Pressemitteilung

„Die Welt tut nicht genug, um Kinder vor der Klimakrise zu schützen“

UNICEF zur Klimakonferenz COP27 in Ägypten

Köln

Vor der am Sonntag beginnenden 27. UN-Klimakonferenz in Sharm El Sheikh (Ägypten) ruft UNICEF Regierungen weltweit dazu auf, umfassende Maßnahmen zu ergreifen, um alle Kinder vor der Klimakrise zu schützen. Mädchen und Jungen müssen dringend auf ein Leben in einer bereits jetzt durch den Klimawandel veränderten Welt vorbereitet und geschützt werden. Nach dem Klima-Risiko-Index von UNICEF ist schon heute fast jedes Kind von mindestens einem Klimarisikofaktor wie zum Beispiel Wasserknappheit, Luftverschmutzung, Hitzewellen, Zyklone oder Überschwemmungen betroffen. Eine Milliarde Kinder sind extrem stark gefährdet – besonders in den ärmsten Ländern.

Südsudan: Ein Junge steht knietief im Wasser und schaut frontal in die Kamera.

Der 12-jährige Alekiir Deng Lueth musste mit seiner Familie sein Dorf in Jonglei State, Südsudan, verlassen, nachdem Überschwemmungen weite Teile der Region verwüstet hatten.


© UNICEF/UN0594312/Naftalin

Anlässlich der bevorstehenden Klimakonferenz (COP27) betont Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland: „Die Auswirkungen des Klimawandels und die Folgen der Umweltzerstörung liegen nicht irgendwann in der Zukunft. Sie sind längst eine lebensbedrohliche Realität für unzählige Kinder. Am Horn von Afrika leiden Millionen Kinder an Mangelernährung, weil es durch die schwerste Dürre seit 40 Jahren zu Ernteausfällen und Wasserknappheit kommt. Durch die aktuellen Überschwemmungen in Pakistan und Nigeria sowie die schweren Taifune auf den Philippinen sind Kinder besonders bedroht. Immer mehr Regionen leiden unter Hitzeextremen – dies erleben wir zunehmend auch bei uns in Deutschland.“

Zur Bewältigung der Klimakrise müssen laut UNICEF sofort entschlossene Maßnahmen ergriffen werden, um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Gleichzeitig muss die Anpassung an ein verändertes Klima mit vermehrten Wetterextremen wie Stürmen, Überschwemmungen oder Dürren vorangetrieben werden. Kinder und Jugendliche brauchen Bildung zu Klimafragen und Möglichkeiten, dazu gehört und beteiligt zu werden.

Christian Schneider weiter: „Die Welt tut nicht genug, um noch rechtzeitig die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden. Umso entscheidender ist der Ausgang der COP27. Regierungen müssen schon heute Kinder so stärken, dass sie in einer durch den Klimawandel veränderten Welt überleben und sich entwickeln können. Gleichzeitig muss alles dafür getan werden, die globale Erderwärmung zu begrenzen. Ohne sofortiges globales Handeln sind die Auswirkungen der Klimakrise, die wir heute erleben, nur Vorboten für weitaus schlimmere Katastrophen – und Kinder werden nicht ausreichend auf ihre Folgen vorbereitet sein.“  

Zur COP27 fordert UNICEF von Regierungen weltweit:

1. Jedes Kind vor der Klimakatastrophe schützen. Jedes Land muss lebensnotwendige Einrichtungen und Dienstleistungen für Kinder an die Auswirkungen des Klimawandels anpassen, unter anderem in den Bereichen Wasser, Sanitär und Hygiene sowie Gesundheit, Bildung, Ernährung, soziale Sicherung und Kinderschutz. Auf der COP27 müssen Kinder und ihre Rechte bei Entscheidungen über Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel vorrangig berücksichtigt werden.

2. Kinder auf ein Leben in einer durch den Klimawandel veränderten Welt vorbereiten. Jedes Land muss Bildung zum Klimawandel sicherstellen. Dazu gehört, dass Kinder und Jugendliche zur Katastrophenvorsorge geschult und ihnen Kenntnisse im Bereich Klima- und Umweltschutz vermittelt werden – und auch, dass junge Menschen, die Möglichkeit haben, sich zu beteiligen und Einfluss zu nehmen. Auf der COP27 müssen die Länder im Aktionsplan zur Umsetzung des Programms Action for Climate Empowerment (ACE) den Schwerpunkt auf die Klimabildung setzen. Der Aktionsplan sollte angenommen und frühere Zusagen zur Stärkung der Fähigkeiten von Jugendlichen umgesetzt werden, damit sie sich an der Bekämpfung der Klimakrise beteiligen können.

3. Kindern und Jugendlichen bei der Klimafinanzierung Vorrang einräumen. Die Industrieländer müssen ihre auf der COP26 getroffene Vereinbarung einhalten, die Mittel für Anpassungsmaßnahmen bis 2025 auf mindestens 40 Milliarden Dollar pro Jahr zu verdoppeln, um so bis 2030 mindestens 300 Milliarden Dollar pro Jahr hierfür bereitzustellen. Die Anpassungsfinanzierung muss die Hälfte der gesamten Klimafinanzierung ausmachen. Bei der COP27 müssen stärkere Investitionen in klimabedingte Verluste und Schäden (Loss and Damage) beschlossen werden, wobei die Widerstandsfähigkeit von Kindern und ihren Gemeinschaften im Mittelpunkt der Diskussionen stehen muss.

4. Treibhausgasemissionen drastisch reduzieren und das 1,5-Grad-Ziel einhalten. Denn dies ist die einzig langfristige Lösung, um noch drastischere Folgen des Klimawandels zu verhindern. Alle Regierungen müssen ihre nationalen Klimapläne und -strategien überarbeiten, sich ehrgeizigere Ziele setzen und deren Umsetzung vorantreiben. Die Emissionen müssen bis 2030 um mindestens 45 Prozent gesenkt werden, um die Erderwärmung auf höchstens 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.  

Hintergrund:

Die UN-Klimakonferenz (COP27) findet vom 6. bis 18. November 2022 in Ägypten statt. Bei der Konferenz der Vereinten Nationen kommen Regierungen und Entscheidungsträger*innen aus der ganzen Welt zusammen, um wirksame Klimaschutzmaßnahmen zu beschließen.

UNICEF nimmt mit einer Delegation, an der auch zahlreiche junge Klimaaktivist*innen mitarbeiten, an der COP27 teil und macht auf die Auswirkungen des Klimawandels auf die Rechte, das Leben und die Zukunft von Kindern aufmerksam und unterstützt Kinder und Jugendliche dabei, eine aktive Rolle in den Debatten einzunehmen.

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Jenifer Stolz (UNICEF/UNI286732/Chiolo)

Jenifer StolzReferentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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