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Fotoreportagen

Fotos aus Afghanistan: So hilft UNICEF jetzt in der Krise

UNICEF bleibt in Afghanistan – trotz aller Unsicherheit. Wir sind sehr besorgt über die Lage der Kinder im Land. Es ist sehr wichtig, dass wir unsere Arbeit fortsetzen. Doch was können unsere Helferinnen und Helfer in der aktuellen Lage vor Ort konkret tun? Mehr, als Sie vielleicht denken. 

Mittwoch, 06.10.2021, 00:00 Uhr

von Laura Sandgathe  •  0 Kommentare

Die Kinder in Afghanistan sind von einer dreifachen Krise betroffen: Die aktuelle politische Unsicherheit, eine schwere Dürre und die Folgen von Covid-19 kommen zusammen. Fast zehn Millionen Mädchen und Jungen brauchen humanitäre Hilfe, völlig unabhängig von der politischen Entwicklung.

UNICEF ist seit über 70 Jahren in Afghanistan tätig. Auch jetzt in den Wochen nach der Machtübernahme durch die Taliban sind wir weiter vor Ort im Einsatz. Die Kinder und Familien sind auf die Hilfe angewiesen, für viele geht es um ihr Überleben. Wichtig zu wissen: Wir von UNICEF ergreifen gerade in Konfliktgebieten ausschließlich für Kinder Partei – so auch in Afghanistan. 

Diese Hilfe leistet UNICEF jetzt für Kinder in Afghanistan

Der Hunger im Land nimmt zu. Wir helfen mangelernährten Kindern.

Unsere Expert*innen befürchten, dass die Zahl lebensbedrohlich mangelernährter Mädchen und Jungen unter fünf Jahren bis Ende des Jahres auf eine Million steigen könnte. Diese Kinder haben nur dann eine Überlebenschance, wenn die Mangelernährung schnell erkannt und behandelt wird.

Hunger in Afghanistan: Ein UNICEF-Helfer gibt einem Mädchen Erdnusspaste

Ein UNICEF-Helfer gibt einem Mädchen in einer mobilen Klinik in Herat ein Päckchen mit Erdnusspaste. Die Spezialnahrung ist besonders kalorienreich und mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert. Sie hilft mangelernährten Kindern, sich schnell zu erholen.

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Deshalb untersuchen wir Kinder auf Mangelernährung und versorgen sie mit Spezialnahrung wie Erdnusspaste, die ihnen schnell neue Kraft gibt. Zwar gab es in den vergangenen Wochen immer wieder zeitweise Unterbrechungen der Hilfe, doch vielerorts können wir sie fortsetzen. Gemeinsam mit dem Welternährungsprogramm und weiteren Partnern entsenden wir nun 100 zusätzliche mobile Teams. So wollen wir mehr Kinder erreichen, auch in entlegenen Gebieten. 

Afghanistan: Ein mangelernährtes Mädchen wird über eine Sonde ernährt
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Amina ist 18 Monate alt. Sie wird in einer von UNICEF unterstützten Klinik in Herat gegen Mangelernährung behandelt. Ihre Mutter Jahan Bibi sagt: "Wir verkaufen alles was wir haben, um Geld für Lebensmittel zu verdienen. Wir haben kaum etwas zu essen und ich bin zu schwach, um Amina zu stillen."

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Afghanistan: Eine Frau versorgt ein mangelernährtes Kind über eine Sonde mit Spezialmilch
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Die anderthalb Monate alte Zakia ist mangelernährt. Sie bekommt in einem von UNICEF unterstützten Krankenhaus in Herat Spezialmilch. Weil Zakia sehr schwach ist, wird ihr die Milch über eine Sonde eingeflößt. 

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F-75 heißt die therapeutische Milch, mit der unsere Helfer*innen mangelernährte Kinder wie Amina und Zakia behandeln. Für die Kinder ist es überlebenswichtig, dass sie weiter nach Afghanistan geliefert wird.

Krise in Afghanistan: Ein Karton mit Spezialmilch
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Deshalb bringen wir therapeutische Spezialnahrung und andere Hilfsgüter wie zum Beispiel Medikamente ins Land. Das Flugzeug auf dem folgenden Foto kam am 29. September über die humanitäre Luftbrücke der EU nach Kabul. In den Monaten August und September haben wir Erdnusspaste für mehr als 42.000 Kinder und Spezialmilch für 5.200 Kinder an unsere Partnerorganisationen im Land geliefert, damit die Kinder versorgt werden.

Afghanistan: Hilfsgüter werden aus einem Flugzeug geladen
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Es herrscht Dürre. Wir versorgen die Menschen mit Trinkwasser.

Angesichts der großen Lebensmittel- und Wasserknappheit in 25 Provinzen wurde der Dürre-Notstand ausgerufen. Dadurch steigt auch die Gefahr von Krankheiten. Bereits jetzt leiden vier von fünf Kindern unter fünf Jahren in den Dürregebieten an Durchfallerkrankungen.

Wir von UNICEF bringen Trinkwasser zu den Familien. Auch in der aktuellen Lage arbeiten wir gemeinsam mit Partnerorganisationen an langfristigen, innovativen Lösungen, die das Leben der Kinder nachhaltig verbessern sollen. Sehen Sie selbst im Video (in englischer Sprache):

Das Gesundheitssystem steht vor dem Kollaps. Wir helfen, Kinder und Familien weiter zu versorgen.

Die fünf Tage alte Thuraya bekommt in einer von UNICEF unterstützten Gesundheitsstation ihre Schutzimpfung gegen Polio.

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Damit möglichst viele Kinder und Familien zumindest eine medizinische Grundversorgung bekommen, setzen wir unter anderem auf mobile Kliniken. Aktuell haben wir im Land 57 mobile Teams an 2.000 Stationen, einige davon in Vertriebenenlagern. Die Menschen erhalten hier unkomplizierte, schnelle medizinische Hilfe.

Die mobilen Kliniken sind auch ein zentraler Teil der Impfkampagne gegen Masern, die wir Mitte September gestartet haben. Zuletzt hatten sich die Masern bedrohlich ausgebreitet, Kinder unter fünf Jahren sind besonders betroffen. Bis Ende des Jahres planen wir, 568.000 Kinder gegen Masern zu impfen.

Afghanistan: Ein Helfer trägt Masern-Impfstoffe zu einem Lkw
Afghanistan: Masern-Impfstoffe werden in einen Lkw verladen

In Herat verladen Helfer Kisten mit Masern-Impfstoff zum Weitertransport in die zentrale Provinz Ghor. Neben 30.000 Impfdosen sind in den Kisten auch 60.000 Dosen Vitamin A sowie Spritzen. Sie werden an mobile Gesundheitsteams verteilt, damit diese die Impfungen durchführen können. 

Über die internationale Initiative COVAX unterstützen wir auch weiterhin die Impfungen gegen Covid-19 in Afghanistan.

Jungen und Mädchen müssen zur Schule gehen können!

Seit September dürfen Jungen und Mädchen die Grundschule besuchen. Doch es gibt bislang keine Regelung für weiterführende Schulen. Wir treten dafür ein, dass alle Mädchen ihre Ausbildung ohne Verzögerung fortsetzen können. Dafür verhandeln wir auf allen Ebenen.

Henrietta H. Fore, UNICEF Exekutiv-Direktorin

Wir sind zutiefst besorgt, dass viele Mädchen möglicherweise nicht mehr zur Schule gehen dürfen. Wir dürfen und können Mädchen nicht zurücklassen. (...) Gemeinsam müssen wir darauf bestehen, dass Mädchen und Lehrerinnen in die Schulen zurückkehren können. Gemeinsam müssen wir Mädchen und Lehrerinnen unterstützen und ermutigen, aber sie auch aktiv schützen.

Henrietta Fore, UNICEF-Exekutivdirektorin

Zudem haben wir in 428 Schulen Stationen zum Händewaschen eingerichtet, um die Schüler*innen vor dem Coronavirus und anderen Krankheiten zu schützen.

Kinder brauchen besonderen Schutz. Wir stärken sie und ihre Familien.

Vor einem mobilen Kinderzentrum in einem Lager für Vertriebene in Herat spielt eine Gruppe Jungen Ball. Das Spielen hilft den Kindern, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten und ist Teil der psychosozialen Hilfe, die UNICEF fördert.

© UNICEF/UN0512089/Bidel

Viele Kinder haben in den vergangenen Wochen und Monaten Dinge erlebt und gesehen, die kein Kind erleben und sehen sollte. Es ist sehr wichtig, dass sie professionelle psychosoziale Unterstützung bekommen. Dazu richten wir unter anderem Kinderzentren in Vertriebenenlagern ein und statten sie mit Spiel- und Lernmaterial aus.

Um Kinder vor Ausbeutung und Missbrauch zu schützen, gehen wir direkt auf die Menschen zu. Dafür gibt es zum Beispiel die Treffen der Kinderschutz-Komitees. Auf dem Foto sehen Sie ein Treffen in Jebrail von Anfang September. Mehrere Eltern sind gekommen, viele haben ihre Kinder mitgebracht.

Afghanistan: Ein Kinderschutz-Komitee ist zu einem Treffen zusammengekommen
© UNICEF/UN0512864/Bidel

Die Mitglieder*innen der Komitees kommen aus dem jeweiligen Dorf oder der Gemeinde und besitzen das Vertrauen der Familien. Wir von UNICEF schulen sie, damit sie über Kinderschutzfragen sprechen können. 

Bei dem Treffen auf dem Foto ging es um Maßnahmen, um sich vor Covid-19 zu schützen. Doch auch Themen wie Kinderehe und Kinderarbeit werden diskutiert. Wir von UNICEF fürchten, dass infolge der prekären wirtschaftlichen Situation im Land die Zahl der Kinderehen und die Kinderarbeit ansteigen könnten.

UNICEF bleibt vor Ort – mit Ihrer Unterstützung

Unsere Mission ist klar: Wir bleiben in Afghanistan und halten die Hilfe für Kinder und ihre Familien aufrecht. Denn die Mädchen und Jungen brauchen sie dringend.

Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung. Helfen Sie den Kindern in Afghanistan mit Ihrer Spende, zum Beispiel für eines der Hilfsgüter, die aktuell besonders benötigt werden. Jeder Beitrag hilft. Vielen Dank!

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