
Wie ist es, jetzt in Gaza ein Kind zu sein?
Nach rund drei Jahren Krieg sind die Zerstörung und Not in Gaza unvorstellbar. Es mangelt an Lebensmitteln, Trinkwasser und medizinischer Versorgung. Von ihrem Zuhause finden Familien oft nur Trümmer wieder. In diesem Blog versuchen wir zu beschreiben, was es für ein Kind bedeutet, gerade in Gaza aufzuwachsen.
von Laura Koch, Lilian Sekkai und Susanne Stocker
Die aktuelle Lage der Kinder im Gazastreifen
Mehr als zwei Jahre Gewalt, Zerstörung und Flucht haben zu unvorstellbarem Leid bei den Kindern in Gaza geführt. Berichten zufolge wurden von Oktober 2023 bis Ende Juni 2026 mindestens 66.700 Kinder getötet oder verletzt (Stand August 2026). Das bedeutet unter anderem auch: Obgleich seit Oktober 2025 offiziell eine Waffenruhe gilt, werden weiter Kinder im Gazastreifen getötet. Zehntausende Kinder haben einen oder beide Elternteile verloren. Die Gewalt hat sie gezwungen, aus ihrem Zuhause zu fliehen – oft mehrfach.
Die Waffenruhe hat es geflüchteten Familien ermöglicht, nach Hause zurückzukehren. Doch viele stehen vor dem Nichts. Wo einst ihr Haus stand, finden sie meist nur noch Schutt und Asche wieder. Neun von zehn Häusern in Gaza wurden im Krieg beschädigt oder zerstört.

Ein Mädchen steht vor einer provisorischen Zeltunterkunft.
© UNICEF/UNI521729/El BabaSeit der Waffenruhe haben wir unsere Hilfe für die Kinder verstärkt. Doch die humanitäre Lage ist katastrophal. Durch den Krieg ist die Grundversorgung zusammengebrochen. Es gibt nicht genügend Lebensmittel, Krankenhäuser sind zerstört und Zehntausende Menschen leben in Flüchtlingscamps unter prekären Bedingungen.
Die Kinder sind traumatisiert und erschöpft und es wird ein langer Weg für sie, in eine normale Kindheit zurückzufinden. UNICEF steht weiter an der Seite der Kinder.
+++ Auf unserer Projektseite halten wir Sie über die aktuelle Lage der Kinder in Gaza und die konkrete UNICEF-Nothilfe auf dem Laufenden. +++
Wie ist es, jetzt in Gaza ein Kind zu sein? In diesem Beitrag versuchen wir, uns der Situation der Kinder in neun Fakten anzunähern. Doch zuerst:
Wie viele Kinder gibt es in Gaza?
Im Gazastreifen leben etwa 2,1 Millionen Menschen. Davon sind etwas mehr als die Hälfte Kinder, nämlich 1,1 Millionen.
Wie viele Kinder sind in Gaza gestorben?
Berichten zufolge wurden von Oktober 2023 bis Ende Juni 2026 mindestens 66.700 Kinder getötet oder verletzt (Stand August 2026). Und auch während der derzeit offiziell geltenden Waffenruhe werden weiter Kinder bei Angriffen getötet oder verletzt. Berichte gehen davon aus, dass seit Beginn der Waffenruhe bis Anfang August 2026 300 Kinder getötet wurden – das entspricht durchschnittlich einem Kind pro Tag.
Etwa 25 Prozent der verletzten Kinder werden wahrscheinlich lebensverändernde Verletzungen davontragen. Weltweit gibt es nirgendwo so viele Amputationen pro Person bei Kindern wie im Gazastreifen. Kinder, die schwer verletzt sind, erhalten oft nicht die benötigte Behandlung, weil 95 Prozent der Krankenhäuser beschädigt oder zerstört wurden.
Auch der Mangel an Trinkwasser und Nahrungsmitteln hat dazu geführt, dass Kinder gestorben sind. Im August 2025 wurde im Bezirk Gaza eine Hungersnot festgestellt. Dutzende Kinder starben an den Folgen von Mangelernährung. Die Hungersnot wurde inzwischen zurückgedrängt, doch weiterhin haben Tausende Kinder keinen ausreichenden Zugang zu Lebensmitteln.

Mit einem Maßband wird untersucht, ob dieses Kind mangelernährt ist.
© UNICEF/UNI856416/NateelDurch die Waffenruhe hat sich die humanitäre Situation leicht verbessert. Doch die Unterstützung für die Kinder muss dringend weiter verstärkt und der uneingeschränkte Zugang für humanitäre Hilfe ermöglicht werden. Kinder und Familien leben unter katastrophalen hygienischen Bedingungen und sind enormen gesundheitlichen und umweltbedingten Risiken ausgesetzt. Strenge Einfuhrbeschränkungen – beispielsweise auf Ersatzteile, um die Wasserinfrastruktur zu reparieren – erschweren die Arbeit der Hilfskräfte.
Unsere Kolleg*innen im Gazastreifen kümmern sich seit der Waffenruhe mit Hochdruck darum, mangelernährte Kinder zu behandeln und die Wasserversorgung im Gazastreifen sicherzustellen. Gleichzeitig steht die Verbesserung der Hygiene- und Gesundheitsversorgung im Fokus. Durch ein großes Bildungsprojekt konnten von Januar bis Juni 2026 schon über 260.000 Kinder endlich wieder lernen und eine Perspektive für ihre Zukunft erhalten. Und das Projekt geht weiter: Wir tun alles, um noch mehr Kindern in Gaza eine Chance auf Bildung zu geben.
Übrigens: Auch im Westjordanland hat die Gewalt dramatisch zugenommen. Im Blog "Aufwachsen im Westjordanland" schildern wir die Lage der Kinder dort.
9 Fakten über das Leben der Kinder in Gaza
1. Tausende Kinder im Gazastreifen sind mangelernährt
Monatelang haben zu wenige Nahrungsmittel die Menschen in Gaza erreicht. Eltern wussten nicht wie sie ihre Kinder mit Essen versorgen sollten. Im August 2025 hatten die unabhängigen Expert*innen der IPC* eine Hungersnot in einem Gebiet in Gaza festgestellt. Dass diese höchste Stufe des Hungers festgestellt wird, ist extrem selten. Nie zuvor gab es im Nahen Osten so eine Situation.
+++ *IPC steht für "Integrated Food Security Phase Classification". Expert*innen analysieren die Ernährungssituation in Ländern und Regionen und ordnen sie in Klassen ein. Sie möchten mehr erfahren? In diesem Artikel erklären wir die IPC und auch Begriffe wie "Hungersnot" genauer. +++
Durch die Waffenruhe und die Ausweitung der humanitären Hilfe konnte die Hungersnot zurückgedrängt werden. Dennoch leiden etwa zwei Drittel der Bevölkerung Hunger. Eine Analyse aus August 2026 zeigt, dass die Situation in der Region komplex und äußerst fragil ist: Die akute Mangelernährung bei Kindern unter fünf Jahren ist zwar derzeit gering, dennoch sind 74.000 Kinder von Mangelernährung bedroht. Ein weiteres Problem ist die hohe Rate der chronischen Mangelernährung bei Kindern. Diese verursacht Wachstumsverzögerungen und kann lebenslange Folgen haben. Auch ist die Ernährung häufig nicht altersgerecht, ungesund oder von geringer Qualität, was zu Krankheiten und sogar Übergewicht führen kann.
Die Ernährungssituation für Kinder kann nur nachhaltig verbessert werden, wenn dauerhaft humanitäre Hilfe in den Gazastreifen gelangt, ausreichend Finanzierung vorhanden ist und die Märkte wieder funktionieren. Um sowohl akute als auch chronische Mangelernährung zurückzudrängen, benötigen Kinder sauberes Wasser, abwechslungsreiche und nahrhafte Lebensmittel sowie medizinische Versorgung.
Überall im Gazastreifen arbeiten wir von UNICEF daran, mangelernährte Kinder zu identifizieren und mit Spezialnahrung zu behandeln. Im ersten Halbjahr 2026 konnten wir mehr als 220.000 Kinder unter fünf Jahren auf Mangelernährung untersuchen und über 19.000 dagegen behandeln.

Saja Khas und ihre Tochter haben nahrhafte Kekse bekommen. UNICEF hilft im Gazastreifen bei der Verteilung von Spezialnahrung für Kinder und Schwangere, um Mangelernährung zu bekämpfen.
© UNICEF/UN0886769/El Baba2. Viele Kinder im Gazastreifen haben ihr Zuhause durch Zerstörung und Flucht verloren
Dunkle Höhlen, wo Fenster waren. Rußbedeckter Stein. Einsturzgefährdete Decken. Das Gebäude, das Sie unten auf dem ersten Bild sehen, steht im Osten von Gaza-Stadt. Es war ein Wohnhaus. Ein Zuhause. Und auch das kaputte Zelt im zweiten Bild war das Zuhause einer Familie. Obwohl Rida und ihre Familie nur vorübergehend im Zelt leben wollten, bot es doch Schutz, ein Dach über dem Kopf. Wohnen kann man darin nun nicht mehr. Durch die Bombardierungen sind neun von zehn Häuser in Gaza beschädigt oder zerstört worden. Und auch Zelte in den Flüchtlingslagern werden immer wieder getroffen.

Bild 1 von 2 | Ein Junge fährt auf seinem Fahrrad an einem völlig zerstörten Wohnhaus vorbei.
© UNICEF/UNI488793/Al-Qattaa
Bild 2 von 2 | Rida (10) überprüft ihr kaputtes Zelt, nachdem mehrere Zelte von einem Luftangriff getroffen und viele zerstört wurden.
© UNICEF/UNI799066/El Baba
Über 1,9 Millionen Menschen – 90 Prozent der Bevölkerung – wurden während des Krieges vertrieben. Die notdürftigen Zeltstädte, in die sie geflüchtet sind, bieten oft keine Sicherheit und können bei Angriffen getroffen werden. Seit der im Oktober 2025 vereinbarten Waffenruhe kehren Familien zwar an die Orte zurück, die einst ihr Zuhause waren – finden dort aber meist nur Trümmer vor. Noch immer sind etwa 1,7 Millionen Menschen vertrieben, davon 800.000 Kinder. Sie leben in rund 1.600 Camps, meist überfüllte Zeltsiedlungen mit katastrophalen hygienischen Zuständen.
Wie ist es, als Kind sein Zuhause, sein Spielzeug, sein Kinderzimmer, seinen Rückzugsort zu verlieren? Wir können nur versuchen, es nachzuempfinden. Die Waffenruhe als erster Schritt des Friedensplans ließ Kinder und Familien hoffen. Doch sind Familien mittlerweile auf etwa ein Drittel des ursprünglichen Gebietes des Gazastreifens zurückgedrängt. Die Sicherheitslage ist sehr fragil, insbesondere entlang der sogenannten Gelben Linie, der militärischen Grenze. Müll, Exkremente und Schutt türmen sich in den Straßen und verseuchen den Lebensraum der Familien, Ratten und anderes Ungeziefer breiten sich rasant aus, Krankheiten wie Durchfall nehmen zu.
Es braucht umfassende humanitäre Hilfe und einen dauerhaften Frieden, um der immensen Zerstörung und dem dadurch verursachten Leid zu begegnen. Der Zugang zum Gazastreifen und in alle Gebiete muss für die humanitären Hilfskräfte sicher und ungehindert möglich sein – um Kindern wieder ein würdevolles Leben in einem sicheren Zuhause zu ermöglichen.
Krieg bedroht Kinder heute in einem alarmierenden, nie dagewesenen Maß: 2025 haben die Vereinten Nationen in Kriegs- und Konfliktgebieten so viele schwere Kinderrechtsverletzungen verzeichnet wie nie zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg.
In unserem Blog widmen wir uns immer wieder der Situation von Kindern im Krieg und blicken auf die für Kinder gefährlichsten Orte. Doch wir zeigen auch, wie wir von UNICEF dank unserer Unterstützer*innen Kindern wirksam helfen können. Lesen Sie zum Beispiel, wie es ist, jetzt Kind in der Ukraine oder im Sudan zu sein oder wie ehemalige Kindersoldaten und Kindersoldatinnen mit UNICEF-Hilfsprogrammen eine neue Chance im Leben bekommen.
Auf unserer Webseite finden Sie auch weitere, übergreifende Informationen zum Thema Kindheit im Krieg.
3. Zehntausende Kinder wurden getötet oder verletzt
Der 13-jährige Nedal war auf der Suche nach Feuerholz für seine Familie, als ihm in den Kopf geschossen wurde. Er verlor einen großen Teil seines Kopfes und hat nun Schwierigkeiten zu sprechen – es ist ein Wunder, dass er überhaupt noch lebt. Mit seiner Familie wohnt er in einem windigen Zelt am Meer und bräuchte dringend eine Behandlung außerhalb des Gazastreifens.

Nedal (13) mit seiner Mutter Waffa in Chan Yunis. Durch finanzielle Unterstützung von UNICEF kann sie die Fahrten ins Krankenhaus bezahlen und etwas Essen für ihren Sohn kaufen.
© UNICEF/UNI959783/BaDie Geschichte von Nedal steht für viele Kinder, die Opfer von Angriffen im Gazastreifen wurden. Viele Mädchen und Jungen haben Gliedmaßen verloren, andere erlitten schwere Verbrennungen. Tausende Kinder verloren während des Krieges ihr Leben. Und noch immer sterben Kinder.
Berichten zufolge wurden von Oktober 2023 bis Ende Juni 2026 mindestens 66.700 Kinder getötet oder verletzt (Stand August 2026). Laut dem Jahresbericht des UN-Generalsekretärs über Kinder in bewaffneten Konflikten wurden allein im vergangenen Jahr, also 2025, mehr als 12.400 schwere Kinderrechtsverletzungen in Israel und Palästina dokumentiert – so viele wie in keiner anderen Region weltweit und 45 Prozent mehr als noch 2024.
4. Die Trinkwasserversorgung bleibt kritisch
Im Gazastreifen wird Wasser normalerweise aus dem Mittelmeer in Entsalzungsanlagen zu Trinkwasser aufbereitet. Doch weil es monatelang kaum noch Treibstoff oder Strom gab, konnten die Anlagen nicht mehr wie früher betrieben werden. Ebenfalls weil Treibstoff und Strom fehlten, konnte das Wasser nicht mehr durch die Leitungen zu den Menschen gepumpt werden. Rund 90 Prozent der Wasser- und Sanitärinfrastruktur wurde zerstört oder beschädigt. Aufgrund des Trinkwassermangels mussten Kinder salziges oder verschmutztes Wasser trinken.

Bild 1 von 3 | Unsere Kolleg*innen in Gaza treffen auf den Straßen immer wieder Kinder, die leere Kanister tragen. Sie sind auf der Suche nach Trinkwasser, mit dem sie ihre Kanister füllen können.
© UNICEF/UNI820849/
Bild 2 von 3 | Durch Wasserlieferungen in Flüchtlingscamps erhalten Kinder und Familien sicheren und leichteren Zugang zu sauberem Trinkwasser.
© UNICEF/UNI966212/Eleyan
Bild 3 von 3 | Wie hier in Gaza-Stadt unterstützt UNICEF bei der Instandsetzung von Wasserquellen für die Bevölkerung.
© UNICEF/UN0906365/Ba
Dass Trinkwasser lebenswichtig ist, liegt auf der Hand. Wenn Kinder verschmutztes Wasser trinken, werden sie schnell krank. Durchfall beispielsweise kann vor allem für kleine Kinder schnell lebensgefährlich werden, wenn ihr Körper austrocknet und die Flüssigkeit nicht ersetzt werden kann – ein Teufelskreis.
Seit die erste Phase des Friedensplans in Kraft getreten war, setzten wir alles daran, die Trinkwasserversorgung für die Menschen im Gazastreifen wiederherzustellen. So reparierten wir Wasseraufbereitungsanlagen, zum Beispiel in Gaza-Stadt. Diese sind überlebenswichtig, denn auch das Grundwasser in Gaza ist nicht trinkbar. Wo die Infrastruktur noch nicht wiederhergestellt ist, bringen wir Trinkwasser mit Lkw zu den Menschen. Doch die Arbeit wird erschwert, da wesentliche Güter noch immer nicht eingeführt werden dürfen, und zudem Anlagen und Wassertransporte wiederholt von Angriffen getroffen wurden.
Bis zu 70 Prozent der Menschen im Gazastreifen haben nicht einmal sechs Liter Wasser pro Tag zur Verfügung (Stand Mitte Juli 2026). Der sichere Zugang zu Wasser und sanitären Einrichtungen ist jedoch entscheidend für die Prävention von Krankheitsausbrüchen. Das gilt das ganze Jahr über. Im November und Dezember 2025 etwa kam es zu starkem Regen und Überschwemmungen. Letztere können zu verschmutztem Trinkwasser führen, was den Ausbruch von Krankheiten wie Cholera wahrscheinlicher macht.
Trotz aller Herausforderungen konnten wir von UNICEF in den ersten sechs Monaten von 2026 über eine Million Menschen, davon 470.000 Kinder, mit Trinkwasser versorgen und über 500.000 Menschen den Zugang zu sanitären Diensten ermöglichen.
5. Schulen sind entweder zerstört oder werden als Notunterkünfte gebraucht
Die Tafel ist noch da. Aber Unterricht gibt es hier nicht mehr. Der Klassenraum in der Stadt Rafah, in dem die Kinder auf dem Foto unten spielen, ist wie die gesamte Schule zu einer Notunterkunft umfunktioniert worden. Jetzt sitzen hier keine Kinder mehr am Schreibtisch und hören ihrer Lehrerin zu. Jetzt schlafen, kochen, leben hier zahlreiche Familien, die aus ihrem Zuhause vertrieben wurden.

Unterricht gibt es in diesem Klassenzimmer nicht mehr: Die Schule dient als Notunterkunft für geflüchtete Familien.
© UNICEF/UNI488854/El BabaSeit dem 7. Oktober 2023 sind alle Schulen in Gaza geschlossen. Immer wieder wurden Schulen beschädigt oder zerstört, nach Schätzungen betrifft dies mehr als 97 Prozent aller Schulgebäude. Mehr als 93 Prozent benötigen sogar entweder eine umfassende Sanierung oder einen kompletten Wiederaufbau (Stand Mai 2026).
Seit der Waffenruhe setzten wir alles daran, die Bildungsangebote für Kinder wieder auszubauen. Dazu bauen wir unsere temporären Lernzentren weiter aus, um den Unterricht für alle über 650.000 schulpflichtigen Kinder in Gaza möglichst schnell wieder zu ermöglichen, bringen aber auch Materialien wie Bleistifte und Hefte in die Region, da es oft selbst daran fehlt. Im Januar 2026 haben wir die Initiative "Back to Learning" ins Leben gerufen und konnten im ersten Halbjahr 2026 über 265.000 Kinder in 173 Lernzentren mit Bildungsangeboten und psychosozialer Unterstützung erreichen.

Wir weiten unser Netzwerk von Lernzentren aus – damit Kinder wie Ibrahim (10) nach zweijähriger Pause wieder lernen können.
© UNICEF/UNI935359/Nateel
Lama (16) mit ihren Klassenkameradinnen in einem provisorischen Klassenzimmer, das UNICEF und Partner in Deir al-Balah eingerichtet haben.
© UNICEF/UNI935361/UNICEF State of Palestine
Jana (13): "Es ist schwierig, mit dem Rollstuhl zur Schule zu kommen. Ich wünsche mir, dass ich eines Tages einen guten Rollstuhl bekomme."
© UNICEF/UNI926385/Eleyan
Früher hatte Lana (10) in der Schule nur Einsen. Doch während des Kriegs musste sie flüchten. Jetzt ist sie endlich wieder Teil einer Klasse.
© UNICEF/UNI935360/Nateel
Jana (17) bereitet sich auf die Schulprüfungen vor. In dem Flüchtlingscamp, in dem sie lebt, gab es Überschwemmungen. Jana versucht, ihre Bücher trocken zu halten.
© UNICEF/UNI935365/UNICEF State of Palestine
Im gesamten Gazastreifen - aber auch im Westjordanland - fanden zudem über den Sommer von UNICEF geförderte Aktivitäten statt: Mehr als 283.000 Kinder nahmen daran in den Lernzentren teil. Dort konnten sie spielen, lernen und Schulstoff aufholen. UNICEF stellte dafür Lern- und Spielmaterialien bereit, unterstützte Lehrkräfte und pädagogisches Personal. Das ist sehr wichtig für die psychische Gesundheit der Kinder und ihr Wohlbefinden – und auch für ihre Zukunft.
6. Das Wummern der Drohnen hat bei vielen Kindern seelische Wunden hinterlassen
„Wie 50 Donnerschläge in einem“: So beschrieb UNICEF-Sprecher James Elder die Geräusche der Drohnen, der Militärflugzeuge über Rafah in Gaza. Sie flogen fast ohne Unterbrechung. Ihr ohrenbetäubendes Dröhnen geht durch Mark und Bein. Im Video ist es zu hören (Video in englischer Sprache)*:
*Das Video wurde vor Beginn der Waffenruhe aufgenommen.
Die Kinder im Gazastreifen lebten monatelang mit diesen schrecklichen Geräuschen. Jeden Tag. Jede Nacht. Und mit jeder Drohne, mit jedem Flugzeug, das die Schallmauer durchbrach, brach auch die Angst vor einem Angriff herein. James Elder sagte: „Tausende Kinder hier sind bereits traumatisiert. Jedes Kind weiß: Drohnen werfen Bomben ab.“ Wir können nur erahnen, wie die Kinder mit diesem Trauma leben.
Und trotz der Waffenruhe kommen die Kinder nicht zur Ruhe und es gibt täglich Angriffe. „Ein Waffenstillstand, bei dem jeden Tag durchschnittlich ein Kind stirbt, versagt gegenüber den Kindern“, sagte Edouard Beigbeder, UNICEF-Regionaldirektor für den Nahen Osten und Nordafrika. „Während Hunderte weitere Kinder verletzt wurden, viele davon schwer, warten die Kinder in Gaza immer noch auf das Ende der Gewalt, das ihnen versprochen wurde.“
Fast neun von zehn Kindern, die von UNICEF befragt wurden, baten um psychologische Unterstützung. Über 91 Prozent gaben an, in ständiger Angst vor Bombardierungen zu leben – was den tiefgreifenden Bedarf an Hilfe für die psychische Gesundheit betont.
7. Kinder in Gaza können medizinisch nicht angemessen versorgt werden
Auf dem folgenden Bild sehen Sie Ghazal (4) mit ihren Eltern. Zu Beginn es Krieges wurde ihr Haus in Gaza-Stadt belagert. Das Mädchen verletzte sich am Fuß, aber wegen der Belagerung konnten seine Eltern es nicht ins Krankenhaus bringen. Im Nachbarhaus wohnte ein Arzt, der Ghazals Fuß schließlich ohne Betäubung operierte, um zumindest die Blutung zu stoppen. Nach mehreren Tagen kam Ghazal ins Nasser-Krankenhaus in Chan Yunis.

Ihre Eltern machen sich große Sorgen um Ghazal (4). Das Mädchen verletzte sich am Fuß und bekam erst viel zu spät medizinische Versorgung, weil sein Haus belagert wurde.
© UNICEF/UNI488719/ZaqoutDas Gesundheitssystem im Gazastreifen ist durch den Krieg vielerorts zusammengebrochen, es fehlt an Medikamenten und medizinischem Personal, viele Gesundheitseinrichtungen und 95 Prozent der Krankenhäuser sind zerstört oder beschädigt.
An dieser Stelle verzichten wir auf weitere Bilder, möchten aber auch die Geschichte von Abed teilen. Der Junge erzählte UNICEF-Mitarbeitenden vor Ort, wie er, nachdem er angeschossen worden war, eine Bauchoperation ohne ein einziges Schmerzmittel oder gar eine Betäubung aushalten musste. Er wünschte sich nur, dass die unerträglichen Schmerzen wieder aufhören.
Abed erlag am 17. Juni 2025 seinen Verletzungen. Es ist schrecklich, dass lebensnotwendige medizinische Güter aufgrund von Blockaden nicht rechtzeitig in den Gazastreifen gelangen konnten und Kinder wie Abed und viele weitere sterben mussten.
In der UN-Kinderrechtskonvention, die die Grundlage unserer Arbeit bei UNICEF ist, heißt es, dass jedes Kind das Recht auf "die notwendige ärztliche Hilfe und Gesundheitsfürsorge" hat.
Seit dem Beginn der Waffenruhe können wir wieder verstärkt Medikamente, Impfstoffe und weiteres medizinische Material in den Gazastreifen bringen, um Kinder und Familien mit Gesundheitsversorgung zu erreichen. Im ersten Halbjahr 2026 konnten wir so 487.000 Kinder und Frauen mit grundlegenden medizinischen Angeboten helfen. Mit einer breit angelegten Impfkampagne ist es uns gelungen über 36.000 Kinder unter drei Jahren mit Routineimpfungen zu erreichen. Etwas Hoffnung macht zudem, dass manche Gesundheitszentren wieder geöffnet haben.
Gleichzeitig beschleunigen die beengten und unhygienischen Lebensbedingungen, der Mangel an sauberem Wasser und die verseuchte Umwelt die Ausbreitung von beispielsweise Durchfall oder Hauterkrankungen. Ungefähr 4.000 Kinder müssten aus medizinischen Gründen dringend evakuiert werden (Stand August 2026).

UNICEF beliefert Krankenhäuser mit medizinischen Hilfsgütern, darunter Medikamente und Babyartikel für Neugeborene auf Intensivstationen sowie wichtige medizinische Geräte.
© UNICEF/UNI796303/El Baba8. Angst, Traurigkeit, Ohnmacht: Die Kinder erleben große psychische Belastung und Verlust
Das Mädchen weint hemmungslos. Es läuft mit seiner Familie, in den Händen trägt es den Käfig mit seinem Haustier, einem Vogel. Vor wenigen Augenblicken wurde das Nachbarhaus der Familie bei einem Luftangriff völlig zerstört. Die Familie zögerte nicht lange und floh.

Dieses Mädchen kann die Tränen nicht mehr zurückhalten. Sein Nachbarhaus wurde bei einem Luftangriff getroffen, die Familie ergriff in Panik die Flucht.
© UNICEF/UNI488859/El BabaIm Gesicht des Mädchens spiegeln sich Angst, Traurigkeit, Ohnmacht. Es kann die Tränen nicht mehr zurückhalten, sich nicht mehr beruhigen angesichts dessen, was passiert. Die psychischen Belastungen für die Kinder, die der Krieg mit sich gebracht hat, lassen sich kaum in Worte fassen.

Kinder nehmen an einem von UNICEF unterstützten Sommerprogramm teil. Mehr als 280.000 Kinder in ganz Gaza können durch dieses Programm lernen, spielen und erhalten psychosoziale Unterstützung.
© UNICEF/UN0912772/El BabaEs gehört zum Leben dazu, dass geliebte Menschen sterben. Doch viele Kinder in Gaza haben in den letzten Jahren so häufig den Verlust von geliebten Menschen erlebt, wie es kein Kind erleben sollte.
UNICEF-Sprecher James Elder hat im Gazastreifen Omar getroffen. Der Zwölfjährige hat miterlebt, wie seine Eltern und sein Zwillingsbruder Opfer eines Bombenangriffes wurden. Um sie nicht zu vergessen, wendet er einen herzzerreißenden Trick an (Video in englischer Sprache):
Die Kinder in Gaza benötigen fundierte psychologische Betreuung – die während des Krieges kaum möglich war. Seit der Waffenruhe haben wir von UNICEF vermehrt Spiel- und Betreuungsangebote für Kinder geschaffen, die einige kurze Momente von Leichtigkeit, von einer normalen Kindheit ermöglichen. In Lernzentren konnten wir Aktivitäten zur mentalen Gesundheit für fast 70.000 Kinder und über 17.000 Betreuungspersonen anbieten (Januar bis Juli 2026). Dies hat für uns höchste Priorität, um Kindern dringend benötigte Unterstützung zukommen zu lassen.
9. Extreme Witterungseinflüsse bedeuten für Kinder Lebensgefahr
Nach zwei Jahren Krieg, wiederholter Vertreibung und umfassender Zerstörung leben Tausende Kinder und ihre Familien in Gaza unter prekärsten Bedingungen. Obwohl viele wieder in ihre Heimatorte zurückgekehrt sind, leben sie dort noch immer unter Planen, in provisorischen Zelten oder stark beschädigten Gebäuden. Diese bieten keinen guten Schutz vor der Witterung, weder vor sommerlicher Hitze, noch vor Regen oder Kälte.
In den heißen Sommermonaten bei Temperaturen bis zu 40 Grad fällt das Atmen in den Zelten schwer, Staub und Müllgeruch brennen in den Augen. Ungeziefer breitet sich rasant aus. Für Kinder besteht das massive Risiko einer Dehydration, da nicht ausreichend Trinkwasser zur Verfügung steht. Und 70 Prozent der Menschen sind weiterhin auf die Lieferung von Wasser per Lkw angewesen.
Die Winter hingegen sind nass und bitterkalt. Im November und Dezember 2025 haben beispielsweise starke Regenfälle an vielen Orten im Gazastreifen zu Überschwemmungen geführt. Zeltdächer wurden heruntergerissen, Zelte überflutet, viele Kinder hatten keine trockene Kleidung mehr – mehrere Kinder starben aufgrund der extremen Wetterbedingungen. Unsere Kolleg*innen verteilten im Winter 2025/26 über 340.000 Sets mit Winterkleidung für Kinder und fast eine Million warme Decken. Mit Blick auf den kommenden Winter darf diese Unterstützung nicht nachlassen.

Mohammed (6) probiert seine neue Winterjacke an. Seine Mutter Hanna ist sehr glücklich über diese Unterstützung, da sie kein Geld hat, ihren Kindern Bekleidung für die kalten Temperaturen zu kaufen.
© UNICEF/UNI908996/El BabaWie hilft UNICEF Kindern in Gaza?
Die humanitäre Lage in Gaza ist weiterhin katastrophal. Lebensmittel, Trinkwasser, Medikamente, psychosoziale Hilfe – die Kinder brauchen dringend eine umfassende humanitäre Versorgung. Unsere Kolleg*innen waren während des Krieges unermüdlich im Einsatz und haben trotz großer Herausforderungen Kinder mit Hilfe erreicht.
Nun haben wir diese Hilfe ausgeweitet und bringen täglich zahlreiche Hilfsgüter in den Gazastreifen – darunter Spezialnahrung für mangelernährte Kinder, Medikamente, Hygienekits, Windeln, Zelte, Planen sowie Hilfsgüter zur gezielten Unterstützung von Kindern mit Behinderungen. Zudem arbeiten wir mit der "Back to Learning"-Initiative daran, dass alle Kinder in Gaza wieder Schulbildung erhalten, nachdem sie zwei Jahre und länger nicht zur Schule gehen konnten.
Dafür brauchen wir weiterhin Ihre Unterstützung. Helfen Sie den Kindern in Gaza mit Ihrer Spende. Wir versprechen: Jeder Beitrag kommt an und hilft. Vielen Dank!
So unterstützen Sie mit einer Spende Kinder im Gazastreifen
UNICEF verurteilt die furchtbaren Angriffe auf Israel und die Folgen für Kinder und Familien seit dem 7. Oktober 2023. Der Schmerz des 7. Oktober hält an, für die Familien der Kinder, die ihr Leben verloren haben, für die Kinder und für alle Geiseln, die aus ihren Familien gerissen wurden, und für diejenigen, die mit dem Trauma ihrer Erfahrungen leben müssen. Jedes Kind muss vor Gewalt geschützt sein.
In Israel ist UNICEF seit 2009 als eines von weltweit 32 UNICEF-Nationalkomitees aktiv. Das israelische Nationalkomitee wirbt um Unterstützung für die UNICEF-Arbeit weltweit und setzt sich für die Förderung und Sensibilisierung für Kinderrechte ein.
Mit Programmarbeit ist UNICEF in Israel aktuell nicht aktiv. Länder mit höherem Einkommen – wie Israel – sind in der Regel selbst in der Lage, die Kinder im Land angemessen zu versorgen. Aus diesem Grund gibt es keinen UNICEF-Spendenaufruf für die Kinder, die in Israel leben. UNICEF ist allerdings mit den zuständigen Stellen in Israel laufend im Gespräch.
Die Redakteurinnen Laura Koch, Lilian Sekkai und Susanne Stocker aktualisieren diesen Beitrag regelmäßig für Sie.
Laura Koch ist Online-Redakteurin und Chefin vom Dienst. Sie bloggt über die UNICEF-Arbeit weltweit – über Kinder, Helfer*innen und die Projekte, in denen sie einander treffen.