 Uhr

    Ich bin ehrenamtliche Mitarbeiterin der UNICEF-Arbeitsgruppe Stuttgart und kann nur sagen, dass dieser Bericht hervorragend ausgearbeitet und gestaltet ist. Alles ist gut verständlich, so dass ich diese Informationen verständlich an Interessierte rüber bringen kann. Vielen Dank und Gruß
    Christa Bosch

  • 03. September 2018 17:12 Uhr

    Bei den Impfungen fällt mir auf ( ich bin Ärztin) : Influenza- Impfung???? für Kinder ??!!!
    Wo wird das denn geimpft?
    Für eine kompetente Antwort wäre ich dankbar!
    Herzlich, Uli Gmeiner-Schicker

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