© UNICEF/UN0889879/KarimiEine Gruppe Grundschulkinder in einem UNICEF-Lernzentrum.
Kinder weltweit

Wie ist es, jetzt in Afghanistan ein Kind zu sein?

Afghanistan ist einer der unsichersten Orte der Welt, um ein Kind zu sein. Wie ist es, in dem Land aufzuwachsen? Dieser Beitrag soll helfen, sich ein Stück weit in die Situation der Mädchen und Jungen hineinzufühlen.

7 Fakten über das Leben der Kinder in Afghanistan

Das Leben für Kinder in Afghanistan ist von vielen Herausforderungen geprägt: Millionen Kinder leiden an Mangelernährung, viele kämpfen ums Überleben, Armut ist weit verbreitet, die medizinische Versorgung schlecht und die Perspektiven auf ein selbstbestimmtes Leben stark begrenzt. Seit 2021 werden die Rechte besonders von Mädchen und Frauen immer mehr eingeschränkt. Mädchen dürfen ab der siebten Klasse nicht mehr zur Schule gehen, die allermeisten Frauen dürfen nicht arbeiten.

Afghanistan heute: Die aktuelle Lage in Afghanistan

Die humanitäre Lage ist verheerend. Ein Großteil der Menschen in Afghanistan lebt in Armut. Die Kürzungen der humanitären Hilfsgelder haben die Lage vor Ort in den letzten Monaten zusätzlich verschärft. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung – etwa 22 Millionen Menschen – ist auf humanitäre Hilfe angewiesen, davon knapp zwölf Millionen Kinder.

Für viele Kinder ist das Leben dort nicht leicht. In ganz Afghanistan kämpfen die Kinder mit den Herausforderungen, die ihnen Tag für Tag bevorstehen. Statt zur Schule zu gehen müssen sie im Haushalt helfen. Viele Familien sind so arm, dass sie sich keine Lernmaterialien, Hygieneartikel oder ausreichend Lebensmittel leisten können. Auch die grundlegende Versorgung ist schlecht: Stundenlang sind manche Kinder unterwegs, um sauberes Wasser zu finden.

Wir von UNICEF sorgen gemeinsam mit Partnern dafür, dass Kinder so unbeschwert wie nur möglich aufwachsen können. Kein Kind sollte in Angst und Sorge groß werden. Wir helfen mit Spezialnahrung zur Behandlung gegen Mangelernährung. Wir richten kinderfreundliche Zentren ein, in denen Kinder psychosozial betreut werden. Wir unterstützen auch bei der medizinischen Versorgung – im ganzen Land.

Kindheit in Afghanistan: Asiya (6) and Sumaya, (7) stehen vor einem UNICEF-Zelt und waschen sich die Hände mit sauberem Wasser.

Asiya (6) und Sumaya (7) haben wegen eines verheerenden Erdbebens ihr Zuhause verloren Mit ihren Familien leben sie in einer Notunterkunft im Osten Afghanistans. UNICEF unterstützt die Familien dort zum Beispiel mit sauberen Wasser zum Trinken, Kochen und Händewaschen. Wir sorgen auch für sanitäre Anlagen und Hygieneartikel. 

© UNICEF/UNI1008604/Meerzad

Wie sieht der Alltag für ein Kind in Afghanistan konkret aus? In diesem Beitrag versuchen wir, uns der Antwort auf diese Frage anzunähern. Dazu haben wir sieben Fakten für Sie gesammelt.

1. Armut in Afghanistan: Viele Kinder müssen hungern

Für ein Kind in Afghanistan ist es sehr wahrscheinlich, dass es heute nicht satt wird. Und morgen auch nicht, genauso wenig übermorgen. Die Nachwirkungen eines langwierigen Konflikts, die instabile wirtschaftliche Lage und verheerende Naturkatastrophen haben dazu geführt, dass 2026 etwa 17 Millionen Menschen im Land von Ernährungsarmut betroffen sind. Das heißt, dass Kinder keinen Zugang zu einer für ihr Wachstum und ihre Entwicklung notwendigen Vielfalt an Lebensmitteln haben. Eltern sind finanziell oft nicht in der Lage, ihre Kinder ausgewogen zu ernähren. Verschärft wurde die Ernährungssituation zum Beispiel durch schwere Naturkatastrophen, wie Dürre und Erdbeben. Es gab manchmal kaum Wasser, die Ernten fielen ungenügend aus.

Afghanistan kämpft heute mit einer schwere Ernährungskrise. Laut UNICEF-Schätzungen sind etwa 3,7 Millionen Kinder akut mangelernährt. Für Kinder wird der Hunger besonders schnell lebensbedrohlich. Sie könnten sterben, wenn ihnen nicht schnell geholfen wird.

Eine Schwierigkeit dabei stellt das sehr fragile Gesundheitssystem dar. In einem funktionierenden System gäbe es ausreichend Kliniken und Ärzt*innen, die Mangelernährung bei Kindern behandeln würden. Doch in Afghanistan braucht es Hilfsorganisationen wie UNICEF, um die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zu sichern. Eines von vielen Problemen sind auch die gestiegenen Energiepreise. Dadurch wird es für Krankenhäuser schwieriger, Stromgeneratoren weiter zu betreiben.

Wir von UNICEF helfen mangelernährten Kindern mit Spezialnahrung wie Erdnusspaste. Durch die Behandlung geht es den meisten Kindern innerhalb von sechs Wochen deutlich besser. Die Teams vor Ort sorgen außerdem für Beratungsangebote für Eltern, in denen sie erfahren, wie sie Kinder mit den wenigen verfügbaren Nahrungsmitteln ausgewogen ernähren können.

Afghanistan: Zwei Kinder essen gemeinsam zu Mittag.

Die beiden Geschwister Bin Yamin (links, 3) und Azar (rechts, 2) probieren das Essen, das sie gemeinsam mit ihrer Mutter in einer UNICEF-Schulung gekocht haben. Wegen der Nahrungsmittelknappheit unterstützt UNICEF Eltern dabei, ihre Kinder mit den verfügbaren Lebensmitteln ausgewogen zu ernähren. 

© UNICEF/UNI827357/

2. Schule? Nicht für ältere Mädchen in Afghanistan

Ende März 2022 entschied die de facto Regierung in Afghanistan, dass Mädchen ab der siebten Klasse nicht mehr zur Schule gehen dürfen. Afghanistan ist weltweit das einzige Land, in dem Mädchen nach der Grundschule vom Bildungssystem ausgeschlossen werden. Mehr als 2,6 Millionen Mädchen sind von dem Verbot betroffen.

Afghanistan: Grundschulkinder freuen sich über ihre neuen Schulrucksäcke.

Eine Schulklasse in Afghanistan freut sich über die neuen Schulhefte, Stifte, Radiergummis, Buntstifte und die neuen Schulrucksäcke. Bis zur sechsten Klasse dürfen Mädchen und Jungen am Unterricht teilnehmen, ab der siebten Klasse ist es Mädchen untersagt zur Schule zu gehen. 

© UNICEF/UNI831862/Khan

Schon vor dem Machtwechsel gingen in Afghanistan vier Millionen Kinder nicht zur Schule, drei von fünf von ihnen Mädchen. Durch das Schulbesuch-Verbot für ältere Mädchen ist die Zahl weiter gestiegen.

UNICEF setzt sich in Afghanistan dafür ein, Kindern Schulbildung zu ermöglichen. Zum Beispiel verteilen wir Lernmaterialien an Schüler*innen, deren Eltern sich sonst keine Stifte, Hefte oder Bücher leisten könnten. Außerdem unterstützen wir gemeindebasierte Schulen und bieten Fortbildungen für Lehrer*innen an. Auch die UNICEF-Bildungsinitiative "Let us Learn" fördert die Bildung der Kinder in Afghanistan.

3. Afghanistan erlebt oft schwere Naturkatastrophen

Naturkatastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen oder Dürren verschärfen die Not vieler Menschen im Land und bringen Kinder in akute Gefahr. Bei schweren Naturkatastrophen verlieren Familien oft ihr Zuhause und werden von wichtiger Grundversorgung abgeschnitten.

Nachdem das Land bereits im Oktober 2023 von einem schweren Erdbeben erschüttert wurde, kam es Ende August 2025 erneut zu einem verheerenden Erdeben, bei dem Berichten zufolge Tausende Menschen getötet und verletzt wurden, darunter auch viele Kinder. Etwa 5.000 Häuser wurden teilweise oder vollständig zerstört. In den gebirgigen Regionen Afghanistans sind viele Häuser aus Lehm gebaut, wodurch Erdbeben schnell große Schäden anrichten können.

UNI859079

Aziza (6) starrt auf die Ruinen ihres Hauses in Ghazi Abad (Provinz Kunar), das beim Erdbeben im Osten Afghanistans zerstört wurde. UNICEF-Teams leisten Nothilfe im schwer zugänglichen Erdbebengebiet. 

© UNICEF/UNI859079/Meerzad

In Katastrophenfällen sind unsere Kolleg*innen vor Ort und versorgen betroffene Kinder und ihre Familien schnell mit dem Nötigsten. Unter anderem stellen wir Zelte bereit oder verteilen Medikamente, Wasser, Hygieneartikel und Decken.

4. Polio (Kinderlähmung) ist in Afghanistan eine reale Gefahr

Wussten Sie, dass der Typ 1 des wilden Polio-Erregers nur noch in zwei Ländern auf der Welt endemisch ist? Eines davon ist Afghanistan, das andere Pakistan.

Polio ist auch unter dem Namen Kinderlähmung bekannt. Die Krankheit wird durch ein Virus ausgelöst und ist hoch ansteckend. Es kann zu einer Lähmung der Arme, Beine und der Atmung und damit im schlimmsten Fall zum Tod kommen. Eine Impfung bietet einen guten Schutz. Allerdings erhalten leider längst nicht alle Kinder in Afghanistan ihre Grundimpfungen, zu denen auch Impfungen gegen Polio gehören würden. Die medizinische Versorgung vor Ort ist oft sehr schlecht, medizinische Praxen und Krankenhäuser völlig überlastet. Auch die Wege zur nächsten Arztpraxis sind in Teilen des Landes sehr weit.

Afghanistan: Ein mobiler Gesundheitshelfer sorgt für Impfungen.

Kurz bevor es losgeht, prüft Payenda Atayee (27) sein Motorrad. Um seine Schulter hängt bereits die Kühlbox mit den Impfdosen. Als mobiler Impfhelfer von UNICEF sorgt er im schwer zugänglichen Hochgebirge Afghanistans für lebenswichtige Impfungen, zum Beispiel gegen Polio. 

© UNICEF/UNI777842/Azizi

Wir von UNICEF führen regelmäßig Impfkampagnen durch und versuchen, so viele Kinder wie möglich gegen Polio zu impfen. Um möglichst viele Kinder zu erreichen und zu schützen, gehen mobile Teams von Tür zu Tür. Auch in den entlegensten Regionen des Landes.

5. Trinkwasser aus dem Hahn holen? Für viele Kinder in Afghanistan noch keine Option

Wenn ein Kind in Deutschland Durst hat oder sich die Hände waschen möchte, dreht es einfach den Hahn auf. Für Kinder in Afghanistan sieht die Situation anders aus. Viele Kinder in Afghanistan nehmen morgens einen oder zwei Kanister mit und machen sich auf den Weg, Trinkwasser zu holen. Oft laufen sie mehrere Kilometer und kommen erst am Abend wieder zurück.

Wiederkehrende Naturkatastrophen haben den Wassermangel im Land weiter verschärft. Viele Menschen trinken verschmutztes Wasser. Dabei ist sicheres Trinkwasser – ebenso wie eine Toilette und die Möglichkeit, sich zu waschen – essentiell für die Gesundheit von Kindern, und natürlich auch von Erwachsenen.

Wir von UNICEF sind im Einsatz, damit Familien sicheres Trinkwasser bekommen – ob über einen fest installierten Zugang, Wasser-Trucks oder mithilfe von Wasserreinigungstabletten.

Afghanistan: Kinder haben endlich in der Nähe ihres Zuhauses fließendes Wasser.

Hier gibt es Trinkwasser aus dem Hahn: In der Provinz Farah haben wir von UNICEF eine Wasserstation aufgestellt. Dort im Westen des Landes können die Kinder nun sauberes Wasser trinken.

© UNICEF/UNI755162/Khan

6. Kinder in Afghanistan erleben eiskalte Winter

Wussten Sie, dass es im Winter in Afghanistan bis zu -25 °C kalt wird? Und die Kälte kann sich über viele Wochen halten. Es fällt Schnee und die Temperaturen liegen nachts oft weit unter dem Gefrierpunkt.

Ein Junge steht im Schnee. Vor ihm stehen zwei UNICEF-Hilfspakete mit Winterkleidung.

Es ist Jamil anzusehen: Es ist eiskalt. Der Jugendliche lebt im Osten Afghanistans, in Nuristan. Dort wird es bis zu minus 20 Grad kalt. Allein im Januar und Februar 2026 sorgten wir von UNICEF im Osten des Landes für mehr als 4.000 Pakete mit Winterkleidung und mehr als 10.000 warme Decken. Zwei Pakete erhielt Jamil, der endlich mit warmer Kleidung durch den Winter kommt. 

© UNICEF/UNI947506/Fazel

Schon im Sommer ist es schlimm, wenn Kinder auf der Straße oder in Zelten übernachten müssen, weil ihre Häuser von den Naturkatastrophen zerstört wurden. Doch im Winter wird es dort zusätzlich eiskalt. Und auch wer ein Zuhause hat, ist oft nur wenig besser dran. Viele Familien sind arm und haben kein Geld für eine Heizung oder für warme Kleidung. Viele Kinder werden krank. Auch die Gefahr, dass Kinder erfrieren oder lebensbedrohlich erkranken, wie an einer Lungerentzündung, ist real.

Die Kinder brauchen im Winter dringend wärmende Kleidung und Schuhe, Decken – und vor allem eine feste, warme Unterkunft. Mit der Unterstützung der Spender*innen aus Deutschland können wir Decken und Winterkleidung an die Familien verteilen. Auch unterstützen wir Mütter mit Bargeldhilfen, damit sie für ihre Familien das Nötigste zum Überleben kaufen können.

7. Viele Kinder mussten ihr Zuhause verlassen

„Wir wissen nicht, wo wir heute schlafen“, berichtet ein Vater an einem Grenzübergang. Er ist mit seiner Familie aus dem Iran nach Afghanistan zurückgekehrt.

Kindheit Afghanistan: Immer mehr Menschen fliehen zurück nach Afghanistan.

Amir Ali (5) und Baran (3) sind an der Grenze zu Afghanistan angekommen. Ihr Vater erzählt, dass sie zwei Tage aus dem Iran unterwegs waren. Den Kindern haben die Strapazen der Reise extrem zugesetzt. UNICEF ist an dem Grenzübergang im Einsatz und sorgt zum Beispiel für medizinische Versorgung. 

© UNICEF/UNI826867/Khayyam

Die Familie hatte vor einigen Jahren den Osten Afghanistans verlassen. In ihrer Heimat sahen die Eltern damals keine selbstbestimmte Zukunft mehr. Viele Menschen haben Afghanistan in den vergangenen Jahren verlassen – in der Hoffnung, außerhalb des Landes eine sichere und stabile Zukunft für ihre Kinder aufbauen zu können. Doch nun sind aufgrund der politischen Entwicklungen in den Nachbarländern Pakistan und Iran immer mehr Menschen gezwungen, nach Afghanistan zurückzukehren.

Etwa 6,6 Millionen Afghaninnen und Afghanen sind seit September 2023 zurück nach Afghanistan gekehrt. Erneut müssen sie ihre Freund*innen, ihre Schulkamerad*innen, ihr Zuhause zurücklassen. Die Eltern müssen sich Jobs in einem Land suchen, in dem es kaum Arbeit gibt. „Wir brauchen eine Unterkunft. Wasser, etwas zu essen und medizinische Hilfe. Wir gehen zurück nach Ghazni, aber wir haben dort kein Zuhause mehr", erklärt der Vater von Amir Ali (5) und Baran (3).

UNICEF hat den Einsatz an den Grenzübergängen verstärkt, um zum Beispiel geschwächte Kinder medizinisch zu versorgen, und versorgt die Familien mit dem Nötigsten, zum Beispiel Trinkwasser, Hygieneartikeln oder sanitären Einrichtungen.

Kindheit in Afghanistan: Murtaza zeigt Ihnen, wie er lebt

Nach all diesen Fakten möchten wir noch dieses Video mit Ihnen teilen: Der elfjährige Murtaza nimmt Sie mit in sein Dorf in einer abgelegenen Bergregion und zeigt Ihnen, wie er und seine Familie dort leben (Video in englischer Sprache).

 So unterstützen Sie mit einer Spende Kinder in Afghanistan

Die Mädchen und Jungen in Afghanistan brauchen uns in der aktuellen Lage mehr denn je. Die gute Nachricht ist: Hilfe für die ärmsten Kinder ist möglich! Wir von UNICEF sind seit Jahrzehnten in Afghanistan für die Kinder im Einsatz. Seit der Machtübernahme der Taliban haben wir gemeinsam mit unseren Partnern die Hilfe enorm ausgeweitet.

Vor allem angesichts der verbreiteten Armut und der sich verschärfenden Hungerkrise, aber auch mit Blick auf den Schutz der Kinderrechte muss diese Hilfe weitergehen. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung. Helfen Sie den Kindern mit Ihrer Spende. Wir setzen sie zum Beispiel für die folgenden Hilfsgüter ein, die aktuell besonders benötigt werden. Jeder Beitrag hilft. Vielen Dank!

Häufige Fragen und Antworten zum Leben der Kinder in Afghanistan

Laura Sandgathe, Stefanie Hack und Sandra Redegeld haben diesen Beitrag gemeinsam verfasst. Der Artikel erschien bereits zu einem früheren Zeitpunkt erstmalig und wird von unseren Autorinnen regelmäßig mit neuen Zahlen und Geschichten aktualisiert.

Autor*in Laura Koch

Laura Koch ist Online-Redakteurin und Chefin vom Dienst. Sie bloggt über die UNICEF-Arbeit weltweit – über Kinder, Helfer*innen und die Projekte, in denen sie einander treffen.