© UNICEF/UNI529936/ElfatihHunger & Mangelernährung im Sudan
Kinder weltweit

Die vergessene Krise: Eine drohende Hungersnot gefährdet Kinder im Sudan

Der Krieg im Sudan hat katastrophale Auswirkungen auf Kinder und ihre Familien. Millionen Menschen wurden vertrieben. Und nun droht eine noch nie dagewesene Hungerkatastrophe. Warum das Land auf eine Hungersnot zusteuert und was UNICEF vor Ort tut, erklären wir hier.


von Stefanie Hack

Seit dem Ausbruch des Krieges im Sudan im April 2023 hat sich die Gewalt schnell auf weite Teile des Landes ausgedehnt. Die humanitäre Lage der Kinder hat sich in der Folge dramatisch verschlechtert.

Bereits vor dem aktuellen Konflikt hatten viele Menschen kaum Zugang zu Nahrung und Familien wussten nicht, wie sie ihre Kinder ernähren sollten. Seit dem vergangenen Jahr haben sich Hunger und Mangelernährung verschärft und nun droht der Konflikt im Sudan die größte Hungerkrise der Welt auszulösen.

Lebensbedrohliche Mangelernährung bei Kleinkindern im Sudan verschärft sich

Als Malaz von einer Gesundheits-und Ernährungskampagne von UNICEF in ihrer Stadt hörte, machte sie sich sofort auf den Weg, denn ihrer Tochter Aida ging es nicht gut. "Aida hatte Kopfschmerzen und eine Infektion. Sie brauchte dringend medizinische Hilfe", berichtet Malaz.

Sudan: Hunger und Mangelernährung

Bei der Untersuchung der zweijährigen Aida zeigte das Maßband den roten Bereich an. Das Mädchen war akut mangelernährt und brauchte schnell Hilfe.

© UNICEF/UNI529849/Mohamdeen

Gesundheitshelfer*innen von UNICEF waren vor Ort im Einsatz und maßen den Umfang von Aidas Oberarm. Schnell stellte sich heraus, dass das Mädchen unter schwerer akuter Mangelernährung litt. Aida wurde für eine Behandlung in die nächste Gesundheitseinrichtung überwiesen.

Nothilfe Sudan

UNICEF leistet im Sudan lebensrettende Hilfe für Kinder. Dafür benötigen wir Ihre Unterstützung.

Wir bei UNICEF gehen davon aus, dass im Sudan rund vier Millionen Mädchen und Jungen unter fünf Jahren in diesem Jahr an akuter Mangelernährung leiden werden - rund 730.000 von ihnen so schwer, dass ihr Leben gefährdet ist. Und jeden Tag kommen weitere Kinder dazu. Der Sudan weist damit eine der weltweit höchsten Raten von Mangelernährung bei Kindern auf. Wenn Mangelernährung nicht rechtzeitig behandelt wird, kann sie schwere Folgen für ihre Entwicklung haben. Im schlimmsten Fall sterben Kinder.

Insgesamt leiden laut einem aktuellen Integrated Food Security Phase Classification (IPC) Bericht fast 18 Millionen Menschen im Sudan (mehr als ein Drittel der Bevölkerung) akut unter Hunger. Fast fünf Millionen stehen am Rande einer Hungersnot.

Es ist zu erwarten, dass sich die Ernährungssituation in der Zeit zwischen den Ernten bis September weiter verschlechtert. Davon sind besonders die Bundesstaaten Darfur, Karthum, Jezira und Kordofan betroffen. Tausende Kinder, die unter schwerer akuter Mangelernährung leiden, befinden sich in Regionen des Sudan, in denen ständig gekämpft wird und die deshalb schwer zu erreichen sind.

Info

IPC-Berichte werden von einer Internationalen Arbeitsgruppe aus UN-Organisationen und Nichtregierungsorganisationen erstellt und unterscheiden die sogenannten "IPC-Phasen" innerhalb einer Skala für Ernährungssicherheit. Die Phasen reichen von Phase eins "Minimal" über "Strapaziert" (Englisch: Stressed), "Krise" (Crisis), "Notsituation" (Emergency) bis hin zu Phase fünf "Hungersnot" (Famine).

Drohende Hungersnot im Sudan – Das sind die Ursachen

Hunger und Mangelernährung haben verschiedene Ursachen, die im Sudan zusammenkommen. Wenn Nahrungsmittel kaum zugänglich sind, die Gesundheitsversorgung und auch die humanitäre Hilfe stark eingeschränkt sind und sich Krankheiten ausbreiten, führt dies dazu, dass Menschen akut unter Hunger leiden.

Krieg und Gewalt im Sudan als Ursache von Hunger

Blog

Hungersnot, Ernährungskrise, Mangelernährung – Was ist das?

Aufgrund der anhaltenden heftigen Kämpfe in den meisten Bundesstaaten des Sudan sind viele Menschen nicht mehr in der Lage, ihre Felder zu bestellen oder mussten ihre Heimat ganz verlassen. Immer wieder kommt es zu Plünderungen von privaten Beständen. Die landwirtschaftliche Produktion ist in der Folge stark eingebrochen. Vor allem in den Hauptanbaugebieten für Getreide kam es während des Höhepunktes der Erntesaison zu Kämpfen. Die Ernten sind in dieser Saison sehr schlecht ausgefallen.

In Konflikten kommt oft die Person in einer Familie ums Leben, die den Großteil des Einkommens aufbringt und die Familie ernährt. Familien werden auseinandergerissen und können ihren Lebensunterhalt nicht mehr ohne Hilfe bestreiten. Viele Eltern geraten in Armut und haben Schwierigkeiten, ausreichend Lebensmittel für ihre Kinder zu beschaffen und zu bezahlen.

Sudan: Hunger und Mangelernährung

UNICEF stattet Mütter mit Saatgut aus und schult sie darin, Gemüse in einem eigenen, kleinen Garten anzubauen, wie hier in Kassala.

© UNICEF/UNI524484/Mohamdeen


Auch Schulen - Orte, an denen Kinder oft eine warme Mahlzeit bekommen, sind aufgrund der Gewalt zum Großteil geschlossen. Fast 19 der insgesamt 24 Millionen Kinder im Sudan können im Moment nicht zur Schule gehen.

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Kind sein im Sudan: 5 Fakten

Ende 2023 weiteten sich die Kämpfe auf den Bundeststaat Jezira aus, der als Kornkammer des Sudan gilt und eigentlich eine Lebensgrundlage für Millionen Menschen schafft. Der Ausbruch der Gewalt in Jezira hat die landwirtschaftliche Produktion zusätzlich stark beeinträchtigt.

Die Menschen sind dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen. Viele befinden sich jedoch in Gebieten, die besonders von Gewalt betroffen sind. Dies erschwert die Arbeit von Hilfsorganisationen wie UNICEF.

Derzeit spitzt sich die Situation aufgrund zunehmender Kämpfe vor allem im Norden Darfurs dramatisch zu. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen hat vor Kurzem gewarnt, dass die Zeit knapp wird, um dort eine Hungersnot zu verhindern.

Flucht als Ursache der Hungerkrise im Sudan

Millionen Menschen mussten wegen des Krieges aus ihrer Heimat fliehen, viele wurden sogar mehrfach vertrieben. Der Sudan ist heute das Land mit den meisten geflüchteten Kindern weltweit: 4,6 Millionen Mädchen und Jungen mussten ihr Zuhause verlassen. Insgesamt wurden mehr als acht Millionen Menschen vertrieben – innerhalb des Sudan oder in Nachbarländer wie Tschad, Südsudan oder Ägypten.

Wenn Menschen gezwungen werden, aus ihrer Heimat zu fliehen, müssen sie meist alles aufgeben. Sie können ihre Felder nicht mehr bestellen, verlieren ihre Jobs und somit ihre Lebensgrundlage.

Sudan: Hunger und Mangelernährung

Die 13-jährige Noura musste ihr Zuhause in Darfur verlassen und lebt nun in einer Unterkunft für Geflüchtete. Trotz allem hält sie an ihrem Traum fest, Ärztin zu werden.

© UNICEF/UNI569480/Zakaria

Auf der gefährlichen Flucht ist es für Familien schwierig, Lebensmittel zu bekommen und ihre Kinder zu versorgen. Viele Kinder kommen nach einer herausfordernden Flucht mangelernährt und krank in den vielen Camps für geflüchtete Menschen an. Manche von ihnen wurden von ihren Familien getrennt und sind ganz allein und ohne jeden Schutz unterwegs.

Blog

Kindheit auf der Flucht: Geschichten aus dem Sudan

In den teils überfüllten Camps gibt es oft nicht genügend zu essen und viele Menschen sind auf die Verteilung von Lebensmitteln durch Hilfsorganisationen angewiesen. Wegen der Gewalt sind sie in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt und können keine Arbeit finden, um Geld zu verdienen und Lebensmittel zu kaufen.

Die Nachbarländer des Sudan, in denen Tausende Menschen Zuflucht suchen, kämpfen zum Teil selbst mit einer schwierigen Versorgungslage. Die Aufnahme einer großen Zahl Geflüchteter aus dem Sudan verschärft die Situation dort. Im Tschad wurde im Februar ein Ernährungsnotstand ausgerufen. Besonders davon betroffen sind Regionen, in denen sich viele Geflüchtete aus dem Sudan aufhalten.

Die Wirtschaftskrise verschärft die Hungerkrise im Sudan

Der Sudan ist eines der ärmsten Länder auf dem afrikanischen Kontinent. Schon vor dem aktuellen Konflikt wussten etliche Familien nicht, wie sie sich und ihre Kinder ausreichend ernähren sollten. Nun hat sich ihre Lage noch einmal verschlechtert.

Der Krieg hat die bestehende Wirtschaftskrise im Land deutlich verstärkt: Die Lebensmittelproduktion ist eingebrochen, im ganzen Land herrscht ein enormer Mangel an Bargeld und regelmäßige Unterbrechungen der Kommunikationskanäle behindern den Handel im Land. Fast die Hälfte der Bevölkerung im Sudan ist arbeitslos.

Inzwischen ist die Inflation stark angestiegen: Die Lebensmittelpreise sind in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr 73 Prozent höher, was durch die Abwertung der Währung noch verschärft wird. In manchen Regionen sind die Kosten für Grundnahrungsmittel um über 300 Prozent gestiegen. Viele Menschen können sich kaum noch etwas leisten.

Dürren und Überschwemmungen erschweren die Versorgung der Sudanesen

Der Sudan ist eines der Länder, die besonders stark vom Klimawandel betroffen sind. Das Land litt in der Vergangenheit unter steigenden Temperaturen, häufigen Dürren und wiederkehrenden Überschwemmungen.

Sudan: Dürre und Hunger

Für die Menschen in Agig im Osten Sudans ist es eine große Herausforderung, sauberes und sicheres Wasser zu bekommen. Die Region ist von Wassermangel und häufig wiederkehrenden Dürren betroffen.

© UNICEF/UNI503138/Elfatih
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So bedroht Dürre Kinder: Antworten auf die wichtigsten Fragen

Die Klimaveränderungen haben schwerwiegende Folgen für die Landwirtschaft und Lebensgrundlagen der Menschen: Dürren führen dazu, dass Ernten verdorren und das Vieh verendet. Insbesondere für Menschen, die in ländlichen Gebieten leben, bedeutet dies den Verlust ihrer Lebensgrundlage.

Durch wiederkehrende Dürreperiode versiegen zudem immer wieder Wasserquellen, was den Zugang zu sauberem Trinkwasser erschwert. Wenn es nach langen Trockenphasen dann sehr stark regnet, können die Böden das Wasser nicht aufnehmen und es kommt zu Überflutungen, die wiederum zu Zerstörungen in der Landwirtschaft führen.

Bricht die Produktion in der Landwirtschaft aufgrund von Dürren oder anderen Naturkatastrophen ein, steigen die Preise für Lebensmittel erheblich und sind für viele Familien kaum noch erschwinglich.


Kinder im Sudan sind dringend auf Ernährungshilfe angewiesen

Wenn Mangelernährung bei Kindern nicht rechtzeitig behandelt wird, kann sie schwere Folgen für ihre Entwicklung haben und im schlimmsten Falle zum Tod führen.

Durch den Krieg im Sudan wird es immer schwieriger, mangelernährte Kinder zu behandeln, denn die Gesundheitsversorgung ist eingebrochen: Über 70 Prozent der Gesundheitseinrichtungen in den vom Konflikt betroffenen Gebieten sind nicht mehr funktionstüchtig. Das bedeutet, dass Kinder nicht angemessen versorgt werden können.

Zudem ist es schwierig, betroffene Kinder überhaupt zu erreichen und zu identifizieren. Meist befinden sie sich in Regionen, die besonders stark umkämpft sind.

Sudan: Hunger und Mangelernährung

Der kleine Shimba ist schwer akut mangelernährt und konnte rechtzeitig in ein Krankenhaus der Hauptstadt Port Sudan gebracht werden. Dort wird er mit therapeutischer Milch behandelt.

© UNICEF/UNI558071/

Mangelernährte Kinder sind anfälliger für Krankheiten wie Cholera, Malaria oder Masern. Denn durch fehlende Nährstoffe wird die körpereigene Immunität geschwächt und das Risiko, an einer Erkrankung zu sterben, steigt.

Krankheiten haben sich im Sudan zuletzt vermehrt ausgebreitet, beispielsweise weil die Impfquoten zurückgegangen sind und Menschen einen immer schlechteren Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen haben. Bis Ende März sind alleine die Choleraverdachtsfälle auf über 11.000 angestiegen.

So hilft UNICEF gegen den Hunger im Sudan

Trotz der herausfordernden Situation setzt UNICEF alles daran, den Kindern im Sudan zu helfen. Mobile Gesundheits-und Ernährungsteams sind überall im Einsatz, um mangelernährte Kinder zu identifizieren, untersuchen und sie mit lebensrettender therapeutischer Nahrung zu behandeln.

Sudan: Hunger und Mangelernährung

Bild 1 von 2 | Im Rahmen einer Gesundheits-und Ernährungskampagne von UNICEF konnten geflüchtete Familien verschiedene Dienste in Anspruch nehmen. Unter anderem wurden Kinder auf Mangelernährung untersucht.

© UNICEF/UNI530157/Elfatih
Sudan: Hunger und Mangelernährung

Bild 2 von 2 | Die zweijährige Mona bekommt direkt vor Ort Vitamin-A-Tropfen. Ihre Mutter ist mit ihr aus Omrudman geflohen und war lange auf der Suche nach medizinischer Versorgung.


© UNICEF/UNI529974/Elfatih

Die kleine Aida, die wir zu Beginn dieses Blogs vorgestellt haben, konnte nach ihrer Untersuchung schnell in eine Gesundheitseinrichtug gebracht werden. Dort wurde sie mit einer speziellen Erdnusspaste behandelt, die leicht verzehrbar ist und lebenswichtige Vitamine und Mineralien enthält.

Sudan: Hunger und Mangelernährung

Aida schmeckt die Erdnusspaste, die ihr wieder zu Kräften verhilft.

© UNICEF/UNI529951/Elfatih

Nach der ersten Behandlung erhielt Aidas Mutter Malaz einige Portionen der Erdnusspaste, um ihre Tochter Zuhause weiter damit zu füttern. Sie kommt nun regelmäßig mit Aida in die Gesundheitseinrichtung und ist zuversichtlich, dass es ihrer Tochter bald besser geht.

Im Rahmen der Ernährungskampagnen von UNICEF klären Gesundheitshelfer*innen Eltern auch darüber auf, wie sie ihre Kinder mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen können.

Darüber hinaus unterstützt UNICEF Schwangere sowie Gesundheitseinrichtungen- und Personal: Krankenhäuser werden mit medizinscher Ausrüstung ausgestattet und Gesundheitspersonal in verschiedenen Bereichen geschult.

2023 konnten durch all diese Maßnahmen insgesamt 313.000 mangelernährte Kinder im Sudan erreicht und behandelt werden.

Sudan: Hunger und Mangelernährung

Die Hebamme Narameq arbeitet in einem Krankenhaus in der Hauptstadt Port Sudan. "Nach einem langen, harten Tag bin ich glücklich, dass ich einem Kind das Leben gerettet habe", sagt sie.

© UNICEF/UNI551287/Mohamdeen

Neben lebensrettender Hilfe für mangelernährte Kinder bringt UNICEF auch andere Hilfsgüter in den Sudan, wie zum Beispiel Hygieneprodukte, Impfstoffe oder Moskitonetze. Seit Beginn des Konfliktes wurden insgesamt schon mehr als 15.500 Tonnen dieser Hilfsgüter geliefert.

Wie kann ich Kindern im Sudan helfen?

Der Sudan hat sich inzwischen zu einem vergessenen Konflikt entwickelt, über den in den Medien kaum berichtet wird. Und das, obwohl sich dort eine dramatische humanitäre Krise abspielt.

Unsere Kolleg*innen bleiben weiter an der Seite der Kinder und geben jeden Tag alles, um sie zu unterstützen. UNICEF leistet Hilfe sowohl in Konfliktgebieten als auch in Regionen, in denen besonders viele Familien Zuflucht suchen - innnerhalb und außerhalb des Sudan.

Sie können die Arbeit von UNICEF mit Ihrer Spende unterstützen. Jeder Beitrag zählt!

Hilfe für die Kinder im Sudan-Krieg

Die Kinder im Sudan brauchen sofort Hilfe. UNICEF bringt dringend benötigte Hilfsgüter ins Land. Helfen Sie mit Ihrer Spende!

Stefanie Hack (1)
Autor*in Stefanie Hack

Stefanie Hack schreibt im Blog über entwicklungspolitische Themen und die weltweite Arbeit von UNICEF.